Die christlich-jüdischen Beziehungen -

eine unvollständige Chronologie von 2.000 Jahren

 

Hitlers Endlösungstheorie bis zur großmaschinellen Vernichtung

Teil 4  - Die Jahre 1939 bis 1941

 

 

1939

Januar

Alle jüdischen Organisationen, soweit sie nicht nach dem Novemberpogrom 1938 verboten wurden, werden formell aufgelöst

 

01.Januar

Die Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben verbietet Juden, gemeinsam mit Deutschen zu arbeiten.

17.Januar

8. Verordnung zum Reichsbürgergesetz: Erlöschen der Zulassung von jüdischen Zahnärzten, Tierärzten und Apothekern.


24. Januar

Auftrag Görings an Heydrich: Lösung der "Judenfrage" durch Auswanderung oder Evakuierung.


Gründung der Reichszentrale für jüdische Auswanderung mit Zentralämtern in Wien und Prag. Forcierung des Auswanderungsdruckes


30. Januar

Hitler prophezeit vor dem Reichstag für den Fall eines Krieges "die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa".

 

03. Februar

Budapest: In die große Synagoge wird eine Bombe geworfen: 1 Toter und viele Verletzte...


02. März

“Eugenio Maria Pacelli wird Papst Pius XII. (1876 in  Rom bis 1958)

Die Haltung des "Stellvertreters" zur nationalsozialistischen Judenverfolgung ist umstritten. 1899 zum Priester geweiht und war er als promovierter Kirchenrechtler in Rom als kirchlicher Sekretär, später als Professor für kirchliche Diplomatie tätig. In den 20er Jahren versah er diplomatische Aufgaben für den Vatikan in Deutschland (Konkordate mit Bayern 1924, Preußen 1929, Baden 1932 und Reichskonkordat 1933).

Auch nach seiner Papstwahl 1939 beschäftigte ihn Deutschland weiter. So setzte er nach Kriegsausbruch ein päpstliches Hilfskomitee ein, das sich umfassend für Gefangene, Deportierte, Flüchtlinge und auch Juden verwendete. Nach den leidvollen Erfahrungen mit dem Vorgehen der Nationalsozialisten gegen Katholiken konnte sich Pius XII. jedoch nicht zu einer entschiedenen harten Linie gegenüber Hitler durchringen.

Stets um den Frieden zwischen den Völkern bemüht, lehnte er aber einen "Frieden um jeden Preis" strikt ab. Pius XII., dem die Kirche bedeutende Enzykliken und zahlreiche innerkirchliche Reformen verdankt, starb am 9. Oktober 1958 in Rom.“

 

11. März

Gesetz zur Gründung des ungarischen Zwangsarbeitssystems (Munkaszolgalat).

14. März

Unabhängigkeitserklärung der Slowakei. Sie kommt unter national-sozialistische Einflussnahme



15 März

Einmarsch der Wehrmacht in Prag, Besetzung der Tschechoslowakei: Errichtung des "Protektoriat Böhmen und Mähren". Einführung der im Reichsgebiet geltenden antijüdischen Verordnungen. Erlass des Reichsführers SS und Chef der Deutschen Polizei: Verhinderung illegaler Auswanderung von Juden.


22. März

Besetzung des Memelgebietes


25 März

Brauchitsch erhält von Hitler den Befehl, sich mit dem Problem Polen zu befassen, mit der Erklärung "Polen muss vollkommen besiegt werden. Auf Jahrzehnte hinaus darf dieses Land als politischer Faktor nicht mehr in Betracht kommen."


05. April

Geltung sämtlicher Rassegesetze im annektierten Österreich


15.04.
Errichtung des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück.

 

30. April

Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden: Gesetzliche Vorbereitung zur Zusammenlegung jüdischer Familien in "Judenhäuser".

Aufhebung des Räumungsschutzes.

 

An vielen Orten werden Juden aus ihren Wohnungen vertrieben und mit anderen Juden in sog. „Judenhäusern“ zusammengelegt – Beginn der Ghettoisierung.

 

„Die Nazis beginnen, für unbemittelte und arbeitslose Juden Zwangsarbeiterkolonnen im Straßenbau aufzustellen. Die restlos verarmten Juden besaßen nun immer weniger Chancen zur Auswanderung. Und hatten einige es endlich geschafft, mit einem Visum auf einen Auswandererschiff zu sitzen, so waren sie dennoch nicht sicher, ob man sie auch tatsächlich aufnehmen würde.

 

Ein typisches Beispiel dafür ist die Odyssee des Dampfers St. Louis der HAPAG.  Das Schiff sticht am 13. Mai 1939 mit 937 jüdischen Passagieren von Hamburg aus in See. Zielhafen war Havanna auf Kuba. Die Auswanderer hatten vorläufige Einreisevisa für Kuba. Von dort sollten sie nach und nach, im Laufe von 3 Monaten bis zu drei Jahren, in die USA einwandern dürfen. Als sie vor Havanna eintreffen, bestreitet die kubanische Regierung die Gültigkeit der Visa, obgleich sie vom Chef der Einwanderungsbehörde selbst unterschrieben waren. Die Juden durften nicht an Land. Die St. Louis fuhr weiter nach New York.  Doch die Einwanderungsbehörden winkten ab. Diese Einwanderer waren noch nicht „dran“. Die Bürokratie hielt sich stur an das Quotensystem. Mit den verzweifelten und verängstigten Juden an Bord, dampfte das Schiff wieder nach Europa zurück. Schließlich wurden die Passagiere von Hamburg aus nach und nach von Frankreich, England, Holland und Belgien aufgenommen. In Amerika schrieb Bischof James Cannon: „Ein Ereignis, das einen Schandfleck in die Annalen unserer Nation einbrennen wird.“

 

„1939 können die deutschen Juden ihre Hoffnung nur noch auf Palästina setzen. Hier hatte sich eine starke zionistische Widerstandsgruppe gegen die restriktiven Einwanderungsbestimmungen der Briten  gebildet. 1937 war im Büro des Haganah-FührersEliahu Golomb eine Geheimorganisation entstanden, die sich „Mossad le Aliyah Bet“ = Büro für Einwanderung nannte. In ganz Europa errichtete das Mossad  einen Apparat von Mitarbeitern. Ihre Aufgabe: Jüdische Einwanderer heimlich auf kleinen Schiffen unbemerkt von der britischen Mandatsmacht nach Palästina zu bringen.

Das Mossad war unsentimental genug, auch die Zusammenarbeit mit der SS nicht auszuschlagen.

Am 15. Juni 1939 notierte Judenexperte Herbert Hagen im SD-Hauptamt: „Einwanderung der Juden immer schwieriger. Alle Auswanderungspläne, wohin auch immer, fördern.“ Eichmann hatte inzwischen in Berlin ein ähnliches Büro eingerichtet, wie ein Jahr zuvor in Wien.

 

Bei einem Besuch in seinem Büro schlugen zwei Mossad-Leute, Pino Ginzburg und Moshe Auerbach Eichmann eine Zusammenarbeit vor.  Das zionistische Ausbildungsprogramm sollte beschleunigt, die Auswanderung vorangetrieben werden. Für den Transport der Juden würde das Mossad sorgen.

Im Berliner Zionistenbüro in der Meinickestrasse beginnt Ginzburg Transporte zusammenzustellen. Der erste verließ Deutschland im Sommer 1939 mit 280 Auswanderern. Das Schiff fuhr zunächst nach Korfu, wo die Juden umstiegen und mit einem anderen nach Palästina geschleust wurden. Es folgten Transporte mit weiteren 400 und 500 Juden.

 

Die Briten wehrten sich erbittert gegen die Einwanderer und verschärften die Kontrollen. Vor der Küste Palästinas patroullierte eine Zerstörerflottille. Aber je härter die britischen Behörden reagierten, desto kooperativer wurde die SS. Im Hochsommer erlaubte Eichmann, dass Ginzburg seine Schiffe nach Emden und Hamburg dirigierte, damit Juden auf direktem Wege das Land verlassen konnten. Ginzburg hatte schon 4 Schiffe für Oktober gechartert. Insgesamt 10.000 Juden sollten in diesem Monat abreisen. Der Ausbruch des 2. Weltkrieges setzte der unfreiwilligen Partnerschaft zwischen Zionismus und SS ein Ende. Die letzte große Chance, das deutsche Judentum zu retten, war vorbei. - Einige wenige schafften den Sprung über neutrale Länder, einige Gruppen sogar über Russland und Japan nach Amerika.“   (aus DRITTES REICH)


05. Mai

Zweites "Judengesetz" in Ungarn mit einer Judendefinition und der Beschränkung des jüdischen Anteils an der Wirtschaft des Landes auf 6%.

15. Mai

Auf einer Konferenz spricht Hitler zur Generalität: "Danzig ist auf keinen Fall der Hauptgrund des Konflikts. Es handelt sich darum, den Lebensraum für Deutschland nach Osten hin zu erweitern, neue Lebensmittelquellen zu erschließen und zu sichern. Deswegen kann Polen nicht geschont werden."



17. Mai  

Die britische Regierung veröffentlicht das so genannte White Paper of 1939. Es sieht strenge Beschränkungen für die jüdische Einwanderung nach Palästina vor und senkt sie auf 15.000 jährlich.

 

V o l k s z ä h l u n g  

Im Deutschen Reich leben noch rund 215.000 Juden

 

Hier nur wenige Einzelbeispiele:

Gesamteinwohner im Landkreis Calbe 117.930 

Jüdische Bevölkerung: Juden insgesamt: 79 (davon 36 männlich) davon Glaubensjuden: 66 (davon 28 männlich)

 

Jüdische Bevölkerung im Landkreis Haldensleben 

Juden insgesamt: 15 (davon 9 männlich)

 

Bevölkerung in Schönebeck an der Elbe

Stadt: 10.966 Einwohner (1875)

12.333 Einwohner (1880)

39.511 Einwohner (1939)

Jüdische Bevölkerung:  Juden insgesamt: 35 (davon 16 männlich)

 

Staßfurt, Stadt:

11.263 Einwohner (1875)

12.194 Einwohner (1880)

15.743 Einwohner (1939)

Jüdische Bevölkerung : Juden insgesamt: 8 (davon 5 männlich)

 

04.07.
10. Verordnung zum Reichsbürgergesetz: Errichtung der "Reichsvereinigung der Juden in Deutschland" anstelle der "Reichsvertretung der Juden in Deutschland" als Zwangsverband aller "Nichtarier" unter Gestapo-Kontrolle.


04.07.
Elf evangelische Bischöfe bzw. Kirchenführer bekennen: Die Nazis führen das Werk Martin Luthers nach der politisch-weltanschaulichen Seite fort

 

August

Sir Georg Solti, am 21.10.1912 in Budapest geboren, emigriert in die Schweiz. Er leitet später Orchester u.a. in München, Chicago, Paris und London.

 

23. August

Unterzeichnung des Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakts

(Hitler-Stalin-Pakt).


01.09.1939
Nach verschiedenen Provokationen an der Grenze zu Polen, darunter der von SS-lern in polnischen Uniformen geführte Überfall auf den Radiosender Gleiwitz, fiel um 4.45h Hitlers Armee in Polen ein. Der 2. Weltkrieg hat begonnen und fordert 55 Millionen Tote.

 

Über die Juden in ganz Deutschland wird eine Ausgangssperre verhängt, ab 20.00 Uhr im Winter und ab 21.00 Uhr im Sommer dürfen sie ihre Wohnungen nicht mehr verlassen

 

02. September

Errichtung des Lagers Stutthof in Polen für "zivile Kriegsgefangene".

3. September

Nach dem deutschen Überfall auf Polen erklärt Großbritannien dem Deutschen Reich den Krieg. Damit erwies sich die Appeasement-Politik des britischen Premierminister Chamberlain als gescheitert. Chamberlain versuchte den Frieden auf dem Kontinent zu erhalten, indem er Hitler weitreichende territoriale Zugeständnisse machte.


06. September  

Besetzung Krakaus durch die Deutschen.

 
07. September

Inschutzhaftnahme aller männlichen polnischen Juden.


08. September

Die Wehrmacht marschiert in Lodz, Radom und Tarnow ein.


12. September

Zuweisung von besonderen Lebensmittelgeschäften für Juden


16. September

Krakau wird Hauptstadt des Generalgouvernements


17. September

Invasion Ostpolens durch die Rote Armee.


18. September

 
Gegen die Juden in Lodz werden Wirtschaftssanktionen verhängt.

21. September

Treffen Reinhard Heydrichs mit den Befehlshabern der Einsatzgruppen und Adolf Eichmann. Angeordnet werden daraufhin die Bildung von Judenräten in Polen, die Konzentration ("Ghettoisierung") und Zählung der polnischen Juden sowie die Registrierung jüdischer Arbeitskräfte und jüdischen Vermögens in ganz Polen. und Beginn der ersten großen Mordaktionen in Polen


23. September

Einführung des Judensterns in Polen


23. September

Beschlagnahmung der Rundfunkgeräte bei Juden.

 

27. September

Gründung des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA).


28. September

Aufteilung Polens durch Deutschland und die Sowjetunion. Die Wehrmacht besetzt Warschau

 

Frank, Hans (1900-1946)

„Nationalsozialistischer Jurist, von 1939 bis 1945 Generalgouverneur von Polen. Frank spielte eine bedeutende Rolle bei der Judenverfolgung im Generalgouvernement.  Er war mitverantwortlich für alle Verordnungen, die das jüdische Leben einschränkten, und für die Ghettobildung insbesondere in Warschau. Frank wurde im Nürnberger Prozess als einer der Hauptkriegsverbrecher angeklagt, zum Tode verurteilt und gehängt. In der Haft schrieb er seine Memoiren "Im Angesicht des Galgens".  (shoaNet)

Frank verstand sein Amt als Verpflichtung zu  „großzügiger Repräsentation im Namen des Führers und des Reiches.“

 

Oktober 1939

„Gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Stahlecker schlug Eichmann vor, im äußersten Osten des polnischen Reststaates, des „Generalgouvernements“ zwischen Lublin und Krakau, um das Städtchen Nisko am San herum, ein jüdisches „Reservat“ zu errichten. Hier sollten alle Juden aus Deutschland, den annektieren Gebieten Polens und des Generalgouvernements hingeschafft werden und sich ansiedeln. Anfang Oktober begannen die ersten Transporte mit Baumaterialien nach dem Eichmann-Utopia Nisko zu rollen Ingenieure kamen und mit ihnen die ersten 400 Zwangssiedler, die Einheiten der Sicherheitspolizei in Wien und Prag zusammengetrieben hatten. Dann setzte die Polizei zur Jagd auf die Juden in den annektierten Ostgebieten an. 87.000 Juden aus der Provinz Posen und dem neuen „Warthegau“ wurden vertrieben und ins Generalgouvernement gejagt, wo sie zunächst in städtischen Ghettos  konzentriert werden sollten. Im Febr. 1940 kam sogar der erste Judentransport aus dem „Altreich“ nach Nisko, 1200 Juden aus Stettin. Im April 1940 wurde die Barackenstadt Nisko aufgelöst.“ (aus DRITTES REICH)


Oktober

Die jüdische Bevölkerung Palästinas verlangt Beteiligung am Krieg gegen die Nazis:  26.000 treten in die Britische Armee ein.

 

01. Oktober

Bildung der polnischen Exilregierung in Frankreich (später Übersiedlung nach London).


08. Oktober

Errichtung des ersten Ghettos durch die Nationalsozialisten im polnischen Piotrkow Trybunalski.



10. Oktober

Errichtung des Generalgouvernements in Zentralpolen.

Annektierung Westpolens durch das Dritte Reich.


12. Oktober

Beginn der Deportationen von Juden aus Österreich und Böhmisch-Mähren nach Polen, aus Süddeutschland nach Südfrankreich und von dort später nach Auschwitz


17. Oktober

Hitler teilt dem Chef des Oberkommandos der Wehrmacht mit, dass "das alte und neue Reichsgebiet von Juden, Pollacken und Gesindel zu säubern" sei.

 

Evangelisch-lutherischer Landesbischof zum Erntedankfest: Dank für die reiche Ernte auf den polnischen Schlachtfeldern!


Oktober 
Volhynia/Wolynien wird von der SU annektiert- ¼ Million Juden leben hier

18. Oktober

Erste Deportationen aus Österreich und dem Protektorat nach Polen.

1.400 Juden aus Mährisch-Ostrau,

1.875 aus Kattowitz und

1.584 aus Wien werden in den Raum Lublin deportiert.


Oktober
Warthegau: Die ländlichen Juden werden vertrieben:

um Wloclawek       4.000;

um Kutno               7.000;

um Ozorko             4.700;

um Lodz             162.000;

um Pabianice         8.500;

um Zdunka Wala  10.000;

um Zelow               4.500;

um Belchatow        5.500;

um Wielum             4.000.                                     (aus Atlas)



19. Oktober

Die Sühneleistung der Juden in Deutschland für die "Reichspogromnacht" wird auf 1,25 Milliarden Reichsmark erhöht; letzter Zahlungstermin ist der 15.11.39



28. Oktober

Erste Einführung des "Judensterns" in Wloclawek, Polen.


November
Emanuel Ringelblum beruft in Warschau eine Konferenz der Repräsentanten der verschiedenen Untergrundparteien ein, um Hilfsmöglichkeiten für die polnischen Juden zu diskutieren.


09. November

Lodz wird von Deutschland annektiert.


12. November

Beginn der Deportationen von Juden aus Lodz in andere Teile Polens.

12. November

NS-Konferenz zur "Endlösung" der Judenfrage, Planung spezieller KZs

15.-17.11.1939
Die deutschen Behörden lassen sämtliche Synagogen in Lodz zerstören.
 
Polen: An Rosch Haschanah werden Torah-Rollen öffentlich verbrannt

Britisches "Weißbuch" begrenzt die Zahl der jüdischen Einwanderer in Palästina auf 15.000 pro Jahr


23. November

Generalgouverneur Hans Frank ordnet die Kennzeichnung aller Juden im Generalgouvernement an (ab 1.12.1939). Sein Rechtsberater ist Dr. Dr. Weiß, der später nach dem Krieg die Rechtsabteilung der SPD- Regierung in Bayern leitet, unter OB Thomas Wimmer. Als dem OB dessen Vergangenheit bekannt wird, entlässt er ihn umgehend...


November  

„Erfurt: Die Firma Topf & Söhne, 1878 gegründet, war ursprünglich Hersteller von Brauereimaschinen, Wurst-Trocknungsanlagen und Einäscherungsöfen für Friedhofskrematorien. Die Firma erhält ihren ersten Auftrag für den Bau eines Verbrennungsofens im KZ Dachau. Der Preis für den Doppelmuffelofen mit Druckluft und Saugzug: 8.759 Reichsmark. Bis zum Kriegsende macht die Firma glänzende Geschäfte in Auschwitz, Buchenwald und Mauthausen, dann wird sie von den Sowjets enteignet. Nach der deutschen Einheit verkauft die Treuhand das Unternehmen an einen ostdeutschen Ingenieur und westdeutsche Investoren. Erben von Topf & Söhne erheben Anspruch auf das Firmengelände und ein Villengrundstück von 20.000 qm. Der Verkehrswert wird auf 4 Millionen Mark geschätzt. Sprecherin der Erben ist Dagmar Topf. Ihrer Ansicht nach geht es um einen ganz normalen Grundstücksstreit. Auf die Frage nach der moralischen Seite ihrer Restitutions-Ansprüche antwortet sie: ‚Wir leben in einem Rechtsstaat, und es gibt schließlich keine Sippenhaft.“ (aus „Die Woche“ vom 13.4.1995)

 

28. November

Im Generalgouvernement wird die Bildung von Judenräten angeordnet.


30. November 1939 bis 13. März 1940

Einmarsch der Sowjets in Finnland, Winterkrieg.


5. bis 6. Dezember.

Die deutschen Behörden in Polen beschlagnahmen jüdisches Eigentum

24. Dezember 1939

Siedlice: Nazis brennen die Synagoge im östlichen Polen nieder. Hier lebten Juden seit dem 16. Jahrhundert; unter ihnen berühmte Autoren und Rabbiner. Gemeinde zählte 15.000 Mitglieder und stellt die Hälfte der Gesamtbevölkerung der Stadt


Dezember 1939

Schloß Hartheim: Von Oktober bis Dezember werden hier 13.000 Menschen Opfer der Euthanasie. In Piasnica Wielki sind es bis dahin 1.200.

Schloß Hartheim/Oberösterreich wird Euthanasieanstalt. Nach der Übernahme durch das KL Mauthausen dient es zur Vernichtung von 3.228 Häftlingen.

 

Ende 1939 

Schindler, Oskar (1908-1974)

kam Ende 1939 nach Krakau und übernahm zwei jüdische Betriebe zur Fabrikation von emaillierten Haushaltswaren. Er beschäftigte in der Hauptsache jüdische Arbeiter, die er damit vor der Deportation bewahrte. Schindler nutzte seine guten Beziehungen zu Freunden in hohen Regierungsämtern, um sich zu arrangieren. Er erkämpfte so die Einrichtung einer Zweigstelle des Lagers Plaszow auf seinem Firmengelände.

Dort arbeiten 900 Juden, darunter auch Personen, die den Arbeitsanforderungen nicht gewachsen waren. Im Oktober 1944 wurde Schindler erlaubt, seine Fabrik in Brünnlitz neu zu gründen und die jüdischen Arbeiter mitzunehmen. In einer beispiellosen Operation gelang es Schindler, etwa 700 bis 800 jüdische Männer vom Lager Groß-Rosen und etwa 300 jüdische Frauen von Auschwitz nach Brünnlitz zu überführen.

In Brünnlitz bekamen die Juden zu essen, wurden medizinisch versorgt und durften ihre Religion ausüben. 

 

"Schindler sorgte für unseren Lebensunterhalt...Während der ganzen Zeit unserer Arbeit in seinem Betriebe ist nicht ein einziger Fall eines unnatürlichen Todes eingetreten...Schindler sorgte für die Verbesserung des Lebensstandards, indem er uns zusätzliche Ernährung und Bekleidung verschaffte, wobei er keine Ausgaben scheute. - Für ihn war hierbei das menschliche Ideal maßgebend. Wir sind hier eine Schar von 1100 Personen, die ihren heißen Dank dem Menschen Oskar Schindler aussprechen."
Dankschreiben von 1100 Krakauer Juden, 1945


1962 pflanzte Oskar Schindler eine Baum mit seinem Namen im Garten der Gerechten von Yad Vashem.

1992 setzte Steven Spielberg mit dem Film "Schindler's List" Oskar Schindler ein Denkmal. (shoaNet)

 

1939
Im Mandatsgebiet Palästina leben etwa 400.000 Juden und knapp 1 Million Araber, die ebenso wenig gebürtige Palästinenser sind wie die Juden. Sie kommen im Gefolge der Juden, die seit 1900 einwanderten, aus den Nachbarländern (Feuchtwanger)

 

Ungarn. Das Gesetz tritt in Kraft  5. Mai 1939: Zwei Drittel der ungarischen Juden werden ihre staatlichen Rechte entzogen, da sie erst nach 1914 Staatsbürger geworden sind. Das Gesetz wurde zuerst von dem Ex Premier Minister Bells Imredy präsentiert. Juden mussten vor Ende desselben Jahres alle Regierungspositionen verlassen.

 

 

1940
“Vatikan:  Papst Pius XII erhielt nach neusten spektakulären Funden (im Jahre 2000) auf einem Flohmarkt in Rom, täglich eine Zusammenfassung über die Lage der Juden in Europa. Die Befürworter der Seligsprechung bestritten bislang, dass der Papst über die Greueltaten der Nazis Bescheid wute. Laut Dokumenten, welche kürzlich auf einem Flohmarkt auftauchten, erhielt der Papst jedoch täglich einen Maschinengeschriebenen Bericht vom Englischen Sonderbotschafter des Vatikans Francis D'Arcy Godolphin Osborne. Der Bericht enthielt sämtliche Informationen über die Nazi-Greueltaten, welche den Alliierten bekannt waren.


Desgleichen soll Winston Churchill, nach bislang unveröffentlichten Dokumenten, den Papst mehrmals aufgefordert haben, sich von Hitler zu distanzieren. Aus einem Brief aus dem Jahre 1940 geht hervor, dass der britische Außenminister Halifax dem Papst gegenüber äußerte, dass das Schweigen des Vatikans den Eindruck hinterließe, dass ein Sieg Hitlers im Interesse des Papstes sei.

Die von Papst Paul II im Jahre 2000 geplante Seligsprechung von Papst Pius XII erhielt einen erneuten Dämpfer“   (ICEJ 29.5.2000)

 

Jan./Feb.                                                                                     
Erste Untergrundaktivitäten der jüdischen Jugendbewegungen in Polen.


08. Februar

In Lodz wird die Errichtung eines Ghettos angeordnet.


10. Februar

Erste Deportationen von Juden nach Lublin in Polen


10. bis 13. Februar

Erste Deportationen aus Pommern (Stettin, Stralsund, Schneidemühl) ins Generalgouvernement.

 

09 April

Einmarsch der Wehrmacht in Dänemark und Norwegen.

Kopenhagen und Oslo werden eingenommen.


10. April

Für alle in den Konzentrationslagern inhaftierten jüdischen Schutzhäftlinge wird für die Dauer des Krieges eine allgemeine Entlassungssperre angeordnet.


12. April

Erklärung von Hans Frank, Krakau müsse bis November "judenfrei" sein.

Bis März 1941 werden von 60.000 Krakauer Juden 40.000 deportiert.

13. April

Juden werden aus der privaten Krankenversicherung ausgeschlossen.

15. April

Besetzung der baltischen Staaten durch die Sowjetunion.

 


27. April

Himmler ordnet die Errichtung des Konzentrationslagers Auschwitz an.

Anfang Juni werden die ersten Häftlinge, überwiegend Polen, eingeliefert.

April 1940

Rund 1.500 Juden dienen in der französischen Fremdenlegion, hoffend, dass der Nazi-Spuk schnell beendet sein wird. Im Juni werden sie zuerst demobilisiert und in ein Camp im franz. Nordafrika verbracht. Am 4. Okt. gibt die Vichy-Regierung die Anweisung, Juden innerhalb der nicht okkupierten Zone zu internieren. Am 22.3.41 unterzeichnet Marshal Pétain ein Autoritätspapier zum Bau der Trans-Sahara-Bahn, für die auch internierte Juden eingesetzt werden.

 

30. April

Das Ghetto in Lodz/Litzmannstadt wird abgeriegelt. Es ist das 1. bewachte Ghetto. Keinerlei Vergünstigungen wie Lohnzahlungen für Feiertage

 

Mai 1940

Für Juden wird eine Ausgangssperre zwischen 9 Uhr abends und 5 Uhr morgens, im Winter zwischen 8 Uhr und 6 Uhr morgens angeordnet. Einkäufe dürfen sie nur zwischen 15.30 h und 17 Uhr tätigen.

In einigen Städten, wie Frankfurt, dürfen sie nur in ganz bestimmten Geschäften einkaufen.


Mai 1940

Höß, Rudolf (1900-1947)

Lagerkommandant des KZ Auschwitz. Von 1934 bis 1938 arbeitete Höß in der Verwaltung des Konzentrationslagers Dachau, wo er unter Theodor Eicke ausgebildet wurde. Im Mai 1940 nach Auschwitz versetzt. Er wurde der eigentliche Gründer des Lagers und später dessen Kommandant.  Nach dem Zusammenbruch des Reiches nahm er den Namen Franz Lang an und arbeitete bis 1946 in der Landwirtschaft.  Im März 1946 wurde er erkannt, festgenommen und in Warschau zum Tode verurteilt.  Er wurde im April 1947 in Auschwitz erhängt. (shoaNet)

 

10. Mai

Überfall auf Holland, Belgien und Luxemburg.

Angriff auf Frankreich (Westfeldzug).

Neville Chamberlain legt sein Amt als britischer Premierminister nieder.

Sein Nachfolger ist Winston Churchill.

 

10. Mai

Italiens Kriegseintritt auf deutscher Seite


12. Mai

Deutsche Truppen überschreiten die französische Grenze.


15. Mai

Holland kapituliert.


04. Juni

Evakuierung der Britischen Armee aus Dünkirchen.


04. Juni  

Neuengamme - Stadtteil von Hamburg - wird selbständiges KL,

besteht seit 13.12.1938 als Kdo des KL Sachsenhausen


14. Juni

Deutsche Truppen besetzen Paris.

 

14. Juni 1940

Auschwitz: Der 1. Transport von 728 Polen ins KL wird eingeliefert. Der Befehl zur Errichtung des KL war im April 1940 gegeben worden. Rudolf Höss wird Kommandant des Lagers.


22.Juni

Frankreich kapituliert.

Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens

 

„Nach dem Sieg über Frankreich gewinnt ein phantastisch anmutender Plan antisemitischer Utopisten Gestalt: Frankreich, so forderten sie, solle seine ostafrikanische Kolonie Madagaskar an Deutschland abtreten und die franz. Bevölkerung evakuieren. Dann sollten 4 Millionen Juden angesiedelt werden und sich unter der Aufsicht eines Gouverneurs des Sicherheitsdienstes selbst verwalten...“ (aus DRITTES REICH)


04. Juli

Für den Einkauf von Lebensmitteln von und für Juden wird in Berlin die Stunde von 4.00h bis 5.00 Uhr festgesetzt.


06. Juli

Auschwitz: Diesmal dauert der Appell 19 Stunden,

von 19 h die ganze Nacht hindurch bis um 14 h des nächsten Tages...

 

 09.Juni

Beginn der deutschen Bombenangriffe auf London

("Luftschlacht um England").

 

10. Juni

In Rumänien werden antijüdische Rassengesetze verabschiedet


16. Juni

Beginn der Abschiebung von Juden aus Elsass-Lothringen nach  Südfrankreich

19. Juli

Im Deutschen Reich werden die Telefonapparate der Juden konfisziert.

29. Juli

Juden dürfen keinen Fernsprechanschluss mehr besitzen


17. August

Massendemonstrationen der Verhungernden im Ghetto Lodz

 

Ende August 1940

„Auch die Telefone der Juden sind eingezogen worden. Obgleich die meisten finanziell schon am Rande des Existenzminimums leben,  müssen sie seit

Februar 1940 sogar eine Sondersteuer von 15 % ihres Nettoeinkommens an das Deutsche Reich bezahlen.“ (aus DRITTES REICH)


07.09.
Bei Benutzung der Luftschutzräume durch Juden soll auf ihre Abtrennung von den übrigen Bewohnern geachtet werden.

 

Bulgarien: Verkündigung des "Gesetzes zum Schutze der Nation" (Beschränkung der Rechte der Juden)

 

22. September

Pyrenäen: 15.000 Juden aus dem Rheinland werden hierher deportiert (aus Atlas)


September 1940

Sachsenhausen:

(Witold Zegarski aus Polen in ‚Niemand und nichts vergessen')

"Unabhängig von den angeordneten Experimenten nutzten die SS-Ärzte ihre Stellungen aus, um eigene, nicht aufgetragene Experimente durchzuführen. Dr. Ernst Frowein z.B. suchte sich Häftlinge, vorwiegend ältere Menschen, aus, die an Störungen beim Urinieren litten, und ‚heilte' sie durch eine Operation. Ohne die Krankheitsursachen zu analysieren, ohne den allgemeinen Zustand des Kranken zu berücksichtigen, führte er Eingriffe durch, die darauf beruhten, eine neue Blase innerhalb einer isolierten Darmschlinge zu entwickeln. Man muss wohl kaum betonen, dass all diese Eingriffe fatal endeten. Auch andere SS-Ärzte, wie z.B. Dr. Rindfleisch, ließen ihren eingebildeten chirurgischen Fähigkeiten freien Lauf, wobei sich das Fehlen grundlegender Kenntnisse auf diesem Gebiet tragisch auf die Gesundheit und das Leben der Operierten auswirkte." (von Rainer Kühn...)

27. September

Dreimächtepakt zwischen dem Deutschen Reich, Italien und Japan auf zehn Jahre (auch: Berlin-Pakt).


27. September  

Verordnung der Militärverwaltung für Frankreich zur Registrierung jüdischer Bürger und Kennzeichnung jüdischer Geschäfte.

 

Algerien: Als 1940 die Vichy-Regierung die Macht in Frankreich übernahm, entzog sie sofort den Juden ihre Staatsbürgerschaft, schloss sie von den Schulen aus und erklärte sie zu "Parias". Nur die Landung der Alliierten bald darauf rettete die Juden vor der massenhaften Deportation in die europäischen Todeslager. Mit dem Sturz des Vichy-Regimes erhielten mehr als 148.000 Juden die vollen Vorzüge und den Wohlstand der französischen Gesellschaft. Ein Bürgerkrieg brach in Algerien aus, und als er sich intensivierte, flohen tausende von Juden aus dem Land, zumeist nach Frankreich.

 

Evangelisch-lutherischer Landesbischof nach den Überfällen Deutschlands auf Niederlande, Belgien und Frankreich: "Wir stehen anbetend vor unserem Gott".


Walter Benjamin, der Literaturhistoriker und Schriftsteller, nimmt sich auf der Flucht vor den Nazis in Port Bou das Leben, weil ihm die Einreise nach Spanien verwehrt worden war. 1994 soll ein Denkmal eingeweiht werden; die zugesagte Hilfe aus Deutschland kommt aber aus Geldmangel nicht.


03. Oktober

Antijüdische Gesetze (Statut des Juifs) werden von der Vichy-Regierung verabschiedet.


04. Oktober

Frankreich: Gesetz über die Einweisung ausländischer jüdischer Bürger in Konzentrationslager


05. Oktober

Die rumänische Regierung unter Ion Antonescu erlässt Gesetze zur Konfiszierung jüdischen Eigentums.


16. Oktober

Errichtung des Warschauer Ghettos.. Hermetische Abriegelung bereits am 15.11. Die Lebensumstände werden in kürzester Zeit unter das Existenzminimum gedrückt


Oktober 1940

Juden verlieren jeglichen arbeitsrechtlichen Schutz. In der Verordnung heißt es: „Juden, die arbeiten, stehen in einem Beschäftigungsverhältnis eigener Art“. Sie haben nur Anspruch auf  Bezahlung für „tatsächlich geleistete Arbeit“. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall kommt nicht in Frage. Es wird kein Urlaub gewährt, sondern in begründeten Fällen „unbezahlte Freizeit“. Eine Kündigung von Seiten des Arbeitgebers wird jederzeit zum Ende des jeweiligen Arbeitstages möglich. Andererseits darf  ein Jude nur mit Erlaubnis des Arbeitsamtes seine Stellung wechseln. Auch das Jugendarbeitsschutzgesetz gilt nicht für Juden. Sie dürfen auch nicht als Lehrlinge beschäftigt werden.

 

22./23. Oktober 1940

Gurs: 7.450 Juden aus Baden,. Württemberg, Pfalz, Saargebiet und Elsass-Lothringen werden im Rahmen der "Aktion "Brückel" nach Gurs, Revesaltes und Les Milles deportiert. Es handelte sich um "deutsche Patrioten" des 1. Weltkriegs.

 

Zum Beispiel waren es

2.000 Juden aus Mannheim        (126 gaben ihr Leben im 1. Weltkrieg)

    40   aus Weinheim

    55   aus Speyer

    89   aus Landau

   177   aus Saarbrücken

     79   aus Bruchsal

     51   aus Mosbach

   183   aus Pforzheim

       9   aus Ettlingen

     91   aus Offenburg

     34   aus Alt-Breisach

    (Überlebende von dort kommen im November 1942 nach Auschwitz)

 

Gurs: 20 Juden mit dem Namen "Mayer", die hier umkamen, stammten zum Beispiel aus Frankfurt, Mühlheim, Osthofen, Grünstadt, Großbockenheim, Mannheim, Ulmet, Niederhochstadt, Germersheim, Neidenstein, Bruchsal, Malsch, Rastatt, Nonnenweiser, Freiburg, Iggelheim.


27. Oktober

The Jouney to "Padernice" Winiary bei Kalisz


04. November

In allen Teilen der Niederlande werden jüdische Beamte entlassen.

06. November

Generalgouverneur in Polen, Hans Frank, gibt dem Korrespondenten Kleiss vom "Völkischen Beobachter" ein Interview und sagt u.a.:

"..In Prag waren z.B. große rote Plakate angeschlagen, auf denen zu lesen war, dass heute 7 Tschechen erschossen worden sind. Da sagte ich mir: wenn ich für je 7 erschossene Polen ein Plakat aushängen lassen wollte, dann würden die Wälder Polens nicht ausreichen, das Papier herzustellen für solche Plakate."(Smolen)


15. November

„Hermetische Abriegelung des Warschauer Ghettos. Alle Angehörigen der deutschen Polizei sollen im Laufe des Winters den Film "Jud Süß" sehen.

 

Kurz nach der Besetzung Warschaus war die jüdische Bevölkerung der polnischen Hauptstadt auf ein bestimmtes Wohngebiet konzentriert worden. Ende 1940 wird dieses Wohnviertel mit einer 3 m hohen Mauer umgeben, innerhalb der Mauern werden mehr als 400.000 Menschen eingeschlossen. Eine Zeitlang gab es für Polen noch die Möglichkeit, geschäftliche Kontakte zu den eingeschlossenen Juden zu halten. Von den „Transit-Straßenbahnen, die mitten durch das Ghetto liefern, aber nicht halten durften, wurden häufig Lebensmittel und Medikamente abgeworfen. Auch einige Waffen hatten auf diese Weise schon ihren Weg ins Ghetto gefunden.“ (aus DEUTSCHES REICH)

 

20. bis 25. November

 Beitritt Ungarns, Rumäniens und der Slowakei zum "Dreimächtepakt".

Dezember

Emanuel Ringelblum gründet die "Oneg Shabat" Geheimarchive im Warschauer Ghetto.


09. Dezember

Verordnung über Kinderbeihilfen: Diese werden nur für Kinder gewährt,

die deutschen oder artverwandten Blutes sind


12. Dezember

Sämtliche jüdische Geisteskranke sollen in der jüdischen Heil- und Pflegeanstalt Sayn-Bendorf konzentriert werden.

 

Dezember 1940 

Hadamar:  Im deutschen Euthanasie-Zentrum werden bis zu diesem Zeitpunkt über 10.000 Menschen umgebracht

 

1940-1941 Gründung der jüdischen Untergrundbewegung Lehi;

Gründung der jüdischen Palmach (Elitetruppe der Haganah) 

 

 

1941

05.Januar
Verabschiedung des "Gesetzes zum Schutz des Staates" in Rumänien:.

Verdopplung des Strafmaßes für von Juden begangene Straftaten.


13.Januar  
Erste Sitzung des Joodse Raad (Judenrat) in Amsterdam.


22.Januar.
Judenmassaker in Rumänien durch die "Eiserne Garde"


Februar
Deportation von 72.000 Juden ins Warschauer Ghetto


22. Februar

Amsterdam: 389 Juden werden aus dem Judenviertel nach Buchenwald verschleppt.


24. Februar

Holland: Mit 2-tägigem Generalstreik protestieren holländische Männer und Frauen gegen Drangsalien gegen Juden. 9 Personen werden getötet, 50 schwer verletzt, 200 kommen in Haft, werden gefoltert. Die Städte Amsterdam, Hilversum und Zaadam müssen 18 Millionen Gulden aus der Stadtkasse an die Deutschen bezahlen.


01.März
Beitritt Bulgariens zum Dreimächtepakt.

 
Himmler ordnet den Bau des Lagers Birkenau (Auschwitz II) an.

Bauzeit Oktober 1941 bis März 1942.


01.März
Besichtigung des KZ Auschwitz durch Himmler und Vertreter der IG-Farben: Befehl zum Ausbau für 30.000 Häftlinge und Abgabe von 10.000 Häftlingen für den Bau des Buna-Werkes der IG-Farben. Im Frühjahr werden Häftlinge des KL Auschwitz I für den Bau des Buna Werkes nach Monowitz = Auschwitz III abgestellt. Bis zur Fertigstellung kommen die Häftlinge täglich zu Fuß dorthin. Die Eröffnung ist am 31. Mai 1942.

 

03. - 20. März  

Planung, Errichtung und Abriegelung des Krakauer Ghettos.


07.März

Einführung der Zwangsarbeit für die deutschen Juden


24. März 1941

Deutscher Angriff in Afrika.


25. März

Beitritt Jugoslawiens zur Achse.


25.März 1941 bis April 1944

existiert u.a. in Breslau-Groß-Masselwitz ein Zwangsarbeitslager für Juden

27.März
Prowestlicher Militärputsch in Jugoslawien.


06.Aprill
Ungarn, Bulgarien, Rumänien und südliche Bukowina kommen unter NS-Einfluss,    nördliche Bukowina und Bessarabien am 06.07.1941

 

Invasion der Deutschen in Jugoslawien und Griechenland


06. April

Die 30.000 Juden von Radom werden in zwei Ghettos eingewiesen.


09.April 1941

Die deutschen Truppen besetzen Saloniki.

 

Die griechische Hafenstadt wurde in jenen Tagen das „Jerusalem des Balkans“ genannt. Die 70.000 Mitglieder der jüdischen Gemeinde sprechen Ladino, die Sprache ihrer sephardischen Vorfahren aus Spanien. . Ab Juli 1942 beginnen die Deportationen und damit die systematische Vernichtung der jüdischen Gemeinden.

Der am 4.6.1913 geborene Geiger Jacques Stroumsa wird am 30.4.1943 mit seiner ganzen Familie nach Auschwitz verschleppt. Er überlebt als einziger, und zwar als Mitglied des Lagerorchesters. Später lebt er in Israel. 1994 erscheint sein Buch „Geiger in Auschwitz – Ein jüdisches Überlebensschicksal aus Saloniki 1941-1967“

 

10. April

Judenpogrome in Antwerpen.


Gründung des Staates Kroatien durch das Deutsche Reich und Italien.

10. April

Jugoslawische Gebiete, wie Untersteiermark und Krain kommen unter NS-Einfluss

 

Belgrad in Serbien wird von den Deutschen okkupiert. 1878 hatten Juden volles Zivilrecht erhalten (in the newly independent Serbia)


13. April

Japanisch-sowjetischer Neutralitätspakt.


18. April

Jugoslawien kapituliert.


24. April

Abriegelung des Ghettos in Lublin


26. April

Erlass über jüdische Schulen: Die Reichsvereinigung wird angewiesen, ihre Schulen in großen Städten zu konzentrieren und die Zwergschulen aufzulösen.

30. April

Kroatien kommt unter NS-Einfluss

 

06. Mai

Verfahrensordnung der Reichskammer der bildenden Künste als Ankaufsstelle für Kulturgut: Die Verordnung regelt das Verfahren der Reichskammer als Ankaufsstelle für jüdisches Kulturgut, u.a. kann der jüdische Eigentümer zum Verkauf gezwungen werden.

 

10. Mai                                     

Heß, Rudolf  (1894-1987)

1920 Beitritt zur NSDAP. Seit 1933 Stellvertreter Hitlers als Parteiführer und Minister ohne bestimmten Geschäftsbereich. Am 10.5.1941 fliegt Heß ohne Wissen des Führers nach England, um mit der britischen Regierung Friedensverhandlungen aufzunehmen, doch wurde er interniert und von dem Internationalen Militärtribunal in Nürnberg zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilt. Heß war der letzte Häftling im alliierten Kriegsverbrechergefängnis in Spandau. Er stirbt 1987. (shoaNet)


14. Mai

Verhaftung von 3.600 Pariser Juden


15. Mai

Rumänien verabschiedet ein Dekret, das erwachsene Juden zu Zwangsarbeit verurteilt.


19. Mai

Judenpogrom in Bagdad.


20. Mai

Die Auswanderung von Juden in das unbesetzte Frankreich ist aufgrund der bevorstehenden "Endlösung der Judenfrage" zu unterbinden. Zukünftig wird Auswanderung nur in Sonderfällen und mit spezieller Genehmigung des Reichssicherheitshauptamtes gestattet.


30. Mai

Eroberung Bagdads durch die Briten.

 

Bildung der Einsatzgruppen.


Serbien und westliches Banat kommen unter NS-Einfluss



Juni 1941

Die Vichy-Regierung nimmt den französischen Juden in Nordafrika die Bürgerrechte und erlässt zahlreiche Restriktionen gegen sie.

 

01.Juni Rückzug der britischen Truppen von Kreta.


06. Juni

Kommissarbefehl zur Vorbereitung des Überfalls auf die Sowjetunion.

08. Juni

Einmarsch der Briten in das von Vichy-Truppen kontrollierte Syrien.


12. Juni

Juden dürfen sich nur noch als "glaubenslos" bezeichnen


18. Juni

Deutsch-türkischer Freundschaftsvertrag.

 

19. Juni 1941

Hirsch, Otto  (1885-1941)

wurde in Stuttgart geboren und studierte Jura. Er war in jüdischen Angelegenheiten sehr aktiv: Er setzte sich als einer der Vorsitzenden des Centralvereins Deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens für die Auswanderung nach Palästina ein. 

1933 zählte Hirsch zu den Gründern der Reichsvertretung (und 1939 der Reichsvereinigung) der Juden in Deutschland und wurde ihr Vorsitzender. Er spielte eine entscheidende Rolle in den Aktivitäten der Reichsvertretung. Energisch vertrat Hirsch die Reichsvertretung gegenüber den deutschen Behörden. Er war ein wichtiges Bindeglied zwischen der Reichsvertretung und jüdischen Hilfsorganisationen im Ausland. 

Hirsch wurde während der NS-Zeit mehrmals festgenommen und am 19.6.1941 im Konzentrationslager Mauthausen zu Tode gefoltert. (shoanet)


21. Juni

In Rumänien werden die Juden aus den Städten und Dörfern der Süd-Bukowina vertrieben.



22.Juni 1941

Erneute große Verhaftungswelle in ganz Deutschland.



22.Juni
Deutscher Angriff auf die Sowjetunion. Dort leben mehr als 2.700.000 Juden. Unmittelbar hinter der Front rücken Sonderkommandos der SS und der Polizei mit vor. Ihre Aufgabe: Die Liquidierung der politischen Kommissare, der Juden und der Zigeuner. Alleine in den baltischen Staaten werden zu Beginn der Mordaktionen 230.000 Juden umgebracht.


23.Juni
In der Sowjetunion beginnen die Mordaktionen der Einsatzgruppen.

Einen Tag, nachdem  Hitler die Sowjetunion überfallen hatte, brechen die SS-Einsatzgruppen, die seit April von Heydrich und Himmler aufgestellt worden waren, hinter der kämpfenden Wehrmacht in Russland ein. Ihr Auftrag: „Beseitigung der jüdisch-bolschewistischen Intelligenz, die Vernichtung von Bolschewistenhäuptlingen, Kommissaren, vor allem aber aller Juden, die die Sicherheit der Truppe durch ihre Existenz gefährden.“

 

Die einzelnen Einsatzgruppen versuchten, sich gegenseitig mit ihren Erfolgsberichten auszustechen: „Arbeitsbereich der Teilkommandos judenfrei gemacht. Gesamtsumme: 79.276“ –

„Sonderkommando 4a hat bis zum 6.9.41 insgesamt 11.328 Juden erledigt.“

Oder: „Insgesamt wurden 34 .289 Juden (Männer, Frauen, Jugendliche) in der Berichtszeit erfasst und liquidiert.“

Hinter diesen kalten, nüchternen Zahlen stehen grauenvolle Bilder: Leichengruben, nackte Menschen vor Maschinengewehren, Kleinkinder und Säuglinge auf den Armen ihrer Mütter, Todesangst, Schreie und Blut. Die Opfer wurden mit Schlägen angetrieben, bettlägerige Kranke, gehunfähige Greise auf Tragbahren an die Hinrichtungsgruben geschafft.

 

Der SS-Obergruppenführer Friedrich Jeckeln erfand eine zeitsparende Hinrichtungsmethode, die den zynisch-makabren Namen „Sardinenpackung“ erhielt. Die ersten Opfer mussten in die ausgehobene Grube springen und sich nebeneinander mit dem Gesicht zur Erde legen. War die Reihe voll, wurden die Menschen vom Grubenrand aus mit Maschinenpistolen erschossen. Die nächsten Opfer mussten sich auf die bereits Erschossenen legen, mit dem Kopf zwischen die Füße der Toten. Wer weinte, flehte oder schrie, wurde mit Tritten in die Grube befördert. Je höher sich die Leiber in den Gruben stauten, desto höher spritzten Blut und Hirnmasse auf Hände, Gesichter und Uniformen der SS- und Polizeihenker. Nach vorsichtigen Schätzungen hatten die Einsatzgruppen bis Ende 1941 rund 500.000 Juden in den okkupierten Gebieten Russland umgebracht.

 

Jeckeln fand später sein verdientes Schicksal. Von einem sowjetischen Gericht zum Tode verurteilt, wurde er am 3.Februar 1946 in Riga, dem Hauptort seiner Vernichtungsarbeit, gehenkt. Seine Verteidigung: „Ich habe doch nur Befehle ausgeführt!“ (aus  DRITTES REICH...)


24. Juni

Die deutschen Truppen besetzen Wilna.


25.Juni.
Beim Judenpogrom in Jassy werden etwa 15.000 Juden ermordet.


26. Juni

Juden erhalten keine Zusatzscheine mehr für Seife und Rasierseife.


27.Juni
Kriegseintritt Ungarns auf  Seiten der Achsenmächte.


Die deutschen Truppen besetzen Bialystok und ermorden 2.000 Juden.

28. Juni 1941

„Litauen: Bei einem von der Sicherheitspolizei inszenierten Pogrom werden in Kowno Hunderte von Juden durch freigelassene Zuchthäusler mit Eisenrohren erschlagen.“ (aus DRITTES REICH)


29. Juni

Erschießung von mehreren tausend Juden im Hof der Polizeizentrale von Jassy ("Schwarzer Sonntag").


30.Juni
Die deutschen Truppen besetzen Lemberg.


01.Juli
Die deutschen Truppen besetzen Riga.


1. Juli bis 31. August 1941

 Die Einsatzgruppe D, Wehrmachtseinheiten und eine rumänische Sondereinheit ermorden 150.000 bis 160.000 Juden in Bessarabien.

Juli
Im Lauf des Julis werden etwa 5.000 Wilnaer Juden vom Einsatzkommando 9 und einheimischen Kollaborateuren umgebracht.


02 Juli

Übergriffe der ukrainischen Bevölkerung auf Juden in Lemberg.


04. Juli

Lettische Kollaborateure in deutschen Einheiten setzen die Hauptsynagoge von Riga in Brand.

Bildung eines Judenrats in Wilna.


4. bis 11. Juli

Bei einem Pogrom in Ternopol werden 5.000 Juden ermordet.

08. Juli

Einführung des Judensterns in den baltischen Staaten.


10. Juli

Kapitulation der Vichy-Truppen in Syrien gegenüber Großbritannien.

 

1941   10. Juli   - Pogrom in Jedwabne

von Gabriele Lesser (MeOme)  „Die Aufdeckung eines Pogroms in der ostpolnischen Kleinstadt Jedwabne im Jahre 1941 hat zur bislang größten Historikerdebatte Polens nach dem Zweiten Weltkrieg geführt: Am 10. Juli 1941 hatten die christlichen Einwohner von Jedwabne ihre jüdischen Nachbarn ermordet. Über 1000 verbrannten sie bei lebendigem Leibe in einer Holzscheune.

Deutsche Soldaten standen daneben und filmten das Massaker. Insgesamt kamen 1.600 Männer, Frauen und Kinder ums Leben. Die Debatte um Schuld, Verantwortung und das eigene Selbstverständnis als Opfer des Zweiten Weltkriegs hat nun auch eine politische Dimension angenommen. Staatspräsident Alexander Kwasniewski kündigte am Sonntag an, sich am 60. Jahrestag des Pogroms im Namen der Polen bei den Juden entschuldigen zu wollen. Er werde am 10. Juli nach Jedwabne fahren und dort der von christlichen Polen ermordeten Juden gedenken.

Noch am selben Tag reagierte das Oberhaupt der Katholischen Kirche Polens, Primas Jozef Glemp, und verwarf das Ansinnen, in Jedwabne im Namen der katholischen Kirche um Vergebung zu bitten: "Ich möchte nicht, dass Politiker der Kirche die Form aufzwingen, in der die Kirche den Trauerakt für das Verbrechen einer bestimmten Gruppe Gläubiger vollziehen will. Ich möchte auch nicht, dass sie die Ideologie für das Sühnegebet bestimmen."

Er will sich auch nicht im Namen der katholischen Kirche, sondern im Namen der sündigen Menschheit entschuldigen (...in Warschau), und auch nicht bei den Opfern, sondern bei Gott.

Das gemeinsame Gebet von Katholiken und Juden werde daher ein gemeinsames Sühnegebet sein: "Als Kirche werden wir mit den Menschen mosaischen Bekenntnisses Gott für die verübten Sünden um Vergebung bitten, so wie es die Wahrheit in der Bibel offenbart."  (Israelnetz.de 15.3.2001)

 

11. Juli

Massaker in Bialystok


12. Juli

Militärabkommen zwischen der Sowjetunion und Großbritannien.


Massaker vom 22.6.-16.7.1941:


Riga                       400
Jalgava                2.000
Siauliai                3.000
Kovno                 3.000
Vilna                   5.000   
Lvov                    3.000
Bialystok             5.200
Zlocwow              3.500
Brest-Litovsk       5.000
Czernow               2.400
Tarnopol              5.000
Hotin                    2.000
Jassy         2.421    in 2 Todeszügen, organisiert von rumänischen Faschisten


19. bis 26. Juli 1941

„In der Wochenschau wurden mehrere Mordaktionen im Kino gezeigt. Die Einsatzkommandos überließen die Hinrichtungen gern einheimischen Exekutionskommandos und freigelassenen Verbrechern aus der Bevölkerung, wie z.B. mehrmals in Riga. Dieser Massenmord wurde dann als „Lynchjustiz“ getarnt. Aus dem Bericht des Sicherheitsdienstes über die Aufnahme durch die Bevölkerung: „Die Lynchjustiz“ der Rigaer Bevölkerung an den Juden wurde mit aufmunternden Ausrufen begleitet!“ (Aus DRITTES REICH)

 

20.Juli 1941

Minsk: Deutsche riegeln 3 Wochen nach der Besetzung ein 2 qkm großes Gebiet mit Mauern und Stacheldraht ab und sperren 85.000 Juden, 1/3 der Bevölkerung, ein. Der ersten Mordwelle vom November 1941 fallen 16.000 weißrussische Juden zum Opfer. Damit wird im Ghetto Platz geschaffen für deutsche Juden, die danach in Minsk eintreffen. 22.000 Juden kommen in den nächsten Monaten aus Deutschland in ein Sonderghetto, das mit Stacheldraht vom russischen Ghetto abgetrennt ist. Ein deutscher Hauptmann desertiert und flieht mit 1 deutschen und 25 russischen Juden auf einem Lkw der deutschen Wehrmacht zu den Partisanen.


Überlebende Juden der Ghettos und aus deutschen Lagern werden nach dem Krieg nach Sibirien gebracht, nach Birobidjan, der Hauptstadt des einzigen jüdischen autonomen Gebietes auf der Welt - Hunger, Kälte, eine furchtbare Zeit. (1929 wurden Juden aus Westrussland in den fernen Osten der Union gelockt, wo Stalin ihnen eine autonome Sowjetrepublik versprochen hatte.)

21.Juli
Befehl Himmlers zum Ausbau des KZ Majdanek


24.Juli
Errichtung des Ghettos in Kischinjow.

In der Stadt sind bereits etwa 10.000 Juden ermordet worden.


25.-27.Juli
Massaker der ukrainischen Bevölkerung an Juden in Lemberg ("Petljura-Tage").

Belgrad: Deutsche ermorden 122 Kommunisten und Juden der Resistance. Dort lebten vor dem Krieg 7.906 Juden.

 

Juli:  Bessarabien kommt unter rumänische Kontrolle.

 

In Ghettos sind eingepfercht zum Beispiel

15.000 in Magilev-Podolsk

  5.300 in Shargorod

  4.500 in Murafa

  3.500 in Djurin

  9.200 in Bershad und

  1.000 in Adineti



31.Juli  
Hermann Göring beauftragt SS-Gruppenführer Reinhard Heydrich, alle Vorbereitung "für eine Gesamtlösung der Judenfrage im deutschen Einflussgebiet" zu treffen.

 

August 1941

„Es beginnt die völlige Isolierung des Warschauer Ghettos. Inzwischen ist dieser Wohnbezirk so übervölkert, dass durchschnittlich 7 bis 10 Personen in einem Raum wohnen. Polen droht die Todesstrafe, wenn sie Juden mit Lebensmitteln versorgen oder Juden außerhalb des Ghettos versteckten. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, vegetierte die Bevölkerung am Rande des Existenzminimums. Die offizielle Versorgung mit Lebensmitteln lag bei 180 Kalorien am Tag. Die Sterblichkeitsziffer war enorm. Allein im Jahre 1941 sterben 4.500 Personen, viele davon Kinder, infolge von Hunger und Krankheit. Viele starben buchstäblich auf der Strasse. Ihre Leichen blieben, mit Papier bedeckt, bis zum Abtransport liegen…“


01. August

Die Bezirke Bialystok und Lemberg kommen unter NS-Herrschaft. Das Ghetto wird errichtet.


02. August

Juden dürfen die allgemeine Leihbüchereien nicht mehr benutzen.


05.August
Ermordung von 8.000 jüdischen Männern aus Pinsk.


07.August.
Ermordung von 2.500 bis 3.000 Pinsker Juden.


08.August
Vilna: Vom 20.7. bis 8.8.1941 werden 1000 Juden umgebracht

und vom 12.-31.8. nochmals 444.

Im September. und Oktober fallen dem Massaker 19.311 zum Opfer.

In Swieciany werden 8.000 umgebracht und in Kovno 10.500...


14.August
Unterzeichnung der Atlantik-Charta durch Roosevelt und Churchill, darin werden in acht Punkten Friedensziele und -bedingungen formuliert.

19.August
Ermordung von 3.726 Juden in Mogiljow durch das Einsatzkommando 8 und einheimischen Kollaborateure.


21.08.
Im Lager Vertujeni werden 17.000 Juden interniert.

Aug.1941
Schitomir: Jüdische Kinder des Kindergartens werden von SS-Leuten erschossen

bis 31. August ab 17. Juli  finden Massaker statt in

Liepaja                       3.000 Juden

Czyzew                      3.500 Juden

Pinsk                        11.000 Juden

Czernowitz                 4.000 Juden

Kamenets Podolsk   14.000 Juden

Kirovo                         6.000 Juden

Kishinev                    12.287 Juden

Nikolajew                    5.000 Juden

Kiliya                           2.000 Juden

Jassy                          4.000 Juden                      (aus Atlas)

 

27.- 28.8.1941

Ermordung von 23.600 Juden durch deutsche Einheiten bei Kamenez-Podolski.

30. August

Sperre des Inlandsvermögens der nach den Niederlanden ausgewanderten Juden.


31.8.bis 3.9.1941

Ermordung von 8.000 Wilnaer Juden in Ponary.



01.September
“Der September des Jahres 1941 brachte die letzte Eskalation in der Entrechtung der noch in Deutschland und Österreich lebenden Juden. Es wird die „Polizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden“ erlassen. Jeder Jude vom 6. Lebensjahr an muss an seiner Kleidung sichtbar den gelben Davidstern mit der Aufschrift „Jude“ tragen.  Dazu gehören auch „Mischlinge“, die so genannte „Glaubensjuden“ waren, also der jüdischen Glaubensgemeinschaft angehören.  Ausgenommen sind lediglich Jüdinnen, die mit einem „Arier“ verheiratet sind und Juden, die nichtjüdische Ehefrau haben (diese aber nur, wenn Kinder aus der Ehe hervorgegangen sind)

 

Mit der Kennzeichnungsverordnung hageln weitere demütigende Vorschriften auf die Juden herab:  Sie dürfen ihren Wohnort ohne schriftliche  Erlaubnis der Ortspolizei nicht mehr verlassen. Diese Erlaubnis beschränkt sich auf 7 Kilometer weite Fahrten zum Arbeitsplatz. Ansonsten dürfen sie keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Bei erlaubten Fahrten dürfen sie keine Sitzplätze einnehmen. Sie dürfen keine Gaststätten aufsuchen, auch keine Bahnhofsrestaurants und Warteräume, keine Grünanlagen und Wälder betreten, keine Bücher, Zeitschriften und Zeitungen kaufen, keine „arischen“ Friseure in Anspruch nehmen, keine Haustiere (wozu auch Wellensittiche und Zierfische zählen) mehr halten.“ (aus DRITTES REICH)

 

Offizieller Abschluss des Euthanasie-Programms, in dessen Verlauf zwischen 70.000 und 93.000 Menschen im Deutschen Reich ermordet wurden.

01.September
Wewelsburg/Nordrhein-Westfalen: Das ab Januar 1940 bestehende Kommando des KL Sachsenhausen wird ein selbständiges KL. Dort befindet sich die Bauleitung der SS-Schule und die Gesellschaft zur Förderung und Pflege deutscher Kulturdenkmäler e.V. Kranichfeld


01.September
Estland, Lettland, Litauen, Weißrussland

und die Ukraine kommen unter NS-Einfluss


03.September
Erste "Versuchsvergasungen" in Auschwitz, unter anderen an sowjetischen Kriegsgefangenen.

 

3. bis 6.September

Errichtung von zwei Ghettos in Wilna.

 
04.September
Erschießung von 1.500 jungen Juden am Stadtrand von Berditschew.

10.September
Die Häftlinge des Lagers Vertujeni werden in Fußmärschen nach Transnistrien deportiert.



13.-15.September
Hancewicze/Polesyen: Massaker an 3.000 Juden


15. September

In den Niederlanden werden Gesetze erlassen, die Juden von zahlreichen öffentlichen Orten ausschließen.


Ermordung annähernd 18.600 Juden am Stadtrand von Berditschew.


15.09.-13.10.
Deportation von mindestens 150.000 Juden aus Bessarabien und der Bukowina nach Transnistrien, wo etwa 90.000 sterben.



19.September
Die im Reich lebenden Juden müssen vom 6. Lebensjahr an in der Öffentlichkeit den Judenstern tragen.


Die Deutschen erobern Kiew.


Liquidierung des Ghettos Shitomir, Ukraine   18.000 Opfer


27.September
Heydrich wird Reichsprotektor von Böhmen und Mähren


29.-30.Sptember 1941

Ermordung von 33.771 Kiewer Juden in der Babi-Jar-Schlucht durch das Einsatzkommando 42

 

Babi Jar

 

"Über Babi Jar steht kein Denkmal.

Ein schroffer Hang - der eine, unbehauene Grabstein."

 

Jewgeni Jewtuschenko Schlucht nordwestlich von Kiew, in der die Juden der ukrainischen Hauptstadt systematisch ermordet wurden.
Nach offiziellen Berichten der Einsatzgruppen wurden am 29. und 30. September 1941 33.771 Juden in Babi Jar ermordet. In den folgenden Monaten wurden Tausende weitere Juden, Zigeuner und sowjetische Kriegsgefangene nach Babi Jar gebracht und dort erschossen.
Nach Schätzungen wurden in Babi Jar insgesamt 100.000 Menschen ermordet.
Im Zuge der Aktion 1005 wurden Mitte 1943 die Massengräber mit Raupenbaggern geöffnet und die Leichen verbrannt. Die Verbrennung der Leichen dauerte vier Wochen. (shoanet)


September  / Oktober 1941

Massaker in

Witebsk                                     3.000 Juden

Borisow                                     8.000 Juden

Zhitomir                                    7.500 Juden

Stanislawow                            10.000 Juden

Radomyshl                              13.000 Juden

Dnepropetrovsk                       15.000 Juden

Odessa                                    48.000 Juden                    (aus Atlas)



08.Oktober
Errichtung des Vernichtungslagers Birkenau für 200.000 Häftlinge


1. Oktober bis 22. Dezember 1941

Bei Aktionen in Wilna werden 33.500 Juden umgebracht.


6.10.1941 bis 16.3.45

Insgesamt 46.067 Prager Juden werden in den Osten und nach Theresienstadt deportiert.


8.Oktober.
Auflösung des Ghettos von Witebsk und Ermordung von mehr als 16.000 Juden.


10. Oktober 1941

„Theresienstadt wird von den Nazis in ein KZ umgewandelt. Bis 1945 "passieren" 140.000 Häftlinge dieses Lager. 34.000 davon kommen um. 84.000 werden in anderen KZ's zu Tode gemartert. 4.000 Kinderzeichnungen erinnern an das tragische Schicksal der 15.000 internierten Kinder (von denen nur 300 überlebten), die später in Auschwitz vergast wurden. 25.000 Papier-Urnen mit Asche der Opfer sind in den Fluss Eger geworfen worden. Die Torüberschrift lautete "Arbeit macht frei"


11. Oktober

Belgrad: Massaker an 448 Juden


11.Oktober
Errichtung des Ghettos in Czernowitz.


12. Oktober

Die Deutschen nähern sich Moskau: Teilweise Evakuierung der Stadt.


13.Oktober.
Ermordung von 20.000 Juden in Dnjepropetrowsk.


14.Oktober
Beginn der systematischen Deportation von Juden aus dem "Altreich".

Erste Transporte nach Theresienstadt, das als "Reichsaltersheim" getarnte KZ. Deportationen von über insgesamt 42.000 Juden aus Deutschland

16.Oktober
Deutsche Truppen besetzen Odessa

und ermorden anschließend 19.000 Juden 


19.Oktober
Deportationsbefehl für Juden aus dem Reichsgebiet,

u.a. nach Riga, Kowno, Lodz und Minks  –

in die Gebiete, in denen die Einsatzgruppen morden

Die Einsatzgruppe A war zuständig für Ermordung von Juden in den Baltischen Staaten, die Einsatztruppe D machte die Arbeit in der Ukraine und auf der Krim, die Gruppe B in Weißrußland und C um Kharkow


23.Oktober
Generelles Verbot der Auswanderung von Juden aus Deutschland wegen der zu erwartenden "Endlösung der Judenfrage".


24.Oktober
Rund-Erlass des Reichssicherheitshauptamtes: "Deutschblütige" Personen, die sich freundlich gegenüber Juden verhalten, sind in Schutzhaft zu nehmen, der Jude ins Konzentrationslager einzuliefern.


Die Deutschen besetzen Charkow.


28.Oktober.
Massaker in Lachowicze an 2.000 Juden


Bei einer Aktion werden im Fort IX in der Nähe von Kowno 9.000 Juden umgebracht.

30.Oktober
Von den 4.500 Juden in Neswish werden 4.000 ermordet. Die übrigen in ein Ghetto gesperrt.


31.Oktober

Arbeitsverhältnis von Juden: Der Jude ist als Artfremder nicht Mitglied einer deutschen Betriebsgemeinschaft. Juden haben die ihnen von den Arbeitsämtern zugewiesene Beschäftigung anzunehmen und werden gruppenweise, getrennt von der übrigen Gefolgschaft, eingesetzt. Jüdische Jugendliche können zu allen Tageszeiten beschäftigt werden. Jüdische Schwerbeschädigte müssen die ihnen zugewiesene Arbeit annehmen.


Evangelische Landeskirchen sind für schärfste Maßnahmen gegen die Juden als den "geborenen Welt- und Reichsfeinden"


Evangelisch-lutherischer Pfarrvikar bildet Heckenschützen im Töten aus


Okt.-Dez. 1941

Hamburg: Von der Moorweide aus werden Transporte von über 3.000 Juden in KL Riga, Minsk, Lodz, Theresienstadt und damit in den Tod geschickt

Oktober 1941

Judenmassaker in Südrussland


01.November
In Polen beginnt der Bau des Vernichtungslagers Belzec.


04.November.
Abschiebung von Juden, die nicht in volkswirtschaftlich wichtigen Betrieben beschäftigt sind, in die besetzten Ostgebiete.


07.November
Ermordung von 12.000 Minsker Juden in Tuschinka.


7. bis 8 .November 1941

Ermordung von 21.000 Juden im Sossenki-Wäldchen bei Dwinsk.

7.bis 9.November

Ermordung von mehr als 3.000 Juden in Pogulanka bei Dwinsk.


08.November

In Lemberg wird die Errichtung eines Ghettos angeordnet.


13.November
Erfassung von Schreibmaschinen, Fahrrädern, Photoapparaten und Ferngläsern bei Juden.


20.November
Ermordung von 20.000 Minsker Juden in Tutschinka.


November

Von Juni bis November Deportationen und Todesmärsche aus der Bukowina, Zum Beispiel aus Czernowitz 30.000, aus Dorohoi 5.384.

1930 lebten hier 144.197 Juden, davon 42.932 in Czernowitz


November
Bosnien: Alle 14.000 Juden werden in Camps deportiert,

z.B. aus Sarajewo und Umgebung nach Kruscica.

Von dort 4.000 Frauen nach Loborgrad,

4.000 Männer nach Jasenovac,   6.000 Kinder nach Staro Gradiska.

 

Vor dem Krieg lebten in Sarajewo         8.196 Juden

                                  in Banja Luka          368

                                  in Travinsk               364

                                  in Zenica                  234

 

November 1941

Deportationen und Massaker an 252 Juden aus Essen, die nach Lodz verfrachtet werden.  489 Juden aus Düsseldorf kommen nach Minsk.

Dort werden insgesamt 12.000 Juden umgebracht.


1.200 Häftlinge aus Buchenwald werden nach Bernburg zur Euthanasieanstalt geschafft und vergast.

 

Belzec

„Vernichtungslager in Polen, im Distrikt Lublin. 

Im November 1941 begann die SS mit dem Bau des Vernichtungslagers das kurze Zeit später seinen Betrieb aufnahm.

Die Gesamtzahl der Mordopfer wird auf 600.000 geschätzt, fast alle waren Juden, dazu kamen einige hundert Zigeuner und einige Polen. Zwischen Dezember 1942 und Frühling 1943 wurden die Massengräber in Belzec von den Nationalsozialisten im Rahmen der "Aktion 1005" geöffnet und die Leichen der Opfer exhuminiert und verbrannt.“ (shoanet)


20. November bis 7. Dezember 1941

 Bei den sogenannten Jeckeln-Aktionen werden 30.000 Juden im Rumbula-Wald bei Riga umgebracht.


24.11.1941 bis 20.4.1945

Aus Böhmen und Mähren werden insgesamt 140.937 Juden nach Theresienstadt deportiert. Von ihnen sterben 33.539.  

88.196 werden weiterdeportiert.


25.November
Die 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz entzieht den Juden die deutsche Staatsangehörigkeit.

Laut Paragraph 2 verliert ein Jude, der seinen „gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland“ hat, seine Staatsangehörigkeit. Sein Vermögen verfällt dem Reich.  Dasselbe gilt für Juden, „die ihren gewöhnlichen Aufenthalt später im Ausland nehmen, mit der Verlegung des gewöhnlichen Aufenthaltes ins Ausland“. Als „Ausland“ gelten nach der Durchführungsbestimmung auch alle „besetzten Gebiete, insbesondere auch das Generalgouvernement und die Reichskommissariate Ostland und Ukraine“, also die von den deutschen Truppen eroberten Gebiete der Sowjetunion.

Die Perfidie des „Gesetzes“ wird durch das nüchterne Beamtendeutsch noch makabrer. Ein deutscher Jude, der von SS-Leuten auf dem Bahnhof seiner Heimatstadt mit Hunderten anderen in einen Viehwagen geprügelt wird, um ins Ghetto von Warschau oder Lublin transportiert zu werden, „nimmt seinen Wohnsitz im Ausland“ und verliert aus diesem Grund seine Staatsangehörigkeit, seine Ersparnisse und alles bis auf den Anzug, der er auf dem Leibe trägt.

 

Seit September 1941 laufen die deutschen Juden als Gezeichnete, als „Unberührbare“ durch die Strassen. Und plötzlich werden auch die Kirchen, die bisher geschwiegen hatten, mit der Judenfrage konfrontiert.

Seit den Septembertagen konnte man bei den Gottesdiensten der katholischen und evangelischen Kirchen Gläubige beobachten, die einen Judenstern trugen.  Einige Geistliche verkündeten von der Kanzel, die Judenchristen hätten das gleiche Heimatrecht in der Kirche wie die anderen Gemeindemitglieder und warnten die Gläubigen davor, sich gegen die Christen mit dem Judenstern zu stellen. Solche Appelle waren notwendig..... Nur wenige Geistliche bewiesen in der Frage der Judenchristen öffentlichen Mut, unter ihnen Kardinal Bertram, Erzbischof von Breslau und Kardinal Innitzer, Erzbischof von Wien. Ende 1941 waren die deutschen Juden bürgerlich tot. Ihre physische Vernichtung war nur noch eine Frage der Zeit. In Russland und Polen hatte sie für die übrigen Juden bereits begonnen.“ (aus DRITTES REICH)


Beginn der Deportationen polnischer Juden aus Breslau. Sie dauern mit Unterbrechungen bis April 1944.


Dezember 1941

Bildung einer zionistischen Jugendbewegung im Französischen Untergrund.

Eine bewaffnete Untergrundorganisation, die erste jüdische Partisanengruppe,  bildet sich im Ghetto Minsk


01.Dezember
Stuttgart: Deportation von 1.000 Juden vom Sammelplatz Killesberg in das Lager Riga-Jungfernhof.


03.Dezember
Jungfernhof in Lettland, Eröffnung des Vernichtungslagers. Ziel für einen Teil der Juden-Transporte, die vom 15.11.41 bis 14.12.42 aus dem Altreich und vom 23.11.41. bis 06.02.42 aus Wien offiziell nach Riga geleitet werden.

 

04.12.1941

Edelstein, Jakob (1903-1944)

Als Leiter des Palästina-Büros in Prag war sein Hauptbestreben, die Deutschen dazu zu bewegen, die Juden im Protektorat Böhmen und Mähren als Arbeitskräfte zu nutzen und nicht nach Polen zu deportieren. 

"Jüdische Arbeit zur Rettung jüdischen Lebens" war die Maxime von Edelstein. Am 4.12.1941 wurde er zum Vorsitzenden des Judenrats im Ghetto Theresienstadt gewählt, jedoch im Januar aus seinem Amt entlassen aufgrund der Beschuldigung, die registrierte Zahl der Einwohner des Ghettos stimme nicht mit der tatsächlichen Zahl überein. Am 18.12.1943 wird er nach Auschwitz deportiert und mit seiner Familie ein halbes Jahr später ermordet.  (shoanet)


06.Dezember

Britische Kriegserklärung an Rumänien.


Beginn der sowjetischen Gegenoffensive bei Moskau.


07.Dezember
Japanischer Angriff auf Pearl Harbour.

Japan tritt in den Krieg ein gegen USA und Britannien


Dezember 1941

Alle 1.000 Juden Estlands werden von Esten umgebracht.

 

Chelmno - Das Vergasungslager wird eingerichtet

Eine neue Phase des Massenmords beginnt. Aus den mobilen Mörderkommandos der Einsatzgruppen werden jetzt stationäre Todesfabriken. Die grausige Herrschaft der Gaskammern setzt ein. Den Anstoß gab SS-Gruppenführer Arthur Greiser, Gauleiter und Reichsstatthalter des westpolnischen „Warthegaues“, der 1939 vom Deutschen Reich annektiert worden war. Im äußersten Zipfel des Warthegaues lag Lodz, das in Litzmannstadt umbenannt worden war und nun – obgleich eine rein polnische Stadt – nicht zum Generalgouvernement, sondern zum Reichsgebiet gehörte. In Lodz aber befand sich ein großes Ghetto mit mehr als 100.000 Juden. Greiser wollte seinen Gau „judenfrei“ machen und bat Himmler und Heydrich, ihm bei der Lösung eines Problems zu helfen. Der SS-Hauptsturmführer Lange traf Ende des Jahres mit einer Reihe von Gaswagen, die schon bei den Einsatzgruppen benutzt worden waren, in einem alten Schloss bei Kulmhof (Chelmno), 60 km nordwestlich von Lodz, ein. Im Dezember 1941 begann das Kommando Lange mit drei Gaswagen seine Vernichtungsarbeit. Die Juden aus dem Ghetto von Lodz  -  darunter waren 20.000, die aus deutschen Städten dorthin gebracht worden waren - wurden mit der Bahn nach Chelmno verfrachtet, dort in Lastwagen abgeholt und zum Schloss gebracht.  Dort mussten sie sich völlig auskleiden und einen geschlossenen Lkw besteigen, der sie angeblich zum Duschen bringen sollte. Kaum waren die Türen des Wagens zugeschlagen, leitete ein Schlauch Auspuffgase in den Laderaum und tötete die Opfer.

 

Doch die primitive Vergasungsanlage funktionierte nicht immer so schnell wie geplant. Manchmal dauerte der Todeskampf Stunden. Einige Male waren Opfer sogar noch am Leben, wenn die Türen geöffnet wurden. Die Massentortouren von Chelmno, die entsetzlichen Quälereien waren für die Todesspezialisten der SS ein „Experiment“. Zwar war Adolf Eichmann übel geworden, als er einmal Zeuge einer Vergasung wurde, aber die Leiden der Menschen interessierten die SS-Beamten nicht so sehr. Für sie war das Experiment ein Fehlschlag, weil diese Vernichtungsmethode zu zeitraubend war. Man müsste eine Möglichkeit finden, sie zu beschleunigen. Techniker der SS und deutsche Spezialfirmen wurden aufgefordert, auf der Grundlage des Vergasungsprinzips schneller und zuverlässiger arbeitende Einrichtungen zu entwickeln. Himmler schwebte bereits folgendes vor: Auf dem Territorium des ehemaligen polnischen Staates sollte sich eine ganze Kette von Todesfabriken erheben, um in mehreren Jahren sämtliche Juden Europas schnell, reibungslos und wohl organisiert auszurotten. Der Begriff „Endlösung“ hatte seinen endgültigen Inhalt gefunden. Diese Aktionen mussten natürlich getarnt werden und  streng geheim bleiben. – Heydrich beruft am 20. Januar 1942 eine Sitzung ein...“ (aus DRITTES REICH)

 

08.Dezember
Auschwitz: Vergasungsexperimente in Autos, später in der Nähe von Chelmno

Ankunft des ersten Judentransports im Vernichtungslager Chelmno.

Dann ständige Transporte bis März 1943.   

Im April 1944 wird das Lager erneut in Betrieb genommen.

In Chelmno werden etwa 320.000 Juden ermordet.


10.Dezember
Kriegserklärung Bulgariens und Ungarns an die Vereinigten Staaten


11.Dezember 1941

Deutschland und Italien erklären den Vereinigten Staaten den Krieg.


Juli bis Dezember 1941

In Warschau sind 29.538 Juden verhungert...

 

12.Dezember
Verbot der Benutzung öffentlicher Fernsprechzellen durch Juden.


13.Dezember
Die letzten 6 Juden aus Warendorf werden nach Riga deportiert und getötet.

Die kleine jüdische Gemeinde datierte von 1387 und hatte 1933: 41 Mitglieder.

18.Dezember
Schwerbeschädigte Juden erhalten keinen Ausweis mehr, der sie als schwerbeschädigt kenntlich macht.


20.Dezember.
Bescheid über das Ruhen von Renten der Juden gemäß der 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz.


21. bis 31.Dezember

Im Lager Bogdanowska werden 54.000 Juden ermordet, 200 überleben.

23.Dezember
In Kolomyia werden 1.200 Juden mit ausländischen Pässen festgenommen und später umgebracht.


Dezember 1941

Blutbad in Riga, dem auch die ersten Judentransporte aus dem Reich zum Opfer fallen (z.B. aus Stuttgart) - insgesamt 27.000 Opfer.

In Polesien/Weißrußland treibt die SS-Kavallerie alle jüdischen Frauen und Kinder in die Sümpfe


Ende Dez. 1941


Beginn der Massenvernichtung im Vernichtungslager Chelmno.


Schloß Hartheim in Österreich dient bis 1941 als Euthanasieanstalt, dann bis Dezember 1944 als Vergasungsanstalt für kranke und körperschwache Dachauer und Mauthausener Häftlinge


Lublin-Majdanek werden zu KL und Vernichtungslagern bis 1944


Maly Trostinec - Vernichtungslager bis 1944 im Generalbezirk Weißruthenien/ Weißrußland. Ziel der Judentransporte, die im Nov. 1941 aus dem Altreich und vom 28.11.41 bis 5.10.42 aus Wien offiziell nach Minsk geleitet werden. Eine kleine Zahl von arbeitsfähigen Juden der einzelnen Transporte werden für eine gewisse Zeit zum Arbeitseinsatz im Lager zurückgehalten. Die übrigen werden in Vergasungswagen vom Lager abtransportiert und im Wald von Blahavstina - etwa 4 km entfernt - getötet und dort in Massengräbern vergraben.

 

Dezember 1941 bis Januar 1942  

Das Konzentrationslager Zemum bei Belgrad wird errichtet.

15.000 Juden aus Serbien werden in Rote Kreuz Autos vergast

 

Clauberg, Carl  (1898-1957)

SS-Arzt der in Auschwitz Sterilisationsexperimente durchführte. Die Experimente dauerten von 1941 bis 1944. Dazu gehörte de Sterilisation mittels Injektionen in die Gebärmutter, die bei den Opfern unvorstellbare Schmerzen verursachten. Clauberg führte 1945 im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück ähnliche Experimente durch. Er starb 1957 in einem Krankenhaus kurz vor Eröffnung des 2. Prozesses gegen ihn. 

 

Ende 1941

„Außer dem beschriebenen „Experiment“ Chelmno gab es noch ein weiteres Modell, auf das Himmler bei der Verwirklichung seiner Ausrottungspläne zurückgreifen konnte. Das Projekt „T 4“ zur sogenannten „Euthanasie lebensunwerten Lebens“. Mit dieser Aktion waren bis Ende 1941 schon rund 100.000 geistig und psychisch Erkrankte und Behinderte in Deutschland ermordet worden., und zwar mit Kohlenmonoxydgas. Das Projekt war auf Befehl Hitlers abgebrochen worden, nachdem Unruhe in der Bevölkerung entstanden war und die Kirchen protestiert hatten.  (Es steht heute fest, dass Hitler sich durchaus von der Volksmeinung beeinflussen ließ und sich auch nicht über Proteste der Kirchen ganz hinwegsetzte. Er war auf den äußerlich guten Ruf  der Nationalsozialisten bedacht. Allerdings hatte die öffentlich seit 1933 vollzogene Entrechtung der Juden weder das Volk noch die Kirchen  zu Unruhe und Protest herausgefordert, wie im Falle der Euthanasie. Fest steht auch:  Hitler hätte kein einziges antisemitisches Gesetz erlassen, wenn er den Widerstand eines Großteils der Bevölkerung gespürt hätte. In den ersten Jahren seiner Macht – zumindest bis zum Ausbruch des Krieges – hat Hitler sich gehütet, Gesetze oder Verordnungen zu erlassen, die „unpopulär“ waren.

 

Es ist nicht zu leugnen, dass die Mehrzahl seiner Anordnungen zwischen 1933 und 1939 bei den meisten Deutschen auf begeisterte Zustimmung gestoßen war. Es wäre Heuchelei, dies (heute) zu leugnen. Die „Euthanasie“ war unpopulär. Als Hitler das merkte, beendete er die Aktion, obgleich er unumschränkter Diktator war und Deutschland sich zu jener Zeit bereits im Krieg befand).

 

Nach dem Abbruch der Euthanasie-Aktionen waren die dortigen Experten arbeitslos. Ein besonderer Spezialist war Kriminaloberkommissar Christian Wirth. Auf Himmlers Befehl meldet sich Wirth bei dem Lubliner SS- und Polizeiführer Odilo Globocnik, der mit der Liquidierung des polnischen Judentums beauftragt war.“ (aus DRITTES REICH – Forts. siehe 17. März 1942)

 

Siehe auch Quellen- und Literatur-Hinweis