Die christlich-jüdischen Beziehungen -
eine unvollständige Chronologie von 2.000 Jahren
Hitlers Endlösungstheorie bis zur großmaschinellen Vernichtung
Teil 3 von 1933 bis 1938
Bis zum Jahre 1933 leben Juden in Europa 2000 Jahre und länger :
Seite 2,8,16 Übersetzung aus dem Englischen
Griechenland 2.233 Jahre
Ukrainie 816 Jahre
Italien 2.100 Jahre
Luxembourg 647 Jahre
Frankreich 1.930 Jahre
Polen 800 Jahre
Bulgarien 1.900 Jahre
Litauen 600 Jahre
Ungarn 1.900 Jahre
Estland 600 Jahre
Halbinsel Krim 1.900 Jahre
Weißrußland 550 Jahre
Rumänien 1.800 Jahre
Danzig 400 Jahre
Deutschland 1.612 Jahre
Dänemark 311 Jahre
Österreich 1.030 Jahre
Memel 269 Jahre
Czechoslowakei 1.000 Jahre
Norwegen 82 Jahre
Jugoslawien 1.000 Jahre (aus "Atlas of the Holocaust")
1933
leben in Deutschland rund 600.000 jüdische Bürger
z. B. in Berlin 172.672
Köln 16.093
Frankfurt 29.385
Leipzig 12.594
Breslau 23.240
München 10.068
Hamburg 19.794
Nürnberg 8.603 und viele anderswo
30.Januar
Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler
Die Freie Stadt Danzig kommt unter den Einfluss der Nationalsozialisten.
Mit Beginn der NS-Herrschaft: zunehmende Emigration deutscher Juden in die USA und in das Mandatsgebiet der Engländer, Palästina
23.Februar
Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat. Außerkraftsetzung der Grundrechte der Bürger. Die Verordnung bildete die Grundlage für die zukünftige antidemokratische Gesetzgebung in der NS-Zeit.
27.Februar
Reichstagsbrand, einen Tag später Proklamation des Ausnahmezustands.
28.Februar
Durch Erlass zur "Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat", veröffentlicht im Reichsgesetzblatt Teil I, Nr. 17, wird eine Reihe von Grundrechten, darunter das Recht der persönlichen Freiheit des Einzelnen, außer Kraft gesetzt. Diese Verordnung bildete somit die rechtliche Grundlage zur Verhängung der Schutzhaft. (IST)
Bis zum Kriegsende sind nun die Freiheit der Person, die Unverletzlichkeit der Wohnung, das Post- und Fernmeldegeheimnis, das Recht auf freie Meinungsäußerung, die Pressefreiheit, die Koalitionsfreiheit und der Schutz des Eigentums beseitigt. Von jetzt an gilt, laut dem preußischen Ministerpräsidenten Göring, dass Recht sei, was dem deutschen Volk nütze. Auf den "Schutzhaftbefehlen" reichten ganz allgemeine, nichts sagende Floskeln wie "staatsfeindliches", "staatsabträgliches", "zersetzendes Verhalten" oder "politische Umtriebe" aus, um eine Einweisung zu ‚begründen'. Und das preußische Gesetz über die Geheime Staatspolizei (Febr.1936) beseitigt auch formal jegliche Möglichkeit für die Justiz, gegen eine Verhängung von Schutzhaft einzuschreiten: "Verfügungen und Angelegenheiten der Geheimen Staatspolizei unterliegen nicht der Nachprüfung durch die Verwaltungsgerichte", hieß es in § 7.
Februar 1933.
Lion Feuchtwanger erreicht während einer Vortragsreise durch die USA die Nachricht, dass nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten auf Veranlassung ihres frischgebackenen Propagandaministers Dr. Joseph Goebbels neben vielen anderen Dichtern, Musikern und Wissenschaftlern auch ihm die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen worden und er überdies seines Doktortitels verlustig gegangen sei. Wenige Wochen danach werden in Berlin, Bonn, Frankfurt, Göttingen, Hamburg, Köln und München seine Bücher ebenso den Flammen übergeben wie die Schriften eines Thomas und Heinrich Mann, Ernst Glaeser, Erich Kästner, Erich Maria Remarque, Carl v. Ossietzky und Kurt Tucholsky.
Am 7. Juli 1884 wurde er als Sohn eines Fabrikanten in München geboren, studierte in München, Berlin Philologie und Philosophie und wird zunächst 1907 Theaterkritiker. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges wird er bei einer seiner Auslandsreisen in Tunis interniert, flieht nach Ägypten, kehrt unter mannigfachen Schwierigkeiten nach Deutschland zurück und meldet sich freiwillig zum Militärdienst... Später findet er im südfranzösischen Sanary unweit Toulon Asyl, wird jedoch 1940 von der Vichy-Regierung interniert, kommt in das berüchtigte Konzentrationslager Les Milles bei Aix-en-Provence, schließlich gelingt es ihm, nach Spanien und Portugal zu entkommen, bis seine Odyssee 1941 im kalifornischen Pacifi Palisades endet. Am 21.12.1958 stirbt er in Los Angeles (IN 18.12.98)
05.März.
Reichstagswahl. Es folgen Einzelaktionen gegen Juden
Die meisten evangelischen. Pfarrer wählen Adolf Hitler
1933
5. März Hitler, needing support for his minority government, called for elections. He terrorized all the opposition, including the communists whom he accused of setting a "mysterious" fire in the Reichstag. After the election, Hitler asked his new majority government to grant himdictatorial powers, which they did. (Eli Birnbaum)
Babelfish
1933 5. März Hitler, Unterstützung für seine Minoritätregierung benötigend, verlangte Wahlen. Er terrorized die ganze Opposition, einschließlich der Kommunisten, die er vom Legen eines "geheimnisvollen" Feuers im Reichstag beschuldigte. Nach der Wahl bat Hitler um um seine neue Majorität Regierung, um himdictatorial Energien zu bewilligen, die sie. (Eli Birnbaum)
06.März
werden auf dem Berliner Kurfürstendamm Juden von Schlägertrupps der SA angepöbelt, verprügelt, aus Kaffeehäusern hinausgeworfen. In anderen Städten werden jüdische Läden demoliert. Mädchen, die mit Juden befreundet waren, wurden gemeinsam mit ihren Freunden einem johlenden Mob „am Pranger“ vorgeführt. - Als in Braunschweig zwei jüdische Kaufhäuser demoliert werden, macht der dortige SS-Führer Alpes „kommunistische Unruhestifter“ verantwortlich. Dabei hatte Alpes selbst in Räuberzivil an den Aktionen teilgenommen. Die Reaktion des Auslandes auf den Straßen- und Psychoterror gegen die jüdischen Bürger war lebhaft und für die Nationalsozialisten peinlich und ärgerlich. Dementis blieben erfolglos. In Amerika riefen jüdische Organisationen zum Boykott deutscher Waren auf. Von Geschäfts- und Urlaubsreisen nach Deutschland wurde abgeraten. Geschäftsleute und Touristen in Amerika, England und Frankreich machten ihre Buchungen rückgängig. Jetzt trat die Parteileitung der NSDAP die Flucht nach vorn an. Die Empörung im Ausland wurde zur „infamen Greuelhetze gegen das deutsche Volk“.
Ein Boykott jüdischer Geschäfte, jüdischer Waren, jüdischer Ärzte und Rechtsanwälte, beginnend am 1. April, sollte die Antwort sein. Mit der Organisation wurde der fanatische Antisemit Julius Streicher beauftragt, Herausgeber des Hetzblattes „Der Stürmer“. Am 1. April zogen vor jüdischen Geschäften, Arzt- und Anwaltpraxen uniformierte SA-Männer auf.
Kardinal Dr. Frings, Erzbischof von Köln, formulierte noch nach dem 2. Weltkrieg entschuldigend, dass die Juden „vor Hitlers Machtantritt viel zu großen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Einfluss in Deutschland“ hatten.
(aus DRITTES REICH und ZWEITER WELTKRIEG, Tigris-Verlag GmbH)
März
In Preußen hat der neue Innenminister Hermann Göring die SA schon offiziell zur „Hilfspolizei“ erhoben. Auch in anderen Ländern wie Sachsen und Baden spielen SA und SS auf eigene Faust Polizei. Aktionen tragen oft den Stempel antisemitischer Kampagnen.
In Breslau besetzen die Truppen des berüchtigten SA-Chefs von Schlesien, Edmund Heines, am 12. März das Landgericht und unterbrechen Verhandlungen, in denen jüdische Richter, Staatsanwälte und Rechtsanwälte fungieren. Gleiche Aktionen gibt es in Gleiwitz, Görlitz und anderen Städten.. Die nationalsozialistische Presse schildert die Aktionen stets so: Eine erregte Menschenmenge sei in die Gerichtssäle geströmt, um ‚gegen das Übergewicht von Juden in der deutschen Rechtspflege zu demonstrieren’. Bald jedoch spürte man die Lenkung der ‚spontanen Aktionen’ durch die Partei.
(aus DRITTES REICH und ZWEITER WELTKRIEG)
März
Hamburg-Fuhlsbüttel:
In einem Teil der Strafanstalt werden bereits Schutzhäftlinge untergebracht.
Ab Febr.1937 wird die Anstalt Polizeigefängnis
21. März
Errichtung des KZ Oranienburg in einer stillgelegten Brauerei bis 1934.
Das Columbia-Haus in Berlin-Tempelhof bis 1936 und die ehemalige Kaserne in der General-Pape-Straße dienen für Gegner der Nationalsozialisten, ebenso bis 1937/39 Lichtenburg und Fuhlsbüttel bis 1937
22. März
"Referat Rassenhygiene" wird beim Reichsministerium des Innern gebildet
24.März
Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich. Der Reichstag ermächtigt Hitler, an seiner Stelle Gesetze zu erlassen (Ermächtigungsgesetz) 30.03 "Nichts kann uns die Verbundenheit mit unserer deutschen Heimat rauben" - Aufruf des Vorstandes der Israelitischen Gemeinde Frankfurt
Goldmann, Nahum (1895-1982)
Zionistischer Politiker. In Litauen geboren, in Deutschland aufgewachsen, 1933 in die Schweiz emigriert. Goldman setzte sich in verschiedenen Positionen für das Judentum ein. Er versuchte die Anwendung antijüdischer NS-Maßnahmen in Oberschlesien zu verhindern, rief zum Schutz der Juden und zum Boykott der Nationalsozialisten auf. Er versuchte die Öffentlichkeit zu motivieren, den Juden in Europa zu helfen und stellte 1944 das erste umfassende Programm für die Rehabilitation von Juden nach dem Krieg vor, einschließlich der Forderung nach Reparationen und Entschädigungen durch Deutschland und die Bestrafung der NS-Verbrecher. Bei Kriegsende kämpfte Goldmann um Einreisegenehmigungen für die Überlebenden nach Israel und um den Wiederaufbau der zerstörten jüdischen Gemeinden. Goldmann war einer der Initiatoren und jüdischen Vertreter bei den Wiedergutmachungsverhandlungen zwischen Israel und der Bundesrepublik (ShoaNet)
01. April
'Arier-Gesetzgebung'; Beginn der systematischen Judenverfolgungen - eintägiger Boykott-Aufruf der SA gegen jüdische Geschäfte "Kauft nicht bei Juden!" Der Wirtschaftsboykott gegen die jüdische Bevölkerung wird von der evangelischen Kirche befürwortet.
Die Jüdische Rundschau veröffentlicht den Artikel "Tragt ihn mit Stolz den gelben Fleck" als ersten in einer Reihe unter dem Titel "Ja zu unserem Judentum."
Streicher, Julius (1885-1946)
Nach dem Ersten Weltkrieg gründete Streicher die Deutschnationale Partei, unterstellte sich jedoch 1921 freiwillig Hitler bzw. der NSDAP.
1924-1940 war er Gauleiter von Franken.
Er selbst organisierte den Judenboykott am 1.4.1933. Schon 1938 forderte er in der Schrift "Kampf dem Weltfeind" die "völlige Ausrottung" der Juden. Streicher war einer der Hauptinitiatoren des militanten Antisemitismus.
Er vertrat einen primitiven, vulgären und aggressiven Antisemitismus in seinem Hetzblatt "Der Stürmer". In Nürnberg wurde Streicher als einer der Hauptkriegsverbrecher zum Tode verurteilt (ShoahNet)
04. April
Der Deutsche Boxerverband verbietet Juden die Teilnahme an Wettkämpfen
07. April
Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. Ausschaltung aller nichtarischen Beamten,
Sonderregelung für jüdische Frontkämpfer und deren Kinder
Nichtarische Beamte werden in den Ruhestand versetzt (ausgenommen Kriegsteilnehmer)
10. April
Wittmoor bei Hamburg: Häftlinge arbeiten bei der Torfgewinnung und Moorkultivierung
13. April
Zusammenschluss der jüdischen Organisationen zum Zentralausschuss für Hilfe und Aufbau
17. April
Keine Zulassung mehr zur Rechtsanwaltschaft für "Nichtarier"
21. April
Gesetz über das Schlachten von Tieren. Das Schlachten nach jüdischem Ritus (Schächten) wird verboten
22. April
Verordnung zum Ausschluss "nichtarischer" Ärzte von der Tätigkeit für Krankenkassen Ausschluss der nichtarischen Lehrer aus den Lehrerverbänden. Einführung des Arierparagraphen im Deutschen Apothekerverein.
25. April
Die Neuaufnahme von Nichtariern an Schulen und Hochschulen wird eingeschränkt - Numerus Clausus für jüdische Studenten. Einführung des Arierparagraphen bei Deutschen Sport- und Turnvereinen. Nichtarische Steuerberater werden nicht mehr zugelassen.
26. April
Am 26. April 1933 bemerkte Reichskanzler Adolf Hitler in einem Gespräch mit dem Osnabrücker Bischof Berning: "Es droht eine schwarze Wolke mit Polen. Wir haben Soldaten notwendig, gläubige Soldaten. Gläubige Soldaten sind die wertvollsten. Sie setzen alles ein"
01. Mai 1933
schreit Adolf Hitler am Anfang seiner Laufbahn in einer Rede einem begeisterten, jubelnden und hypnotisierten Volk diese verführerischen Worte - im Namen des Herrn! - zu: "Herr, wir lassen nicht von dir, du segnest unseren Kampf, unsere Freiheit und unser Vaterland"
02. Mai
Auflösung der freien Gewerkschaften.
In den neuen NS-Verbänden sind keine jüdischen Mitglieder zugelassen.
10. Mai 1933
3 Monate nach der Machtübernahme, fanden in Berlin und anderen Hochschulstädten öffentliche Bücherverbrennungen statt.
Es waren darunter die Werke berühmter Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Ricarda Huch, Thomas und Heinrich Mann, Carl Zuckmayer, Anna Seghers, Stefan Zweig, Alfred Kerr, etc. (ShoaNet)
"Wo man Bücher verbrennt,
verbrennt man am Ende Menschen." Heinrich Heine
14. Juli
Einrichtung des Einparteienstaates. Gesetz über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit. Dies richtet sich vor allem gegen jüdische Bürger aus den ehemals deutschen Ostgebieten, die 1918 eingebürgert wurden. - "Unerwünschten" kann die Staatsangehörigkeit aberkannt werden
23. Juli
Einführung des "Arierparagraphen" im Reichsverband deutscher Schriftsteller
26. Juli
Erlass des Reichsfinanzministers, die Auswanderung von Juden zu fördern und den Verlust des Reiches infolge der Auswanderung durch Erhebung der Reichsfluchtsteuer zu verringern.
16. August.
Deutscher Sängerbund führt "Arierparagraphen" ein.
17. August
Rund-Erlass des Reichsarbeitsministers: Arische Abstammung des Ehegatten der Beamten erforderlich
20. August
Der Amerikanisch Jüdische Kongress erklärt Nazi-Deutschland den Boykott
22. August
In zahlreichen Orten herrscht Badeverbot für Juden
25. August
Unterzeichnung des Haavara-Transfer-Abkommens zwischen der jüdischen Führung in Palästina und der deutschen Regierung
13. September
Einführung der Vererbungs- und Rassenlehre als Pflichtfach im Schulunterricht
17. September
Offizielles Gründungsdatum der "Reichsvertretung der deutschen Juden" mit Leo Baeck als Präsidenten; ab 1939 von den Nationalsozialisten erzwungene Gesamtvertretung Reichskulturkammergesetz. Ausschluss der Juden aus dem gesamten Kulturleben in Deutschland, Literatur, Musik, bildende Künste, Funk, Theater, Presse
29. September
Reichserbhofgesetz. Bauer kann nur sein, wer deutscher Staatsangehöriger ist.
30. September
Der Kyffhäuser-Bund (Reichskriegsverband) schließt alle Nichtarier aus
27. Oktober
Loyalitätserklärung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten RjF:
In alt-soldatischer Disziplin stehen wir mit unserem deutschen Vaterlande bis zum Letzten."
Konzentrationslager Esterwegen und 14 weitere Emslandlager werden eingerichtet und bestehen bis 1936, ebenso in Bad Sulza und Sachsenburg bis 1937, Moringen bis 1938 und von 1940-1945
12. November
Im Ein-Parteien-Staat finden die ersten Wahlen statt.
92 % der Stimmen sind für die NSDAP
27. November
Die Aufführung von jüdischen Festen und Feiertagen in Behörden-Kalendern wird verboten
November
Ulm-Kuhberg: Eröffnung des KL für Häftlinge aus dem aufgelösten KL Heuberg/Württ. Im Juli 1935 wird der Rest von 30 Häftlingen nach KL Dachau überstellt.
16. Dezember
Rundschreiben des Reichsfinanzministeriums zur ungestörten Abwicklung des Weihnachtsgeschäftes in jüdischen Betrieben, um Beeinträchtigungen beim Verkauf deutscher Waren zu verhindern.
Walter Loewenheim, geb. am 18.4.1896, veröffentlicht 1933 unter dem Pseudonym "Miles" die programmatische Schrift "Neu Beginnen", die auch einer Widerstandsgruppe den Namen gab. Die Schlussfolgerung Loewenheims war, dass unter Bedingungen des Nationalsozialismus alle Widerstandsaktionen zwecklos sind und deshalb die Besten ins Ausland geschickt werden müssen, um den Faschismus dort zu bekämpfen.. Er emigrierte 1935 über die Tschechoslowakei nach Großbritannien und starb am 31.3.1977 in London. (Kalender 1995/96)
29. Dezember
Zum wiederholten Male sieht sich das Kultusministerium Baden veranlasst, Angriffe und Beschimpfungen jüdischer Kinder an Schulen zu untersagen und Lehrer aufzufordern, ein gutes Beispiel zu sein.
1933-1945
gibt es in der evangelischen Kirche zwei Flügel, die "Deutschen Christen" und die sog. "Bekennende Kirche". In beiden werden der Treue- und Gehorsamseid gegenüber Hitler geschworen. Und die verantwortlichen Anhänger beider Flügel forderten auch die Juden-Diskriminierung und Juden-Verfolgung, von wenigen Ausnahmen abgesehen.
Neues evangelische Gutachten: Ausschaltung der Juden als "Fremdkörper im Volksleben"
Ein evangelisches Sonntagsblatt: Adolf Hitler als Werkzeug "göttlicher Vorsehung" - "Artgemäßer Christus-Glaube" und "deutscher Luthergeist" Berufung auf Martin Luther: Er sprach von der "Hoheit weltlicher Gewalt".
Bei Juden und "Sekten": Zusammenarbeit zwischen Gestapo und evangelischer Kirche.
Der Bürgermeister von Lörrach in Baden (in der Revolution von 1848 ein Zentrum der demokratischen Volkserhebung) schickt an alle Beamten, Angestellten und Arbeiter der Stadt eine Anweisung, in der er den Abbruch jedes privaten menschlichen Verkehrs mit Juden zur „moralischen und völkischen Pflicht“ erklärt. Den Empfang der Anweisung lässt er sich sogar durch Unterschrift bestätigen.
In Ostpreußen droht die „Deutsche Arbeitsfront“ Arbeitern und Angestellten, die bei Juden kaufen, mit dem Verlust der Arbeitsplätze. (aus DRITTES REICH)
Albert Einstein (1879-1955):
„Wenn einer mit Vergnügen in Reih und Glied zu einer Musik marschieren kann, dann verachte ich ihn schon, er hat sein großes Gehirn nur aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark schon völlig genügen würde.“
Physiker. Begründer der Allgemeinen Relativitätstheorie. Nobelpreis 1921.
1933 Emigration in die USA, nachdem er wegen seiner jüdischen Herkunft von seinem Berliner Lehrstuhl vertrieben worden war.
Die deutsche Ehrenbürgerschaft wurde ihm aberkannt, sein Besitz eingezogen und eine Prämie von 50.000 Reichsmark auf seine Kopf ausgesetzt. Einstein war ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus und aller totalitären Regimes und erklärter Pazifist. In den USA beteiligte sich Einstein an Bemühungen zur Rettung von Juden. (ShoahNet)
1934
schreibt der damalige "Sektenbeauftragte" Pfarrer Walter Künneth in einem
von der Evangelischen Kirche in Auftrag gegebenen Gutachten: "Die Kirche hat sich dafür einzusetzen, dass die Ausschaltung der Juden als Fremdkörper im Volksleben sich nicht in einer dem christlichen Ethos widersprechenden Weise vollzieht." Selbst der Theologe Dietrich Bonhoeffer, der sich für die Gleichbehandlung jüdisch-stämmiger Kirchenmitglieder einsetzte, sagt im Hinblick auf die grundsätzliche "Judenfrage": "Ohne Zweifel ist der Staat berechtigt, hier neue Wege zu gehen." - ein Ausspruch, der offenbar darauf abzielt, die Gleichbehandlung der jüdischen Mitbürger in der Gesellschaft aufzuheben. (aus DER THEOLOGE Nr. 4)
Algerien:
Wie andere muslimische Nationen hat Algerien eine lange antisemitische Tradition, in Gesetzen und im Volk. Die Kolonisation Algeriens durch Frankreich 1830 befreite allerdings die 2500 Jahre alte jüdische Gemeinde von viel Erniedrigung und Verfolgung, der sie unter islamischer Herrschaft ausgesetzt gewesen war. Aber der Aufstieg der Nazipartei in Deutschland signalisierte eine Rückkehr zum Antisemitismus. 1934 wurden in Constantine fünfundzwanzig Juden ermordet. Während des darauf folgenden Gerichtsverfahrens durch die französischen Behörden kam heraus, dass die führenden muslimischen Autoritäten der Stadt den Übergriff organisiert hatten. Als 1940 die Vichy-Regierung die Macht in Frankreich übernahm, entzog sie sofort den Juden ihre Staatsbürgerschaft, schloss sie von den Schulen aus und erklärte sie zu "Parias". Nur die Landung der Alliierten bald darauf rettete die Juden vor der massenhaften Deportation in die europäischen Todeslager. Mit dem Sturz des Vichy-Regimes erhielten mehr als 148.000 Juden die vollen Vorzüge und den Wohlstand der französischen Gesellschaft. Ein Bürgerkrieg brach in Algerien aus, und als er sich intensivierte, flohen tausende von Juden aus dem Land, zumeist nach Frankreich.
Algerien erlangte 1962 die Unabhängigkeit. Bis dahin hatten mehr als 75.000 Juden das Land verlassen. Im Jahr darauf begann mit der Verabschiedung des Staatsbürgerschaftsgesetzes von 1963 die staatlich angeordnete Verfolgung. Das Gesetz beschränkte die Staatsbürgerschaft auf solche Einwohner, deren Vater und Großvater väterlicherseits Muslime waren. Der neue Staat beschlagnahmte oder zerstörte privates, geschäftliches und gemeinschaftliches jüdisches Eigentum und wandelte die meisten der Synagogen des Landes in Moscheen um. Nach einer Welle antisemitischer Gewalt 1965 reisten die meisten der 65.000 verbliebenen Juden aus. Heute zählt die einst blühende algerische jüdische Gemeinde nur noch ganze 300 Menschen.
01.Januar
Jakob Wassermann, großer Erfolgsschriftsteller der Weimarer Republik, stirbt. Anfang 1933 war er auf der Höhe seiner Schaffenskraft und seines Ruhms. Allein der Fischer-Verlag verlegte 1,5 Million seiner Bücher, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Dennoch entzog ihm der Fischer-Verlag 1933 einen läppischen Vorschuss und versagte ihm schließlich den Druck des neuesten Romans. Ab Mai 1933 sind seine Bücher verboten.
Hitler wird durch Volksabstimmung "Führer" des deutschen Volkes (84%), das ihn 1933 mit nur 52 % wählte
Bürgermoor: Die Insassen des Strafgefangenenlagers müssen Arbeiten zur Moorkultivierung leisten
20. Januar
Ausschaltung der Juden aus allen leitenden Wirtschaftspositionen
Februar
Die Wehrmacht führt den "Arierparagraphen" ein.
05. März
Die Reichsschrifttumskammer verbietet den Vertrieb nationalsozialistischer Literatur durch Juden und Auslieferung an jüdische Firmen und Warenhäuser.
Das Auftreten von "Nichtariern" als Schauspieler ist auf deutschen Bühnen nicht mehr gestattet.
07. März
Jüdischen Jugendverbänden wird das Tragen von Uniformen verboten.
Palmsonntag in Gunzenhausen:
"Ein Zwischenfall verwandelte die Stadt von 5.600 Einwohnern, in der (1933) 184 Juden wohnten, in einen Hexenkessel. Nach der willkürlichen Misshandlung und Inhaftnahme der jüdischen Wirtsleute Strauß durch den SA-Obersturmführer Kurt Bär hielt dieser eine gehässige Rede vor einer Menschenmenge, die den Auftakt gab zu einem quasi mittelalterlichen Pogrom. In Trupps von 50 bis zu mehreren hundert Personen zogen Gunzenhausener Einwohner etwa 2 Stunden lang von einem jüdischen Haus zum anderen und schrieen: "Die Juden müssen raus." Mit brutaler Gewalt wurden 35 Juden und Jüdinnen ins Gefängnis gebracht und dort von Kurt Bär schwer misshandelt. Ein Jude wurde in einem Schuppen erhängt aufgefunden, ein anderer stieß sich ein Messer ins Herz, bevor die johlende Menge ihn ergreifen konnte. Zwischen 1.000 und 1.500 Personen sollen an dem Pogrom teilgenommen haben. Wenn auch ohne Zweifel SA-Männer die Rädelsführer waren, so ist doch offensichtlich, dass sich ein beträchtlicher Teil auch von Nicht-Parteimitgliedern an den wilden Ausschreitungen beteiligte." (Aus: "Leben im Dritten Reich", Herausgeber Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn)
07. Mai 1934
Russland: The district of Birobidzhan is established as a Jewish Autonomous Region which was to cover an area of 36,000 sq. km. Its official language would be Yiddish. Within two years the government had a change of heart and its Jewish socialist leaders were liquidated. Partly due to its primitiveness and remoteness, it never reached a population of more than 18,000, less than a quarter of the total population of the region. (Eli Birnbaum)
17. Mai
Ärzte mit "nichtarischen" Ehepartnern verlieren die Zulassung zu den Krankenkassen.
29 - 31.5. 1934 BARMER Bekenntnissynode.
21. Juni
In hessischen Schulen darf das Alte Testament im Religionsunterricht nicht mehr behandelt werden
23. Juni
Rund-Erlass der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung: Die Zuteilung von ausländischer Währung an Auswanderer wird von 10.000 RM auf 2.000 RM herabgesetzt. Nur eine mittelbare Transferierung ist zulässig.
26. Juni
Beamte "nichtarischer" Abstammung oder deren Ehepartner "nichtarisch" ist, sind nicht zu befördern.
30. Juni - 2. Juli Niederschlagung des Röhm-Putsches
Eicke, Theodor (1892-1943)
wurde im Juli 1933 Kommandant des Konzentrationslager Dachaus.
Am 4.7.1934 wurde Eicke vom Reichsführer-SS Himmler offiziell zum "Inspekteur der Konzentrationslager und SS-Wachverbände (Totenkopfverbände)" ernannt. In dieser Position errichtete Eicke nach dem Vorbild von Dachau ein einheitliches Konzentrationslagersystem. Eicke erschoss am 30.6.1934 den SA-Chef Ernst Röhm, als dieser sich weigerte Selbstmord zu begehen. Eicke selbst fiel am 16. Februar 1943 an der Ostfront als Obergruppenführer der Waffen-SS. (ShoaNet)
20. Juli 1934
Die SS wird selbständige Organisation im Rahmen der NSDAP.
25. Juli
Putschversuch der NSDAP in Wien. Ermordung des österreichischen Bundeskanzlers Dollfuß
28. Juli
Im Rahmen des Haavar-Abkommens ist es Juden erlaubt, durch Ankauf deutscher Waren Vermögen nach Palästina zu übertragen.
02. Aug.
Tod des Reichspräsidenten Hindenburg. Hitler wird Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Wehrmacht.
Evangelische Landesbischöfe gliedern evangelische Jugend in die Hitlerjugend ein - Dankbarkeit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern: "Gott hat uns den Führer geschenkt."
31. August
Prüfungsordnung für Tierärzte: die Bewerber haben nachzuweisen, dass sie Arbeitsdienst geleistet haben (zu dem Juden nicht zugelassen werden).
15. Oktober 1934
Als der Verleger Samuel Fischer stirbt, führen seine Tochter Brigitte und ihr Ehemann Gottfried Bermann Fischer den S. Fischer Verlag im Exil zunächst in Wien, dann Stockholm und ab 1940 in New York weiter. Ab 1950 hat dann der Verlag seinen Sitz, der während des 2. Weltkriegs führender deutscher Exilverlag war, seinen Sitz in Frankfurt/Main.
10. Dezember 1934
Für die große Zahl der in Schutzhaft genommenen Menschen reichen die herkömmlichen Haftanstalten nicht aus. Es werden teils durch örtliche SA-, SS- und Polizeistellen, teils auf Veranlassung von Ministerien zusätzliche Haftstätten eingerichtet. Allein das Konzentrationslager Dachau unterstand seit seiner Eröffnung der Bayerischen Politischen Polizei. Seine Bewachung erfolgte durch Angehörige der SS. Viele dieser Lager wurden wieder geschlossen, die weiter bestehenden gingen später, d.h. 1934, in die Verwaltung der Länder über und wurden offiziell als "staatliche KL" bezeichnet. Die Ende 1934 noch bestehenden Lager werden dem "Inspekteur der KL und Führer der SS-Totenkopfverbände" unterstellt. SS-Gruppenführer Eicke wird zuerst neben seiner Tätigkeit als Kommandant des KL Dachau zum 1. Inspekteur der KL und zugleich der SS-Totenkopfverbände ernannt. Aus diesen Verbänden rekrutierte sich das Aufsichtspersonal der KL. Durch Eicke werden schon in seiner Tätigkeit als Kommandant von KL Dachau von Ende Juni 1933 bis1935 die Grundlagen sowohl für die strenge Behandlung der Häftlinge wie auch der Organisation und Verwaltung gelegt. Die hier erlassene Lager-Ordnung und die Strafvorschrift haben im Prinzip bis zum Kriegsende gegolten. Das KL Dachau galt als Musterlager für alle anderen KL, und ein großer Teil des leitenden Lager-Personals aller Lager ist durch die Schule des KL Dachau gegangen. (IST, Arolsen)
08. Dezember
Prüfungsordnung für Apotheker: "Nichtarier" werden zu der Prüfung nicht zugelassen.
13. Dezember
Reichshabilitationsordnung: Die Habilitation ist von der arischen Abstammung abhängig.
1934
Gedenkstätte Wewelsburg. Die SS mietet die Burg vom Kreis Büren für die symbolische Gebühr von einer Reichsmark pro Jahr. Nach Himmler sollte die Burg sowohl Zentrum der pseudowissenschaftlichen Untermauerung der NS-Ideologie als auch Weihestätte für tote SS-Führungspersonen werden (ShoahNet)
„Africa-Israel“ wurde 1934 von jüdischen Neueinwanderern aus afrikanischen Ländern gegründet und trägt in den kommenden Jahrzehnten wesentlich zum Aufbau der israelischen Infrastruktur bei. Zu den Projekten gehören später neben kompletten Wohngegenden mit Schulen, Synagogen und Einkaufszentren unter anderem auch Wissenschaftsparks wie der Kiryat Weizman Science Park, der Wissenschaftspark in Migdal HaEmek oder das Global Village in Lod. (Globes)
(Israelische Botschaft 26.11.2003)
1935
Antijüdische Gewalttätigkeiten in Rumänien: Bukarest, Timisvara. Kishinev, Czernowitz und in Sofia, Bulgarien.
13. Januar
Nach Volksabstimmung erfolgt die Angliederung des Saargebiets an Deutschland am 1. März
05. Februar
Änderung der Prüfungsordnung für Ärzte und Zahnärzte: Nachweis der arischen Abstammung erforderlich.
10. Februar
Versammlungen deutsch-jüdischer Organisationen, in denen für einen Verbleib in Deutschland geworben wird, werden verboten
12. März
Jüdischen Handwerksmeistern wird die Verwendung des Handwerkszeichens untersagt.
16. März
Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht. Im Widerspruch zum Versailler Vertrag leisten die ersten Einheiten ihren Eid.
In Friedenszeiten soll diese Armee 36 Divisionen = 550 000 Mann zählen
17. März
Die deutsche Armee betritt das Rheinland.
21. Mai
Wehrgesetz: Arische Abstammung ist Voraussetzung für den aktiven Wehrdienst. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten protestiert vergeblich gegen den generellen Ausschluss von Juden aus der Wehrmacht.
Im Sommer nehmen die Schilder mit der Aufschrift "Juden unerwünscht" an Ortseingängen, an Geschäften und Restaurants zu.
30. Juni
Generalstreik polnischer Juden als Protest gegen den Antisemitismus.
17. August
Anlegung einer Judenkartei für das Reichsgebiet. Der Verkauf jüdischer Zeitungen im Straßenhandel wird verboten
1935
Kundgebung im vollbesetzten Berliner Sportpalast
unter dem Motto: „Die Juden sind unser Unglück!“
10. September
Die Rassen-Trennung in den Volksschulen wird ab 1936 verfügt.
15. September 1935
Verkündung der antisemitischen Nürnberger Gesetze auf dem Nürnberger Parteitag der NSDAP: Das Reichsbürgergesetz und das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre (Blutschutzgesetz). Sie bilden die Grundlage der weiteren Entrechtung der jüdischen Bevölkerung. Reichsparteitag der NSDAP beschließt "Nürnberger Gesetze". Ausgehend von der nationalsozialistischen Ideologie, dass die Juden einer von den Nichtjuden abgrenzbaren "minderwertigen Rasse" angehörten, sollten sie aus dem bürgerlichen Leben völlig verdrängt werden. Nur Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes können "Reichsbürger" werden - Juden werden zu "Staatsangehörigen" zweiter Klasse, dürfen Staatsangehörige deutschen Blutes nicht heiraten und deutsche Hausangestellte unter 45 Jahren nicht beschäftigen.
24. September
Aufruf der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, veröffentlicht in der Jüdischen Rundschau: "Einigkeit, jüdische Haltung, strengste Selbstzucht und größte Opferbereitschaft!"
30. September
Alle jüdischen Beamten werden beurlaubt
14. November 1935
1. Verordnung zum Reichsbürgergesetz: Aberkennung des Wahlrechts und der Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter; Entlassung aller jüdischen Beamten einschließlich der Frontkämpfer
1. Verordnung zum "Blutschutzgesetz": Verbot der Eheschließung zwischen Juden und Nichtjuden (Mischehe).
Die Arbeitsmöglichkeiten für Juden werden auf wenige Berufszweige eingeengt. Jüdische Kinder dürfen mit anderen Kindern nicht mehr denselben Sportplatz oder dieselben Umkleidekabinen benutzen.
18. November
Auflösung des Verbandes Nationaldeutscher Juden.
Dezember 1935
Juden werden aus dem Reichsbund der Deutschen Kapital- und Kleinrentner e.V. ausgeschlossen
1936
Seit Monaten fordert die ausländische Presse eine Verlegung der 1936 stattfindenden Olympischen Spiele von Berlin in eine andere Hauptstadt der Welt, weil die Teilnahme jüdischer deutscher Sportler nicht gewährleistet sei.
Doch Hitler wollte, dass die Olympiade unter allen Umständen in Berlin stattfindet. Eine Kommission des IOC unter Führung des Vizepräsidenten Avery Brundage fährt nach Berlin... (aus DRITTES REICH)
14. Februar
Entziehung der Lehrbefugnis von jüdischen Honorarprofessoren.
07. März
Einmarsch der Wehrmacht im Rheinland.
07 März
Juden besitzen kein Reichstagswahlrecht
Die Evangelische Kirche entlässt alle Mitarbeiter jüdischer Herkunft
29. März 1936
99 % der abgegebenen Stimmen votieren bei einer Volksbefragung für die Politik Hitlers
19. Juni
Die Apotheker-Konzession darf an Juden nicht mehr verliehen werden.
12. Juli
KZ Sachsenhausen, ca. 35 km nördlich von Berlin: Häftlinge aus Emslandlagern beginnen auf Befehl der SS (Schutzstaffel) damit, das KL anzulegen. Im Dezember 1937 ist der Aufbau zunächst abgeschlossen, schließlich aber erstreckt sich das Gelände auf über 388 Hektar. Dazu gehörten: Das Häftlingslager, ein Dreieck mit 680m langen Seiten, umgeben von einer 2,70 m hohen Mauer, gesichert durch einen elektrisch geladenen Stacheldrahtzaun und von neun Wachtürmen kontrolliert. - der SS-Bereich mit Lagerkommandantur, Kasernen für die SS-Totenkopfverbände (Einheiten zur Lösung von Sonderaufgaben polizeilicher Natur), und ab Mitte 1938 der für alle KZ zuständigen "Inspektion der Konzentrationslager", sowie zahlreiche größere und kleinere Werkstätten und Betriebe von einer Hühnerfarm über eine Ziegelei (Klinkenwerk, galt als Strafkommando) bis hin zu Rüstungsanlagen. In die für jeweils 146 Personen angelegten Häftlingsbaracken pferchte die SS während des Krieges bis zu 500 Menschen in eine Baracke, so dass mehrere Gefangene auf e i n e r Holzpritsche schlafen mussten und jedem ein Platz von oft nur 40cm Breite blieb. In den 9 Jahren zwischen Aufbau und Befreiung waren insgesamt 204.000 Menschen aus fast allen Ländern Europas in Sachsenhausen inhaftiert; davon haben über 100.000 die Zeit im KL nicht überlebt. Zum KZ gehörten später mehr als 100 Außenlager, viele davon auf Berliner Gebiet. Z.B. verrichteten Frauen des KL Zwangsarbeit bei den Argus-Motorenwerken in Reinikendorf; Heinkelwerken in Schönefeld-Waltersdorf; Siemens AG Spandau, Luftfahrtgerätebau; AEG Kabelwerk, Köpenick; bei den Varta-Werken in Niederschöneweide; Siemens-Schuckert-Werken in Siemensstadt-Haselhorst usw.
01. August 1936
Eröffnung der Olympischen Spiele in Berlin.
Mit Rücksicht auf ausländische Besucher werden die antisemitischen Schilder vorübergehend entfernt. Am Tag der Eröffnung marschieren die jüdischen Sportler in der deutschen Mannschaft, den rechten Arm zum römischen Gruß gereckt, an Hitler und der Parteiprominenz vorbei und erringen in den Tagen darauf Medaillen für Deutschland.
Die Silbermedaille im Einzelkampf der Fechterinnen gewinnt die am 12.12.1910 geborene Helene Mayer. Sie diente den Nationalsozialisten dazu, vor aller Welt zu demonstrieren, dass Juden bei der Auswahl der Nationalmannschaft nicht ausgeschlossen wurden. Nach den Spielen kehrt sie in die USA zurück, wo sie seit 1932 studierte und US-Bürgerin wurde. Sie starb am 15.10.1953
04 September
Die Aufhebung des jüdischen Religionsunterrichts an den höheren Schulen wird auf Mittelschulen ausgedehnt.
18. September
Die Gestapo im Saarland verfügt, alle jüdischen "Rückkehrer" bei der Wiedereinreise in Deutschland zu verhaften.
04. Oktober
Rund-Erlass des Reichsinnenministeriums zur Taufe von Juden: Der Übertritt zum Christentum verändert den Status nicht
09. Oktober
Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten darf sich nicht mehr politisch betätigen, sondern muss sich auf die Betreuung der jüdischen Kriegsopfer beschränken.
21. Oktober
Der "Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischer Glaubens" muss seinen Namen in "Jüdischen Centralverein" ändern
25. Oktober
Abkommen zwischen Deutschland und Italien ("Achse Rom-Berlin").
21. Dezember
Verbot jüdischer Versammlungen und Veranstaltungen.
1936
Timisvar/Rumänien: Der Iron Guard lässt Bombe im Jüdischen Theater explodieren und tötet 2 Juden
1937
19. Januar
"Kauf im jüdischen Geschäft - anerkannter Scheidungsgrund". Urteil des Hanseatischen Oberlandsgerichts
26. Januar
Deutsches Beamtengesetz: Beamter kann nur werden, wer deutschen oder artverwandten Blutes ist und mit einer Person gleicher Abstammung (außer Mischlinge zweiten Grades) verheiratet ist. Die Beamten, die diese Bedingung nicht erfüllen, sind zu entlassen.
13. Februar
Reichs-Notarverordnung: Juden dürfen nicht zum Notar bestellt werden.
13. Februar 1937
Aufnahmezeremoniell in Sachsenhausen (aus "Der evangelische Geistliche Werner Koch, 1937-1938 Häftling) : "Den Aufnahmeschock hatte ich am 13. Februar 1937 erlitten, die ersten Ohrfeigen und Fußtritte, die Erfahrung, dass mein Name praktisch ausgelöscht war und ich mich nur noch als Nr. 392 zu melden hatte. Die Haare, die meine Braut immer so schön gefunden hatte, auf ½ mm abgeschnitten und abrasiert, kurz: der ‚warme Empfang' seitens einer schreienden, schlagenden und höhnisch grinsenden SS, das ganze sich bei allen ‚Zugängen' wiederholende ‚Zeremoniell' der totalen Entwürdigung und Entpersönlichung des Menschen - das alles war innerhalb von 2 Stunden über mich hereingebrochen. Der letzte Rest eines Anspruchs auf Menschenrecht war mit dem letzten Haarbüschel zu Boden gefallen. Schutzlos war ich wie alle anderen Häftlinge der hemmungslosen Willkür der SS-Herrschaft ausgeliefert.“
„Rudolf Höß, ein Lagerführer in Sachsenhausen, beschreibt, wie der Inspekteur der KL und SS-Wachverbände Eicke seinen Mannschaften einzuschärfen versuchte: ‚Jede Spur von Mitleid zeige den ‚Staatsfeinden' eine Blöße, die sie sich sofort zu Nutze machen würden. Jegliches Mitleid mit Staatsfeinden sei aber eines SS-Mannes unwürdig. Weichlinge hätten in seinen Reihen keinen Platz.. Er könne nur harte, entschlossene Männer gebrauchen, die jedem Befehl rücksichtslos gehorchten... Sie stünden als einzige Soldaten auch in Friedenszeiten Tag und Nacht am Feind, am Feind hinter dem Draht!' (aus Rainer Kühn...)
04. März 1937
Enzyklika des Papstes (Pius XI) "Mit brennender Sorge": Stellungnahme gegen Rassismus und Nationalsozialismus
13. März
Einrichtung jüdischer Sonderklassen in Berufsschulen.
18. März
Erneute Gestapo-Anweisung zur strengen Überwachung assimilatorischer Bestrebungen. (Insbesondere der Tätigkeiten von CV und RjF).
10. April
Die Loge "B'nai B'rith" und andere jüdische Organisationen werden aufgelöst und ihr Vermögen beschlagnahmt.
15. April
Juden werden zur Doktorprüfung nicht mehr zugelassen.
04. Juni
Berlin-Plötzensee:
Helmut Hirsch wird hingerichtet. 1916 geboren, schließt er sich schon als Schüler einer bündischen Jugendgruppe an. 1936 emigriert er nach Prag. Durch den ebenfalls nach Prag emigrierten Jugendgruppenführer lernt er Hitlers ehemaligen innerparteilichen Hauptwidersacher Otto Strasser kennen, der die „Schwarze Front“ führte und Hirsch dazu bewegte, einen Anschlag auf das Nürnberger Parteitagsgelände zu planen. Bereits wenige Stunden nach seiner Ankunft in Stuttgart wird er verhaftet. Der Verbindungsmann Strassers, der Hirsch den Sprengstoff aushändigen sollte, war ein Gestapospitzel...
12. Juni
Geheim-Erlass Heydrichs betreffend Schutzhaft für Rassenschänder nach Abschluss des ordentlichen Gerichtsverfahrens
15. Juli
Die Anzahl der Juden z. B. in Oberschlesien liegt bei:
Gleiwitz 1.899 Hindenburg 1.200 Ratibor 640 Oppeln 607
28. Juli
Nach Errichtung des Konzentrationslagers Buchenwald wird das
KL Ettersberg in KL Buchenwald umbenannt
August 1937
Polen: 350 Attacken auf Juden.
In Kattowitz werden Bomben in jüdische Geschäfte geworfen.
Tausende emigrieren nach Frankreich, Belgien, Holland, Palästina
13. September
Juden können aus der Schutzhaft entlassen werden, wenn eine Auswanderung nach Palästina oder nach Übersee gewährleistet ist.
September
richtet die SS in der Lichtenburg bei Prettin ein Frauenkonzentrationslager ein. In 1 ½ Jahren werden 1.415 Frauen dorthin verschleppt. Neben antifaschistischen Widerstandskämpferinnen gehörten dazu aus "rassischen" und religiösen Gründen verfolgte sowie als "Kriminelle" oder "Asoziale" aus der bürgerlichen Gesellschaft ausgestoßene Frauen. Da die baufällige Lichtenburg nicht erweiterungsfähig ist, plant die SS ein neues großes Frauenkonzentrationslager. Die Wahl fiel auf das Gelände am Schwedtsee östlich des Dorfes Ravensbrück, verkehrsgünstig gelegen und durch die Havel und große Wälder abgeschirmt.
30. September 1937
Jurek Becker wird in Lodz geboren. Zitat des späteren Schriftstellers und Drehbuchautors: "Von den 10.000 Antifaschisten, die es in Nazi-Deutschland gegeben haben mag, lebten 8 Millionen in der DDR.".....
04. November
Im Verkehr mit den Justizbehörden wird Juden der "Deutsche Gruß" nicht mehr gestattet
05. November 1937
Hitler enthüllt in einer Geheimrede seine Kriegspläne.
16. November
Erlass des Reichsinnenministeriums: Auslandspässe dürfen Juden nur in Ausnahmefälle ausgestellt werden, nämlich für die Auswanderung für Reisen im volkswirtschaftlichem Interesse Deutschlands bei schwerer Erkrankung oder bei Todesfällen von Angehörigen bei eigener Erkrankung und zum Besuch von Kindern in ausländischen Erziehungsanstalten
23. November 1937
Sonthofen: Hitler spricht zu Absolventen der Parteischule der SS:
"Das deutsche Volk hat das Recht, Europa zu beherrschen und in ein germanisches Reich für das deutsche Volk umzugestalten."
25. November
Antikominternpakt zwischen Deutschland und Japan.
17. Dezember
Der Unterricht der hebräischen Sprache an höheren Schulen wird verboten, Prüfungen in diesem Fach finden nicht mehr statt.
28. Dezember
"Bewahrt Entschlossenheit und Selbstvertrauen!"
Aufruf der Reichsvertretung der Juden in Deutschland
Evangelisch-lutherischer Oberkirchenrat fordert:
"Die Juden gehören hinausgepeitscht!"
1937
Firmen und Geschäfte, besonders in der Provinz, melden schon in den ersten Jahren der NS-Herrschaft Konkurs an. Viele Juden müssen ihre unrentablen Geschäfte aufgeben oder weit unter Wert verkaufen.
1938
01. Januar
Juden können nicht Mitglieder des Deutschen Roten Kreuzes sein. Ausschluss der jüdischen Ärzte aus den Ersatzkassen.
05. Januar
Gesetz über die Änderung von Familien- und Vornamen: Änderungen jüdischer Familiennamen von Juden oder jüdischen "Mischlinge" sind nicht statthaft, da sie zur Verschleierung der Abstammung beitragen. Berufsverbot u. a. für jüdische Ärzte, Rechtsanwälte u. Studenten Leitender evangelisch-lutherischer Diakonie-Arzt fordert die Hinrichtung Behinderter
Budapest: Antijüdische Gewalttätigkeiten
1938 beträgt die Anzahl der jüdischen Bürger in Ober-Österreich:
Wien 176.034
Eisenstadt 225
Wiener Neustadt 685
Baden 1.108
Mattersburg 511
St. Pölten 310
Judenburg 50
Klosterneuberg 227
Deutschkreuz 433
Frauenkirchen 386
Als am 12. März 1938 deutsche Truppen in Österreich einmarschierten, verkündete der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler noch am selben Tag vom Balkon des Linzer Rathauses vor einer jubelnder Volksmenge, er erfülle heute den von der Vorsehung erteilten Auftrag, seine teure Heimat dem Deutschen Reich wiederzugeben°.
Adolf Hitler ließ in jenen Stunden in Linz wissen, daß er die Domkirche, für die er eine besondere Wertschätzung hatte, besichtigen wolle. Bischof Johannes Maria Gföllner vermied eine persönliche Begegnung mit dem Führer und ließ sich durch Prälat Karl Schöffecker vertreten.
13. März
Mit der Besetzung Österreichs durch die Wehrmacht (so genannter Anschluss an das Deutsche Reich) beginnt die Vernichtung der 200.000 österreichischen Juden.
Es ergießt sich ein Strom mittelloser jüdischer Flüchtlinge in die Schweiz. Die eidgenössischen Behörden versperren den ärmeren Juden die Grenzen. Der Chef der eidgenössischen Justiz, Eduard von Steiger, klagt: „Sie wollen essen, nehmen uns die Arbeitsplätze weg, überfremden unser Land.“
Dr. Heinrich Rothmund, Chef der schweizerischen Fremdenpolizei, verlangt von der deutschen Regierung, die Reisepässe aller Juden mit einem „J“ zu stempeln. 1954 erst tritt er „unter Verdankung geleisteter Verdienste“ in den ehrenvollen Ruhestand...
13. März
1938:
Hitler enters Austria to the greetings of the Church and Cardinal Innitzer.
Seys-Inquert, who later achieved infamy as a mass murderer of Jews, is
appointed Chancellor. The following day, Austria
was annexed to Germany.
15. März
In New York findet eine Massenversammlung gegen den Nazismus, unter der Schirmherrschaft des "Joint Boykott Council" statt.
18. März
Juden wird die gewerbsmäßige Herstellung, Bearbeitung oder Instandhaltung von Schusswaffen oder Munition, gewerbsmäßiger Erwerb sowie Vermittlung solcher Geschäfte verboten.
01. April
Die jüdischen Gemeinden verlieren ihren Status einer "Körperschaft des öffentlichen Rechts". Sie gelten nur noch als Vereine und müssen die Eintragung ins Vereinsregister beantragen.
15. April
Tumulte in Dabrowa gegen Juden
26. April
Verordnung über die Anmeldung aller jüdischen Vermögen über 5.000 Reichsmark. Vorbereitung zur Ausschaltung jüdischer Firmen aus dem Wirtschaftsleben. Finanzämter ziehen 2-3 Milliarden des deklarierten jüdischen Vermögens ein.
27. April 1938
In Österreich werden Richtlinien für die Enteignung jüdischen Vermögens erlassen: „Verzeichnis über das Vermögen von Juden nach dem Stand vom 27. April 1938“ Vor Ausfüllung des Vermögensverzeichnisses ist die beigefügte Anleitung genau durchzulesen!
1. Wer hat das Vermögensverzeichnis einzureichen?
Jeder Anmeldepflichtige, also auch jeder Ehegatte und jedes Kind für sich. Für jedes minderjährige Kind ist das Vermögensverzeichnis vom Inhaber der elterlichen Gewalt oder von dem Vormund einzureichen.
2. Bis wann ist das Vermögensverzeichnis einzureichen?
Bis zum 30. Juni 1938. Wer anmelde- und bewertungspflichtig ist, aber die Anmelde- und Bewertungspflicht nicht oder nicht rechtzeitig oder nicht vollständig erfüllt, setzt sich schwerer Strafe (Geldstrafe, Gefängnis, Zuchthaus, Einziehung des Vermögens) aus.
3. Wie ist das Vermögensverzeichnis auszufüllen? ........
4. Wenn Zweifel bestehen, ob diese oder jene Werte aufgeführt werden müssen, sind die Werte aufzuführen.
Angaben zur Person: ich bin geboren am.......
Ich bin Jude (§ 5 der Ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom
14.November 1935, Reichsgesetzblatt IS1333) und deutscher Staatsangehörigkeit. Da ich Jude deutscher Staatsangehörigkeit bin, habe ich in dem nachstehenden Vermögensverzeichnis mein inländisches Vermögen angegeben und bewertet.
Ich bin verheiratet mit..... geboren ...... Mein Ehegatte ist der Rasse nach jüdisch/nichtjüdisch - und gehört der _____ Religionsgemeinschaft an...“
29. April
Vilna: Tumulte gegen Juden
Ende April 1938
kam die massivste Verordnung gegen das jüdische Wirtschaftsleben: Jeder Jude, auch sein nichtjüdischer Ehepartner, musste sein gesamtes in- und ausländisches Vermögen anmelden. Dazu gehörten auch Schmuck und Kunstgegenstände, Firmenwerte, Patente, und Urheberrechte, sogar Renten- und Versorgungsansprüche.
16. Mai
In Österreich beginnen die ersten Häftlinge mit der Arbeit in den Steinbrüchen von Mauthausen
24. Mai
Ungarn: Zur Zeit der Räterepublik, an der auch Juden Anteil nahmen (Bela Kuhn), kam es zu vereinzelten blutigen antisemitischen Ausschreitungen. Unter Bela IMREDY, als Ministerpräsident (1938-39), wurde der 'numerus clausus' eingeführt, der zu Massentaufen führte. Dem am 24.5.1938 erlassenen antijüdischen Gesetz folgten alsbald weitere. Auch IMREDY hatte jüdische Vorfahren, was er zugeben musste und am 15.2.1939 ihn das Ministeramt kostete. Für sein Verhalten wurde er 1946 hingerichtet.
28. Mai
Verhaftung aller russischen Juden in Deutschland und Beschlagnahme deren Eigentums. Einweisung in Konzentrationslager, auch der Frauen, Kinder und Greise. Entlassung nur unter der Voraussetzung der sofortigen Auswanderung.
29. Mai
Erstes Judengesetz in Ungarn: Das Gesetz beschränkt den Anteil der Juden an der Wirtschaft des Landes auf 20 Prozent.
31. Mai
Juden werden von der Vergabe öffentlicher Aufträge ausgeschlossen
09. Juni 1938
Zerstörung der Münchner Synagoge
Juden wird verboten, als Gasthörer an deutschen Universitäten Vorlesungen zu besuchen
Auf Wunsch der Schweiz werden die deutschen Reisepässe der Juden mit einem "J" versehen
13. Juni
Pogrom gegen Juden in Przemysl
14. Juni
3. Verordnung zum Reichsbürgergesetz: Registrierung und Kennzeichnung jüdischer Gewerbebetriebe.
Anlegung von Listen vermögender Juden bei Finanzämtern und Polizeirevieren
15. Juni
Verhaftung aller "vorbestraften" Juden, einschließlich der wegen Verkehrsvergehen u. a. Belangten und Einweisung in Konzentrationslager (ca. 1.500 Personen)
06. Juli
Änderung der Gewerbeordnung für das Deutsche Reich.. Juden wird die Ausübung folgender Berufsparten verboten: Bewachungsgewerbe, gewerbsmäßige Auskunftserteilung über Vermögen und persönliche Angelegenheiten, Handeln mit Grundstücken, gewerbsmäßige Heiratsvermittlung, Fremdenführergewerbe, Hausiererhandel
6. bis 15.Juli 1938
Evians-les-Bains/Schweiz:
Internationale Flüchtlingskonferenz, auf der Vertreter von 32 Staaten über das Flüchtlingsproblem beraten, aber kaum Schritte zu seiner Lösung vornehmen. Präsident Roosewelt, Franklin-Conference
Ergebnis: "Macht mit den Juden, was ihr wollt, wir wollen sie nicht"
10 Jahre später wird der Judenstaat Israel gegründet !
23.Juli
Verordnung: Juden müssen ab 1.1.39 Kennkarten bei sich führen
25.Juli
4. Verordnung zum Reichsbürgergesetz: Streichung der Approbationen aller jüdischen Ärzte ab 30.09.1938. Danach können jüdische Ärzte nur noch als "Krankenbehandler" für Juden tätig sein.
27. Juli
Rund-Erlass des Reichsinnenministeriums über jüdische Straßennamen: Sämtliche nach Juden und jüdischen Mischlingen 1. Grades benannten Straßen sind umzubenennen.
08 August 1938
werden in den Steinbruch von Mauthausen "Wiener Graben" Häftlinge des KZ Dachau überstellt, und es beginnt der Aufbau des Konzentrationslagers Mauthausen. Wochen vorher wurden von hohen deutschen SS- und Polizeioffizieren (Himmler und Pohl) die Steinbrüche besichtigt und für die Schaffung des KZ als geeignet befunden. Mauthausen wird das zentrale Lager für das gesamte Österreich, damals Ostmark. Schätzungsweise waren hier bis zum 5. Mai 1945 etwa 206.000 Personen inhaftiert. 1938 befinden sich im Lager vorwiegend kriminelle Häftlinge, 1939 kommen politische Häftlinge aus Deutschland und Österreich an, 1940 tausende Polen und Republikanische Spanier unter ihnen Kinder und Jugendliche. In der Folge gelangen Transporte von Polen und Tschechen mit vielen Studenten, Künstlern, Intellektuellen und Priestern ein. 1941 beginnt der Zustrom von Juden aus Holland,....
Die „lange Treppe“ gehört zu den besonderen Folterstrecken im KZ.
Unzählige Häftlinge quälten sich hier täglich schwer beladen die Stufen hoch, Tausende starben.
10. August 1938
Zerstörung der Nürnberger Synagoge
17. August
Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Änderung von Familiennamen und Vornamen: Ab 1.1.1939 müssen jüdische Männer den zusätzlichen Vornamen "Israel", jüdische Frauen den Vornamen "Sara" tragen.
20. August 1938
(alle folgenden Texte aus DRITTES REICH und ZWEITER WELTKRIEG entnommen)
…“kann man in der Rhein-Mainischen Wirtschaftszeitung lesen: „Das Ausscheiden der Juden aus der deutschen Wirtschaft ist eine politische Forderung, die in absehbarer Zeit restlos Erfüllung finden wird.“ –
Keine der Maßnahmen war geheim. Jeder Deutsche erfuhr davon durch Presse oder Radio und konnte die Auswirkung miterleben.
Von der Vermögensanmeldung im April bis zur „Kristallnacht“ im November werden im Altreich (ohne Österreich) schätzungsweise 4.000 jüdische Firmen und Geschäfte „arisiert“. Hinzu kommen 22 Banken, darunter so alt-etablierte und weltweit renommierte Häuser wie Bleichröder, Warburg oder Wassermann.
Schon lange vor der „Kristallnacht“ stehen die meisten der in Deutschland verbliebenen Juden nicht mehr im Erwerbsleben. Sie sind arbeitslos, leben entweder prekär von der zusammengeschmolzenen Substanz oder sind bereits verelendet und auf Zuschüsse der jüdischen Wohlfahrtsvereine angewiesen.
Das Volk, dem die Juden Nobelpreisträger wie Paul Ehrlich, Fritz Haber, Albert Einstein oder Gustav Hertz, Ärzte wie Karl Landsteiner und Otto Heinrich Warburg, Schriftsteller wie Hermann Broch, Else Lasker-Schüler, Joseph Roth und Felix Salten, Musiker wie Gustav Mahler und Arnold Schönberg gegeben haben, hat sie ausgestoßen, geächtet, an den Rand der bürgerlichen Existenz gedrängt., von den meisten verhöhnt und geschmäht, von wenigen – insgesamt – bemitleidet.
Trotz physischen und psychischen Terrors, trotz Ächtung und Unterdrückung, trotz eines Trommelfeuers von Kränkungen und Belästigungen hat bis Ende 1938 erst 1/3 der jüdischen Bevölkerung jenes Land verlassen, in dem ihre Vorfahren Jahrhunderte lang gelebt hatten. 2/3 waren geblieben.
...Hatte der Auswanderer seinen Besitz endlich zu Geld gemacht, musste er davon 25 % als „Fluchtsteuer“ an das Deutsche Reich bezahlen. Was übrig war, kam auf ein Sperrkonto und konnte nur teilweise transferiert werden. Selbst wenn ausländische Freunde die Sperrbank mit harten Devisen aufkauften, kassierte das Deutsche Reich ein so genanntes „Disagio“, das bis zu 70 % betragen konnte. Viele Juden konnten nur ganze 6 % ihres Vermögens transferieren. Kurz nach ihrem Eintreffen im Gastland waren sie mittellos; Fleiß und Sparsamkeit vieler Jahre waren umsonst gewesen.
Ausländische Politiker, die deutsche Regierungsvertreter auf das Unmoralische solcher Vermögensräubereien hinwiesen, erhielten zur Antwort, die Juden hätten ihre Vermögen nur durch Betrug und Ausbeutung ihres deutschen „Gastvolkes“ erworben. Es wäre deshalb recht und billig, dass sie ihren „erschlichenen Reichtum“ in Deutschland ließen.
Niemand sprach von den Milliardenbeträgen, die seit über hundert Jahren von den reichen philantropisch gesinnten Mitgliedern der deutschen Judenschaft in Stiftungen, Krankenhäuser, Forschungseinrichtungen, Wohlfahrts-Organisationen, Stipendien und Forschungsprojekte geflossen waren. Kein Regierungsvertreter, geschweige denn ein Parteifunktionär erinnerte sich, dass Juden Tausenden deutscher Studenten die Ausbildung finanziert hatten, und zwar ohne Ansehen der Konfession und in einer beispiellosen Großzügigkeit. Niemand erinnerte sich daran, dass die meisten der großen Mäzene, die Künstler und Forscher gefördert hatten, Juden gewesen waren; dass Juden aus ihrem angeborenen und anerzogenen Respekt vor Wissenschaft, Kunst und Bildung in allen Ländern und ganz besonders in Deutschland finanziell mehr für die Kultur getan hatten als Nichtjuden.
Juden galten als Ausbeuter. Nach Ansicht der Nazis war es richtig, sie nicht nur hinauszuwerfen, sondern sich gleichzeitig an ihrem Vermögen entschädigungslos zu bereichern.
SS-Planer förderten das so genannte Haavara-Abkommen, das Beamte der Devisenabteilung – ohne es an die große Glocke zu hängen – mit jüdischen Geschäftsleuten in Palästina vereinbart hatten. Das Abkommen sollte den Transfer der Vermögen auswanderungswilliger Juden nach Palästina erleichtern und gleichzeitig die deutschen Exporte nach Palästina fördern. Der Auswanderer zahlte sein Geld auf ein Sonderkonto in Deutschland ein. Die Deutschen exportierten Waren nach Palästina. Die palästinensischen Importeure zahlten den Kaufbetrag nicht den Deutschen, sondern den inzwischen in Palästina eingetroffenen Einwanderern. ...Für Juden, die keine Befähigung für die in Palästina gewünschten Mangelberufe nachweisen konnten, sondern ein „Vorzeigegeld“ von mindestens 15.000 Mark zur Einwanderung brauchten, war das Haavara-Abkommen eine Möglichkeit, Deutschland ohne zu harte finanzielle Verluste zu verlassen.
Die Kontakte mit den Zionisten ließen sich für die SS so gut an, dass man sich 1936 im „Judenreferat“ des Sicherheitshauptamtes eine betont pro-zionistische Haltung gab. In der SS-Postille „Das Schwarze Korps“ konnte man plötzlich Sätze lesen wie diese:
„Die Zeit dürfte nicht mehr allzu fern sein, dass Palästina seine seit über einem Jahrtausend verlorenen Söhne wieder aufnehmen kann. Unsere Wünsche, mit staatlichem Wohlwollen, begleiten sie.“
Anfang 1937 stießen Herbert Hagen und Adolf Eichmann sogar bis in die Kommandozentrale der Zionisten in Palästina vor. Aus dem Führungsstab der „Haganah“, der jüdischen Selbstschutzorganisation in Palästina, traf in Berlin der Offizier Feisel Polkes ein und wurde von Eichmann am 26.Februar 1937 im Berliner Weinrestaurant „Traube“ eingeladen. Ihm gehe es darum, sagte Polkes zu Eichmann, die jüdische Einwanderung nach Palästina zu verstärken. Aus diesem Grund wolle er mit der SS kooperieren. Im Sept. 1937 trafen sich Eichmann und Hagen noch einmal mit Polkes in Kairo. Heydrich war von Eichmanns Berichten so beeindruckt, dass er ihm gleich nach dem deutschen Einmarsch in Österreich die Leitung der dortigen jüdischen Auswanderung übertrug. Die Auswanderung, die bisher noch freiwillig war, wurde nun immer mehr zur Zwangsaustreibung. Mit den Mitteln der Erpressung brachte Eichmann den Exodus aus Österreich in Gang und schuf ein Modell, das ein Jahr später auch in Berlin und Prag eingeführt wurde. Die reicheren Juden wurden gezwungen, die Auswanderung der ärmeren über das Haavara-Abkommen mitzufinanzieren.
Schon im Spätherbst 1938 hatte Eichmann 45.000 Juden aus Österreich vertrieben, bis zum Kriegsausbruch hatten 150.000 Juden Österreich verlassen. Auch die Auswanderung aus Deutschland stieg 1938 wieder an. 40.000 Juden verließen das Land ihrer Väter, doppelt so viele wie ein Jahr zuvor.
Doch während der Organisationsapparat der SS auf Hochtouren zu laufen begann und jüdische Auswanderer im Fliessbandverfahren abzufertigen versucht, schließen immer mehr Länder ihre Grenzen für die Juden. Visa-Anträge in die USA und nach Südafrika werden immer schleppender bearbeitet. Überall entstand die Furcht vor einer Invasion mittelloser, verarmter Juden, die der öffentlichen Hand zur Last fallen würden. In Palästina führten arabische Unruhen gegen die jüdische Einwanderung dazu, dass die britische Mandatsmacht die Quoten drastisch senkte. Abgewiesene Schiffe irrten von einem Hafen zum anderen. Oft mussten die Länder, die mit Flüchtlingen schon überfüllt waren, wie Frankreich, Holland und Dänemark, die verzweifelte menschliche Fracht aufnehmen. Vor den Konsulaten westlicher Länder standen täglich Menschenschlangen.
Zwar fand sich Amerika nicht bereit, seine in der Periode des Isolationismus erlassenen restriktiven Einwanderungsbestimmungen zu lockern, doch um das Gesicht zu wahren, regte Präsident Roosevelt eine Weltflüchtlingskonferenz an, die im Juli 1938 im Kurort Evian am Genfer See zusammentraf. Deutschland, um dessen Judenfrage es vor allem ging, hatte sich geweigert, die Tagung überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Der Ergebnis der Konferenz war enttäuschend, die Haltung der Delegierten geprägt von Hilflosigkeit über Egoismus bis hin zu Zynismus.
Die Briten hatten mit Rücksicht auf die Araber dafür gesorgt, dass der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Dr. Chaim Weizmann, einer der beredtesten Fürsprecher einer jüdischen Einwanderung nach Palästina überhaupt nicht zugelassen wurde.
Als ein Reporter den britischen Delegierten darauf ansprach, sagte dieser wörtlich: „Die Regierung Seiner Majestät würde es vorziehen, wenn diese Konferenz überhaupt nicht stattfände.“ In England selbst demonstrierten die Gewerkschaften gegen die Aufnahme von Juden, in denen sie lästige Konkurrenten sahen.
Am humansten verhielten sich noch die Vertreter kleiner Länder wie Holland und Dänemark, die sich trotz ihrer Bevölkerungsdichte bereit fanden, Juden wenigstens vorübergehend aufzunehmen.
Frankreich, wo schon 200.000 rassische und politische Flüchtlinge Zuflucht gefunden hatten, versicherte, es habe die Grenzen seiner Aufnahmefähigkeit erreicht.
Am härtesten reagierten jene Länder, die an Fläche und Potential gemessen, die besten Aufnahmemöglichkeiten hätten bieten können. Zum Beispiel Australien: „Wir hatten bisher kein Rassenproblem, und wir möchten auch keines importieren.“ Auch die Australier betrachteten die Juden inzwischen nicht mehr als Leute mit einer anderen Religion, sondern als Mitglieder einer fremden unerwünschten „Rasse“. Mit dieser Ansicht hatten sie sich unbewusst die Nazi-Terminologie zu Eigen gemacht
Ähnliche antisemitische Formulierungen gebrauchten Länder wie Peru, Nicaragua, Honduras, Costa Rica und Panama: „Wir wollen weder Händler noch Intellektuelle. Die Juden bringen die Sozialstruktur unserer Länder durcheinander.“ Und Kanada: „Wir wollen nur Einwanderer aus landwirtschaftlichen Berufen.“
Nicht einmal die USA erklärten sich bereit, die Einwanderungsbestimmungen aus humanitären Gründen wenigstens kurzfristig zu lockern. Sie wollten lediglich vom nächsten Jahr an die „volle Quote für Einwanderer aus Deutschland und Österreich aufnehmen.“ Im Klartext hieß dies: 27 370 Einwanderer pro Jahr, obgleich die Quote in den vergangenen 10 Jahren niemals voll ausgeschöpft worden war und Hunderttausende von Juden darauf warteten, dass Amerika, der Hort der Freiheit, sie aufnehmen würde.
Die unmittelbar Betroffenen, die Juden selbst, wurden in Evian überhaupt nicht gehört. Sie durften lediglich am Rande der Konferenz mit einigen Delegierten reden, wurden mit Absichtserklärungen und bedauernden Worten abgespeist. Einige derer, die Pressevertretern die unerträgliche Situation der deutschen Juden schilderten und an die Solidarität der zivilisierten Welt appellierten, wurden nach ihrer Rückkehr nach Deutschland festgenommen und wegen „landesverräterischer Hetze in Konzentrationslager gebracht.
Evian erlitt das Schicksal so vieler Konferenzen: Das Problem wurde an einen Ausschuss verwiesen. Ein Ausschuss unter der Leitung des US-Delegierten George Rublee wurde beauftragt, künftig die Fragen der jüdischen Auswanderung zu bearbeiten. Als Sitz wurde London bestimmt...“
26. Juli 1938
Einrichtung der Zentralstelle für Jüdische Auswanderung in Wien unter Adolf Eichmann.
27. September
5. Verordnung zum Reichsbürgergesetz:
Streichung der Zulassung aller jüdischen Rechtsanwälte ab 30.11.1938.
28. September
Juden dürfen Krankenpflege nur an Juden oder in jüdischen Anstalten ausüben; ihre Ausbildung erfolgt nur in jüdischen Krankenpflegeschulen.
29. September
Unterzeichnung des Münchener Abkommens.
29. September 1938
Die Deutsche Wehrmacht besetzt einen Teil der Tschechoslowakei, das Sudetenland, und am 15.3.1939 Böhmen und Mähren
3. Oktober
Vorträge für jüdische Veranstaltungen müssen zuvor vom Propaganda- Ministerium genehmigt werden.
05.Oktober .
Deutsche Juden erhalten mit einem J (für Jude) versehene Pässe. Die so markierten Reisepässe sollen künftig die Ausreise jüdischer Bürger erschweren
06. Oktober 1938 Polen
„Die Warschauer Regierung erlässt ein Dekret, das alle im Ausland lebenden Polen ausbürgert, sofern sie ihre Pässe nicht mit einem Sondervermerk stempeln lassen, der nur in Polen zu erhalten war. Die Absicht des Erlasses war durchsichtig: Warschau wollte auf bequeme Art vor allem jene Juden loswerden, die mit polnischen Pässen seit Jahren in Deutschland lebten.
In einer Blitzaktion lässt Heydrich am 28. Oktober 17.000 polnische Juden verhaften und – in der ersten jüdischen Massen-Deportation – an die deutsch-polnische Grenze schaffen. Die polnischen Grenztruppen weigern sich, diese Masseninvasion auf einen Schlag nach Polen hineinzulassen. Tagelang müssen die Abgeschobenen im Niemandsland kampieren und irren zwischen den MGs der deutschen und polnischen Grenzwächter umher.
Unter den Deportierten war auch der Schneidermeister Jozef Grynszpan aus Hannover mit seiner Frau. Ihr Sohn, der 17jährige Herschel Grynszpan, der bei seinem Onkel in Paris lebt, hört von dem Schicksal der Eltern. Am Morgen des 8. November kauft er sich bei einem Pariser Waffenhändler einen Revolver. Dann geht er zur Deutschen Botschaft, meldet sich bei einem Amtsgehilfen und verlangt den Botschafter zu sprechen. Er wird in das Zimmer des Gesandtschaftsrates Ernst vom Rath geführt. Bevor sich vom Rath nach den Wünschen des Besuchers erkundigen kann, zieht Grynszpan seinen Revolver und schießt zweimal auf den Beamten, der an seinem Schreibtisch zusammenbricht. Grynszpan versucht zu flüchten, wird aber von einem vor der Botschaft stehenden französischen Polizisten verhaftet. Für die Nationalsozialisten wurde diese unbedachte Tat zum willkommenen Anlass, von einer „groß angelegten Verschwörung des Weltjudentums“ zu sprechen. Das Attentat kam dem Judenhasser Goebbels, dem Propagandachef der Nationalsozialisten, so sehr gelegen, dass im Ausland sogar die Vermutung auftauchte, Grynszpan sei das Werkzeug eines nationalsozialistischen Agent provocateurs gewesen.
Goebbels erhebt die Tat eines Einzelgängers zur Herausforderung des deutschen Volkes, die eine „Antwort“ des deutschen Volkes nötig mache. „Es ist klar, dass das deutsche Volk aus dieser Tat seine Folgerungen ziehen wird“, schreibt der „Völkische Beobachter“ am 8. November drohend. Was am nächsten Tag folgte, war eine Meisterleistung Goebbelsscher Massenregie. Hitler selbst misst dem Attentat zunächst keine überragende Bedeutung bei.
Als er am Abend des 8 November im Münchner Bürgerbräu zum 15. Jahrestag des Münchner Putsches 1923 seine traditionelle Ansprache an die dort versammelten „alten Kämpfer“ hält, erwähnt er die Sache mit keinem Wort. Inzwischen hatten die von Goebbels inszenierten drohenden Kommentare in der NS-Presse schon die ersten Folgen gezeigt. In verschiedenen Orten Hessens und der Gegend von Magdeburg rotteten sich von radikalen SA-Führern und Ortsgruppenleitern gelenkte Mobs zusammen und verwüsteten jüdische Läden und Gemeindehäuser. Als im Berliner Büro von Goebbels immer mehr Meldungen über Einzelaktionen eintreffen, sieht der Propagandachef die einmalige Chance, in ganz Deutschland einen blutigen Pogrom zu entfachen. Doch dazu musste er sich Hitlers Rückendeckung sichern. Goebbels fuhr nach München, um Hitler in seinen Plan einzuweihen...Goebbels hatte gewonnen. Er hatte Hitlers Rückendeckung, ohne direkt als Staatsoberhaupt in die „Nacht der langen Messer“ hineinzuziehen. Die Führer der einzelnen Parteiformationen an die Telefone und jagten Alarmbefehle hinaus. Goebbels selbst diktierte unermüdlich seine Fernschreiben an die Propagandadienststellen der Partei. Die Interpretation der Befehle wurde den unteren Chargen selbst überlassen. Fest stand. „Spontane Aktionen“ gegen die Juden seien zu organisieren. Der Pogrom war angelaufen. Überall begannen die Synagogen zu brennen, wurden Geschäfte und Gemeindehäuser zerstört, wurde geplündert und zerschlagen, wurden Juden geprügelt, durch die Straßen gejagt, erschlagen oder angeschossen.“ (aus DRITTES REICH)
10. Oktober 1938
Sudetendeutsche Gebiete kommen unter nationalsozialistische Einflussnahme
14. Oktober
Besprechung bei Göring über die "Arisierung der Wirtschaft", die Errichtung von Ghettos und die Aufstellung jüdischer Arbeitskolonnen.
28. Oktober
Ausweisungsaktion von in Deutschland lebender Juden polnischer Nationalität: Rund 15.000 "staatenlose", in Polen geborene Juden, die in Deutschland 10, 20 und über 30 Jahre gelebt und gearbeitet hatten, werden nach Polen abgeschoben, die meisten in Zbaszyn interniert.
07. November Herschel Grynszpan, dessen Eltern von der "Polen-Aktion" betroffen sind, erschießt in Paris den deutschen Gesandtschaftsrat Ernst vom Rath.
08. November
Erste Ausschreitungen gegen Juden
09. November 1938
Paris: Der deutsche Gesandtschaftsrat v. Rath stirbt, die Pogrome in Deutschland beginnen
Köln: Während der Pogromnacht am 9. November 1938 zerstörten die Nazis Synagogen, ungezählte jüdische Wohnungen und Geschäfte. Während der Schoah wurden mehr als 11.000 Kölner Juden von den Nazis ermordet, den restlichen gelang es, in andere Länder zu fliehen.
Eine kleine Gruppe Überlebender gründete 1945 eine neue jüdische Gemeinde..
„Pogrome in ganz Deutschland (verharmlosend Reichskristallnacht genannt). In der Nacht vom 9. auf 10. November werden insgesamt 1406 Synagogen und jüdische Häuser zerstört, 91 Juden getötet. Allein in Baden-Württemberg: werden 119 Synagogen angezündet und 76 vollständig zerstört. 7.500 jüdische Geschäfte demoliert und geplündert, mehr als 25.000 männliche Juden deportiert. Allein der Wert der zerschlagenen Ladenfenster beträgt 10 Millionen Reichsmark.
Hermann Göring, der ebenfalls nicht eingeweiht worden war, tobte, als er von dem Pogrom erfuhr. In scharfen Worten beschwerte er sich bei Hitler über Goebbels. Der Pogrom habe sinnlos wertvollste Güter zerstört, empfindliche Störungen des Wirtschaftslebens seien zu befürchten. Die angespannte Rohstofflage Deutschlands hätte der Aktion den Stempel der Idiotie aufgedrückt. Göring lehnte nicht aus Gründen der Menschlichkeit den Pogrom ab, sondern aus rein wirtschaftspolitischen Erwägungen. „Mir wäre es lieber, ihr hättet die doppelte Anzahl von Juden umgebracht, anstatt so viele kostbare Werte zu vernichten“, rief er Goebbels wütend zu.
Am 11. November erteilt Hitler Göring offiziell den Befehl, die Juden restlos aus der deutschen Wirtschaft zu entfernen“ (aus DRITTES REICH)
10. November 1938
20.000 Juden werden aus Norddeutschland ins KZ nach Sachsenhausen verschleppt
20.000 Juden aus dem Rheinland, Bayern, Österreich kommen ins KZ nach Dachau
20.000 Juden aus Schlesien, Sudetenland und Ostdeutschland werden in das KZ Buchenwald eingesperrt und 240 getötet (aus ATLAS, 1982)
Ein evangelisch-lutherischer Landesbischof sieht in den brennenden Synagogen die "Krönung" eines "gottgesegneten" Kampfes
11. November
Landsberg's Zeitung meldet, dass der Landkreis "judenrein" ist
12. November
Verordnung über pauschale "Sühneleistung" der Juden von 1 Milliarde Reichsmark.
1.Verordnung zur Ausschaltung der deutschen Juden aus dem Wirtschaftsleben: Schließung aller jüdischen Geschäfte und Handwerksbetriebe.
Verordnung zur Wiederherstellung des Straßenbildes bei jüdischen Gewerbebetrieben: Juden haben alle Schäden, die während der Reichskristallnacht entstanden sind, selbst zu bezahlen.
Versicherungsansprüche werden eingezogen;
Besuchsverbot für Konzerte, Theater, Kino und Kulturveranstaltungen.
Göring kündigt Massenmord an allen Juden im Kriegsfall an.
15. November
Alle jüdischen Kinder werden aus öffentlichen Schulen entfernt.
24. November
Erneute Ankündigung des Massenmords an Juden im Krieg durch "Das schwarze Korps"
28. November
Polizeiverordnung über das Auftreten der Juden in der Öffentlichkeit: Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Registrierung der jüdischen Wohnungen.
29. November
Juden ist das Halten von Brieftauben verboten
November 1938
Grünszpan, Herschel
"[...]Ich bedaure sehr, einen Menschen verletzt zu haben, aber ich hatte keine anderen Mittel, meinen Willen auszudrücken[...] Ich wollte [...] einen aufsehen erregenden Schritt machen, damit er in der Welt nicht ignoriert wird, weil die deutschen Methoden mich erbitterten." Aus der Vernehmung H. Grünszpans vor dem Untersuchungsrichter in Paris, Nov. 1938
(1921-1943?) Grünszpan wird durch sein Attentat auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath am 7.11.1938 in Paris bekannt. Als der Diplomat zwei Tage später an den Folgen seiner Verletzungen stirbt, rechtfertigen die Nationalsozialisten mit Grünszpans Attentat die Reichskristallnacht.
1940 liefert die Vichy-Regierung Grünszpan an die Deutschen aus. Die Umstände seines Todes sind nie geklärt worden. (ShoahNet)
01. Dezember
Anordnung des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda: Jüdische Verlage und Buchhandlungen sind bis zum 31.12.1938 aufzulösen.
03. Dezember
Juden müssen ihre Betriebe verkaufen, ihre Wertpapieren, Juwelen, Schmuck und. Kunstbesitz abliefern.
Führerscheine und Zulassungspapiere für Kraftfahrzeuge werden ihnen entzogen
05. Dezember
7. Verordnung zum Reichsbürgergesetz: Die Ruhegelder ausgeschiedener jüdischer Beamter werden herabgesetzt.
09. Dezember
Erlass des Reichswirtschaftsministers: Nichtzulassung von Juden zu handwerklichen, kaufmännischen usw. Prüfungen.
Das KL Flossenbürg in der Oberpfalz wird eingerichtet
Tag unbekannt
Walter Mehring, geb. am 29.4.1886 in Berlin, schrieb über diese Zeit: "Und als ich die Bibliothek verlassen, als ich Hals über Kopf aus Wien auf und davon musste, als ich, dem anrasenden Mob ausweichend, durchs Parkdunkel zum Westbahnhof hastete, vorbei unter dem öden Doppelfenster meines Lese-, Wohn- und Schlafzimmers, da begriff ich plötzlich den Exil-Rat der Engel an Lot: nach Sodom und Gomorrha sollte man sich nicht einmal umsehen... Und ich wandte mich ab, um nicht zur Salzsäule zu erstarren."
Winter Ravensbrück: 1938/39
müssen männliche Häftlinge des KZ Sachsenhausen den ersten Bauabschnitt des Frauenkonzentrationslagers errichten: 14 Wohn- und 2 Krankenbaracken und einen Holzbau mit Küchen- und Duschanlage - umgeben von einer über 4 m hohen Ziegelmauer. Neben dem Appellplatz kommt 1939 noch ein Arrestbau mit 78 Zellen hinzu. Außerhalb des Lagers entstehen die Kommandantur, Doppelhäuser für SS-Führer und 8 größere Häuser für die SS-Aufseherinnen. Die grausame Geschichte des Frauenkonzentrationslagers beginnt mit der Verlegung von 860 deutschen und 7 österreichischen Häftlingen am 18. Mai 1938 aus der Lichtenburg nach Ravensbrück.
Hier wieder einige Zahlen:
Von 1933 bis 1938 emigrierten Juden aus Deutschland in folgende Länder:
52.000 nach England,
2.000 nach Norwegen,
3.200 nach Schweden,
2.000 nach Dänemark,
30.000 nach Holland,
12.000 nach Belgien,
30.000 nach Frankreich,
10.000 nach Portugal,
3.000 nach Spanien,
7.000 in die Schweiz,
5.000 nach Italien,
25.000 nach Polen,
5.000 in die Tschechoslowakei,
3.000 nach Ungarn,
7.000 nach Jugoslawien
6.000 nach Kanada,
102.222 in die USA,
mehrere Tausend nach Mexiko,
600 nach Venezuela,
8.000 nach Brasilien,
7.000 nach Bolivien,
63.500 nach Argentinien,
2.200 nach Uruguay,
472 in die Dominikanische Republik,
3.000 nach Kuba,
26.100 nach Südafrika,
8.600 nach Australien,
700 auf die Philippinen,
einige Hundert nach Japan,
20.000 nach Shanghai bis 1940 und
33.399 nach Palästina (aus Atlas zum Holocaust)
1938
Neues evangelisches Kirchengesetz:
Alle evangelischen Pfarrer müssen den Treueeid auf Adolf Hitler schwören
Zu den Massendeportationen und Misshandlungen in den KZs: Die evangelischen Bischöfe möchten dazu nichts sagen
------------