Die christlich-jüdischen Beziehungen -
eine unvollständige Chronologie von 2.000 Jahren
Beginn der Endlösung
Teil 5 - Die Jahre 1942 bis 1943
Außer bei Chelmno bestehen Vernichtungslager in Belzec, Sobibor, Treblinka und Madjanek. "Gewöhnliche Konzentrationslager", unter anderem in Dachau, Stutthof, Theresienstadt, Buchenwald, Mauthausen, Sachsenhausen, Ravensbrück, Bergen-Belsen, Neuengamme und Papenburg-Esterwegen. Auch in diesen Lagern ist der Tod durch Mord und Entzug der Existenzgrundlage allgegenwärtig. Alle Lager waren mit Fabrikationsstätten verbunden, in denen unmenschliche Sklavenarbeit die Vernichtungsmaschinerie ergänzte. Es existierten insgesamt 22 Konzentrationslager mit 165 Außenlagern.
Sachsenhausen:
Der ehemalige Häftling Arnold Weiß-Rüthel vom Außenkommando Klinkerwerk in Sachsenhausen – (Rainer Kühn) :
“Die Gefangenen mussten täglich 12 und manchmal noch mehr Stunden schuften, hungernd, frierend, verdreckt, krank, oft von SS-Wachen und auch von zivilen Angestellten geschlagen. Viele waren schon nach wenigen Monaten völlig arbeitsunfähig. Die Firmen zahlten ihren Sklaven weder Lohn noch gar Sozialversicherungsbeiträge und steigerten ihre Gewinne. Die SS kassierte täglich 6 Reichsmark für einen Fach- und 4 RM für einen Hilfsarbeiter, abzüglich 2 Mark für Unterkunft und Verpflegung. Das KZ Sachsenhausen nahm 1944 für vermietete Häftlinge monatlich über 2 Millionen Mark ein. Die Erlöse hatte die SS an die Reichshauptkasse abzuführen. Alles im Laufschritt... "Hier zitterte und dröhnte alles von Arbeit. Hier wurden die alten Brennöfen in Windeseile abgerissen, dort wurden mächtige Maschinenkörper ohne Kran und Winden von Häftlingen aus den Lagern gehoben... Rauch, Staub und beißender Qualm verpesteten die Luft, ein ohrenbetäubender Lärm von schlagenden Hämmern, kreischenden Ketten und Rädern, klirrenden Metallteilen und den schrillen Trillerpfeifen der Vorarbeiter und Werkmeister herrschte von morgens bis abends... Alles vollzog sich im Laufschritt, alles musste rennen, mit Last und ohne Last. Dort zogen Juden eine viele Tonnen schwere Walze über die abgebaute Tontrasse; einem lebenden Fließband gleich stürzten sich 800 tschechische Studenten über hölzerne Laufbrücken in den Bauch einer Zille und entrissen ihm den in Papiersäcken verpackten Zement. Das grauweiße ätzende Pulver rieselte über die schweißnassen Körper, fraß sich in die Haut, in die Lungen - neue Lastkräne schwammen heran und fauchten ihren Rauch und Ruß in den Knäuel arbeitender Menschen. Scharführer tobten und schlugen mit dicken Holzprügeln auf die ihnen nicht schnell genug laufenden Häftlinge ein. Menschen brachen zusammen unter der Last eiserner Träger, wurden wieder hochgerissen und schleppten ächzend weiter...
Beim Schuhläuferkommando mussten Häftlinge der Strafkompanien auf einer Strecke, die aus 9 verschiedenen Belägen bestand, rund um den Appellplatz marschieren. Das Reichswirtschaftsministerium wollte auf diese Weise die Haltbarkeit von Lederschnürstiefeln mit neu entwickelten Kunststoffsohlen auf ihre Wehrmacht- Tauglichkeit prüfen. Mit schweren Rucksäcken bepackt, hatten die Gefangenen täglich ungefähr 40 km zu laufen, oft in zu kleinen Schuhen - angetrieben von Schlägen und einem Hund. Sehr harte Strafen waren Essensentzug, Haft im Zellenbau mit häufig tödlichen Quälereien. Strafarten waren u.a. Auspeitschen auf dem Bock, auf dem der dort festgeschnallte Häftling zwischen 5 und 100 Schlägen auf das Gesäß bekam. Er musste laut mitzählen; verzählte er sich, begann die Prügelei von vorne. Beim Pfahlhängen musste sich der Gefangene, dessen Hände auf dem Rücken zusammen- gebunden waren, auf einen Stuhl stellen. Danach fesselte ein SS-Mann die Handgelenke an eine von einem Pfahl herabhängenden Kette und zog anschließend den Stuhl weg. Dadurch riss das Gewicht des in der Luft pendelnden Körpers die Arme nach oben und kugelte oft die Schultergelenke aus. (aus Rainer Kühn...)
01.01.1942
Rund 130.000 Juden leben noch im Deutschen Reich
Lybien:
Wie in Ägypten und Algerien dezimierten massive Pogrome in den vierziger Jahren die einst starken jüdischen Gemeinden. Von 1941 bis 1942 gingen große Wellen von Verfolgung über das Land. In Benghazi wurde jüdisches Eigentum geplündert und 2600 Juden in ein Zwangsarbeitslager in der Wüste verschickt, wo 500 starben.
Januar
Widerstandsorganisation im Ghetto Kovno gegründet. Tuvia Bielski organisiert
die erste Partisanenbasis in den Naliwiki Wäldern in West-Weißrußland.
05.01.
Sammelaktion für die Ostfront: Juden haben bis zum 16.1.1942 ihre Pelz- und
Wollsachen, sowie Skier, Ski- und Bergschuhe abzugeben.
09.01.
1.140 Juden werden aus Klodawa deportiert und massakriert
12.01.
600 Juden aus Brdow und 600 aus Bugal werden deportiert und massakriert
14.01.
Beginn der "Konzentration" holländischer Juden in Amsterdam.
15.01.
Beginn der "Umsiedlungsaktion" im Lodzer Ghetto:
Abtransport der Juden ins Vernichtungslager Chelmno. Die Aktion dauert bis September 1942.
16.01. Lodz: 3.000 Juden werden deportiert und massakriert
20.01.1942
"Wannseekonferenz" Heydrichs über die Deportation und Ausrottung des
europäischen Judentums. 1. Konferenz von Vertretern der Reichsbehörden zur
"Endlösung der Judenfrage"
Heydrich eröffnet im Gebäude der Interpol am Großen Wannsee 56-58 in Berlin jene entscheidende Konferenz, die unter obigem Namen in die Geschichte eingehen sollte. Anwesend waren Vertreter aller „zuständigen“ Behörden. Das Außenministerium war ebenso vertreten wie die Ministerien für Justiz, Inneres, das Amt für den Vierjahresplan, die Reichskanzlei und die Funktionäre der einzelnen SS-Dienststellen. Zunächst betonte Heydrich, „die Federführung bei der Bearbeitung der Endlösung der Judenfrage liege ohne Rücksicht auf geographische Grenzen zentral beim Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei.“ Nach Schätzungen des Reichssicherheitshauptamtes kämen für die „Endlösung der europäischen Judenfrage“ rund 11 Millionen Juden in Betracht. (Interessant ist, dass die SS bei ihren Berechnungen auch die Juden in England, Irland und der Türkei mitgezählt hatte). (aus DRITTES REICH)
Plan und für den Tod vorgesehen:
Frankreich, nicht okkupierten Zone incl. Franz. Nordafrika
70.000 Juden
Frankreich. Okkupierte Zone 165.000
Juden
Belgien 43.000
Juden
Holland 160.800
Juden
Deutschland 131.800
Juden
Böhmen/Mähren 74.200
Juden
Slovakei 88.000
Juden
Österreich 43.700
Juden
Italien 58.000
Juden
Norwegen 1.300
Juden
Dänemark 5.600
Juden
Schweden
8.000 Juden
Finnland 2.300
Juden
Großbritannien 330.000
Juden
Irland 4.000
Juden
Portugal 3.000
Juden
Spanien 6.000
Juden
Schweiz
18.000 Juden
Europäische Türkei 55.000
Juden
Distrikt Bialystok 400.000
Juden
Lettland 3.500
Juden
Litauen 34.000
Juden
Weißrußland 446.484
Juden
Ost-Territorien 420.000
Juden
General-Gouvernment 2.284.000
Juden
Ungarn 742.800
Juden
Ukraine
2.994.684 Juden
Rumänien 342.000
Juden
Serbien 10.000
Juden
Kroatien 40.000
Juden
Albanien 200
Juden
Bulgarien 48.000
Juden
USSR
5 Millionen Juden (aus Atlas)
Für einen bestimmten Personenkreis schlägt Heydrich folgende Regelung vor: Juden im Alter von über 65 Jahren sollen zunächst nicht evakuiert (sprich: getötet) werden, sondern einem Altersghetto in Theresienstadt „überstellt“ werden. Ebenso schwer kriegsbeschädigte Juden und solche mit Kriegsauszeichnungen ab dem Eisernen Kreuz 1. Klasse. Dieses priviligierte Ghetto sollte auch für Juden bestimmt werden, die weitreichende Beziehungen hätten, einen international berühmten Namen trügen oder mit „Ariern“ verwandt seien. Damit würde der übrigen „Evakuierung“ auch eine gewisse Tarnung verliehen. Mit Theresienstadt könne man der zu erwartenden „Greuelpropaganda“ entgegentreten.
Obgleich Theresienstadt für viele nur ein Durchgangslager nach Auschwitz wurde, gab man diesem Ghetto gern den zivilen Anstrich einer „jüdischen Siedlung“ und präsentierte es eines Tages – nach sorgfältigen Vorbereitungen und Vorsichtsmassnahmen – sogar Vertretern des Internationalen Roten Kreuzes und einer Kommission aus Dänemark. Fest steht, dass jene Juden – unter ihnen Prominente wie Leo Baeck – das „Glück“ hatten, nach Theresienstadt zu kommen, und dort zu b l e i b e n , die größten Überlebenschancen hatten, sofern sie nicht an Krankheit, mangelnder ärztlicher Versorgung oder an Unterernährung starben.
Sogar für die Finanzierung von Theresienstadt (eine kleine tschechische Festung, in der einmal 7.000 Einwohner lebten und in die dann mehr als 100.000 Juden gedrängt wurden - die Räumung des Städtchens an der Eger erfolgte schon im November 1941), mussten die Juden selbst aufkommen, jedenfalls jene, die aus Deutschland und Österreich dorthin deponiert wurden.
Die „Reichsvereinigung deutscher Juden“, die vom SD kontrolliert wurde, schloss mit Juden, die für Theresienstadt bestimmt waren, so genannte „Heimeinkaufsverträge“ ab. Der betreffende Jude musste sein gesamtes Vermögen der „Reichsvereinigung“ überschreiben. Dafür verpflichtete sich diese zur lebenslänglichen Gewährung von Heimunterkunft und Verpflegung. Allerdings war auch hier schon „vertraglich“ eingebaut, dass der betreffende Jude jederzeit „evakuiert“ (sprich: vernichtet) werden konnte.“
(aus DRITTES REICH)
Evangelische Bischöfe schweigen zur "Endlösung" der "Judenfrage"
mit der Begründung: Der feindlichen Propaganda keinen Stoff liefern
Stuttgart: Abtransport von 278 Juden nach Izbica im Distrikt Lublin.
Keiner kommt zurück - dort schwerste Fronarbeit, Hunger oder
Weitertransport in das Vernichtungslager Belzec bzw Majdanek
20.01.
Das baltische Land Estonie ist am 20. Januar 1942 "judenfrei"
21.01.
Gründung der "Vereinigten Partisanenorganisation" (FPO) im Wilnaer
Ghetto.
24.01.
In Kolomyia werden 400 jüdische Intellektuelle festgenommen und später
umgebracht.
Ende Jan.
Beginn der Deportationen nach Theresienstadt.
31.01.
schreibt die Einsatzgruppe A einen Bericht über die Liquidierung von 229.052
Juden in den baltischen Staaten. Im Baltikum bestehen KL von 1943-1944 in
Klooga, Valvara, Riga-Kaiserwald und Kaunus
Febr. 1942
Massenmord an Juden in Charkow fordert 14.000 Opfer
01.02.
Gründung des SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamts (WVHA) unter Oswald Pohl.
08.02.
Erster Transport von Juden aus Saloniki nach Auschwitz.
14.02.
Auflösung von jüdischen Auswanderer-Beratungsstellen.
15.02.
Juden dürfen keine Haustiere mehr halten.
17.02.
Juden werden vom Zeitungsbezug ausgeschlossen.
23.02.1942
Das Einwandererschiff "Struma" ist gesunken. Es war eines jener
"illegalen" Schiffe, das mit jüdischen Flüchtlingen beladen Zuflucht
im britischen Mandatsgebiet „Palästina“ suchte, auf denen 768 der 769
Passagiere umkamen. Die „Struma“, ein ehemaliges Kohle-Lastkahn Schiff
transportierte 769 Passagiere, obwohl es nicht seetauglich war. Das Schiff
erreichte Istanbul, bekam dort ohne die Zusicherung der Briten jedoch nicht die
Erlaubnis zu ankern. Nach 2 Monaten erlaubten die Briten den Kindern, das
Schiff zu verlassen. Trotz des Versprechens, die Türkei zu benachrichtigen,
verzögerte sich das Ganze um weitere zehn Tage. Die Türkei ließ das Schiff
schließlich ins Schwarzen Meer schleppen, wo es sank. 768 Passagiere verloren
ihr Leben.
März
Belgische Juden gründen eine Organisation zur gegenseitigen Hilfe (Comite de
Defense Juive).
01.03.
Gründung des Einsatzstabes Rosenberg,
u.a. zur Beschlagnahme von Kunstschätzen und Bibliotheken, die in jüdischem Besitz sind
02.03.
Ermordung von 5.000 Minsker Juden.
03.03.
In Belgien werden Juden zur Zwangsarbeit eingezogen.
06.03.
2. Konferenz über die "Endlösung der Judenfrage":
Erörterung der Möglichkeiten zur
Sterilisierung aller "Mischlinge".
Mitte März
Beginn der "Aktion Reinhard"
Liquidierung der Ghettos in Polen
und Deportation in die Vernichtungslager
17.03.1942
„Der Spezialist für Euthanasie-Aktionen Kriminaloberkommissar Christian Wirth hatte sich auf Befehl Himmlers beim Lubliner SS- und Polizeiführer Odilo Globocnik, der mit der Liquidierung des polnischen Judentums beauftragt war, gemeldet. Den ganzen Bug entlang konstruiert Wirth eine Reihe von Lagern mit ortsfesten Gaskammern, in die er mittels Schläuchen die Abgase von Dieselmotoren hineinpumpt. Die Gaskammern sehen aus wie Badehäuser, im Vorgarten Geranien, dann ein Treppchen, links und rechts von einem Gang drei Räume, 5 mal 5 Meter, 1,90 Meter hoch, mit Holztüren wie Garagen. An der Rückwand große hölzerne Rampentüren. Auf den Dächern lässt Wirth kleine Davidssterne anbringen.
Am 17. März nimmt das erste Wirth-Lager seine Arbeit auf: Belzec an der Bahnstrecke Lublin-Lemberg. In Belzec können sechs Gaskammern jeden Tag 15.000 Menschen töten. Im April folgt Sobibor an der ukrainischen Grenze mit einer „Kapazität“ von 20.000 pro Tag. Dann Treblinka, 120 Kilometer nordöstlich von Warschau, das täglich 25.000 Menschen töten kann und schließlich, im Herbst 1942, die dem Konzentrationslager Lublin angeschlossenen Gaskammern, die unter dem Namen Majdanek bekannt wurden. Schon nach kurzer Zeit ist der ehemalige Polizeikommissar Wirth „ungekrönter König“ der Judenvernichter Polens.
Wirth hatte Konkurrenten, die es noch besser machen wollten: Einer von ihnen war Karl Fritsch, Lagerkommandant von Auschwitz und Vorgänger des berüchtigten späteren Kommandanten Höss. Fritsch hatte ein neues Tötungsmittel gefunden: das Blausäuregas Zyklon B, ein von der Frankfurter Firma DEGESCH (Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung mbh) hergestelltes und vertriebenen Mittel zur wirksamen Vertilgung von Ungeziefer. (Es passte auch zur Ideologie der Nationalsozialisten, die den Juden ja immer als „Ungeziefer“ darstellten). Tests hatten die Überlegenheit der Zyklon-B-Methode über die Kohlenmonoxyd-Methode von Wirth erwiesen. Es war leicht zu handhaben – man brauchte, geschützt durch eine Gasmaske, nur die Dose zu öffnen und den Inhalt in ein Zuleitungsrohr schütten – und es wirkte fast sofort. Bei Wirth dauerte der Todeskampf wesentlich länger. Wirth hatte sein Monopol verloren, sein Auschwitzer Konkurrent Rudolf Höss wurde schließlich der größte Judenvernichter.
Im Frühsommer 1942 beginnt die konzentrierte Vernichtung der Juden in Polen. Ordnungspolizei, polnische, litauische und ukrainische Hilfsmilizen und der von den Deutschen aufgestellte eigene jüdische Ordnungsdienst fangen an, die Juden systematisch aus den Ghettos zu treiben, in Güterwagen zu verladen und in eines der sechs Vernichtungslager zu bringen. Die „Endlösung“ im großen Stil hat begonnen.“ (aus DRITTES REICH)
17.03 . - 20.04.
"Umsiedlung" des Lubliner Ghettos:
26.000 Menschen werden nach Belzec,
Majdanek und in andere Lager abtransportiert.
17.03.
Belzec bei Lwow in Polen: Das Vernichtungslager wird eröffnet.
Die Auflösung des Lagers beginnt jedoch bereits im Spätherbst 1942
mit Verbrennen der Leichen aus den Massengräbern.
Im Frühjahr 1943 erfolgt der Abbruch der Baracken und die Einebnung des gesamten Terrains.
19.03.
"Intelligenz-Aktion" in Krakau: Ermordung von 50 jüdischen
Intellektuellen.
25.03.
Errichtung des Ghettos in Kolomyia mit etwa 18.000 Juden.
26.03.
Jüdische Wohnungen müssen im Reichsgebiet durch einen Judenstern neben dem
Namensschild kenntlich gemacht werden
26.03..
Etwa 1.000 Frauen aus dem KZ Ravensbrück werden nach Auschwitz transportiert
zum Aufbau des Vernichtungslagers
März/April
Bernburg: ca. 1.600 "selektierte" Ravensbrücker Frauen werden
vergast, unter ihnen 700 bis 800 Jüdinnen.
26.03.
Bekanntmachung über die Kennzeichnung jüdischer Wohnungen im Reich
1. vom Büro Adolf Eichmanns
organisierter Judentransport nach Auschwitz
26.03. - 20.10.
Deportationen von mehr als 57.000 slowakischen Juden.
28.03.
Die ersten französischen Juden treffen im Lager Auschwitz-Birkenau ein.
Ende März 1942.
Deportationen von 15.000 Juden aus Lemberg nach Belzec.
März 1942
„Ghetto Warschau: Aus den verschiedenen kleineren Widerstandsgruppen bildete sich ein Block unter Führung von Mitgliedern der Polnischen Arbeiterpartei (PPR) unter Jozef Finkelstajn , Samuel Cymerman und Ignacy Gotlib. Redakteur der Untergrundpresse wurde Jehuda Feldwurm, der die regelmäßigen Flugblätter „Ajnikajt“ und „Cum Kampf“ herausgab. Im März 1942 entstand dann der „Antifaschistische Block“ aus den rechten Zionisten der Gruppe „Hechalutz“, den linken und sozialistischen Zionisten, der linken Jugendorganisation „Dror“ und PPR. Der Block bildete eine gemeinsame Kampforganisation „OB“, die zunächst durch Kontakt mit dem polnischen Widerstand außerhalb des Gettos Waffen besorgen und ins Getto schaffen sollte. Durch Verrat flog die Gruppe schon wenig später auf. Im Juli wurden von den Nationalsozialisten 187 Todesurteile an Mitgliedern des Blocks vollstreckt.“ (aus DEUTSCHES REICH)
Ab Ende März 1942
Eintreffen der ersten Judentransporte aus Deutschland und Westeuropa in Auschwitz.
3.-4.04.
Deportation von 5.000 Juden aus Kolomyia nach Belzec. 250 werden noch im Ghetto
ermordet.
18.04.
Ermordung von 52 Juden in Warschau ("Blutige Nacht").
April
Bildung eines antifaschistischen Blocks im Warschauer Ghetto.
April bis Juli
Die Umsiedlung wird auf ganz Polen ausgedehnt.
Neue Judentransporte aus dem Deutschen Reich in die polnischen
Todeslager
20.April
In einem Schreiben des HSSPF (Höherer SS-Polizeiführer) "Südost"
Breslau wird erwähnt, dass in Gleiwitz ein Zwangsarbeitslager für Juden
eingerichtet ist.
24.04.
Für Juden verboten sind: öffentl. Verkehrsmittel, öffentl. Fernsprecher,
Aufenthalt auf Bahnhöfen, in Grünanlagen und Wäldern, Besuch von Gaststätten,
das Halten von Haustieren, den Bezug von Zeitungen, der Besitz von elektr. und
optischen Geräten, Fahrräder, Schreibmaschinen, Pelze und Wollsachen.....
Ausnahmen für Verkehrsmittel gibt es für Zwangsarbeiter nur, wenn der Arbeitsplatz
mehr als 7 km vom Wohnort entfernt ist. Sitzen ist in den Verkehrsmitteln
verboten.
26.04.
Der Reichstag bestätigt Hitlers Aufhebung der Rechtsordnung.
27.-28.
Erschießung von 70 jüdischen Männern in Radom.
100 werden nach Auschwitz deportiert.
29.04.
In den Niederlanden müssen Juden den Judenstern tragen.
30.04.
In Pinsk müssen die Juden binnen eines Tages ein Ghetto errichten, in dem etwa
20.000 Menschen interniert werden.
Bei einer Aktion in Djatlowo werden 1.200 Juden ermordet.
April 1942 Okkupation Norwegens
07.05.
Sobibor bei Lublin: Eröffnung des Vernichtungslagers.
Nach dem Aufstand vom 14.10.1943 endet seine Existenz.
10.05.
Deportation von 1.500 Juden aus Sosnowiec nach Auschwitz.
12.05.
Juden dürfen von nichtjüdischen Friseuren nicht mehr bedient werden.
5.-12.5.
Frankreich: Erste Massendeportationen jüdischer Bürger in Vernichtungslager
18.05.
Errichtung des Vernichtungslagers Sobibor.
26.05.
Verbot des Verkaufes deutscher Volkstrachten an "Fremdvölkische" und
Juden.
27.05.1942
Attentat tschechischer Patrioten auf Reinhard Heydrich in Prag.
Am 4. Juni erliegt er seinen Verletzungen.
28.05.-8.6. 1942
Deportationen von 6.000 Krakauer Juden nach Belzec.
300 werden noch in der Stadt umgebracht.
Gebirtig, Mordechai
(1877-1942) Jiddischer Volksdichter. Während des Zweiten Weltkriegs sang man seine
vertonten Gedichte in Ghettos und Konzentrationslagern. 15 bis 20 der
Gedichte, die er während der deutschen Besatzung schrieb sind überliefert.
Gebirtigs Lieder sind Ausdruck von Schmerz, Verzweiflung, Hoffnung, Wut und des
Wunsches nach Rache.
Nach Gebirtigs Tod (ermordet im Krakauer Ghetto) wurde sein Gedicht
"S'Brent" zur Hymne der Widerstandskämpfer, das in den Ghettos und
Wäldern des besetzten Polens und nach Kriegsende von Überlebenden der
NS-Verfolgung gesungen wurde:
s brennt, Brüderle, s brennt!
O unser armes Städtle, weh - es brennt!
Böse Winde jagen, gieren
Reisen, brechen und sie schüren,
Stärker noch die wilden Flammen,
Alles ringsum schon brennt!
Und ihr steht und guckt und jammert
und verschränkt die Händ,
Und ihr steht und guckt und jammert - Unser Städtl brennt!
......
s brennt, Brüderle, s brennt!
Da wär nur Hilfe, wenn ihr euch besännt!
Ist euch unser Städtl teur:
Nehmt die Eimer, löscht das Feuer,
Löscht mit eurem eigenen Blut,
Beweist, daß ihr das könnt!
Und ihr steht und guckt und jammert
und verschränkt die Händ,
Und ihr steht und guckt und jammert - Unser Städtl brennt. (shoanet)
31.05. 1942
Errichtung des IG-Farben-KZ Monowitz bei Auschwitz
„Die Zivilverwaltung im besetzten Holland steht unter der Leitung des Reichskommissars Arthur Seyss-Inquart, einem überzeugten Nazi aus Wien, der einmal für einen Tag österreichischer Bundeskanzler gewesen war und am 12. März 1938 den Einmarsch der Deutschen nach Österreich legalisiert hatte.
Seyss-Inquart kooperierte sofort. Ab Mai 1942 wird für die holländischen Juden der Judenstern eingeführt, im Juli beginnen die ersten Transport zu rollen. Insgesamt werden aus Holland 110.000 Juden deportiert, darunter Tausende deutscher Juden, die noch vor dem Krieg dort Zuflucht gefunden hatten. Nur 6.000 haben das Vernichtungsprogramm überlebt“ (aus DEUTSCHES REICH)
01.06.
Treblinka: Eröffnung des Vernichtungslagers II. Es existiert bis Nov. 1943
01.06.
Einführung des Judensterns in Frankreich
02.06.
Beginn der Deportationen deutscher Juden nach Theresienstadt.
03.06.
“Einführung des Judensterns in Belgien.
In Belgien und Frankreich hatten die „Judenjäger“ der SS es schwer, weil hier die Herrschaft bei den Militärbefehlshabern lag, die den Judenfang aber nicht ganz verhindern konnten.“ (aus DEUTSCHES REICH)
06.06.1942
Frank, Anne (1929-1944)
„Kurz nach der Machtergreifung im Januar 1933
emigrierte die Familie Frank von Frankfurt nach Amsterdam. Anne und Margot
Frank lernten Holländisch und besuchten die Montessori-Schule. Am 6.6.1942
tauchte die Familie gemeinsam mit Freunden unter. Diese acht Menschen lebten
zwei Jahre lang im Hinterhaus der Prinsengracht 263 auf engstem Raum zusammen.
Am 4.8.1944 wurde der SD in Amsterdam anonym über die
versteckten Familien informiert. Die acht Juden wurden festgenommen. Die
Verhafteten kamen ins Durchgangslager Westerbork, von dort weiter nach Auschwitz. Anne und Margot wurden Ende
Oktober 1944 nach Bergen-Belsen deportiert. Margot starb
Anfang März, Anne wenige Tage später.
Otto Frank, Annes Vater und der einzige Überlebende der Acht, veröffentlichte
1947 Anne's Tagebuch. Ihr Tagebuch schildert das enge, bedrohte Zusammenleben
im Versteck in der Prinsengracht 263 von 1942 bis 1944. Das Tagebuch ist
in mehr als 50 Sprachen erschienen, insgesamt wurden fast 20 Millionen
Exemplare gedruckt.“ (shoanet)
09.06.
Juden haben alle entbehrlichen Kleidungsstücke abzuliefern.
10.06.
Als Vergeltung für das Attentat auf Heydrich wird das tschechoslowakische Dorf
Lidice dem Erdboden gleichgemacht.
Lidice
ein Dorf in Böhmen, wurde am 10.6.1942 von der SS im Beisein von Hans Frank, Ernst Kaltentaler und etlichen Fotografen in einer grausamen Vergeltungsaktion für die Ermordung Reinhard Heydrichs dem Erdboden gleichgemacht.
Alle Männer des Dorfes (192) und 71 Frauen wurden erschossen. 19 aus Lidice stammende Männer wurden einige Tage später in Prag ermordet. Mindestens 198 Frauen wurden in das KZ Ravensbrück transportiert. Etwa 98 Kinder wurden ihren Müttern fortgenommen, nur 16 davon überlebten.
Von deutscher Seite wurde erklärt, Lidice sei als Ort der Vergeltung bestimmt worden, weil Dorfbewohner die Attentäter beherbergt hätte. Diese Behauptung stellte sich später als falsch heraus.
Nach dem Krieg wurde das wieder aufgebaute Lidice zu einem Symbol für die nationalsozialistische Gewaltherrschaft ebenso wie für die tschechische Widerstandsbewegung. (shoanet)
11.06.
Anordnung aus dem Referat Adolf Eichmanns, die Deportationen von Juden aus den
Niederlanden, Belgien und Frankreich in wenigen Wochen beginnen zu lassen.
11.-18. Juni
Deportation von 13.500 Juden aus Tarnow nach Belzec. Viele andere werden in der Umgebung der Stadt umgebracht.
14.06.
Ravensbrück: 182 Frauen des liquidierten tschechischen Dorfes Lidice werden
eingeliefert
20.6.-9.10.
Deportationen von 13.776 Juden aus Wien nach Theresienstadt.
22.06.
Erster Transport aus dem französischen Lager Drancy nach Auschwitz.
26.06.
In Holland beginnen die Vorbereitungen für die Deportationen ins
niederländische Lager Westerbork und von dort nach Auschwitz.
30 06.
Schließung der jüdischen Schulen im Reich.
Jeder Unterricht - auch durch
ehrenamtliche Helfer - ist ab 1.7.1942 verboten.
Juni 1942 Ravensbrück
Für den Elektro-Konzern Siemens & Halske werden Industriebaracken gebaut und die ersten Frauen angelernt.
Juni 1942
„Kaum 6 Monate nach der Wannseekonferenz, auf der die Ermordung von 11 Millionen jüdischen Bürgern beschlossen worden war, schickt sich die Naziführung in Berlin an, ein weiteres perfides Vorhaben in die Tat umzusetzen - den Generalplan Ost. Als Plan zur "Dezimierung der slawischen Bevölkerung um 30 Millionen" wurde er vom ‚Reichsführer SS' Heinrich Himmler in seiner Eigenschaft als Reichskommissar für die Festigung des Deutschen Volkstums (RKF) bestätigt. ....
Innerhalb von 10 Jahren sollten 4 Millionen Deutsche im Osten angesiedelt werden. Dafür vorgesehen waren besetzte Gebiete in Polen, den baltischen Ländern, in Weißrußland und in den Regionen bei Shitomir, Kamenez-Podolski, Winniza und Leningrad sowie auf der Krim und in Teilen des Dnjeprbogens.
Nach Schätzungen lebten dort rund 45 Millionen Menschen, von denen 31 Millionen als ‚rassisch unerwünscht' eingestuft wurden. Sie sollten hinter den Ural umgesiedelt werden. Der ‚Rest', etwa14 Millionen Menschen, wurde als ‚eindeutschungsfähig' betrachtet und sollte ‚assimiliert' werden. 80-85 % der Bevölkerung Polens, 64 % der Westukraine und 75 % der Bevölkerung Weißrußlands wollte man danach aus den angestammten Siedlungsgebieten vertreiben.
Ende 1942 wurde aus den Generalplan
Ost schließlich der ‚Generalsiedlungsplan'. Nach der Niederlage bei Stalingrad
und Proklamierung des ‚Totalen Krieges' ordnete Hitler an, bis auf weiteres
jede Planung einzustellen. Einige Naziinstitutionen hinderte das jedoch nicht
daran, weiter nach den angedachten Vorgaben zu verfahren. So führte das Rasse-
und Siedlungshauptamt der SS faktisch bis Kriegsende an Kindern aus den
besetzten Gebieten ‚rassenbiologische' Untersuchungen durch. Die tauglich
befundenen Kinder wurden ihren Eltern entrissen und auf deutsche Familien
verteilt oder zur ‚Aufzucht' an Lebensborn e.V. überstellt." (von Klaus
Jaschinski, abgedruckt in "ravensbrückblätter", Juni 1998, Auszug aus
ND 14./15.6.1997
Juli
Errichtung des Vernichtungslagers Treblinka.
Massaker in Minsk, Lida, Slonim und Rowno.
Gizi Fleischmann organisiert die Untergrund-"Arbeitsgruppe" in der
Tschechoslowakei.
01.07.
Übernahme des Internierungslagers Westerbork durch die Sicherheitspolizei.
04.07.
Erste Massenvergasungen in Auschwitz.
07. 07.
Einlieferung von 7.000 Juden aus Lemberg ins Lager Janowska.
13.-14.7.
Deportation von Juden aus Antwerpen zur Zwangsarbeit in Nordfrankreich.
14.07.
Beginn der systematischen Transporte holländischer Juden ins Lager
Westerbork.
Errichtung des geschlossenen Ghettos in Przemysil.
15.07.
Erster Deportationszug aus Holland (Westerbork) nach Auschwitz.
Großrazzien in Paris.
16.-17.7.
12.887 Pariser Juden werden verhaftet und nach Drancy verschleppt.
19.07.1942
„Im Sommer 1942 verfallen Himmler und die Schreibtischmörder der SS einem Rausch der Vernichtungsstatistiken. Die „Kapazitäten“ der einzelnen Vergasungseinrichtungen werden mit dem „Judenbestand“ der Ghettos verglichen, zeitliche und regionale „Erfüllungssolls“ werden gesetzt, der Tod wird zur „Produktionsziffer“.
Himmler schreibt an Friedrich Wilhelm Krüger, den Höheren SS- und Polizeiführer Ost in Krakau: „Ich ordne an, dass die Umsiedlung der gesamten jüdischen Bevölkerung des Generalgouvernements bis zum 31. Dezember 1942 durchgeführt und beendet ist.“
Schon am 27. März 1942 hatte Goebbels in seinem Tagebuch vermerkt: „Aus dem Generalgouvernement werden jetzt, bei Lublin beginnend, die Juden nach dem Osten abgeschoben. Es wird hier ein ziemlich barbarisches und nicht näher zu beschreibendes Verfahren angewandt, und von den Juden selbst bleibt nicht mehr viel übrig. Der ehemalige Gauleiter von Wien (Globicnik), der diese Aktion durchführt, tut das mit ziemlicher Umsicht und auch mit einem Verfahren, das nicht allzu auffällig wirkt...“
Was hier vor sich ging, wird auch aus den Ausführungen deutlich, die der Präsident der Hauptabteilung Ernährung und Landwirtschaft bei der Regierung des Generalgouvernements am 24. August 1942 in Krakau machte: „Die Versorgung der bisher noch mit 1,5 Millionen Juden angenommenen Bevölkerungsmenge fällt weg, und zwar bis zu einer angenommenen Menge von 300.000 Juden, die noch im deutschen Interesse als Handwerker oder sonst wie arbeiten. Die anderen Juden werden nicht mehr mit Lebensmitteln versorgt.“
General Curt Freiherr von Gienanth, Wehrkreisbefehlshaber im Generalgouvernement, verfasst eine Denkschrift, in der er seine Auffassung belegt, „eine Entfernung der Juden hätte zur Folge, dass das Kriegspotential des Reiches erheblich gedrückt und die Versorgung der Front mindestens augenblicklich stocken würde“. Keitel, Chef des Oberkommendierenden der Wehrmacht, muss diese Denkschrift Hitler vorlegen, der sich von den nüchternen Beweisen aber nicht beeindrucken lässt. Aus seiner wütenden Reaktion geht deutlich hervor, dass Hitler selbst, nicht Himmler allein, der Erfinder und Architekt der „Endlösung“ war. „Ich habe Anweisung gegeben“, schrie Hitler, „gegen alle diejenigen, die glauben, hier mit angeblichen Rüstungsinteressen entgegentreten zu müssen, die in Wirklichkeit aber lediglich die Juden schützen wollen, vorzugehen!“ General Gienanth wurde abgesetzt. Keitel kapituliert vor Himmler. Mitte Oktober erhält die Wehrmacht im Generalgouvernement den Befehl, alle jüdischen Arbeitskräfte zu entlassen und schnellstens durch „arische“ (polnische) Arbeitskräfte oder kriegsgefangene Russen zu ersetzen. Eine Ironie am Rande: Die intelligenten, fachlich und handwerklich hervorragend ausgebildeten Juden waren für die Rüstung und Kriegsmaschinerie des Reiches wirklich unersetzlich gewesen. Nach ihrer Entfernung sank die Rüstungsproduktion im Generalgouvernement drastisch ab – mit allen entsprechenden Konsequenzen für die kämpfende Front in Russland. Die Ausrottung der Juden zeigt auch hier, dass die NS-Führung in ihrem verbrecherischen Fanatismus sogar rational-kriegswirtschaftlichen Überlegungen nicht mehr zugänglich war. Jetzt waren alle Juden im ehemaligen Polen unter die alleinige Kontrolle der SS geraten. Ungehindert konnten die Henker, unterstützt von ihren einheimischen Hilfstruppen aus kollaborierenden Polen, Ukrainern und Litauern, sich austoben. Die Statistiken, die von den Mordfabriken geliefert wurden, sind für menschliches Begriffsvermögen kaum zu fassen.
In Chelmno wurden über 150.000 Juden ermordet,
in Belzec 600.000
in Sobibor 250.000
in Treblinka 700.000
in Majdanek 200.000
in Auschwitz-Birkenau über 1 Million (!)
Auch für zügellose und perverse Sadisten wurden die Vernichtungslager zum Tummelplatz. In Sobibor pflegte der SS-Mann Gomerski die Schädel der Juden, die schon auf dem Transport erkrankt waren, mit einer eisernen Wasserkanne zu zertrümmern.
In Auschwitz versuchte ein kleines Mädchen durch die Postenkette zu schlüpfen. Der SS-Mann nahm sein Gewehr von der Schulter und legte an. Als das Mädchen um Gnade flehte, schoss der Mann dem Kind lachend die Füße kaputt.
In Belzec vergnügten sich SS-Männer damit, die Köpfe von Säuglingen vor den Augen ihrer Mütter an Barackenwänden zu zertrümmern.
Selbst vor sexuell betonten Leichenschändungen schreckten die Mörder nicht zurück.Der Häftling Max Kasner aus Auschwitz, der zum Leichen-Räumungskommando gehört, berichtet später, dass er einmal mit seinen Kameraden 70 tote Frauen beseitigen musste. „Es waren ausgesucht schöne Mädchen. Ihnen waren die Brüste abgeschnitten und aus den Schenkeln das Fleisch herausgeschnitten worden. Wir wateten bis zu den Knöcheln im Blut“.
In Auschwitz taten sich vor allem die SS-Führer Kaduk und Boger mit Erfinden von sadistischen Quälereien hervor.
Der Treblinka-Kommandant Kurt Franz ließ Juden mit dem Kopf nach unten aufhängen und von Schäferhunden zerfleischen. Die Liste der Scheußlichkeiten ließe sich beliebig verlängern.
Die Auschwitz-Gefangene Dr. Ella Lingens-Reiner: „Es gab wenige Sadisten. Nicht mehr als fünf bis zehn Prozent waren Triebverbrecher im klinischen Sinne. Die anderen waren ganz normale Menschen. Die durchaus wussten, was Gut und Böse ist. Sie haben alle gewusst, was da geschieht.“
In seinem Buch „Der Orden unter dem Totenkopf“ schreibt Heinz Höhne: „Die eigentliche Sensation, das wahrhaft Entsetzliche der Judenvernichtung lag darin, dass Tausende biederer Familienväter dem öffentlichen Geschäft des Mordens nachgingen und sich gleichsam am Feierabend in dem Gefühl streckten, gesetzestreue, ordentliche Bürger zu sein, denen es nicht einfallen würde, einen Schritt vom Pfad privater Tugend abzuweichen...Himmler beherrschte die fixe Idee, die Massenvernichtung müsse sachlich-sauber verwirklicht werden, der SS-Mann habe auch im staatlich befohlenen Mord „anständig“ zu bleiben.“
„Manchmal ließ Himmler SS-Sadisten sogar bestrafen, weil sie sich zu ‚Grausamkeiten hinreißen ließen, die eines deutschen Mann und SS-Führers unwürdig sind’, und der Reichsführer schulmeisterte: „Es ist nicht deutsche Art, bei der notwendigen Vernichtung des schlimmsten Feindes unseres Volkes bolschewistische Methoden anzuwenden!“ Die Vernichtung war für die Nazis wünschenswert, peinliche „Nebenerscheinungen“, wie Grausamkeiten und Perversitäten wurden unterdrückt oder rationalisiert, in dem man sie auf ein Feindbild, den Bolschewismus, projizierte. Für den Durchschnittstyp der mit der Vernichtung der Juden befassten SS-Beamten hat Hannah Arendt den Begriff des „Spießers“ in seiner klassischen Form verwendet. Auch Himmler war die ins Maßlose gewachsene Inkarnation des Spießers, der Entsetzlichkeiten befiehlt und verübt, aber niemals die „innere Disziplin“ verliert, . stets „sauber“ und „korrekt“ bleibt. Hierzu noch einmal Heinz Höhne: „Nicht der Sadist vom Schlage Kaduks und Bogers bestimmte Tempo und Wesen der Massenvernichtung, sondern Menschen wie Rudolf Höss: rührige Familienväter, aufgewachsen in der kühlen antisemitischen Schädlingsbekämpfungsmentalität, eingespannt in einen unpersönlichen, auf militärisch-industrielle Präzision eingestellten Mechanismus, der den einzelnen aller persönlichen Verantwortung enthob.“ Und der Historiker Martin Broszat hat den Charakter der „NS-Endlöser“ so analysiert: „Die Massenvernichtung war das Werk ehrgeiziger, pflichtbesessener, autoritätsgläubiger und prüder Philister, die, im Kadavergehorsam erzogen, kritik- und phantasielos mit bestem Gewissen und Glauben sich einredeten und sich einreden ließen, die „Liquidierung“ Hunderttausender von Menschen sei ein Dienst für Volk und Vaterland.“ (alles aus DRITTES REICH)
19.07.
Befehl Himmlers, die Ermordung der Juden im Generalgouvernement habe bis
Jahresende abgeschlossen zu sein.
20.07.
Bewaffneter Aufstand der Juden in Neswish.
22.07.
Das Vernichtungslager Treblinka ist fertiggestellt,
bis Aug. 1943 werden dort etwa 870.000 Juden ermordet.
22.07.- 12.09. 1942
Die "Umsiedlung" der Warschauer Ghetto-Bewohner (300.000 Menschen) in die Vernichtungslager Belzec und Treblinka beginnt. Etwa 60.000 Juden bleiben im Warschauer Ghetto zurück.
23.07.
Der Vorsitzende des Warschauer Judenrats, Adam Czerniakow, begeht Selbstmord,
um den Nationalsozialisten nicht bei der Deportation der Warschauer Juden
helfen zu müssen.
Czerniakow, Adam
"Sie verlangen von mir, mit eigenen Händen
die Kinder meines Volkes umzubringen.
Es bleibt mit nichts anderes übrig, als zu sterben."
Aus dem Abschiedsbrief Czerniakows an seine Frau
Czerniakow war Leiter des Warschauer Judenrats und Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Warschaus. Der Judenrat musste sich mit Fragen der Ernährung, der Arbeit, der Gesundheit, der Unterbringung und sanitärer Maßnahmen beschäftigen und eine entsprechende Verwaltung aufbauen.
Als der Judenrat zu Beginn der Aussiedlung am 22.7.1942 den Befehl erhält, täglich 6.000 unnütze Juden bereitzustellen, nimmt sich Adam Czerniakow am Tag darauf das Leben. (shoanet)
24.07.
"Aktion" gegen Juden in Deretschin.
28.07.
Gründung der Zydowska Organizacja Bojowa (Jüdische Kampforganisation, ZOB) in
Warschau.
28.-31.7.
Ermordung von 30.000 nach Minsk deportierten deutschen Juden in Maly Trostenez.
04.08.
Erste Deportation belgischer Juden nach Auschwitz
6.8.- Ende 1943
Deportationen jüdischer Häftlinge aus dem Lager Gurs über Drancy nach Auschwitz und Sobibor.
08.08.1942
Telegramm von Gerhard Riegner an Rabbiner Stephen S. Wise in New York und
Sidney Silverman in London (Riegner-Telegramm). Darin berichtet Riegner über
die Pläne der Nationalsozialisten zur systematischen Ermordung der europäischen
Juden.
Am 8. August 1942 versucht Gerhart Riegner aus der neutralen Schweiz, mit einem Telegramm an die USA und die Briten auf die Pläne Hitlers, 4 Millionen europäische Juden in den Osten zu deportieren, aufmerksam zu machen, was jedoch auf taube Ohren fällt. Den Rest seines Lebens verfolgte ihn das Wissen, dass der Mord an sechs Millionen Juden hätte verhindert werden können, hätten die USA auf das Telegramm hin gehandelt. Er verstarb gestern in Genf im Alter von 90 Jahren. Riegner war Generalsekretär des Jüdischen Weltkongresses. Morgen (5.12.2001) um 14.00 Uhr wird eine Gedenkfeier für ihn auf dem jüdischen Friedhof in Veyrier stattfinden. (NAI 4.12.2001)
09.08.
Bei der Auflösung des Ghettos in Mir leisten die Juden bewaffneten Widerstand.
09.08.
Angriff der jüdischen Partisaneneinheit Yeheskel Atlas auf eine deutsche
Garnison in Deretschin.
10. - 22.8.
"Umsiedlungs-Aktionen" im Lemberger Ghetto:
Deportationen von 50.000 Juden aus Lemberg nach Belzec.
11.08.
Ermordung von 2.000 Juden in Rostow.
12.08.
Treffen zwischen Churchill und Stalin in Moskau.
Das Ziel der Zerschlagung des Nationalsozialismus wird bekräftigt.
12.-18.8.
Deportationen von 5.000 Juden aus Bedzin
und 8.000 aus Sosnowiec nach Auschwitz.
13.-20.8.
Die Mehrheit der kroatischen Juden wird nach Auschwitz deportiert.
In Serbien arbeiten die Militärs willig mit der SS zusammen.
Ein Grund dafür ist die Partisanentätigkeit, und auf der anderen Seite der Partisanen gab es auch Juden. 5.000 männliche Juden werden durch die Wehrmacht selbst im Rahmen von „Geisel-Erschießungen“ umgebracht, die übrig gebliebenen Frauen und Kinder von der SS in die Vernichtungslager transportiert. (aus DEUTSCHES REICH)
15.08.
Eröffnung des Außenkommandos des KL Auschwitz in Jawischowitz zur Zwangsarbeit
im Bergwerk
Mitte Aug. 1942
Deutsche Truppen befinden sich im Kaukasus
16.-18.8.
Auflösung des großen Ghettos in Radom.
18.000 Juden werden nach Treblinka deportiert.
1.500 Menschen, die Widerstand leisten, werden sofort erschossen.
4.000 Juden werden in ein Arbeitslager in Radom eingeliefert.
20 .- 24.8.
Von den 20.000 Juden in Kielce
werden 18.000 nach Treblinka deportiert.
26.08.
"Deutschblütige" Hausangestellte dürfen nicht mehr bei Juden
beschäftigt werden und wohnen.
26.-28.8.
Verhaftung von 7.000 staatenlosen Juden im unbesetzten Frankreich.
Im unbesetzten Teil Frankreichs, das der Vichy-Regierung unterstand, hatte der Regierungschef Pierre Laval ein Geschäftsangebot an den Militärbefehlshaber General von Stülpnagel gemacht: Er wolle die „staatenlosen Juden“, also vor allem die deutschen Flüchtlinge, ausliefern, solange die französischen Juden unbehelligt bleiben. Allerdings konnten weder Stülpnagel noch Laval viel gegen übereifrige Nazi-Kollaborateure unter den örtlichen Gendarmeriechefs tun, die Juden oft aus eigener Machtvollkommenheit auslieferten. (aus DEUTSCHES REICH)
27.08.
3.000 Juden aus Ternopol werden nach Belzec gebracht.
August
Deportationen aus Zagreb und Kroatien nach Auschwitz.
Vergasung deportierter Theresienstadt-Juden bei Minsk
Sept. 1942
Deportationen aus Zagreb, Kroatien, nach Auschwitz.
Vergasung aus Theresienstadt
deportierter Juden bei Minsk, Bjelorußland.
01.09.
Anordnung des Reichsministers des Innern:
Der Nachlass "im KZ verstorbener" Juden fällt an das Reich.
02.08.
Als deutsche Truppen das Ghetto Lachwa einschließen, bricht ein Aufstand aus. 6.000
Juden fliehen, doch die meisten werden aufgespürt und wenig später ermordet.
04.09.
In Makedonien müssen Juden einen Judenstern tragen.
07.09.
Deportation von 7.000 Juden aus Kolomyja nach Belzec.
08.09.
Deportation von 8.000 Juden aus Tarnow nach Belzec.
09.09.
Deportation von 2.000 Lubliner Juden nach Majdanek.
09.09.
Transport nach Theresienstadt: 300 aus Bamberg;
am 10.09. aus Nürnberg 533.Juden
16.09.
Die "Umsiedlung" des Ghettos von Lodz ist beendet - 55.000 Opfer
18.09.
Vereinbarung zwischen dem Reichsjustizminister und dem Reichsführer SS:
Auslieferung jüdischer Justizhäftlinge an die SS "zur Vernichtung durch
Arbeit" Die SS treibt 1942 ca. 7.000 und 1943 ca. 10.000 neue Häftlinge
nach Ravensbrück. In den SS-Betrieben wird das "Pensum" ständig
erhöht und die Arbeitshetze verschärft
18.09.
Die Versorgung von Juden mit Fleisch, Fleischprodukten, Eiern, Milch und
anderen zugeteilten Lebensmitteln wird eingestellt.
21.09.1942
Am Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag,
werden über 30.000 Juden in Osteuropa ermordet
23.09. von Szydlowiec werden 10.000 Juden nach Treblinka deportiert und
umgebracht
24.09.
Soldaten ist die Heiratserlaubnis mit Frauen, die früher mit einem Juden
verheiratet waren, zu verweigern.
24.-26. September
Als die Deutschen das Ghetto in Tutschin auflösen wollen, kommt es zum Aufstand. Die meisten Juden können fliehen, werden aber später aufgespürt und ermordet.
Von Siedlce werden 2.000 Juden nach
Treblinka in den Tod geschickt
27.09.
von Kozienice kommen 13.000 Juden nach Treblinka zur Vernichtung
Sept. 1942
Holland: In 8 Zügen werden 6.675 Juden nach Auschwitz transportiert,
Frankreich 5.750 in 5 Zügen und ein
Zug aus Lille mit 1.000 Juden....
30.09.
Vom 23.09. an werden aus Lodz 16.000 Juden nach Chelmno deportiert und
vernichtet.
30.09.
Hitler wiederholt öffentlich seine Voraussage der Vernichtung des Judentums.
Der Judenrat in Ternopol weigert sich, den Deutschen wie befohlen 1.000 Juden zu übergeben.
Herbst
Erschießung von jüdischen Geiseln in Berlin
September
Juden werden dem Polizeirecht unterstellt
Stangl, Franz (1908-1971)
Im März 1942 wurde Stangl Kommandant des Vernichtungslagers Sobibor,
und von Anfang September 1942 bis August 1943 war er Kommandant in Treblinka. In weniger als einem Jahr beaufsichtigte er dort die Ermordung von mindestens 900.000 Juden. Am Ende des Krieges flieht Stangl nach Österreich, wo er schließlich wegen Mitgliedschaft in der SS von den Amerikanern interniert wurde. Stangl flieht nach Brasilien, als seine Verwicklung in das Vernichtungsprogramm offensichtlich wurde. Er wurde 1967 verhaftet, an die Bundesrepublik Deutschland ausgeliefert und 1970 zu lebenslanger Haft verurteilt. Er starb 1971 im Gefängnis. (shoanet)
1942
Himmler gab im Juli den Befehl, alle Juden ohne Unterschied des Alters aus dem Warschauer Getto zu evakuieren und ins Vernichtungslager Treblinka zu schaffen. Täglich verließen etwa 5.000 Juden in Begleitung von polnischer und jüdischer Polizei das Getto, um zum Bahnhof gebracht zu werden. Die „OB“ intensivierte ihre Bemühungen um Waffen. Immer mehr Gewehre, Handgranaten, Maschinengewehre und Munition wurden ins Getto geschafft. Eine gute Quelle für die polnischen Waffenlieferanten waren die italienischen Divisionen, die im Februar 1943 aus der Kampflinie gezogen wurden, aber in Galizien noch Dienst taten. In aller Heimlichkeit fand die Ausbildung von Juden und Jüdinnen im Waffengebrauch statt. Regelrechte Schiessübungen konnten wegen der engmaschigen Überwachung nicht veranstaltet werden. (aus DEUTSCHES REICH)
02.10.
Verstärkte Deportationen niederländischer Juden.
05.10.
Anordnung Himmlers zur Deportation aller jüdischen Häftlinge aus deutschen
Konzentrationslagern nach den Vernichtungslagern Auschwitz und Majdanek
05.10.
Vom 23.9. bis 5.10. werden aus Czenstochau 39.000 Juden nach Treblinka
transportiert
06.10.
Ravensbrück: Über 600 Häftlinge, darunter 522 Jüdinnen, werden nach Auschwitz
überstellt.
Die RSHA hatte befohlen, das Lager
"judenfrei" zu machen.
13.-21. Oktober
Deportationen von 20.000 Juden aus Piotrkow Trybunalski nach Treblinka.
500 können in die Wälder fliehen.
16.10. 1942
Transporte von Juden aus Holland nach Auschwitz: 1.170 insgesamt
Am 19.10. = 1.327
Am 23.10. = 988
Am 26.10. = 849
Am 30.10. = 659
1942
In offenen Güterwagen werden Juden
abtransportiert. Im Rahmen der „Endlösung“ spielt die Deutsche Reichsbahn eine
wichtige Rolle. Rund 3 Millionen Juden fahren mit der Eisenbahn in den Tod. Die
Beihilfe der Reichsbahn blieb weitgehend ungesühnt (aus DEUTSCHES REICH)
17.10. Transport aus Buchenwald nach Auschwitz mit 10.000 Juden
18.10. 1942
Das Reichsjustizministerium überträgt die "Verantwortung" für Juden
und Ostbürger im Reichsgebiet auf die Gestapo
19.10.
Drastische Einschränkungen der Lebensmittelversorgung für Juden im
Reichsgebiet. Sie erhalten u.a. keine Fleisch- und Milchprodukte mehr
24.10.
Als Vergeltung für das Heydrich-Attentat werden in Mauthausen
252 Freunde und Verwandte von Einwohnern des Ortes ermordet.
25.10. Deportation von 1.800 Lubliner Juden nach Majdanek.
Transport aus Oslo mit 209 Juden.
930 fliehen nach Schweden, das neutral ist
Herbst 1942
Die Slowakei stellt alle Judentransporte nach Polen ein.
27. 10.
3. Konferenz über die "Endlösung" in Berlin:
Plan zur Zwangstrennung aller "Mischehen" und Programm zur Sterilisierung der "Mischlinge".
27 - 28. Oktober 1942
Deportation von 7.000 Juden aus Krakau nach Belzec.
600 werden in Krakau erschossen.
28.10.
Erster Teil der "Aktion Reinhard" beendet.
Es bestehen über fünfzig Ghettos in Polen.
29.10.
Massenexekution der Juden in Pinsk (16.000 Opfer).
01.11.
Beginn der Deportationen von Juden aus dem Bezirk Bialystok nach Treblinka.
02.11.
Die Deutschen verlieren El Alamein an britische Truppen.
07.11. Alliierte landen in Nordafrika.
08.11. Alliierte landen in Algier
11.11. 1942
Besetzung Südfrankreichs durch Deutsche und Italiener.
Als die Alliierten in Nordafrika landen, wird ganz Frankreich von deutschen Truppen besetzt. Eichmann „Judenjäger“ rücken sofort nach. Sie stoßen auf unerwarteten Widerstand: Die italienischen Offiziere, die einen Teil Südfrankreichs als Besatzungsmacht kontrollieren, leisten nicht nur passive, sondern aktive Obstruktion. Die italienische Armee hilft den Juden, wo sie nur kann. In ihrer französischen Besatzungszone untersagen die Italiener jede antijüdische Aktion. Als der französische Polizeichef von Lyon 300 Juden zum Abtransport bereitstellt, erzwingen die Italiener die Freilassung. In Annecy wird die französische Gendarmeriekaserne von italienischen Truppen umstellt,
bis die dort internierten Juden freigelassen worden waren.
In Frankreich hatte zuvor der Militärbefehlshaber General von Stülpnagel eine hinhaltende Politik getrieben. Zumindest weigerte er sich, seine eigenen Truppen als Büttel der SS zur Verfügung zu stellen.
(aus DEUTSCHES REICH)
Deportation von 4.000 Juden aus Kolomya nach Belzec.
Tenenbaum, Mordechai (1916-1943)
Einer der Kommandeure der Untergrundbewegungen in Wilna, Warschau und Bialystok. Tenenbaum gehörte zu den Begründern des Antifaschistischen Blocks und zu den Herausgebern seines Publikationsorgans "Der Ruf". Zusammen mit Yithak Zuckerman gab Tenenbaum "Yediot", das Organ der Dror im Warschauer Ghetto heraus.
Tenenbaum gehörte im Juli 1942 zu den Begründern der ZOB. Er war aktiv beteiligt an der Beschaffung von Waffen und an der Unterweisung der Mitglieder der Bewegung im Umgang mit denselben.
Im November 1942 ging Tenenbaum auf
Beschluss der ZOB nach Bialystok, um dort eine Widerstandsgruppe zu organisieren und
zu leiten. Er übernahm noch eine weitere Aufgabe, nämlich die Einrichtung
eines Untergrundarchivs. Am 16.8.1943 gab Tenenbaum angesichts der
bevorstehenden Auflösung des Ghettos das Zeichen zum Aufstand. Am
Tag des Aufstands bewies er überragende Führungsqualitäten. Es ist nicht
bekannt, wann oder wo er fiel.
Der größte Teil des Tenenbaum Archivs wird heute von Yad Vashem verwahrt. (shoanet)
18.11.
Auf Befehl der Deutschen sollen sich in Przemysil 8.000 Juden zur Deportation
einfinden, doch nur 3.500 leisten der Anordnung Folge. Sie werden nach Belzec
deportiert.
18.11.1942 bis Anfang 1943
Ermordung von etwa 15.000 Juden im
Ghetto von Lemberg.
22.11.
Beginn der sowjetischen Gegenoffensive bei Stalingrad.
24.11. 1942
Rabbiner Stephen S. Wise gibt die Informationen aus dem Riegner-Telegramm an die Presse weiter.
25.11.
Erste Judendeportation aus Norwegen nach Auschwitz.
04.12.
Gründung der Zegota (Hilfsrat für Juden) in Polen.
06.12.
Auf Befehl der deutschen Behörden muss die jüdische Führung in Tunesien 2.00
Juden für Zwangsarbeit bereitstellen. Schließlich werden 5.000 Personen in
Arbeitslager interniert.
10.12.
Die polnische Exilregierung fordert die Alliierten zu Vergeltungsmaßnahmen für
die Ermordung von Zivilpersonen, insbesondere Juden, auf.
Dezember 1942
Rumänien verbietet die Auslieferung von Juden an die Deutschen, obgleich die rumänischen Antisemiten sich fast noch wilder gebärdet hatten als die deutschen.
16.12.
Errichtung eines Ghettos in Charkow. Drei Wochen später werden in der Schlucht
Drobizki nahezu 15.000 Juden ermordet.
17.12.
Erklärung der Alliierten, in der die von den Nationalsozialisten betriebene
Judenausrottung verurteilt wird. Die Alliierten versprechen, die Ausrottung der
Juden zu sühnen: Beschluss zur schonungslosen Verfolgung und Bestrafung von
Verbrechen gegen die Menschlichkeit
23.12. Ermordung der letzten Juden in Pinsk.
1942
Der evangelisch-lutherische Pfarrer Auer aus Larrieden/Franken fordert von den
Nazis, in einer Nacht alle jüdischen Mitbürger umzubringen, wenn die Fliegerangriffe
auf Deutschland nicht aufhören.
Die Baum-Gruppe
Untergrundorganisation in Berlin, die hauptsächlich aus Juden aus der Jugendbewegung bestand. Es gehörten ihnen jedoch auch Zionisten an. Von 32 aktiven Mitgliedern waren 1933 nur vier älter als 19 Jahre. Die Führer der Gruppe waren Herbert und Marianne Baum. Die meisten Mitglieder wurden 1942 während einer Aktion verhaftet. Zur Vergeltung wurden 500 Berliner Juden verhaftet und in das KZ Sachsenhausen deportiert. Baum wurde zu Tode gefoltert, die anderen Mitglieder zum Tode verurteilt und hingerichtet. (shoanet)
Eberl, Irmfried (1910-1948)
Arzt im Euthanasie-Programm und Kommandant des Vernichtungslagers Treblinka. In Euthanasie-Anstalten wurden unter seiner Leitung mindestens 18.000 Menschen ermordet. Ab 1942 war Eberl am Aufbau von Treblinka beteiligt und wurde dort Lagerkommandant. In seine Kommandantenzeit fällt die Ermordung von mindestens 280.000 Menschen.
Nach Kriegsende praktizierte Eberl als Arzt in Blaubeuren und wurde 1948 dort festgenommen. In der Haft beging er Selbstmord. (shoanet)
Das Jahr 1943
1942-1944
Kanada verweigert Hunderten von jüdischen Waisenkindern wegen Unterernährung
die Einreise. Sie sterben in den Gaskammern der Nazis.
01.01.
Holländische Juden dürfen keine privaten Bankkonten mehr besitzen. Das gesamte
jüdische Vermögen wird auf ein Zentralkonto eingezahlt.
Januar 1943
Transporte aus Westerbork/Holland nach Auschwitz:
11.01. 750 Juden
18.01. 748 Juden
21.01. 921 Juden
23.01. 516 Juden
29.01. 869 Juden
12.01. aus Berlin 612 Juden
15.01. von Malines, Belgien 948 Juden
29.01. aus Berlin 1.000 Juden
von Theresienstadt nach Auschwitz:
21.01. 1.582 Juden
24.01. 1.802 Juden
27.01. 709 Juden
30.01. 783 Juden
13.01.
Deportation von 1.500 Juden aus Radom nach Treblinka.
Dänemark: Anfang 1943 befiehlt Hitler den Abtransport aller Juden, insgesamt 6.500.
Der Bevollmächtigte des Deutschen Reiches, Werner Best, setzt sich selbst mit den Führern des dänischen Widerstandes in Verbindung. Die meisten dänischen Juden werden rechtzeitig nach Schweden gebracht. Den SS-Leuten fallen nur 477 ältere Juden in die Hände. Für diese kann Best durchsetzen, dass sie nach Theresienstadt kommen, wo alle das Kriegsende überlebten.
14 - 24. Januar
Konferenz von Casablanca: Roosevelt
und Churchill erklären die bedingungslose Kapitulation Deutschlands zum
Hauptkriegsziel.
18.01. Warschau
Erster bewaffneter Widerstand gegen
die Deportationen im Warschauer Ghetto. Straßenkämpfe unter dem Kommando von
Mordechai Anielewicz.
Der Abschiedsbrief aus dem Warschauer Getto von Jossel Rackower ist ein literarisches Werk des in New York lebenden Schriftstellers Zvi Kolitz. Er veröffentlichte diesen "Brief" zum ersten Mal in der jiddischen Zeitung in Buenos Aires auf Jiddisch (1948?) und es war lange angenommen worden, es sei ein authentischer Bericht. Anna Maria Jockl, kürzlich in Jerusalem verstorben, eine aus Wien stammende jüdische Schriftstellerin, übersetzte diese Geschichte später ins Deutsche. Dieser Brief war vor Jahren auch im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung abgedruckt. Eine sehr ergreifende Geschichte, die genauso authentisch sein könnte:
Von Jossel Rackower
ist der Nachwelt ein besonders ergreifendes "Glaubenszeugnis"
überliefert worden. 1943 schreibt er im brennenden Getto von Warschau den
folgenden Abschiedsbrief: "Jetzt ist meine Stunde gekommen. Wie Hiob kann
ich nur sagen - ich bin nicht der einzige -: Nackt bin ich geboren, nackt kehre
ich zur Erde zurück. Ich bin jetzt 43 Jahre alt. Es gibt kein auserwähltes Volk
als jenes, das immer verfolgt wird. Falls ich bisher nicht geglaubt hätte, dass
Gott uns zum auserwählten Volk bestimmt hätte -, unsere Leiden haben mich davon
überzeugt. Ich glaube an den Gott von Israel, auch wenn er alles getan hat,
mich an ihn unglauben zu machen..." Dann sieht er sich wieder in einem
Juden, der mit Frau und Kind floh und über das stürmische Meer in einem kleinen
Boot zu einer steinigen Insel trieb. Es kam der Blitz und erschlug die Frau. Es
kam Sturm und schleuderte sein Kind ins Meer. Allein, elend wie ein Stein,
nackt und barfuß, geschlagen vom Sturm und geängstigt von Donner und Blitz, mit
verwirrtem Haar und die Hände zu Gott erhoben, ist der Jude weitergegangen auf
der wüsten Felseninsel und hat zu Gott gesagt: "Gott von Israel, ich bin
hierher geflohen, um dir ungestört dienen zu können, um deine Gebote zu
erfüllen und deinen Namen zu heiligen. Du aber hast alles getan, damit ich
nicht an dich glaube. Solltest du meinen, es wird dir gelingen, mich von meinem
Weg dir nach abzubringen, so sage ich dir, mein Gott und Gott meiner Väter: Es
wird dir nicht gelingen. Du kannst mich schlagen, mir das Beste und Teuerste
nehmen, das ich auf der Welt habe. Du kannst mich zu Tode peinigen - ich werde
doch immer an dich glauben. Ich werde dich immer liebhaben - dir selbst zum
Trotz! Und das sind meine letzten Worte an dich, mein zorniger Gott: Es wird
dir nicht gelingen! Du hast alles getan, damit ich nicht an dich glaube, damit
ich an dir verzweifle! Ich aber sterbe, genau wie ich gelegt habe: im
felsenfesten Glauben an dich!
Gelobt seist du in alle Ewigkeit: Schma Israel Adonai Elohenu Adonai Echad Amen
(Höre, Israel, der Ewige ist unser
Gott, der Ewige ist einig und einzig!)"
Ein anderer Jude kritzelte auf eine Wand im belagerten Warschauer Getto die
Worte:
Ja, ich glaub',
ich glaub',
ich glaube!"
"Ich glaub',
ich glaub',
ich glaube, ehrlich, unerschütterlich und fromm,
dass der Messias kommt. An den Messias glaube ich. Auch wenn er auf sich warten lässt, glaube ich darum nicht weniger fest. Selbst wenn er lange zögert noch, an den Messias glaube ich doch.“
20.-26.1. Transporte aus dem Ghetto Theresienstadt nach Auschwitz.
02.02.
Die 6. deutsche Armee kapituliert bei Stalingrad.
5.-12.2. 1943
Erste "Umsiedlung" in Bialystok: Ermordung von 2.000 Juden, 10.000 werden nach Treblinka deportiert. Juden leisten bewaffneten Widerstand.
Anfang Februar 1943
Berlin: Otto Weidt, geb. 1883, besitzt eine Bürstenfabrik, in der viele blinde jüdische Arbeiter beschäftigt werden. Als immer mehr Juden deportiert werden, versucht Weidt, die jüdischen Zwangsarbeiter für ‚kriegswichtige‘ Arbeiten zu reklamieren. Anfang Februar gelingt es ihm, die verhafteten und zur Deportation bestimmten Arbeiter seines Betriebes zurückzuholen. Er stirbt am 22.12.1947.
11.02.
Auf dem Transport nach Auschwitz befinden sich alte Menschen, u. a :
Marie Dreifuss, 85 Jahre aus Kuppenheim, Caroline Neumann, 82 Jahre aus Teschen, Berta Schmulewitz, 84 Jahre aus Sosnowiec usw......
13.02.
Die Juden im tunesischen Djerba werden zur Zahlung von 10 Millionen Francs an
die deutschen Behörden gezwungen.
18. Februar 1943
Josef Goebbels, Berlin: Wollt Ihr den totalen Krieg?
24.02.
Errichtung des Ghettos in Saloniki.
In Griechenland lehnt Geloso die Einführung des Judensterns für seine Besatzungszone ab. Vor die Synagoge und das Gemeindehaus in Athen beordert er italienische Wachen. In Saloniki können hunderte von Juden vor der Deportation gerettet werden, in dem das italienische Konsulat ihnen die italienische Staatsbürgerschaft verlieh. (aus DEUTSCHES REICH)
25.02.
Ankunft des ersten Transports von Sinti und Roma in Auschwitz. Sie werden in
einem besonderen Lagerabschnitt, dem so genannten Zigeunerlager, untergebracht.
27.02.
"Fabrik-Aktion": Deportation der jüdischen Zwangsarbeiter aus Berlin
nach Auschwitz.
Anfang 1943 schlug auch die Stunde für jene deutsche Juden, die wegen ihrer Fachkenntnisse bisher für die Rüstungsindustrie unentbehrlich gewesen und – nicht zuletzt durch den Einfluss Görings - von der Deportation verschont geblieben waren. Ende Februar werden sie – meist am Arbeitsplatz – schlagartig festgenommen und zusammen mit ihren Angehörigen in die Vernichtungslager deportiert.
Ihr Schicksal ist aus den „Eingangsberichten“ der Todesfabriken abzulesen, wie zum Beispiel denen des Obersturmführers Schwartz, Arbeitslager Auschwitz: „Transport aus Berlin, Eingang 5.3.1943. Gesamtstärke 1128 Juden. Zum Arbeitseinsatz gelangten 389 Männer und 96 Frauen.
Sonderbehandelt wurden 151 Männer und 492 Frauen und Kinder...
Transport aus Breslau. Eingang 5.3.43. Gesamtstärke 1405 Juden. Zum Arbeitseinsatz gelangten 406 Männer und 190 Frauen.
Sonderbehandelt wurden 125 Männer und 684 Frauen und Kinder.“
Die entsetzlichen Szenen, die sich bei den Selektionen an der Bahnhofsrampe von Auschwitz abspielten, sind häufig geschildert worden. Die zur Arbeit „aussortierten“ Juden hatten nur eine Galgenfrist erhalten. Sobald sie der mörderischen Arbeit in dem Zweigwerk der Buna-Gummifabriken, beim Straßenbau oder in den Steinbrüchen nicht mehr gewachsen waren, sobald sie infolge von Unterernährung, unzureichender Kleidung oder brutaler Behandlung krank wurden, traten auch sie bei einer der unregelmäßig stattfindenden „Selektionen“ den Weg in die Gaskammern an. Allmählich leerten sich die Ghettos in Polen. Um die Fliessbänder des Todes in Gang zu halten, brauchten die SS-Strategen Nachschub. In der „Wannsee-Konferenz“ waren alle Juden Europas ins Mordprogramm mit einbezogen worden. In der Kurfürstenstrasse 116 in Berlin der Schaltzentrale der Judenvernichtung, spann Adolf Eichmann seine Drähte. Bei allen Polizeibefehlshabern in den von Deutschland besetzten Gebieten, bei allen diplomatischen Missionen der Satellitenstaaten unterhielt Eichmann „Judenreferenten“, die die Auslieferung der einheimischen Juden an die SS mit Druck oder Überredung organisierten. (aus DEUTSCHES REICH)
Februar 1943
Bialystok: Widerstand, geleitet von
Eliyahu Boraks, sie töteten 8 SS-Männer
29.02.
Auflösung des Ghettos in Kolomyia. Ermordung von 2.000 Juden.
Berliner Bevölkerung 1943
28.02. bis 16. März
Ein Triumph des Lichtes von Walter L.J. Rosen (meOme)
Die Geschichte der Rosenstrasse - wie Berliner Frauen ihre Männer vor Hitler bewahrten.
An der Rosenstrasse in Berlin-Mitte gibt es etwas Besonderes zu entdecken. Ein Mahnmal für einige Hundert Berliner Frauen, die ihre jüdischen Männer, Geliebten, Söhne, auch einige Töchter, den erbarmungslosen Klauen der Gestapo entrissen - es erinnert an einen Akt des Aufbäumens, wie ihn ein Barde der Antike hätte besingen können.
Die Opfer waren bereits für den
Abtransport nach Auschwitz ausgewählt. Die mutigen Berlinerinnen wählten für
ihren Kampf das gewaltlose Mittel der Demonstration; vom 28. Februar bis zum
16. März 1943 - es war die erste deutsche Frauendemo. Und die SS stand Gewehr
bei Fuß. Propagandaminister Goebbels jedoch, dem der Fall zugeteilt war, wusste
wohl, dass eine gewaltsame Lösung nicht zur Debatte stand, wurde angesichts der
Demonstration zusehends unruhiger, die Reaktionen im feindlichen Ausland waren
überhaupt nicht auszudenken. Die Todgeweihten, zweitausend an der Zahl, kamen
frei. Goebbels persönlich hatte den Freilassungsbefehl erteilt. Unter dem
immensen Druck der Demonstranten formulierte der Propagandaminister seinen
Befehl - diesmal zum Guten. .... (15.03.2001)
4.-9.3.
Festnahme fast aller 4.000 Juden im bulgarischen Teil Thrakiens. Sie werden
nach Treblinka deportiert.
März
Transporte aus Holland nach Sobibor.
Transporte aus Prag, Wien, Luxemburg
und Mazedonien nach Treblinka.
März/Mai
Zweite "Umsiedlung" in Kroatien.
11.03.
Juden sind nach Verbüßung einer Strafe - gleich welcher Höhe –
auf Lebenszeit den
Konzentrationslagern Auschwitz oder Lublin zuzuführen.
März
Transporte aus Holland nach Sobibor.
Aus Prag, Wien, Luxemburg und
Mazedonien nach Treblinka.
13.03.
Liquidierung des Krakauer Ghettos
Die SS gründet die "Ostindustrie GmbH" zur Ausbeutung jüdischer Zwangsarbeiter im Generalgouvernement.
Versuch eines Attentats auf Hitler durch Offiziere der Heeresgruppe Mitte in der Sowjetunion.
13.03.1943
Warschau
Nachdem das Getto sich immer mehr leerte, gewannen die kämpferischen Juden auch politisches Übergewicht. Es gelang an diesem Tage dem Judenrat nicht mehr, die für den Abtransport befohlene Zahl von Juden zusammenzustellen. Die Deutschen mussten sie mit Gewalt aus den Häusern holen. Der Judenrat lies den Deutschen gegenüber durchblicken, dass er keine Autorität mehr bei der Bevölkerung besitze. Kurz darauf wurde Judenratspräsident Lichtenbaum verhaftet, das Kommando innerhalb des Gettos übernahm Polizeigeneral Jürgen Stroop, der am 17. April mit seinen Panzern ins Getto einfuhr. (aus DEUTSCHES REICH).
15.03.
Deportationen aus Saloniki und Thrakien nach Auschwitz:
Aus Saloniki 43.850 nach Auschwitz,
424 aus Verroia, 655 aus Kastoria
März
Ravensbrück: Es beginnt der verstärkte Einsatz von Häftlingen in der
Rüstungsindustrie. Dabei entstehen Außenlager, z.B. in Karlshagen,
Neubrandenburg und Velten.
März
20 Balkan-Züge rollen nach Treblinka:
z.B. 4 aus Radomir, 3 aus Dupritsa, 3 aus Gorna, 5 aus Skopje, 3 aus Bitola,
2 aus Pirot. Ein Schiff sinkt auf
dem River Danube, hunderte Juden ertrinken
15.03. Eröffnung des KL Riga-Kaiserwald
17.03. Ermordung von 1.500 Juden aus Lemberg.
800 werden nach Auschwitz deportiert.
19.03.
Schönebeck/Elbe: Für Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG wird ein KL
errichtet. Ebenso bestehen solche in Dessau für die Junkerswerke und in
Halberstadt für die Hermann-Göring-Werke
22.03.
Das erste der neuen Krematorien in Auschwitz-Birkenau wird in Betrieb genommen.
Frühjahr 1943
Belzec: Abbruch der Baracken und Einebnung des gesamten Terrains,
nachdem die Leichen aus den
Massengräbern verbrannt worden sind...
8.-9. April
Ermordung von 1.000 Juden bei Ternopol.
06.04.
Sobibor: z.B. Transporte aus Westerbork mit 2.020 Juden
am 13.4. mit 1.204 Juden
am 20.4. mit
1.166 Juden
am 27.4. mit 1204
Juden
am 19.4. aus Brüssel mit 938
Juden
13.04.1942
Wehrmacht-Feldwebel für Rettung von Juden im Jahre 2000 geehrt
Hamburg (AP) Verteidigungsminister Rudolf Scharping hat eine Bundeswehrkaserne nach einem Wehrmacht-Feldwebel benannt, der in der NS-Zeit vielen Juden in Litauen das Leben rettete und dafür hingerichtet wurde. Scharping benannte am Montag die Rüdel-Kaserne in Rendsburg um in Feldwebel-Schmid-Kaserne. Der ursprüngliche Namensgebers Günther Rüdel war Generaloberst der Wehrmacht und gehörte als ehrenamtlicher Richter dem Volksgerichtshof an. Nun wird die Kaserne der Heeresflugabwehrschule in Schleswig-Holstein den Namen des aus Österreich stammenden ehemaligen Wehrmachtsangehörigen Anton Schmid erhalten. Damit ehrt die Bundeswehr einen «Märtyrer des Holocaust». Der am 9. Januar 1900 in Wien geborene Schmid leitete als Feldwebel der Wehrmacht die Versprengten-Sammelstelle im litauischen Wilna, deren Aufgabe es war, versprengte Soldaten ihrer Truppe zuzuführen. 1941 habe Schmid unter großem persönlichen Risiko Juden geholfen und Fluchtaktionen in Zusammenarbeit mit der jüdischen Widerstandsbewegung organisiert. Er wurde von einem NS-Kriegsgericht zum Tode verurteilt und am 13. April 1942 in Wilna hingerichtet. (Internet 08.05.2000)
18.04.
Jaworow in Ostgalizien: 3.489 Juden werden erschossen
19.04.1943
Warschau
Am 17. April war Polizeigeneral Jürgen Stroop mit seinen Panzern ins Getto gefahren. Zwei Tage später, in der Nacht vom 18. auf den 19. April, am Vorabend des Pessachfestes, begann der erste militärische Aufstand von Juden seit dem Aufstand von Bar Kochba zur Zeit des römischen Kaisers Hadrian. Im jüdischen Kampfbund waren etwa 1.000 Bewaffnete organisiert. Eine Chance zum Sieg bestand nicht. Aber das eigentliche Motiv des Aufstandes liegt in den Worten von Arie Wilner, dem Verbindungsmann zum polnischen Widerstand: „Es geht uns nicht darum, unser Leben zu retten. Wir wissen – keiner von uns kommt hier lebend heraus. Wir wollen nur die Menschenwürde retten!“
In den frühen Morgenstunden beginnen SS-Leute und deutsche Polizei gemeinsamen mit ukrainischen, lettischen und litauischen Hilfstrupps mit Panzern, Lastwagen und Maschinengewehren weiter ins Getto einzudringen. Mit Lautsprechern werden die Juden aufgefordert, ihre Schlupfwinkel zu verlassen und sich zum Sammelplatz zum Abtransport zu begeben. Die jüdischen Soldaten empfangen die Truppen mit MG-Salven und Pistolenschüssen, einem Hagel von Handgranaten und Zündflaschen. Die Deutschen müssen sich fluchtartig zurückziehen. Stroop: „Beim ersten Eindringen ins Getto gelang es den jüdischen Banditen, durch einen vorbereiteten Feuerüberfall die angesetzten Kräfte einschließlich Panzer und Schützenpanzerwagen zurückzuschlagen.“
Der Aufstand im Ghetto war für die Deutschen eine psychologische Überraschung. Zum ersten Male leisteten Juden bewaffneten Widerstand. Diese Möglichkeit hatte es in den Kalkulationen der Nationalsozialisten bisher überhaupt nicht gegeben. Durch ihre ganze Geschichte in der Diaspora waren Juden im Angesicht von Terror, Unterdrückung und Verfolgung immer zu Duldsamkeit erzogen worden. Sie hatten sich bei Pogromen nicht gewehrt und nun auch resigniert und voll Trauer, aber ohne physischen Widerstand, die Züge in die Todesfabriken bestiegen.
Doch von überall, aus Kellerluken, Dachböden, Hauseingängen und Ruinen wurden die Deutschen beschossen. Und an ihrem Zerstörungswerk gehindert. Immer mehr Truppen musste der verbitterte Stroop einsetzen. Frauen und Mädchen bedienten Maschinengewehre, Juden zerstörten Panzer mit behelfsmäßigen Sprengladungen. Auch als die Mauern zusammenkrachten, Qualm und Gluthitze der Brände das Getto überlagerten, setzten Juden den Kampf in Kellern und Kanalisation fort. Erst am 6. Mai war der Kampf zu Ende. (aus DEUTSCHES REICH)
Im April 1943 befiehlt Zar Boris III. von Bulgarien, alle Judendeportationen zu unterlassen.
Finnland weigerte sich, nicht zuletzt auf die Interventionen von Himmlers Masseur Kersten hin, der vielen Juden schon die Flucht ins neutrale Ausland ermöglicht hatte, seine Juden auszuliefern.
19.04. 1943
Bermuda-Konferenz
Eine von den USA und Großbritannien am 19.4.1943 einberufene Konferenz,
die Lösungen für das Problem der
Kriegsflüchtlinge finden sollte.
Tatsächlich aber war diese Konferenz Höhepunkt der Bemühungen beider Nationen,
alle nachdrücklichen Anstrengungen zur Rettung der europäischen Juden zu
blockieren.
Der Aufstand der Juden im Warschauer Ghetto 1943 gehört zu den wenigen großen
Widerstandsversuchen gegen die Gewaltherrschaft der National-Sozialisten. Das
Warschauer Ghetto war das größte der in den besetzten Gebieten Polens und der
Sowjetunion eingerichteten Ghettos. Im Warschauer Ghetto, das 4 km lang und 2,5
km breit war, mussten bis zu 360.000 Menschen leben. Die Menschen lebten und
arbeiteten dort unter katastrophalen sanitären Bedingungen und mit kleinsten
Lebensmittelzuteilungen.
Am 19. April 1943 begann die Erhebung der Warschauer Juden gegen den Abtransport in das Vernichtungslager Treblinka und die Auflösung des Ghettos. SS-Einheiten gingen mit Panzern, unterstützt von kleinen Spezialeinheiten der Wehrmacht und von polnischen Kollaborateuren, gegen die Ghettobewohner vor. Fast vier Wochen dauerte der Aufstand, in dem die kaum bewaffneten Juden der perfekten Militärmaschinen der Deutschen verzweifelten Widerstand entgegensetzten. Der Warschauer Aufstand endete mit der Zerstörung des Ghettos am 16. Mai 1943. Er kostete 12.000 Menschen das Leben, 7.000 Juden wurden nach Abschluss der Kämpfe vergast, etwa 30.000 Menschen sind erschossen worden. (shoanet)
Auch in Griechenland arbeitet die Wehrmacht mit der SS zusammen. Generalleutnant von Krenzki, der Militärbefehlshaber von Saloniki-Ägäis, hilft sogar mit Truppen bei der Räumung des Judenviertels von Saloniki. Die rund 60.000 Juden der deutschen Besatzungszone in Griechenland werden mit Wehrmachtszügen nach Polen transportiert. Der deutsche Marine-Befehlshaber der Ägäis stellt Schiffsraum zur Verfügung, um die Juden von den griechischen Inseln abzutransportie-ren“ (aus DEUTSCHES REICH)
April
Treblinka: 9 Züge aus Saloniki mit 24.921 Juden treffen ein,
aus Kovno 5.000, aus Widze 1.800 Juden
21.04.
"Straffällige Juden sind nach Verbüßung einer Strafe dem KZ Auschwitz oder
Lublin zuzuführen"
29.04.
Die Presse wird angewiesen, die Judenfrage fortlaufend und ohne Pause zu
behandeln.
30.04.
Bergen-Belsen: 250 Häftlinge vom KL Buchenwald kommen zum Ausbau des Lagers
hierher. Ab Juli ist es Aufenthaltslager für zum Umtausch vorgesehene jüdische
Insassen. Von März bis Herbst 1944 sollte es außerdem zur Aufnahme von kranken
Häftlingen und danach als Auffanglager für Evakuiertentransporte für KL aus dem
Osten dienen.
30.04.
Sobibor: Juden in ankommenden Transporten aus Wlodawa attackieren die SS. Alle
Juden werden mit Maschinengewehr und Granaten getötet, 2000.
05.-10.5
Die letzten beiden Transporte kroatischer Juden gehen nach Auschwitz.
07.05.
Nach einer "Aktion" in Nowogrudok bleiben nur noch 233 von
ursprünglich 7.000 Juden am Leben. Drei Wochen später können 100 Überlebende
fliehen und sich den Partisaneneinheiten anschließen.
Transport aus Zagreb nach Auschwitz:
1.000 und am 13.05. ebenfalls 1000 Juden
Tunis kapituliert
08.05.1943
Anielewicz, Mordechai (1920-1943)
Kommandeur des Warschauer Ghettoaufstands und entscheidender Aktivist im Untergrund. Unter dem Einfluss der ersten Berichte von den Morden an den Juden im Osten im Juni 1941 konzentrierte Anielewicz sich darauf, eine Selbstverteidigungsorganisation im Ghetto zu schaffen. Unter Anielewicz Führung wurde die ZOB für den Widerstandskampf vorbereitet. (shoanet)
Bei den Kämpfen im Warschauer Ghetto werden Mordechai Anielewicz und andere führende Ghettokämpfer getötet.
09.05.
Kapitulation der letzten deutsch-italienischen Streitkräfte in Nordafrika.
12.05.
Samuel Zygelbojm, ein jüdischer Vertreter der polnischen Exilregierung in
London, begeht Selbstmord, um damit seine Solidarität mit den jüdischen
Widerstandskämpfern in Warschau und seinen Protest gegen das Schweigen der
Weltöffentlichkeit angesichts des Schicksals der Juden im besetzten Europa
auszudrücken.
13.05.
Befreiung Tunesiens durch die Alliierten.
16.05
Vernichtung des Warschauer Ghettos
Der Kampf war zu Ende. Die Synagoge wurde symbolisch gesprengt, und Himmler gab Befehl, die Reste des Gettos dem Erdboden gleichzumachen. Wer von den Kämpfern noch lebte, wurde erschossen, der Rest der Bevölkerung, etwa 20.000, nach Treblinka gebracht. Die Aufständischen des Warschauer Gettos sind für die ganze gequälte und gedemütigte Judenschaft Europas gestorben. Indem sie den Kampf wählten, obgleich sie von vornherein den Ausgang kannten, haben sie die Menschenwürde verteidigt und gezeigt, dass Juden sich nicht abschlachten lassen wie Vieh.
Nach Warschau gab es weitere Aufstände, zum Beispiel in Treblinka, die zwar rasch niedergeschlagen wurden, aber die Welt eine Lektion lehrten. Hier zeigte sich auch, dass eine junge, kämpferische Generation von Juden, politisch gebildet und motiviert, die duldende Generation ihrer Väter abzulösen begann. SS-General Stroop lässt ein Fotoalbum anlegen. Im Nürnberger Prozess wird der „Stroop-Bericht“ eines der wichtigsten Anklage-Dokumente.
(aus DEUTSCHES REICH)
Stroop, Jürgen (1895-1952):
"Es gibt keinen jüdischen
Wohnbezirk in Warschau mehr"
Überschrift seines Abschlußberichts.
SS- und Polizeiführer in Warschau. Am 17.4.1943 war Stroop mit der Niederschlagung des Warschauer Aufstands und der Auflösung des Ghettos beauftragt worden. Er leitete die Operation gegen das aufständische Ghetto wie einen Feldzug. In seinem letzten Tagesbericht vom 16.5.1943 berichtete Stroop, dass von 56.065 gefangen genommenen Juden 13.929 umgebracht worden und etwa 5.000 bis 6.000 bei den Bombardierungen und Bränden umgekommen waren. Im Juli 1951 wurde Stroop vom Obersten Nationalgerichtshof Polens zum Tode verurteilt und im Jahr darauf in Warschau gehängt. (shoanet)
17.05.
Die letzten 395 Juden aus Berlin werden nach Auschwitz transportiert
Mai
Saloniki: 10.930 Juden werden in 5 Zügen nach Auschwitz abtransportiert
01.06.
Beginn der endgültigen Auflösung des Ghettos in Lemberg.
Als die Juden Widerstand leisten, werden 3.000 ermordet
und 7.000 nach Janowska verschleppt.
05.06.
Sobibor: 1.266 Kinder aus Holland kommen hier an und werden getötet
07.06.
Meldung nach Berlin: Sterilisationsrate: 1.000 pro Tag
10.06.
Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland wird aufgelöst
11.06.
Himmler befiehlt die Liquidierung aller polnischen Ghettos.
Am 21. Juni wird der Befehl auf die Sowjetunion ausgedehnt.
19.06.
Goebbels erklärt Berlin für "judenfrei".
20.06.
Auflösung des Ghettos in Ternopol: Es werden nahezu alle Juden in der Stadt und
in der näheren Umgebung umgebracht.
21. - 27.6.
Liquidierung des Lemberger Ghettos (20.000 Menschen).
25.06.
Bewaffneter Aufstand der jüdischen Kampforganisation im Ghetto in
Tschenstochau.
Juli 1943
Karski, Jan zu Präsident Roosevelt:
«Falls die Deutschen ihre Methode, mit der jüdischen Bevölkerung umzugehen, nicht ändern und die Alliierten nicht eingreifen, sei es in Form von Repressalien oder anderen Aktionen, wird die jüdische Bevölkerung innerhalb einer Zeitspanne von eineinhalb Jahren nach meiner Abreise aus der Heimat aufgehört haben zu existieren.»
Jan Karski wurde 1914 als Jan Kozielewski in Lodz geboren. Er hatte gerade seine Laufbahn im diplomatischen Dienst begonnen, als Hitler in Polen einmarschierte. Nach kurzer Kriegsgefangenschaft gelang es ihm, in den von den Deutschen besetzten Teil Polens zu fliehen. Dort nahm er bald eine zentrale Rolle im Widerstand ein.
Karski ließ sich ins Warschauer Ghetto einschleusen und sah unvorstellbares Elend. Er verschaffte sich weiter Zugang in ein Konzentrationslager in der Nähe von Lublin, wo er Zeuge weiterer unbeschreiblicher Grausamkeiten an Juden wurde. Unzählige Beweise für den Holocaust wurden von ihm auf Mikrofilm festgehalten.
Als Kurier der polnischen
Untergrundbewegung brachte Jan Karski 1942/43 britischen und amerikanischen
Regierungsstellen Beweise für Stalins und Hitlers Verbrechen. Doch diese
ignorierten seine Warnungen und nahmen in Kauf, dass der Genozid an der jüdischen Bevölkerung
nicht gestoppt wurde. Selbst britische und amerikanische Juden reagierten zwar
mit Bestürzung, verharrten aber fast ausnahmslos in einer abwartenden Haltung.
Nach dem Krieg blieb Karski in den USA, wo er an der Georgetown-University als
Professor Osteuropakunde lehrte.
Obwohl Karski zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhielt - ein Baum an der Straße der Gerechten der Völker in Yad Vashem wurde nach ihm benannt - will er sein Engagement gegen die Hitler-Diktatur nicht als besondere Leistung bewertet wissen. "Ich bin von Leuten herumgeschickt worden, die wichtiger, klüger und mächtiger waren als ich." Irgendwie habe er überlebt, während Tausende andere verschwunden sind. (shoanet)
01.07.
13. Verordnung zum Reichsbürgergesetz:
Unterstellung der Juden im Reich unter Polizeirecht.
Nach dem Tode eines Juden fällt sein Vermögen an das Reich.
06.07.
Sobibor/Bug: Transport aus Holland mit 2.417 Juden und am 20.7.: 2.209
09.07.
Die Alliierte landen auf Sizilien.
15.07.
Jasenovac 800 Juden kommen nach Auschwitz
18.07.
Auschwitz: Transport aus Paris mit 1.000 Juden
Am 31.7. ebenfalls 1.000 Juden
20.07.
Deportation von 1.700 Juden aus Rhodos nach Athen.
Treblinka: 2 Häftlinge fliehen
Tschenstochau: 500 Sklavenarbeiter werden umgebracht
21.07.
Himmler ordnet die Auflösung aller Ghettos im Reichkommissariat Ostland an.
Jüdische Arbeitskräfte sollen in Arbeitslager verschleppt und die übrigen Juden getötet werden.
23. Juli
Bialystok: 1.260 Kinder werden nach Theresienstadt deportiert, weiter geht es am 6.10. Am 7.10.kommen sie in Auschwitz an und werden sofort vergast.
24.07.
Unna/Westfalen: Eröffnung eines KL für die Bauleitung der Waffen-SS und Polizei
25.07.
Revolte in Italien: Mussolini wird von Badoglio gestürzt.
28.07.
Auschwitz: Tramsport aus Saloniki mit 1.800 Juden trifft ein
01.08.
Beginn der endgültigen Auflösung der Ghettos in Bedzin und Sosnowiec
Die meisten Juden werden nach Auschwitz transportiert, es kommt zu bewaffnetem Widerstand.
August 1943
Entdeckung jüdischer Massengräber
nach Vormarsch der sowjetischen Truppen.
02.08.
Aufstand in Treblinka. Von etwa 800.000 bis 1 Million Juden überleben das
Vernichtungslager und den Aufstand 50 Menschen.
Es erfolgt die Zerstörung der Mordanlagen.
4.8.- 4.9.
Deportation von 7.000 Juden aus Wilna zur Zwangsarbeit in Estland, Kloogau.
Dutzende werden am 6.8. getötet, die sich der Deportation widersetzen. (Reichskommissariat Ostland).
16. bis 23.8.1943
Deutsche Einheiten unter Odilo Globocnik umstellen das Ghetto in Bialystok: Es kommt zum Aufstand und zur Vernichtung des Ghettos. Die Revolte war geleitet von Mordechai Tennenbaum und Daniel Moszkowicz. 40.000 Juden kommen nach Treblinka.
01.09.
Versuch eines Aufstands im Wilnaer Ghetto, der fehlschlägt.
02.09.
Beginn der endgültigen Auflösung des Ghettos in Tarnow.
Paris - Auschwitz: Weitere 1.000 Juden fahren per Bahn in den Tod...
03.09.
Deportation von 3.500 Juden aus Przemysil nach Auschwitz.
In Belgien
konnte sich General von Falkenhausen
bis zu seiner Verhaftung nach dem Anti-Hitler-Putsch im Juli 1944 recht gut
gegen die SS behaupten. Zumindest konnte er die Juden retten, die die belgische
Staatsbürgerschaft besassen.
3.-4.9. erfolgt die Deportation der letzten belgischen Juden.
07.09.
Holland: Transport von 987 Juden nach Auschwitz,
1.005 am 14.9. und am 21.9. sind es 979 Juden
08.09.
Italien schließt Waffenstillstand mit den Alliierten.
Deutsche Truppen besetzen Nord- und Mittelitalien.
10.09.
Miedzyrzec bei Sobibor:
Junge Juden attackieren die Deutschen und töten 2 von ihnen.
5 Juden werden erschossen.
11.09.
Beginn der Großrazzia auf Juden in Nizza.
Ermordung von 1.000 in Verstecken aufgespürten Juden in Przemysil.
September
7.906 Juden fliehen von Dänemark nach Schweden
7.130 Juden werden von Wilna nach Riga deportiert. Hunderte fliehen in Richtung
Sowjetarmee, organisiert von Izik Wittenberg, Joseph Glazman, Abba Kovner.
11. bis 14.9. 1943
Liquidierung der Ghettos in Minsk.
Ermordung fast aller jüdischer Bewohner.
11.-18.9
"Familientransporte" aus Theresienstadt nach Auschwitz.
16.-18.9.
Meran: 24 Juden werden nach Auschwitz verbracht
20.09.
Rom wird von den Deutschen besetzt.
Die deutsche Armee beherrscht fast
das gesamte italienische Territorium.
NS-Kriegsverbrechen Sept. 1943
(Süddeutsche Zeitung vom 24.3.2001):
„Auf der griechischen Insel Kephallonia erschossen Mitglieder der Wehrmacht im September 1943 tausende italienische Soldaten. Die Regierung in Rom hatte kurz zuvor einen Waffenstillstand mit den Alliierten geschlossen. Die Deutschen verlangten daraufhin die Kapitulation ihrer ehemaligen italienischen Verbündeten auf Kephallonia. Als diese sich weigerten, wurden sie hingerichtet. Der Süddeutschen Zeitung liegen Tagebuch- Aufzeichnungen deutscher Soldaten vor, die das Massaker miterlebt haben.
21. September 1943
Um 0 Uhr 20 tritt das ganze Bataillon an. Je höher wir kommen, desto schlechter wird der Weg, stellenweise ist er kaum noch als Steig anzusprechen. Vor uns geht das III./98 (drittes Bataillon Gebirgsjäger-Regiment 98 unter Major Harald von Hirschfeld; Anmerkung der Redaktion). Beide Batl. bilden eine Kampfgruppe und sollen die Stadt Diglinata umfassend angreifen, während eine zweite Kampfgruppe... durch einen Frontalangriff die Italiener ablenken soll. ..Im Morgengrauen erreichen wir ohne Feindberührung die Straße von Phalari nach Diglinata. Sie führt... auf eine Passhöhe, auf der die 98er die erste Feindberührung haben: Es fallen nur wenige Schüsse; dann schwenken die Italiener weiße Tücher und laufen in Scharen von den Höhen herab. Als wir nach dem kurzen Gefecht die Passhöhe überschreiten, stoßen wir auf gefallene Italiener; sie liegen zuhauf und alle weisen Kopfschüsse auf, sind also von den 98ern erschossen worden, nachdem sie sich ergeben hatten. Einige Jäger ziehen ihnen die brauchbaren Schuhe aus.. .
Es ist 13 Uhr und eine höllische Hitze... Fortlaufend kreisen über uns Jagdflugzeuge und Aufklärer... Über einen Höhenrücken gehen wir gegen Frangata vor. Wir machen in einem Garten Halt, bei einer italienischen Batteriestellung, die die vor uns angreifenden 98er brutal vernichtet haben. Erschossen, erschlagen und von den Bergschuhen zertreten, liegen die Männer der Geschützbedienung in ihrer Stellung. Es muss vor wenigen Minuten geschehen sein: Unter den blutüberströmten Leibern zuckt und atmet noch einer, bei einem anderen liegen die Augen neben dem flach getretenen Schädel. Um 17Uhr stehen wir vor Frangata. Ohne einen Schuss abgegeben zu haben, ergeben sich zwei Alpini-Kompanien... Sie alle sind eigentlich ruhig und gelöst, sie wollten ja nicht gegen uns kämpfen und glauben nun durch die freiwillig eingegangene Gefangenschaft ihr Leben gerettet zu haben.. . Wir rücken nach Frangata ein und geben unsere Gefangenen ab. Hier ereilt sie...ein furchtbares Strafgericht: Zugweise werden sie in nahe Steinbrüche und ummauerte Gärten unmittelbar vor dem Städtchen getrieben und von den MGs der 98er niedergemäht. Zwei Stunden sind wir im Ort, während dieser Zeit hämmern unaufhörlich MGs und MPs und dringen die Schreie bis in die Häuser der Griechen. Ohne Ansehen der...Stellung der Mannschaften werden auch Sanitäter und Priester von der Erschießung nicht ausgenommen. Eine...Gruppe von an sich gewiss nicht zart besaiteten Bayern versucht, sich gegen diesen unmenschlichen Auftrag aufzulehnen, wird aber sofort von einem Offizier mit der Drohung, selbst an die Wand gestellt zu werden, zum Schweigen gebracht... Eine tragikomische Figur macht ein Gefangener, der sein Leben rettet, indem er sich vor uns auf ein Podest stellt und mit schöner Stimme und echt italienischer Pose Opernarien singt, während unweit seine Landsleute zuhauf erschossen werden..“
23.09.
Auflösung des Ghettos in Wilna: 3.700 Juden werden in estnische Arbeitslager
gebracht, 4.000 nach Sobibor deportiert.
Liquidierung der Ghettos Minsk und Lida
25.09.
wird Smolensk von sowjetischen Truppen rückerobert. Auf dem Rückzug liquidieren
die Deutschen alle Ghettos in Bjelorußland
28.09.
Die Juden Roms werden zur Ablieferung von 50 kg Gold an die Gestapo gezwungen.
29.09.
Die letzten 2.000 Amsterdamer Juden werden nach Westerbork verschleppt.
Kiew: Revolte von Juden und Sowjet-Gefangenen.
311 werden getötet, 14 können fliehen.
01.10.1943
Am jüdischen Neujahrstag Rosh Hashana schicken die Deutschen 4
Frachtschiffe nach Dänemark, um die 8.000 Juden in die Vernichtungslager nach
Polen zu deportieren. Jedes kleine Wasserfahrzeug stellen die Dänen zur
Verfügung, um die Juden ihres Landes zu retten. Während die Nazihäscher nur
etwa 200 Juden fassen können und 60 von ihnen ermorden, retten die Dänen über
Nacht mehr als 7.000 ihrer jüdischen Landsleute mitten durch patrouillierende
deutsche Kriegsschiffe hindurch übers Meer nach Schweden. Zuvor hatte König
Christian X. (1870-1947) erklärt, er werde als erster seine Residenz ins Getto
verlegen und den gelben Judenstern als Abzeichen tragen.
01.-2.10. Die deutsche Polizei beginnt mit der Festnahme dänischer Juden für
die Deportation. Dank der Rettungsaktionen des dänischen Untergrunds werden 7.200
Juden nach Schweden evakuiert, nur 475 werden von den Deutschen gefangen.
13.10.
Italien erklärt Deutschland den Krieg.
14.10.
Aufstand im Vernichtungslager Sobibor.
Dieses war am 7.5.1942 eröffnet
worden und endete im November 1943
16.10. Beginn von Massenverhaftungen der Juden Roms.
Die geplante Festnahme und Deportation in der Nacht vom 16. zum 17. Oktober 1943 war nur zum Teil erfolgreich. Nur ein Bruchteil der 8.000 Juden Roms wurde gefasst. „Verhalten der italienischen Bevölkerung eindeutig passiver Widerstand, in Einzelfällen aktive Hilfeleistung für Juden“, funkte Eichmanns römischer Helfer, Obersturmbannführer Kapler, nach Berlin.
Birkenau (Auschwitz II)
Auf Anweisung von Heinrich Himmler wird im Oktober 1941 mit dem Bau des Lagers Auschwitz II - Birkenau begonnen. Dieses war wesentlich größer als das Stammlager (Auschwitz I) und umfasste 250 Holz- und Steinbaracken.
Die Höchstbelegung von Birkenau betrug 1943 ca.100.000 Häftlinge. Im Gegensatz zum Stammlager war Birkenau von Beginn an als Vernichtungslager geplant. Hier befand sich auch die "Rampe", an der die Selektion an Neuankommenden vorgenommen wurde.
In Birkenau standen die Krematorien II bis V (vom 22. März bis 25. Juni 1943 fertiggestellt), die jeweils mit einer Gaskammer ausgerüstet waren und nach Angaben der SS täglich 4.756 Leichen verbrennen konnten.
Während eines Aufstandes am 7. Oktober 1944 sprengten Häftlinge die Gaskammer des Krematoriums IV. Im November 1944 demontierte die SS die Vernichtungsanlagen und sprengte die Krematorien.
18.10.
Erster Transport von 1035 Juden Roms nach Auschwitz
21.10.
Bei der letzten "Aktion" in Minsk werden 2.000 in Maly Trostenez
ermordet.
26.10.
Deportation von 2.800 Juden aus Kowno in verschiedene deutsche Arbeitslager.
Herbst Ravensbrück:
Für das KZ wird ein Krematorium gebaut Im Dezember unterstehen der SS-Kommandantur mit den Außenlagern 15.100 weibliche und männliche Häftlinge
03.11.
Das Ghetto in Riga wird liquidiert
Ermordung von 17.000 verbliebenen Häftlingen in Majdanek
03.11. Beginn der "Aktion Erntefest":
Auflösung der Lager Poniatowa und Trawini und Ermordung der überlebenden Juden im Lager Majdanek. Auch Juden aus dem Gebiet um Lublin werden in Majdanek umgebracht. Insgesamt werden bei der "Aktion Erntefest" zwischen 42.000 und 43.000 Juden ermordet.
06.11.
Kiew wird von sowjetischen Truppen zurückerobert.
6.-9.11.
Festnahmen von Juden in Florenz, Mailand, Venedig und Ferrara.
14.11.
In Arolsen befindet sich die SS-Führerschule des Verwaltungsdienstes.
Am 14.11.43 wird ein KL eingerichtet
18.11.
Beim Sonderkommando 1005 Häftlingsrevolte im Lager Janowsko.
Mehrere Dutzend Häftlinge können fliehen. Die übrigen werden getötet.
25.10.
Transport aus Oslo von 209 Juden nach Auschwitz, 930 fliehen nach Schweden, das
neutral ist
28.11.1943
Konferenz in Teheran zwischen Churchill, Roosevelt und Stalin.
30.11.
Die deutschen Behörden ordnen die Internierung aller italienischen Juden in
Lagern an.
02.12.
Birkenau: Ankunft des 1. Vernichtungstransportes aus Österreich
6. Dezember 1943:
212 Juden von Mailand und Verona werden nach Auschwitz deportiert.
Von einer Gesamtbevölkerung von 35.000 werden 8.500 Juden umgebracht.
2000 Juden kämpfen mit den Partisanen. Fünf von ihnen erhalten später die Tapferkeitsmedaille.
Glik, Hirsh (1922-1944)
Jiddischer Dichter und Partisan in Litauen.
Nach der deutschen Besetzung Wilnas
Ende Juni 1941 waren Glik und sein Vater in ein Arbeitslager deportiert worden,
danach ins Ghetto Wilna. Er schloß sich 1943 einer Partisanenorganisation an
und wurde 1944 bei einer Fluchtaktion gemeinsam mit 8 weiteren Partisanen
getötet.
Das von Hersch Glik verfaßte "Jiddische Partisanenlied" war im ganzen
Wilnaer Ghetto bekannt und übte auf die ständig vom Tode bedrohten Häftlinge
eine starke Wirkung aus. Es wurde zur Hymne der Partisanen und ist heute bei
Juden in der ganzen Welt bekannt. Allein schon mit diesem Gedicht
erfüllte er die Aufgabe, seine Leidensgenossen zu ermutigen.
Auf deutsch klingt die Anfangs- und Endzeile so:
"Sage nimmermehr, du gehst den letzten Weg,
wenn vor blauen Tag ein Bleigewölk sich legt:
unsre heißersehnte Stunde sie ist nah,
unsre Tritte werden trommeln: Wir sind da!“ (shoanet)
15.-19.12.
Erster Prozeß gegen deutsche Kriegsverbrecher in Charkow.
Evangelisch-lutherischer Landesbischof fordert unbedingte
"Hingabe" für den Krieg
Auschwitz –
Den Opfern wurde versichert, dass sie ein Bad erwartete. Man führte ca. 2000 Menschen in einen 210 qm großen Raum mit Duschbrausen an der Decke, durch die jedoch nie Wasser kam. Nach Schließung der Tür schütteten die SS-Männer das Gas Zyklon B durch Öffnungen in der Decke in das Rauminnere. Nach 15-20 Minuten wurden die Türen geöffnet und den Leichen wurden die Goldzähne herausgebrochen, die Haare abgeschnitten (zur Produktion von Stoffen für die Armee 1kg Haare - 50 Pf) und der Schmuck abgenommen.
Die Firma "Degesch" nahm in dieser Zeit ca. 300 000 DM ein. Sie produzierte das Gas Zyklon B. Es wurden 20 000 kg Zyklon B verbraucht. Und anscheinend brauchte man zum Töten von 1500 Menschen 5 - 7 kg des Gases.
Die Wertgegenstände wurden entweder nach Deutschland verkauft und dort in Firmen verarbeitet oder man lagerte die Sachen wie Gepäck und Kleidung in Magazinen. Einige Tage vor der Befreiung durch die Sowjetarmee steckten die SS-Männer die Magazine in Brand. 30 solcher Baracken brannten ab, in den übrigen wurden tausende Paare von Schuhen, Brillen, Kleidungsstücken, Prothesen u.v.a. gefunden. In einzelnen Sälen der Ausstellung im Stammlager Auschwitz sieht man diese Gegenstände, die übrig geblieben waren.
Auschwitz, Sachsenhausen, Ravensbrück, Warschau
Siehe auch Quellen- und Literatur-Hinweis