Die christlich-jüdischen Beziehungen -
eine unvollständige Chronologie von 2.000 Jahren
Die intensivsten Jahre der Shoah
Teil 6 - Die Jahre 1944 bis 1945
Januar 1944
Der jüdische Untergrund in Budapest richtet eine Werkstatt zur Fälschung von Dokumenten für Rettungszwecke ein.
Bis Ende 1944 werden über 10.000 Menschen mit Dokumenten versorgt.
1944 Bildung der Jüdischen Brigade innerhalb der britischen Streitkräfte
Juden erhalten keine Kontrollkarten mehr für den Briefverkehr mit dem Ausland.
25.01.
Erfolgreicher Luftangriff der Alliierten auf die Kugellagerfabrik in Schweinfurt.
Jüdische "Mischlinge" ersten Grades und mit Juden oder jüdischen "Mischlingen" ersten Grades Verheiratete werden von der Mitgliedschaft in der Deutschen Arbeitsfront ausgeschlossen.
Februar
Ravensbrück: Transporte aus den KZ, wie Riga und Majdanek kommen an
13.03.
In Hadmersleben wird für den SS-Führungsstab A 4 ein KL eröffnet
15.03.
Sowjetische Truppen überqueren den Bug:
Beginn der Befreiung Transnistriens
Flucht von 99 Häftlingen aus dem Lager Kolditschewo.
24 Flüchtlinge werden wieder gefangen,
75 schließen sich Partisaneneinheiten an.
19.03. Ungarn: Deutsche Invasion
Während der Jahre des Faschismus betätigten sich die sogenannten 'Pfeilkreuzler' an antisemitischen Ausschreitungen und überzogen das Land mit Terroraktionen. Sie und die damalige Regierung ermöglichten es den Hitleristen am diesem Tag in Ungarn einzudringen. Noch am selben Tag bereitete Eichmann mit seinem 'Sondereinsatzkommando' in Budapest die Deportation ungarischer Juden vor, teilte Ungarn in sechs Zonen und begann am 15.Mai mit der Deportation.
27.03.
Ermordung von 1.800 Juden in Kowno, fast ausnahmslos Kinder und Greise.
Sowjetische Truppen kommen nach Galizien.
01.04. Auschwitz:
Der Dichter Jizchak Katzenelson wird ermordet. Das Manuskript des von ihm im Warschauer Untergrund verfaßten Klagelieds „Großer Gesang vom ausgerotteten jüdischen Volk (Dos lied vunem ojsgehargetn jiddisch volk)“ vergrub er unter einem Baum im französischen Vittel, wohin er zunächst von den Deutschen in ein KZ deportiert wurde. Das Poem erschien nach dem Krieg auch in deutscher Übersetzung, zuletzt in einer Nachdichtung von Wolf Biermann.
05.04.1944
In Ungarn müssen Juden den Judenstern tragen.
Auschwitz-Protokolle: Alfred Wetzler und Rudolf Vrba können aus Auschwitz fliehen und erreichen die Slowakei. Sie bringen detaillierte Informationen über die Ermordung von Juden in Auschwitz mit. Ihr Bericht ist unter dem Namen Auschwitz-Protokolle bekannt geworden.
Transnistrien, Bukowina und Bessarabien werden befreit.
14.04.
Auschwitz: Erster Transport von Athener Juden trifft ein
15.04.
Bei einem Ausbruchversuch von Häftlingen, die im Lager Ponary die Leichen verbrennen mussten, können 15 Menschen fliehen, 65 werden getötet.
20.04.
Haunstetten: 398 Häftlinge werden nach KL Natzweiler, Kommando Leonberg, überstellt. Das KL war am 17.5.43 eingerichtet worden.
Auch als die alliierten Truppen sich Deutschland immer weiter nähern, wird die Vernichtung fortgesetzt.
In Ungarn wurden 900.000 Juden in Gettos zusammengetrieben.
Der ungarische Reichsverweser Horthy wurde zur Marionette der Nationalsozialisten
Da erfuhr Himmler von einem Plan der zionistischen Organisation „Waadat“, die Deutschen durch riesige Geldzahlungen zur Beendigung des Judenmordes zu bringen. Er ließ Eichmann mit dem Waadat-Vertreter Joel Brand in Budapest verhandeln. Eichmanns Forderung: 10.000 Lastwagen, 2 Millionen Kisten Seife, 200 Tonnen Tee und 200 Tonnen Kaffee. Dafür wollte er 1 Million Juden „verkaufen“. Himmlers Hauptinteresse lag darin, durch die Waadat Kontakt zu den alliierten Stellen zu bekommen, um möglicherweise auf eigene Faust Friedensverhandlungen zu führen. (aus DEUTSCHES REICH)
Ravensbrück.
Ab April werden 10.000 bis 13.000 Frauen aus dem Vernichtungslager Birkenau für die Rüstungsindustrie herangeholt. In über 70 Firmen müssen Ravensbrücker Häftlinge Zwangsarbeit leisten. Etwa 34 Außenlager unterstehen dem Ravensbrücker Kommandanten, die anderen werden näher gelegenen KZ zugeordnet. Die Ernährung sinkt auf ein unvorstellbares Minimum:
200 Gramm Brot am Tag. Wassersuppe aus Steckrüben, Kohl und Dörrgemüse, nur an den Wochenenden etwas Margarine, verdünnte Marmelade, billige Wurst oder Käse. 1944 kommen allein im Stammlager Ravensbrück 3.650 Frauen um.
Mai 1944
In die Rüstungsbetriebe Heinkel, Rostock-Schwarzenforst und Siemens-Zwodau werden insgesamt 2.500 Frauen transportiert
02 -9.5.
Errichtung von zwei Ghettos in Oradea.
Es werden 2.500 Männer zur Zwangsarbeit eingezogen.
Mai 1944 Ungarn
Kaum hat Joel Brand von der Waadat-Organisation Budepest verlassen, um nach Istanbul zu fahren, begann Eichmann, die ungarischen Juden in die Züge nach Auschwitz zu treiben. Innerhalb kürzester Zeit werden 300.000 Juden, 1/3 der ungarischen Judenschaft, in Auschwitz vernichtet. Erst Ende 1944 befiehlt Himmler. die Vergasungen zu beenden und die Spuren so gut wie möglich zu beseitigen.
15. Mai bis 08. Juli 1944
Deportation von 476.000 ungarischen Juden nach Auschwitz
Anfang Juni
Szenes, Hannah (1921-1944)
stammte aus einer jüdischen Familie Budapests und wanderte 1939 im Alter von 19 Jahren nach Palästina aus. Sie war Mitglied der Gruppe palästinensischer Juden, die mit dem Fallschirm über dem von Deutschland besetzten Teil Europas absprangen. Sie war überzeugt davon, dass auch wenn sie und ihre Kameraden die Juden nicht zu retten vermochten, ihr Selbstopfer doch eine Ermutigung sein werde.
Anfang Juni 1944 überquerte Szenes die Grenze nach Ungarn und wurde gefasst, gefoltert und nach fünf Monaten Haft zum Tode verurteilt und von einem Erschießungskommando hingerichtet. Das Leben von Hannah Szenes wurde in Erzählungen, Bühnenstücken und einem Film behandelt. Sie wurde ein Symbol des Muts, der Standhaftigkeit und der moralischen Kraft. Vor ihrem Tod schrieb Hannah Szenes ein kleines großes Gedicht, das heute in Israel die Kinder in der Schule lernen: Der Span sei gepriesen da er verbraucht ward die Flamme zu entzünden ...... (shoanet)
Ungarn: Bis zum 7.Juni wurden 289.357 Juden aus dem Karpaten und Siebenbürger Raum nach Auschwitz deportiert, mit den ungarischen Juden waren das bis zum 10.7.1944 437.000 Opfer. Der größte Teil wurde gleich nach Ankunft im Vernichtungslager ermordet, andere kamen während der qualvollen Transporte um. Später untersagte Horthy weitere Transporte, worauf die Aktion abgebrochen wurde. Insgesamt überlebten rund 200.000 ungarische Juden den Holocaust. (aus Geschichte der Juden in Ungarn)
Juni 1944
Ungarn. Aus einem Lebenslauf: „Ich bin 1925 in Szeged geboren, habe dort in der jüdischen Volksschule gelernt und im Mädchengymnasium fortgesetzt. Als ich 12 Jahre alt war, starb meine Mutter und ich siedelte zu meiner Tante, Schwester meines Vaters, über. Dort setzte ich meine Studien fort. Als der Krieg ausbrach und die Deutschen sich näherten, wurden neue Gesetze gegen Juden eingesetzt, worauf ich meine Studien aufgeben und einen Beruf erlernen musste. Im März 1944 haben die Deutschen Ungarn besetzt, und sogleich fingen die Deportationen an. Die Juden aus unserer Gegend wurden in Seged in einer Ziegelfabrik konzentriert. Im Juni wurden wir in Viehwaggons, 80-90 Personen in einen Waggon, eingesperrt, 5 Tage ohne Essen und ohne Möglichkeit, herauszugehen. Wir wurden nachher nach Österreich, Wiener Neustadt, gebracht und in Arbeitsgruppen verteilt. Wir mussten in verschiedenen Wäldern Bäume fällen, in Kälte und Regen, bei jeder Temperatur. Im Frühjahr 1945 wurden wir in das Konzentrationslager Mauthausen verschickt. Nach einiger Zeit übersiedelte man uns zu Fuß nach Gunstkirchen. Wir wurden 6.5.1945 von amerikanischen Soldaten befreit. Nach vielen Schwierigkeiten bin ich nach Budapest zurückgekommen und schloß mich der zionistischen Jugendbewegung „Dror-Habonim“ an. Ich war dort Aufseherin von Waisenkindern. Mit ihnen haben wir am 31.12.1945 Ungarn illegal verlassen und in Deutschland in einem Lager der UNRA 1 ½ Jahre auf Weiterreise gewartet. Im Juni 1947 sind wir mit dem Schiff „Exodus“ ausgereist, doch haben uns die Engländer nicht landen lassen und uns nach Deutschland zurückgebracht. Im Februar 1948 bin ich endlich mit dem Schiff „Transilvania“ mit der Alijah „D“ in Palästina gelandet.“
Sommer 1944
Österreich: Ungarische Juden kommen zum Zwangsarbeitseinsatz im tschechisch- ungarischen Grenzgebiet; die 1. Gruppe ab Juni/Juli, die 2. wird ab November 1944 dorthin verbracht. Veranlasst wurde die Deportation gerade in dieses Gebiet offensichtlich auch durch das Schreiben des Bürgermeisters von Wien, SS-Brigadeführer Blaschke, vom 7.6.44, gerichtet an den Chef der Sipo und des SD, Berlin, das dieser u.a. wie folgt beantwortete: "Ich hoffe, dass Dir diese Transporte bei Deinen vordringlichen Arbeitsvorhaben eine Hilfe sein werden." Bei den in Frage kommenden Transporten handelt es sich um einen Teil der aus Szeged, Debrecen, Kecskemet, Györ und Komarom gegen Ende Juni 1944 zum "Vorzugslager Strasshof bei Wien" verbrachten Transporte, die während der Zeit der Massentransporte von Ungarn nach dem KL Auschwitz nach Österreich verbracht wurden und von denen SS-Obersturmbannführer Eichmann sagte: "Sie sind dort auf Eis gelegt." Auch das Schreiben des Reichswirtschaftsministeriums vom 3.8.44 an das Auswärtige Amt gibt Aufschluss: "...sind die zur Zeit im Bereich der Gaue Wien und Niederdonau im Arbeitseinsatz befindlichen 14.700 Juden aus Ungarn ohne jegliche Ausstattung angekommen..... war die Ausstattung mit Haushaltsgeräten, Kleidung, Decken usw ursprünglich ausreichend, jedoch wurden die meisten Ausrüstungsgegenstände von den ungarischen Gendarmen zurückbehalten." Die 2. Gruppe ungarischer Transporte ging im Oktober 1944 aus Budapest ab. Es handelte sich um jüdische Männer und Frauen, die im Honved-Arbeitsdienst bzw. für die OT- (Organisation Todt) Befestigungsarbeiten Südostwall in der Zahl von über 30.000 zum großen Teil im Fußmarsch in Richtung der österreichischen Grenze getrieben wurden. (IST)
23. November 1944
In einem Schreiben an den RF-SS und Chef der Deutschen Polizei, RSHA, heißt es: "Bevollmächtigter General der Deutschen Wehrmacht in Ungarn meldet mit Lageunterrichtung vom 21.11.44: "Zur Lösung der Judenfrage ist ein Gendarmerieoberst als Bevollmächtigter der ungarischen Regierung seit 30.10.44 tätig. Bei dessen Ernennung hatte Staatsführung Einverständnis gegeben, dass alle noch in Ungarn befindlichen Juden zum Arbeitseinsatz dem Reich zur Verfügung gestellt werden. Ein Großteil der Juden wird zu Schanzarbeiten an der deutschen Grenzstellung, jedoch auf ungarischem Gebiet, eingesetzt. Regierung bittet dringend zu veranlassen, dass diese Juden nur auf deutschem Gebiet Arbeitsdienst tun, um sie damit endgültig aus Ungarn zu entfernen. Sie bietet als Baukräfte die zivile Bevölkerung der ungarischen Grenzorte an. Zurzeit sind im Fußmarsch in westlicher Richtung die bisher im Frontgebiet befindlichen jüdischen Arbeitskompanien, ferner die seit einiger Zeit im Brückenkopf Budapest eingesetzten Ziviljuden beiderlei Geschlechts, etwa 24.000 Mann. Alle übrigen noch in Budapest befindlichen marschfähigen Juden werden täglich in Gruppen von 3.000 Mann in Marsch gesetzt. Altersgrenze männlich: 16-60 Jahre, weiblich 16-40 Jahre, Bewachung durch Honved. Schweizer Gesandtschaft stellt sich nach wie vor in hohem Maße durch Erteilung von Schutzpässen störend vor die ganze Judenaktion..." Ob Eichmann je an die Möglichkeit eines Austauschs ungarischer Juden gegen alliierte Lastkraftwagen dachte, sei dahingestellt. Die durch Joel Brand in Istanbul, Aleppo und Kairo mit den Alliierten geführten diesbezüglichen Unterhandlungen waren bereits im Sommer 1944 im Sande verlaufen...(IST)
24.05.-03.06.
Deportation der Juden aus Oradea, hauptsächlich nach Auschwitz.
Die Alliierten nehmen Rom ein.
06. Juni 1944
D-Day (Tag X) Beginn der alliierten Invasion in der Normandie. Es ist das größte militärische Landungsunternehmen der Geschichte.
Festnahme von 1.800 Juden aus Korfu, die nach Auschwitz deportiert werden.
Deportation von 476.000 ungarischen Juden nach Auschwitz. Die meisten werden kurz nach ihrer Ankunft vergast.
"BRABAG-Lager Magdeburg-Rothensee"
wurde am 16. Juni 1944 gegründet, kurz nach dem im folgenden Abschnitt besprochenen Polte-Lager in MD-Stadtfeld. Es war dem KZ Buchenwald unterstellt und beherbergte 2170 Häftlinge, in der Mehrzahl ungarische Juden. Das Gründungsdatum verdeutlicht (wie auch bei Polte) schon den Zweck der Einrichtung des Lagers: kriegswichtige Produktionsstätten, die unter chronischem Arbeitskräftemangel litten, hatten ihren "Bedarf" angezeigt. Zu diesen für die Kriegswirtschaft bedeutenden Konzernen gehörte die Braunkohle-Benzin AG (BRABAG), welche synthetischen Treibstoff aus Braunkohle herstellte und damit die Kriegsmaschinerie unabhängig von Rohstofflieferungen aus dem Ausland machen sollte. Die Reichsregierung hatte den Zusammenschluss bedeutender Kohlewerke zur BRABAG bereits 1934 im Zuge der Zwangskartellierung der deutschen Wirtschaft verordnet; ein Indiz dafür, dass die Kriegsvorbereitungen lange vor dem Überfall auf Polen begannen. Die BRABAG wurde zu einem der größten "Arbeitgeber" von KZ-Häftlingen und zu einem Präzedenzfall für die Menschenverachtung und die eigentliche Vernichtungsabsicht, die sich auch mit den "Arbeitslagern" verband (siehe oben).
Die Arbeitsstätten der Häftlinge lagen bis zu 6 km vom Lager Rothensee entfernt - sie mussten also täglich durch die Stadt marschieren, um die Fabriken zu erreichen. Während der immer häufigeren und heftigeren Luftangriffe der Alliierten mussten die Häftlinge in den Fabriken bleiben, während die SS-Wachmannschaften sich in den Bunkern verkrochen. Wegen geringfügiger Anlässe, oft ohne Grund, wurden die KZ-Zwangsarbeiter bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen.
Waren sie durch die brutale Behandlung, die harte Arbeit und die zugeteilten Hungerrationen zu schwach zum Arbeiten, wurden die Häftlinge als "verbraucht" in die Hauptlager (z.B. Bergen-Belsen) zurückgeschickt und neues "Arbeitsmaterial" angefordert. In den 8 Monaten der Existenz des BRABAG-Lagers starben von 2.170 Insassen 529 (also 25 %) durch harte Arbeit, brutale Misshandlung und Entkräftung auf Grund unzureichender Ernährung und Hygiene sowie Erkrankung.
Als die Alliierten näher rückten, wurde das BRABAG-Lager aufgelöst (am 09. Februar 1945). Die verbliebenen Häftlinge wurden nach Buchenwald deportiert.
"Polte-Lager Magdeburg-Stadtfeld"
Das Polte-Lager wurde am 14. Juni 1944 gegründet.
Als Außenlager war es dem KZ Ravensbrück (später dem KZ Buchenwald) unterstellt. Mindestens 3.000 weibliche (darunter 2.000 Jüdinnen) und 600 männliche Häftlinge waren im Lager interniert und wurden in den Magdeburger Polte-Werken eingesetzt. Der Anlass für die Einrichtung des Außenlagers lag im bereits erwähnten Arbeitskräftemangel. Spätestens seit 1942 waren die durch den Fronteinsatz vieler Facharbeiter entstandenen Personalengpässe nicht mehr durch zwangsverpflichtete Frauen und Kriegsgefangene zu schließen, so dass KZ-Häftlinge (auch und vor allem Juden) zur begehrten "Ware Arbeitskraft" wurden.
17.- 24.06. 1944
Ghettoisierung der Budapester Juden in besonders gekennzeichneten
Judenhäusern.
Torgau/Elbe: Für die Heeres-Munitionsanstalt Torgau wird ein KL errichtet
Auflösung des Ghettos in Kowno. 2.000 Juden werden ermordet,
4.000 in Fußmärschen nach Deutschland deportiert.
13.07.
Befreiung von Wilna durch die Sowjets.
Juli 1944
Der 12jährige Marc Berkowitz, den KZ-Arzt Dr. Josef Mengele in Auschwitz als Botenjungen benutzt, berichtete: Im Juli 1944 entdeckte ich eines Morgens meine Mutter in einer langen Reihe von Frauen, die sich auf die Gaskammern zu bewegten. Mengele schickte mich auf einen Botengang zum Krematorium. Er wusste, dass ich sehen würde, wie meine Mutter in den Tod ging. Später fragte er mich, ob ich immer noch an Gott glaube. Ich antwortete ihm: 'Mir ist alles genommen worden, aber Gott könnt ihr mir nicht nehmen!'
Juli 1944
Lin Jaldatin (Rebekka Brilleslijper), Sängerin und Tänzerin. wird mit ihrem deutschen Ehemann, dem Pianisten und Musikwissenschaftler Eberhard Rebling, der nach seiner Promotion im Oktober 1936 nach Holland emigrierte, nach einem Verrat in einer getarnten Unterkunft von holländischer Polizei und SS aufgespürt und verhaftet. Sie gehörten seit der Besetzung Hollands zur kommunistischen Résistance. Lin wurde gleich in das KZ Westerbork verschleppt. Eberhard sollte im Reich vor ein Kriegsgericht gestellt werden, ihm drohte wegen Fahnenflucht, Landesverrat, Sabotage und "Rassenschande" die Todesstrafe. Zum Glück gelang ihm in Amsterdam die Flucht während des Transport zu einem Verhör - dank dem Opfermut einer mitgefangenen Frau, die sich dem wachhabenden Polizeibüttel entgegenwarf. Lin und Eberhards kleine Tochter Kathinka konnten wenig später von Freunden aus dem Widerstand aus der Aufsicht der Gestapo entführt und in Sicherheit gebracht werden. - Lin Jaldati durchleidet die KZ Westerbork, Auschwitz-Birkenau und Bergen-Belsen. Außer ihr und ihrer Schwester fallen alle Angehörigen ihrer großen Familie dem Rassenwahn der Nazis zum Opfer. Wenige Wochen vor der Befreiung des Lagers Bergen-Belsen durch britische Truppen wird Lin Zeugin des elenden Todes von Anne Frank und ihrer Schwester Margot Frank. Lin wickelt die ausgemergelten Leichname in eine Decke und trägt sie zur großen Grube... Nach der Übersiedlung in die DDR setzte sich Lin unermüdlich, zeitweilig gegen beträchtlichen politischen Widerstand, für das jiddische Liedgut ein. Ihr Mann macht seinen Weg als Hochschulprofessor und Konzertpianist. 1988 stirbt Lin im Alter von 76 Jahren.
11.07.1944
Erfolgloses Attentat auf Hitler durch eine Gruppe von Wehrmachtsoffizieren. Die Folge: 170 Hinrichtungen und 7.000 Verhaftungen.
Deportation von 2.000 Juden aus Rhodos nach Auschwitz.
20.07.
Sowjetische Truppen befreien KZ Majdanek. Bis dahin ungefähr 200.000 Ermordete. Liquidierung des Ghetto Kowno
Besuch einer Delegation des Internationalen Roten Kreuzes in Theresienstadt
Kaltenbrunner, Ernst (1903-1946)
SS-Führer und Leiter des Reichssicherheitshauptamtes nach Heydrichs Tod.
In dieser Funktion war Kaltenbrunner maßgeblich verantwortlich für die Deportation Hunderttausender Juden in die Vernichtungslager. In zahlreichen Fällen schaltete er sich persönlich ein, um die Verfolgung zu intensivieren. Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurde er mit den Ermittlungen beauftragt. Kaltenbrunner war einer der Hauptkriegsverbrecher der Nürnberger Prozesse. Er wurde zum Tode durch den Strang verurteilt. Das Urteil wurde am 16.10.1946 vollstreckt
24.07. Sowjetische Truppen befreien das Konzentrationslager Majdanek.
25.07. Befreiung Lublins durch die Sowjets
26.07. Deportation der letzten Juden aus Radom nach Auschwitz.
Mit der Evakuierung des Lagers Gesia-Straße in Warschau beginnt der erste große Todesmarsch von 3.600 Häftlingen aus Kutno. Auf dem 130 km langen Marsch kommen 1.000 Menschen ums Leben.
28.07. Aschersleben: Für SS-Führungsstab A2 wird ein KL eröffnet
August
Z.B. Bericht des Einsatzstabes Westen über den Raub jüdischen Eigentums: Bis zum 31.7.1944 wurden 69.619 jüdische Wohnungen erfasst, 69.512 komplette Wohnungen kamen zum Versand. Dies ergab zusammen- gerechnet 1.079.373 cbm Frachtraum. Dafür wurden 26.984 Waggons = 672 Züge benötigt. Des Weiteren wurden zugunsten des Reiches an das Devisen-Kommando 11.695.516 RM Devisen und Wertpapiere übergeben (Seite.318)
01.08.1944
Deportation von 27.000 Juden aus Lagern östlich der Weichsel nach Deutschland
07.bis 30.08.
Deportationen aus Lodz nach Auschwitz.
Befreiung von Paris.
Rumänien kapituliert und schließt sich den Alliierten an.
Das Sammellager Drancy bei Paris wird befreit
Bisingen/Württemberg: Eröffnung des KL Im April 1945 werden die Häftlinge nach Allach transportiert und kommen am 17.4. dort an. Ein jüdischer Überlebender von dort befindet sich heute in Australien und hat seine Erlebnisse von damals niedergeschrieben.
August 1944
Das KZ-Lager Kaufering IV wird errichtet. Frauen, die aus Ravensbrück gekommen waren, bauen die für das gesamte KZ-Kommando Kaufering typischen Erdhütten.
In Weferlingen wird ein KL errichtet und die Häftlinge werden teilweise in Grasleben untergebracht
Rund 15.000 Juden leben noch im Deutschen Reich.
03.09.
Der letzte Judentransport verlässt Westerbork.
04.09.
Befreiung von Antwerpen.
05.09.
Evakuierung des Ghetto Lodz.
Kriegserklärung der Sowjetunion an Bulgarien.
11.09.
Britische Truppen erreichen Holland.
12.09.
Beginn des sowjetischen Angriffs auf Budapest.
14.09.
Amerikanische Truppen an der deutschen Grenze.
16.09.
Kapitulation Bulgariens gegenüber der Sowjetunion.
18.-19.9.
2.900 jüdische Häftlinge und 100 sowjetische Kriegsgefangene werden bei Lagedi erschossen.
23.09.
Blutbad im Lager Kluga in Estland
Wiederaufnahme der Deportationen aus der Slowakei nach dem Aufstand von Banska Bystrica.
02.10.
Niederschlagung des Warschauer Aufstands.
07.10.
Ausbruchversuch in Auschwitz-Birkenau.
Die Häftlinge zerstören eine der Gaskammern.
13.10.
Befreiung Rigas durch die Sowjets.
17.10.
Befreiung von Oradea durch die Sowjets.
18.10.
Hitler befiehlt die Aufstellung des Volkssturms.
Sept/Okt. 1944
Abtransport aller Juden aus holländischen Lagern nach Deutschland.
Ankunft in Birkenau: 11 Vernichtungstransporte mit 18.404 Häftlingen aus Theresienstadt
Westeregeln/Sachsen-Anhalt: Für Junkers Flugzeug- und Motorenwerke wird ein KL eingerichtet
Oktober:
Überlebende des KZ Plaszow werden nach Auschwitz gebracht
Vaihingen/Enz: Aus dem KL wird ein Krankenlager...
Salomo Friedländer in einem Brief an die Witwe seines an den Folgen der KZ-Haft gestorbenen Vetters Ernst Samuel (Anagram: Anselm Ruest):
„Aber wer weiß, ob unsere Toten mit uns tauschen wollten?"
21.10.
Beginn der Deportation der letzten Juden aus Deutschland
25.10.
Die letzten 150 "Arbeitsunfähigen" aus dem KZ-Lager Kaufering IV werden zum Vergasen nach Auschwitz geschickt. Mengele und der KZ-Kommandant Aumeier kommen mit einem Stab nach Kaufering und erklären das KZ-Lager IV zu einem "Krankenlager". Am 5. Januar 1945 wird der erste offizielle Typhusfall aufgedeckt.
Ende Okt.
Die Überlebenden des Konzentrationslagers Plaszow (Krakau) werden nach Auschwitz transportiert.
November
Prozess gegen den Stab des Vernichtungslagers Majdanek.
02.11
Die Vergasungen in Auschwitz werden eingestellt.
03.11.
Sowjetische Truppen befinden sich vor Budapest.
Juden ist die Benutzung von Wärmeräumen verboten
13.11.
Errichtung eines Ghettos in Budapest für Juden ohne internationalen Schutz.
Eichmann deportiert 38.000 Juden aus Budapest in die Konzentrationslager Buchenwald, Ravensbrück, u.a. Lager.
Befehl Himmlers zur Zerstörung der Krematorien und Gaskammern in Auschwitz-Birkenau.
Aue in Sachsen: Zu dem Hitlerjugend-Reichsausbildungslager Elbe II /IIV kommt ein KL hinzu
16.12.
Beginn der deutschen Ardennen-Offensive.
Dezember
Ravensbrück:
Neben den Siemens-Hallen werden 6 Wohnbaracken bezogen. Im September war wegen Überfüllung ein großes Zelt aufgestellt worden, in dem im Winter viele Frauen und Kinder umkommen. Im Oktober werden nach der Zerschlagung des Warschauer Aufstandes 12.000 Frauen und Kinder hierher verschleppt
Ungefähr 2.400 Frauen müssen Bauteile für Nachrichten- und Steuergeräte des Elektrokonzerns Siemens & Halske herstellen. Sie sind von harten Strafen bedroht. Sie müssen zum Teil schwere und gefährliche Arbeiten ausführen.
Berlin-Schönholz
Aus einem Rückblick von Magda Goldner: „Manchmal gab es ein Stückchen Margarine oder eine rote Rübe, ab und zu wurde für die unter 14jährigen eine „Zulage“ ausgeteilt, die aus 2 Scheiben Brot mit Margarine bestand. Sie wurde ehrlich mit Mutter und Erika geteilt! Dies bedeutete uns sehr viel.
Es gab Waschmöglichkeiten, runde Betonbehälter mit Wasserhahn, dort konnten wir uns waschen. Der Ort, wohin man uns gebracht hatte, war ein Vorort von Berlin und hieß Berlin-Schönholz – heute Reinickendorf. Unser Lager war für 800 Personen vorbereitet – so siele waren wir. Es gehörte zur „Argus Motorenfabrik“, wo wir als Häftlinge Zwangsarbeiter waren. Wir wurden in Gruppen eingeteilt. Jede Arbeitsschicht hatte 12 Stunden, von 6 Uhr bis 18 Uhr am Tag und von 18 Uhr bis 6 Uhr bei Nacht. Eine Woche tagsüber, eine Woche nachts. Mutter wurde zu einer Kontrollarbeit eingeteilt, bei der sie sitzen konnte. Ich wurde an eine hohe Bohrmaschine gestellt; in diese wurden Flugzeugteile eingelegt, in welche ich Löcher bohren musste – Gewinde für die Schrauben. Es war eine sehr schwere Arbeit und das heiße Metall sprühte um mich herum. Drei Bohrer musste ich bedienen und ich musste die eisernen Bestandteile heben. Meine Schwester Erika arbeitete am anderen Ende des Saales. Sie hatte eine leichtere, aber gefährlichere Arbeit an einer automatischen Maschine. Diese schraubt die Gewinde an ein anderes Teil. Bei meiner Maschine arbeitete in der anderen Schicht ein junges Mädchen. Eines Tages erzählte man mir, dass sie bei der Arbeit eingeschlafen war, sich ihr Haar in der Maschine verfangen und ihr die ganze Kopfhaut abgerissen hatte.
Auf unserem Hin- und Rückweg zur Arbeit mussten wir ungarische und deutsche Lieder singen. Einmal stahl ich in der Küche rote Rüben; ich wurde leider erwischt und zur Strafe wieder kahl geschoren. Ich war sehr traurig, da mein Haar schon wieder 2 cm gewachsen war….“
1944
Evangelischer Synodenpräsident bezieht sich auf Martin Luther: Den Himmel mit Blutvergießen gewinnen
Das Ende des 3. Reiches 1945
Todesfuge (1945)
Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne
er pfeift seine Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz
Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
Dein aschenes Haar Sulamith wir schaufeln ein Grab in den Lüften
da liegt man nicht eng
Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt
er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau
stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr andern spielt weiter zum Tanz auf
Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen
Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland
er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft
dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng
Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland
wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken
der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus Deutschland
dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Sulamith
Sowjetische Truppen befreien überlebende Juden:
16.01.
in Lodz 70 Juden. Das Ghetto Lodz =Litzmannstadt war das einzige auf dem Gebiet des Warthegaues und das damals auf deutschem Reichsgebiet bestanden hat.
In Tschenstochau werden 800 Juden befreit.
17.01.
Befehl an die SS zur Räumung von Auschwitz.
66.000 Häftlinge werden evakuiert, 15.000 sterben auf dem Weg.
Befreiung Warschaus durch die Sowjetarmee.
Verhaftung von Raoul Wallenberg durch die Sowjets.
20.01.
Auschwitz-Birkenau: SS-Männer sprengen die Krematorien II und III
und in der Nacht vom 25. auf 26. Januar auch noch das Krematorium V
23.01.
In Birkenau werden 4.200 Juden erschossen, als sich die Rote Armee nähert und 98.000 Menschen von Auschwitz nach Westen evakuiert
25.01.
4.000 Juden werden in Fußmärschen aus dem Lager Blechhammer ins Lager Groß-Rosen evakuiert, auf dem Weg sterben 1.000 Häftlinge.
25. Januar bis 25. April
50.000 Juden werden in Fußmärschen aus dem Lager Stutthof und seinen Nebenlagern evakuiert, auf dem Weg sterben 26.000 Häftlinge.
27.01.
Auschwitz wird befreit
7.650 marschunfähige Häftlinge in Auschwitz werden durch sowjetische Truppen befreit. Gegen 15 Uhr marschieren Soldaten der 1. Ukrainischen Front der Sowjetarmee unter Feldmarschall Koniew in Auschwitz-Birkenau ein und befreien die noch dort verbliebenen zum Fußmarsch unfähigen Häftlinge, darunter auch 200 Kinder. Die Erde von Birkenau ist mit der Asche und den Knochenresten von 4 Millionen in den Gaskammern ermordeten Opfern bedeckt, von solchen, die nicht in die Lagerkartei aufgenommen, von denen alle Personalausweise vernichtet worden sind.
In den Lagermagazinen des KL findet man Haufen von leeren Büchsen des Giftgases Zyklon B und auch solche mit vollem Inhalt. Es wurde von der Firma Degesch hergestellt, und seine Verteilung besorgte die Firma Tesch und Stabenow. Zu der Fabrik in Dessau, wo sich die Firma befand, fuhren Lastautos des Lagers Auschwitz. Allein in Auschwitz wurden von 1941-1944 ca. 20.000 kg Zyklon B verbraucht. Nach den Worten des Kommandanten Höss verbrauchte man 5-7 kg, um 1500 Menschen zu töten. Die Firma Topf und Söhne aus Erfurt hatte die Vernichtungseinrichtungen erbaut. Man fand in den Lagerräumen 7000 kg in Papiersäcke verpackt Haare (Durchschnittsgewicht 25 kg). Das war nur ein kleiner Rest, der von der Lagerverwaltung nicht mehr zur Verarbeitung in die in Bayern gelegenen Werke der Firma Alex Zink geschickt werden konnten. Die künstlichen Gebisse aus Edelmetall waren in Stäbe umgeschmolzen und dem SS-Sanitätshauptamt zugeschickt worden. Die bei der Leichenverbrennung übriggebliebene Asche war in Gruben vergraben oder in Teiche und Flüsse in der Umgebung geschüttet worden.
In 35 Baracken, Kanada genannt, hatten Häftlinge das mitgebrachte Gepäck zu sortieren. Obwohl täglich bis zu 20 Waggons mit sortiertem Material verladen wurden, türmte sich stets das noch unsortierte Gepäck... Das geraubte Gut wurde an verschiedenen Nazi-Stellen geschickt .Die Akten des Prozesses gegen Oswald Pohl und anderer höherer SS-Führer, die im Wirtschafts-Verwaltungs- Hauptamt tätig waren, sind überreich an Dokumenten, die diesen Raub unter der Tarnbezeichnung "Aktion Reinhardt" betreffen. Hier einige Auszüge: ...Als Absender waren auf den Lieferscheine das KL Lublin und manchmal auch das KL Auschwitz angegeben. Die Uhren gingen nach Oranienburg, Brillen an das Sanitätsamt, Bedarfsartikel wie z.B. Handtücher, Koffer, Rucksäcke an die Volksdeutsche Mittelstelle, Hand- und Tischtücher an Militärabteilungen, Pelze nach Ravensbrück, Kleidung an das Finanzministerium..."
Die periodischen Berichte über den Umfang des geraubten Guts waren für den Distrikt Lublin vom Befehlshaber der SS und Polizei, SS-Gruppenführer Odillo Globocnik, zusammengestellt worden. In einem dieser Berichte gibt er den Wert der geraubten Gegenstände, Devisen und Wertsachen mit 178.745.060 Mark an. Einige Tage vor der Befreiung des Lagers steckten die letzten der sich zurückziehenden SS-Abteilungen die Warenlager in Brand. In den 6 übriggebliebenen, nur teilweise ausgebrannten Baracken fand man: 348.820 vollständige Männeranzüge 836.525 vollständige Frauenkleider 5.255 Paar Damenschuhe 38.000 Paar Herrenschuhe 13.694 Teppiche sowie eine große Zahl von Zahnbürsten, Rasierpinsel, Gebrauchsgegenständen, Brillen, Prothesen usw.“
Im Zeitraum von nur 3 Jahren waren in den Arbeitslagern von IG-Farben etwa 30.000 Häftlinge umgekommen.
04.02.
Konferenz von Jalta, Krim, zwischen Stalin, Roosevelt und Churchill.
05.02.
1.200 Juden aus dem Protektorat Böhmen und Mähren werden mit Hilfe des Internationalen Roten Kreuzes in die Schweiz gebracht.
16.02.
Runderlass zur Behandlung von "Entjudungsakten": Wenn der Abtransport von Akten, deren Gegenstand antijüdische Tätigkeiten sind, nicht möglich ist, sind sie zu vernichten, damit sie nicht dem Feind in die Hände fallen.
18.02.
Kontinuierliche Deportationen nach Theresienstadt:
18 aus Koblenz, 45 aus Offenbach, 198 aus Frankfurt a.M.,
18 aus Darmstadt, 25 aus Wiesbaden, 146 aus Halle und 169 aus Leipzig
27.02.
Erich Kästners Tagebucheintrag: „Das Dritte Reich bringt sich um. Doch die Leiche heißt Deutschland.“
März Mauthausen:
Im KZ befinden sich 15.084 Kinder und Jugendliche
Buchenwald
Jedem das Seine"
Die Herren haben wirklich Humor
In diesen bitteren Zeiten:
"Jedem das Seine"
steht höhnisch am Tor,
Durch das die Häftlinge streiten.
Aus "Jedem das Seine" von Karl Schnog, 1943 im KZ Buchenwald geschrieben
Im Juli 1937 wurde auf dem Ettersberg bei Weimar in Thüringen das Konzentrationslager Buchenwald errichtet. Es war eines der größten Konzentrationslager auf deutschem Boden mit 130 Nebenlagern und Außenkommandos.
Zunächst war es für politische Gegner der Naziregimes, vorbestrafte Kriminelle und sogenannte Asoziale, Juden, Zeugen Jehovas und Homosexuelle bestimmt, mit Beginn des 2. Weltkrieges wurden zunehmend Menschen aus anderen Ländern eingeliefert. In den acht Jahren seines Bestehens, von Juli 1937 bis März 1945, durchliefen insgesamt 238.980 Häftlinge aus 30 Ländern Buchenwald, davon wurden 43.045 ermordet.
1945 bis 1950 wurde Buchenwald von den Sowjets als Internierungslager benutzt. Es wurden vorwiegend Personen, die als Mitglieder der NSDAP oder in einer Funktion dem nationalsozialistischen Regime nahe standen, aber auch willkürlich Verhaftete eingeliefert. Von etwa 28.000 Internierten starben über 7.000 vor allem an den Folgen von Vernachlässigung und Unterernährung. Die Toten wurden nördlich des Lagers und in der Nähe des Bahnhofs in Massengräbern beerdigt. (shoanet)
03.03.
Amerikanische Truppen befinden sich am Rhein.
19.03.
"Verbrannte Erde": Hitler befiehlt die Zerstörung ganz Deutschlands.
22.03.
wird in Kairo die "Arabischen Liga" als Vereinigung gegen Israel gegründet. In arabischen Ländern leben etwa 750.000 Juden. Einige dieser Gemeinden stammen aus der Römerzeit.
April 1944
Himmler, Heinrich (1900-1945)
Als Reichskommissar für die Festigung des deutschen Volkstums war Himmler zuständig für die Umsiedlungs- und Zwangsgermanisierungspolitik im Osten und Südosten Europas. Organisator der Endlösung der Judenfrage und Anfang 1945 auch Organsiator des Volkssturms. Nach Anbahnung von Kapitulations-Verhandlungen mit dem Westen im April 1945 von Hitler allen Ämter enthoben und aus der Partei ausgestoßen. Selbstmord in englischer Gefangenschaft.
Der Unrechtscharakter des Dritten Reichs (Konzentrationslager, Judenmord, Verfolgung von Minderheiten, Terror) ist wesentlich mit seinem Namen verbunden. Er hatte entscheidenden Anteil an der Totalität der Diktatur, vor allem als deren skrupelloser Exekutor. (shoanet)
04.04.
Die deutschen Truppen werden aus Ungarn zurückgedrängt.
06.-10.4.
Evakierung von mehr als 28.250 Häftlingen aus Buchenwald, weitere 7.000 bis 8.000 werden ermordet. Alle Juden in Buchenwald, die keine 3 Monate zuvor aus Auschwitz oder Stutthof angekommen waren, werden nach Flossenbürg getrieben
09.04.
Beginn der Räumung des Lagers Mauthausen.
11.04.
Das Konzentrationslager Buchenwald wird von amerikanischen Truppen befreit.
12.04.
Aus den Lagern Aschersleben (11.4.) und Schönebeck/Elbe werden die Häftlinge zuerst nach Süden getrieben bis Freiberg, dann nach Norden bis Torgau und weiter per Bahn nach Leitmeritz. Auf dem Weg werden 60 Juden in der Stadt Buchau bei Karlsbad ermordet
12.04.1945
Präsident Roosevelt stirbt. Sein Nachfolger im Amt des US-Präsidenten wird Harry S. Truman.
15.04.
Das Konzentrationslager Bergen-Belsen wird von britischen Truppen befreit. Unter den Häftlingen herrscht zu der Zeit eine Typhusepidemie
Konzentrationslager bei Celle. Es wurde im April 1943 offiziell als Aufenthaltslager für Personen eingerichtet, die gegen deutsche Staatsbürger in alliierten Ländern ausgetauscht werden sollten. Tatsächlich wurden nur wenige Juden auf diese Weise freigelassen. Viele Todesmärsche hatten Bergen-Belsen als Ziel. In den Lagern herrschte ein vollkommenes Chaos, viele wurden Opfer einer Typhusepidemie. Auch Anne Frank und ihre Schwester Margot erlagen im März 1945 der Typhusepedemie.
Im April 1945 wurde Bergen-Belsen befreit, im Lager waren noch 60.000 Gefangene, die Hälfte von ihnen starb in den Folgewochen.
Nach der Befreiung wurde Bergen-Belsen zu einem Lager für Displaced Persons. Es bestand bis 1951.
15.04.
werden 413 dänische Juden aus dem Ghetto Theresienstadt herausgeholt und nach Schweden gebracht.
19.04. bis 25.04.1945
Todesmärsche
Aus Ravensbrück: 17.000 Frauen. Bis Pritzwalk (über Zechlin,. Wittstock) kommen Tausende um.
Aus Sachsenhausen 40.000 Männer, über Kremmen, Neuruppin nach Wittstock bzw. über Löwenburg, Lindow, Rheinburg, Zechlin, Wittstock...Hunderte bleiben liegen.
Ziel war die Ostsee, um z.B. die 33.000 marschierfähigen Gefangenen aus Sachsenhausen dort auf Schiffen zu versenken. Der Todesmarsch erfordert mehr als 6.000 Opfer. .Letzte Massaker der SS-Wachmannschaften.
20.04.
Amerikanische Truppen treffen in Nürnberg ein.
Nur wenige Tage vor der Kapitulation Hamburgs töten SS-Männer 20 jüdische Kinder im Heizungskeller einer Schule. Den Kindern im Alter von 5 bis 12 Jahren, deren Eltern in Auschwitz ermordet worden waren, spritzt der Arzt Kurt Heißmeier Tuberkulose-Viren.
22.04.
Verbände der sowjetischen Armee befreien die 3.000 im Krankenrevier von Sachsenhausen gebliebenen Häftlinge.
23.04.
Sowjetische Truppen befinden sich vor Berlin.
25.04.
Begegnung amerikanischer und sowjetischer Truppen an der Elbe.
Massengräber von Juden aus Lagern aus dem Osten werden von französischen Truppen in Baden-Württemberg entdeckt: In Schömberg 1.771, Schörzingen 549, Spaichingen 111, Donaueschingen 9.
27.04.
Kaufering IV: Ein Wagen mit Benzin fährt durch das Lager, spritzt alle Erdbaracken ab und zündet sie an. 268 KZ-Häftlinge verbrennen in den Flammen. Am 25.4 hatten alle brauchbaren Häftlinge das Lager verlassen und sich zum 60 km entfernten Hauptlager in Dachau begeben müssen. Gegen 9 Uhr sprengt die abziehende SS den Lechübergang, die Karolinenbrücke.
28.04.
Das Konzentrationslager Dachau wird von amerikanischen Truppen befreit.
Mussolini wird von Partisanen erschossen, als er versucht in die Schweiz zu gelangen.
29.04.
Besetzung der Slowakei durch die Sowjetunion.
Befreiung von Ravensbrück. Im Lager befinden sich noch 3.500 kranke Frauen.
29.04.
Hitler verfasst sein politisches und sein privates Testament
April
Mauthausen, Veränderungsmeldung über die letzten Tage vom KZ:
Im April "starben" 10.791 männliche und 32 weibliche registrierte Häftlinge,
davon wurden mindestens 1853 vergast, mehr als 400 "auf der Flucht" erschossen, 52 mittels Herzinjektion getötet, 49 verübten Selbstmord und 90 wurden exekutiert.
30.04.1945
Hitler begeht gemeinsam mit Eva Braun im Berliner "Führerbunker" Selbstmord.
Grossmann, Mendel (1917-1945)
Fotograf im Ghetto von Lodz. Grossman dokumentierte das Leben im Ghetto auf mehr als 10.000 Fotos. Da Juden im Ghetto nicht fotografieren durften, riskierte er damit sein Leben. Er starb 1945 auf einem Todesmarsch. Seine im Ghetto versteckten Negative wurden gefunden und nach Israel gebracht. (shoanet)
01.05.
Erste Marschgruppe aus Sachsenhausen wird durch die Rote Armee befreit
02. Mai 1945 Berlin kapituliert.
Kapitulation der deutschen Truppen in Italien gegenüber den Alliierten.
Ravensbrück
Einheiten der 49. und 70. Armee der 2. Belorussischen Front holen bis zum 3.Mai die in westliche Richtung getriebenen Frauen des KZ ein und befreien sie. Anfang 1945 setzte im KZ Ravensbrück ein unvorstellbares, unbeschreibliches Chaos ein. Aufgrund der maßlosen Überbelegung und furchtbaren Verelendung der Frauen sowie eine Typhus-Epidemie verstarben Tausende Häftlinge. Aus den beiden Krematoriumsschornsteinen quoll ständig schwarzer Rauch. Tausende Gefangene aus geräumten Lagern schleppte die SS nach Ravensbrück, obwohl sie dort die Evakuierung ebenfalls vorbereiteten. SS-Ärzte "selektierten" alte, kranke, nicht arbeitsfähige Frauen und ließen sie in das teilweise geräumte "Jugendschutzlager Uckermark" verlegen. Über 5.000 Frauen tötete man hier durch stundenlanges Appellstehen in der Winterkälte, im Revier mit Spritzen und einer Überdosis von Beruhigungsmitteln, die Mehrzahl durch Erschießen oder Vergasen in einer Holzbaracke neben dem Krematorium. Ende März hatten Transporte in weiter westlich gelegene Außenlager begonnen. Angesichts der zusammen- brechenden Fronten versuchte Himmler, einen einseitigen Waffenstillstand an der Westfront zu erreichen. In diesem Zusammenhang gestattete er dem Internationalen Roten Kreuz, Internierte und Häftlinge nach Dänemark, Schweden und in die Schweiz zu bringen. So konnten im April etwa 7.500 Frauen vor allem von einer Freiwilligen-Abteilung des Schwedischen Roten Kreuzes aus Ravensbrück gerettet werden. Schätzungsweise mussten von 1939 bis 1945 insgesamt 132.000 Menschen das KZ Ravensbrück und seine über 70Außenlager und -kommandos durchleiden, darunter ab April 1941 über 12.000 Häftlinge in einem Männerlager mit einigen Außenkommandos. 1944 verschleppte die SS ca. 70.000 Häftlinge, im Frühjahr 1945 noch über 10.000 nach Ravensbrück. Große Gefangenentransporte trafen ab November 1944 aus KZ's östlich der Oder ein, die vor der sich herankämpfenden Roten Armee geräumt wurden. Die Frauen entstammten 20 europäischen Staaten. Aus Transportlisten von 55.549 Häftlingen ergab sich: Sie gehörten 42 Nationalitäten an, 2.000 rechneten zu den Sinti und Roma, 7.500 waren jüdischer Herkunft. Die Frauen gehörten allen Altersgruppen an. Über die Hälfte zählte weniger als 30 Jahre. Selbst Kinder befanden sich unter den Häftlingen, zeitweilig über 400. Von 1943 bis 1945 wurden über 800 Kinder im Lager geboren, von denen nur wenige überlebten. 1946/47 führt ein britisches Militärgericht in Hamburg 6 Prozesse gegen 22 SS -Angehörige - Offiziere, Ärzte, Aufseherinnen. Schwer Schuldige werden zum Tode verurteilt.
03. Mai
Theresienstadt: Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes übernehmen die Stadt. Dort befinden sich 17.247 jüdische Häftlinge.
Mauthausen
Offiziell gab es im KL 64.800 männliche, 1734 weibliche und ca. 15.000 listenmäßig nicht erfaßte Häftlinge. Unter ihnen waren nach Nationen eingeteilt: 23 Albaner, 4 Engländer, 2791 Jugoslawen, 3 Bürger Indonesiens, 1 Bürger der 24 Südafrikanischen Union, 191 Belgier, 3 Bulgaren, 2 Chinesen, 1312 Tschechoslowaken, 1 Ägypter, 3179 Franzosen, 90 Holländer, 2263 Italiener, 2184 Spanier, 3 Türken, 1 Kanadier, 64 Luxemburger, 18015 Ungarn, 1850 Deutsche, 502 Österreicher, 15803 Polen, 23 Rumänen, 15581 Bürger der Sowjetunion, 2 US-Bürger, Norweger, Schweizer, Griechen u.a.m. 1945 sind Zehntausende Häftlinge aus den KL in den von den Deutschen geräumten Ländern nach Mauthausen überstellt worden, und zwar aus Lublin, Auschwitz, Bergen-Belsen, Sachsenhausen, Ravensbrück, Natzweiler, Groß-Rosen usw. In dieser Zeit wurden auch Tausende ungarischer Zivilisten (vorwiegend Juden) in das Lager gebracht.
05.05.1945
Befreiung des KZ Mauthausen bei Linz in Österreich
Rückblick: Höchster Häftlingsstand in einigen der 49 Nebenlager Amstetten Bahnbau, 2966, 500 Frauen Ebensee Stollenbau, Rüstung, 18.437 Eisenerz Erzbergabbau, 400 Grossraming Kraftwerkbau, 1013 Gunskirchen Sammellager, 15.000 Gusen I. Steinbrüche und Rüstung 11.480 Gusen II Stollenbau und Rüstung, 12.537 Gusen III Ziegelwerk, 274 Linz I Rüstung, 790 Linz III Rüstung , 5615 Loiblpass Straßen- und Tunnelbau, 1.294 Melk Stollenbau für Rüstungsbetriebe Mittersil Schloß: SS-Forschungsinstitut, 15 Passau II Rüstung, 333 Saurer-Werke-Wien, Rüstung, 1.480 Steyr Rüstung, 1.791 St.Valentin Panzerbau, 1.480 Wels I Rüstung, 397 Wiener Neudorf Flugmotorenwerke, 2.954 Wiener Neustadt Rüstung, 1000 Schwechat Flugzeugbau, 2.568 Zeltlager Auffanglager, etwa 10.000
07.05.
Befreiung des Ghettos Theresienstadt, das am 24.11.1941 erstmals erwähnt wurde, durch sowjetische Truppen. Die Gesamtzahl der nach dem Ghetto verbrachten Personen ist 154.613, davon wurden weitertransportiert nach den Vernichtungslagern ca. 87.000, im Ghetto verstorben sind ca. 35.000. Am 5.2.45 wurden ca.1.200 ungarische Juden in die Schweiz und am 15.4.45 nach Schweden 413 dänische Juden verbracht. Im Ghetto konnten ca. 17.000, KL-Häftlinge befreit werden. Nach dem 21.4.45 kamen dort noch ca. 14.000 Menschen an.
Baeck, Leo (1873-1956)
Rabbiner, Philosoph und führende Persönlichkeit des deutschen Judentums.
Leo Baeck wurde 1933 zum Präsidenten der Reichsvertretung der Deutschen Juden gewählt. In dieser Funktion setzte er sich für die Verteidigung der bürgerlichen Rechte ein. Baeck weigerte sich, Gelegenheiten zum Verlassen von Deutschland zu nutzen. Anfang 1943 wurde Baeck in das KZ Theresienstadt deportiert, wo er dem Ältestenrat der Juden angehörte. Nach der Befreiung Theresienstadts ließ sich Baeck zuerst in London nieder und lehrte ab 1948 am Hebrew Union College in Cincinnati.
Nach seiner Befreiung aus dem KZ Theresienstadt, in New York 1945: „Für uns Juden aus Deutschland ist eine Geschichtsepoche zu Ende gegangen. Eine solche geht zu Ende, wenn immer eine Hoffnung, ein Glaube, eine Zuversicht endgültig zu Grabe getragen werden muss. Unser Glaube war es, dass deutscher und jüdischer Geist auf deutschem Boden sich treffen und durch ihre Vermählung zum Segen werden können. Dies war eine Illusion - die Epoche der Juden in Deutschland ist ein für alle Mal vorbei.“ (shoanet)
Ende des Krieges in Europa
08.05.
Zusammenbruch des Deutschen Reiches und bedingungslose Kapitulation:
Alle Vernichtungslager sind befreit
"Am Ende bleibt nichts als die Verzweiflung über alles und der Zweifel an allem"
H.G. Adler, Histograph des Lagers Theresienstadt
Globocnik, Odilo (1904-1945)
Hauptverantwortlicher für die Ermordung der Juden im Generalgouvernement. Globocnik überwachte den Aufbau des Konzentrationslagers Majdanek, später der Vernichtungslager Belzec, Sobibor, und Treblinka.
Als Leiter der "Aktion Reinhard" war er für die Umsiedlung der Juden, die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft, ihre Ermordung und die Beschlagnahmung ihres Vermögens zuständig. Im Mai 1945 Tod durch Selbstmord. (shoanet)
Projekt "Die Dienststelle des SS- und Polizeiführers Odilo Globocnik" und die Rolle österreichischer SS- und Polizeiangehöriger bei der 'Endlösung der Judenfrage' im Generalgouvernement ('Aktion Reinhard'). Ein Projekt am Institut für Zeitgeschichte, Universitat Wien.
Glücks, Richard (1889-1945)
Leiter der Verwaltung der Konzentrationslager. Unter Glücks nahm die Anzahl der Konzentrationslager und ihrer Insassen stark zu. Er war an der Errichtung des Lagers Auschwitz beteiligt. Er war für den Bau der Gaskammern verantwortlich und teilte Häftlinge als Opfer für Medizinische Experimente in den KZs zu. Er starb im Mai 1945, vermutlich durch Selbstmord.
Die Zahl der ermordeten Juden zwischen dem
1. September 1939 und 8. Mai 1945:
83.000 Frankreich
7.122 Mazedonien
700 Luxembourg
4.221 Thrace
24.000 Belgien
562 Libyen
106.000 Holland
260 Kreta
77 Dänemark
120 Insel Kos
728 Norwegen
1.700 Rhodos
160.000 Deutschland
40.000 Rumänien
8.000 Italien
220.000 Bessarabien
65.000 Österreich
124.632 Bukowina
217.000 CSR
1.000 Danzig
200.000 Ungarn
8.000 Memel
60.000 Ruthenia
105.000 Northern Transsylvanien
11 Finnland
135.000 Litauen
60.000 Jugoslawien
80.000 Lettland
200 Albanien
1.000 Estland
65.000 Griechenland
3.000.000 Polen
1.000.000 Sowjetunion
Die Zahl der jüdischen Bürger Deutschlands, die das Massaker in den besetzten Gebieten Europas überlebten: ungefähr 15.000.
Der 2. Weltkrieg kostete 55 Millionen Menschen das Leben...
1945
Eine Übersicht über die zurückgekehrten und überlebenden Juden :
1.000 Norwegen
12.000 Jugoslawien
2.000 Finnland
200 Albanien
5.500 Dänemark
12.000 Griechenland
20.000 Holland
7 Kreta
40.000 Belgien
161 Rhodos
1.000 Luxembourg
50.000 Bulgarien
200.000 Frankreich
430.000 Rumänien
330.000 Deutschland
225.000 Polen
35.000 Italien
330.000 Sowjetunion
7.000 Österreich
25.000 Baltikum
300.000 Ungarn
8.000 Danzig
44.000 CSSR
(Ein Blick auf das Datum vom
18.04.2003, Israelnetz.de „Nazijäger geht in den Ruhestand“)
WIEN (inn) – Simon Wiesenthal begann gegen Ende des Zweiten Weltkrieges im Auftrag der US-Armee Beweismaterial über Nazikriegsverbrechen zu sammeln. In Nürnberg durchkämmte er mehr als 110.000 Tonnen von Dokumenten. Jetzt hat seine Arbeit vollendet und hört auf, Kriegsverbrecher aus dem Zweiten Weltkrieg aufzuspüren. In einem Interview mit der österreichischen Wochenzeitung Format meinte der 94jaehrige Holocaustüberlebende, er habe die gesuchten Massenmörder gefunden und viele von ihnen um Jahre überlebt. Diejenigen, die noch am Leben seien, könne man aus Altersgründen nicht mehr vor Gericht stellen. Deshalb stelle er seine Tätigkeit ein.
Der berühmte und gefürchtete Nazijäger Simon Wiesenthal wurde 1908 im heute ukrainischen – damals österreichisch-ungarischen – Buczacz in eine wohlhabende jüdische Familie hineingeboren. In Prag studierte er Architektur. Nach dem Krieg eröffnete er gemeinsam mit 30 freiwilligen Helfern in Linz in Österreich das jüdische historische Dokumentationszentrum zu dem Zweck, weitere Nazikriegsverbrecher vor Gericht zu bringen.
1953 erhielt Wiesenthal Informationen über Adolf Eichmann. Über die israelische Botschaft in Wien vermittelte er diese weiter an Israel. 1959 wurde Eichmann in einer spektakulären Aktion von israelischen Agenten von Argentinien nach Israel entführt, vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Am 31. Mai 1961 wurde Adolf Eichmann in Israel hingerichtet.
Durch diesen Erfolg ermutigt widmete sich Simon Wiesenthal ausschließlich der Suche nach Nazikriegsverbrechern. 1963 wurde aufgrund seiner Anstrengungen Karl Silberbauer festgenommen, der Anne Frank verhaftet hatte und als Polizeiinspektor in Österreich untergetaucht war. Im Oktober 1966 wurden in Stuttgart 16 SS-Offiziere für die Judenvernichtung in Lvov vor Gericht gestellt. Wiesenthal hatte neun von ihnen ausfindig gemacht.
Simon Wiesenthal wurden viele internationale Ehrungen erwiesen. Zwei
Forschungseinrichtungen und ein Museum tragen seinen Namen.
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Schon gleich um 1945 fand ein Pogrom in Kunmadras/Ungarn und anderen Gegenden statt, das wiederum einigen Juden das Leben kostete. So ist es zu verstehen, dass 1946 und dann, als das kommunistische Regime sich behauptete, nicht weniger als 110.000 Juden aus Ungarn auszuwandern versuchten
1945
Ein Blick auf das Jahr 2000:
Tausende verschollene Akten über die Aktivitäten des Nazi-Verbrechers Adolf Eichmann in Österreich sind in Stasi-Beständen entdeckt worden. Nach einer Reportage des Nachrichtenmagazins ''Der Spiegel'', stammen einige der Gestapo-Akten aus Eichmanns Wiener Büro. Damit werde die Leidenszeit der österreichischen Juden unter Nazis dokumentiert. Die Akten wurden 1945 von der Roten Armee erbeutet und nach der Wende aus der Hinterlassenschaft der DDR-Geheimpolizei von der Bundesregierung übernommen. Bis dahin blieb aber unbemerkt, dass sich darunter auch die Eichmann-Akten befanden. Der Berliner Historiker Jörg Rudolph, der sie durch einen Zufall fand, schätzt die Zahl auf 15.000-20000 Akten. (ICEJ 28.3. 2000)
23.05.
Himmler begeht Selbstmord.
26.06.1945
Gründung der Vereinigten Nationen.
Es unterzeichnen in San Franzisco 51 Staaten die Charta der Vereinten Nationen. Die "Garanten des Friedens" können jedoch nicht verhindern, dass 6 Wochen später die USA über Hiroshima ihre erste Atombombe abwerfen, die im Nu 80.000 Menschen tötet
19.7.-2.8. 1945
Potsdam: Konferenz der Regierungschefs der UdSSR, den Vereinigten Staaten und Großbritanniens. Annahme des Potsdamer Abkommens.
06. Aug.
Erste Atombombe auf Hiroshima durch die Vereinigten Staaten.
07.Aug.
Abkommen der vier Alliierten in London über die Verfolgung und Bestrafung faschistischer Verbrecher.
09. Aug.
Abwurf der zweiten Atombombe auf Nagasaki durch die Vereinigten Staaten.
15. Aug.
Japan kapituliert.
Ende des Zweiten Weltkrieges.
18. Oktober
Anklageerhebung gegen 22 Naziverbrecher (Hauptkriegsverbrecher), die an der Spitze der NSDAP, der Wehrmacht, des Staates und der SS standen und sich nicht wie Hitler, Goebbels und Himmler durch Selbstmord der Verantwortung entzogen hatten. Anklagepunkte: Verschwörung gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
18. Oktober
Stuttgart: Der Rat der neu gegründeten Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unter Vorsitz von Landesbischof Theophil Wurm gibt eine Erklärung heraus, die als "Stuttgarter Schuldbekenntnis" in die Geschichte eingeht. Die entscheidenden Sätze lauten: "Mit großem Schmerz sagen wir: Durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden...Wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben."
24.10.1945
Palästina: Ende der "Reise" des jungen überlebenden Dov Levin aus Kovno, ab Vilna am 17. Januar 1945, mit folgenden Stationen:18. Jan. Minsk. 21.Jan. Brest-Litovsk, 22.Jan. Kowel, 23.und 31.Jan. Lvov, 27. Jan. Stanislawow. 9.Febr. Przemysl, 26.Febr. Rzeszow, 2. März Sanok, 5. März Ungvar, 6. März Beregszasz, 10. März und 2. Juni Cluj, 11. März-20.Juni Bukarest, 3. Juli Alba Julia, 5. Juli Arad, 7.Juli Budapest, 11.Juli Szombathely, 12.Juli Graz, 17.Juli Tarvisio, 22.Juli Mestre, 15.Aug. Milano, 24.Aug. Padua, 13. Sept. Bologna, 15. Sept. Bari, 24.Okt. Palästina
05.11.1945
Tripolis: In der Libyschen Hauptstadt wird ein schreckliches Blutbad angerichtet. Clifton Daniels, Reporter der New York Times, berichtet: "Babys wurden mit Eisenstangen totgeschlagen. Alte Männer wurden in Stücke gehackt, wo sie hinfielen. Werdenden Müttern wurden die Eingeweide herausgeschnitten. Ganze Familien wurden in ihren Häusern lebendig verbrannt." Einige hundert Juden starben bei dem Angriff. Nach der Annahme des Teilungsplanes werden weitere 130 Juden bei antisemitischen Ausschreitungen ermordet. Im Jahr darauf gab es wieder ein Massaker wie das in Tripolis.
22.11.1945
Beginn des Nürnberger Prozesses
21.12. 1945
Vor dem Kriegsverbrechergericht in Nürnberg geben die Nazis zu, 6 Millionen Juden getötet zu haben
1945: Evangelische Aussagen: Überlebende Juden: "Eine wankende Masse dunkler Haut und Knochen" – „Verbrechen von Kirchenmitgliedern: Vorsicht vor den Amerikanern!" – „Gutachten der evangelischen Kirche: - Klares kompromissloses Eintreten für Nazi-Pfarrer ist "stellvertretender - Kampf für das ganze Volk." –
Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) beklagt neue Grenzziehung - im Osten: Vergleichbar dem Holocaust
1945
Ägypten. Mit dem Wiedererstehen des ägyptischen Nationalismus und der Kultivierung von anti-westlichen und anti-jüdischen Gefühlen brachen große Tumulte aus, bei deren Gewalttätigkeiten 10 Juden getötet, 350 verletzt sowie 1 Synagoge, ein jüdisches Krankenhaus und ein Altenheim niedergebrannt wurden. Die Errichtung des Staates Israel führte zu noch weiterer antijüdischer Einstellung. 2000 Juden wurden verhaftet und bei vielen wurde ihr Besitz beschlagnahmt. Es gab noch viele weitere Tote in den nächsten Jahren.
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