Die christlich-jüdischen Beziehungen -

eine unvollständige Chronologie von 2.000 Jahren

 

 

Teil 2   - Von Martin Luther bis zu Hitler -

die Jahre 1500 bis 1932                                                                                    

 

Um 1500  leben in Polen etwa 50.000 Juden,

im Jahre 1640 etwa 1 Million

 

In Konstantinopel leben um das Jahr 1500 seit 1453  etwa 40.000 Juden - sie ist die damals  größte jüdische Gemeinde

 

1515

erfolgt die Ausweisung der Juden aus Brandenburg - endgültig 1573.

 

- Ausweisung aus Genua und erneut 1550

 

1516

In Venedig entsteht das erste Ghetto

 

1516

Jerusalem wird von den Türken in Besitz genommen. Zuvor litt die Stadt unter den Tatarenstürmen.

 

1516  Ungarn:

Unter Ludwig II. (1516-1526), der ebenfalls ein Jagellone war, schien wieder eine Besserung des Verhältnisses gewesen zu sein, denn der König ernannte den Juden Isaak zum Leiter des Münzamtes in Kassa und den getauften Juden Emericus Fortunatus zum Schatzmeister von Ungarn.

Ungarn glitt aber wirtschaftlich allmählich in eine bodenlose Tiefe, was Stefan …., der Kodifikator für ungarische Gesetze, ausnutzte, um eine antijüdische Stimmung zu schüren. Bald darauf kam es zu pogromartigen Plünderungen gegen die schuldlosen Juden zu Ofen. Das 15.Jahrhundert zeigte sich für die ungarischen Juden von der grausamen Seite wo immer wieder Anschuldigungen des Ritual-Mordes aufkamen, wodurch mehrere Juden am Scheiterhaufen ihr Leben lassen mussten.

 

Auch in den ersten Jahren des 16.Jhdts., vor allem nach der Niederlage der Ungarn bei Mohacs, flammten erneut antijüdische Ausbrüche auf, zumal den Juden die Schuld an der Katastrophe zugeschrieben wurde. Die Folge war, dass die erboste Landesversammlung zu Stulweißenburg (Szekesfehervar) die Austreibung der Juden aus dem restlich, ungarisch gebliebenem Lande beschloss. Die judenfeindliche Stimmung wurde vor allem durch die Königin Maria gefördert, die den Städten Pressburg, Ödenburg und Tyrnau erlaubte, die Juden zu vertreiben.

Davon abgesehen mussten die Juden anfangs auch vor den Türken fliehen, da diese wiederum die Juden als Exponenten des Magyarentums betrachteten. (Chaim Frank)

 

1517

Luther beginnt seinen Disput mit der Kirche.

Seine anfängliche Annäherung an das Judentum (Bilderverbot, Priesterehe)

 

1519

werden In Regensburg die Juden vertrieben

 

1523

Luthers Schrift  wird veröffentlicht „Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei“

 

1526

Ausweisung der Juden aus Pressburg

1527

Ausweisung aus Paris und Florenz

 

1529

werden in Pösing 30 Juden verbrannt

 

1529                                                                                                                    Ungarn:

Die schreckliche Ritualmordbeschuldigung von 1529 in Bösing führt sogar zur Flucht der Juden unter die Türkische Herrschaft, und auch die Tragik, dass immer mehr Juden von Streifscharen gefangen genommen und nur durch Zahlung von hohem Lösegeld wieder freigelassen werden.

 

 

1530

Der Malteserorden

- mit vollem Namen "Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom Hl. Johannes zu Jerusalem, genannt von Rhodos, genannt von Malta" - ist der katholische Zweig des alten Johanniterordens. Nachdem der Ordensstaat der Johanniter auf der Mittelmeerinsel Rhodos 1522 von den Türken erobert worden war und der deutsche Ordenszweig Brandenburg sich der Reformation angeschlossen hatte, konnte der katholische Zweig neu aufgebaut werden. Er erhielt von Kaiser Karl 1530 die Insel Malta - daher die Bezeichnung "Malteser" - als Lehen und konnte nun dort seine Wirksamkeit entfalten. Dabei entstanden die modernsten medizinischen Einrichtungen der damaligen Zeit, erneut wurden Festungen und eine Flotte zur Verteidigung des Abendlandes gegen die Türken aufgebaut. 1548 erhielt der Großprior in Deutschland von Kaiser Karl V. für sich und seine Nachfolger die Würde eines Reichsfürsten.

 

Der Belagerung von Malta durch das Türkenheer im Jahr 1565 konnte der Malteserorden widerstehen. Aber während der Reformation verloren die Malteser ihre englischen und deutschen, während der Französischen Revolution ihre französischen Besitzungen, dennoch spielte der Orden bis weit ins 19. Jahrhundert hinein in der europäischen Geschichte eine bedeutende Rolle. Die Russen boten sich als Schutzmacht an, doch konnte das napoleonische Heer die Insel 1798 - nach fast 270 Jahren Ordenspräsenz auf Malta - kampflos einnehmen; letzter Großmeister des Ordens in Malta war der Deutsche Ferdinand von Hompesch. 1798 verlagerte sich der Konvent nach Triest, 1834 siedelte er nach Rom über; zu diesem Zeitpunkt hatte Russland sämtliche Güter der Ritter innerhalb seiner Territorien konfisziert. Der Orden behielt seine Souveränität, der neue Sitz in der Via Condotti blieb exterritorial.

 

Die Malteser bilden heute eine religiöse Gemeinschaft und einen Ritterorden. Letzterer unterteilt sich in fünf große Priorate und eine Anzahl nationaler Versammlungen, die diplomatische Verbindungen zum Vatikan und verschiedenen Ländern pflegen. 1998 hatte der Souveräne Malteser-Ritterorden 12.000 Mitglieder in 42 nationalen Assoziationen, unterhält diplomatische Beziehungen zu 81 Staaten, hat Beobachterstatus in der UNO und ist mit einer Vielzahl von Hilfswerken und Hilfsprogrammen weltweit caritativ tätig; er unterhält Krankenhäuser, Unfallambulanzen sowie Versorgungseinrichtungen für Kriegsopfer und Flüchtlinge.

 

In Deutschland wurde für die katholischen Ordensritter 1859 die Genossenschaft der Rheinisch-Westfälischen Malteserritter und 1867 der Verein der Schlesischen Malteserritter gegründet, beide schlossen sich 1992 zur Deutschen Assoziation des Souveränen Malteser-Ritterordens zusammen. 1953 erfolgte die Gründung des Malteser-Hilfsdienstes durch zwei deutsche Malteser-Assoziationen und den Deutschen Caritasverband. So ist der Orden heute in Deutschland Träger des Malteser-Hilfsdienstes, der Krankenhäuser, Hospize, Alten- und Pflegeheime betreibt, Umsiedlern und Asylbewerber betreut, Katastrophenhilfe, Ausbildung in Erster Hilfe, Betreuung Schwerkranker auf Pilgerfahrten, z.B. nach Lourdes, und anderes mehr leistet. Malteserritter tragen schwarze Mäntel mit dem weißen, achtspitzigen Malteserkreuz. Der Rang des als Prinz angeredeten Großmeisters entspricht dem eines Kardinals.

 

1538 -1540

Jerusalem: Sultan Suleiman I. errichtet neue Stadtmauern

 

1540

Lissabon: Das 1. Autodafé des Inquisitions-Tribunals wird gegen „Conversos“ = zwangsgetaufte Juden  durchgeführt

 

1540

Ausweisung der Juden aus Neapel

-  aus Prag und Böhmen

Prag: Massen-Exodus nach Polen   

 

 

1543

Martin Luther   (1483-1546)

Der Augustinermönch, Priester und Theologieprofessor schreibt das Buch  „Von den Juden und ihren Lügen“. Er ist enttäuscht darüber, dass sie sich nicht zu seiner Religion bekennen wollen und schlägt vor, sie zu vertreiben.

1938 gibt Landesbischof Sasse aus Eisenach die Schrift neu heraus unter dem Titel   „Martin Luther über die Juden – Weg mit ihnen!“  Die Judenverfolgung ist Martin Luthers zentrales Anliegen in seinen letzten Lebensjahren. Sie ist auch das Thema seiner letzten Kanzelabkündigung 1546. So fordert es Martin Luther – so tun es später die Nationalsozialisten, und  die Entstehung der evangelischen  Kirche geht auf Martin Luther zurück..

 

Martin Luther fordert in seiner letzten Kanzelabkündigung am 15.02. in Eisleben, 3 Tage vor seinem Tod, z.B.: „Darum sollt ihr Herren sie nicht leiden, sondern wegtreiben“ Und auch in seinem letzten Brief, den er von Eisleben aus an seine Frau schreibt, kündigt er die Vertreibung der Juden an. Die Staatsmänner seiner Zeit erfüllen die Forderungen Martin Luthers aber nicht. 

 

Den Bürgern empfiehlt er: „Wenn du siehst oder denkst an einen Juden, so sprich bei dir selbst also: Siehe, das Maul, das ich da sehe, hat alle Sonnabend meinen lieben Herrn Jesum... verflucht, vermaledeit und verspeist, dazu gebetet und geflucht vor Gott, dass ich, mein Weib und Kind und alle Christen erstochen und aufs jämmerlichste untergegangen wären. Er wollte es selber gerne tun, und, wo er könnte, unsere Güter besitzen... Ich sollte mit einem solchen verteufelten Maul essen, trinken oder reden? So möchte ich aus der Schüssel oder Kannen mich voller Teufel fressen und saufen, so mache ich mich gewiss damit teilhaftig aller Teufel, die in den Juden wohnen.“ (Zitiert nach Landesbischof Sasse, „Martin Luther über die Juden: Weg mit ihnen!“, Freiburg, 1938) Der evangelisch-lutherische Landesbischof  Sasse erklärt 1938, Martin Luther sei der größte Antisemit seiner Zeit...

 

Den Staat fordert Martin Luther dazu auf, die jüdischen Mitbürger zu verfolgen:

Er fordert: Man soll ihre „Synagoge oder Schulen mit Feuer anstecken... unserem Herrn und der Christenheit zu Ehren, damit Gott sehe, dass wir Christen seien...“ – Das tun die Nazis, z.B. in der Reichspogromnacht 1938, an Luthers Geburtstag.

 

Er fordert, „...dass man ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre... Dafür mag man sie etwa unter ein Dach oder einen Stall tun.“ – Die Nazis ziehen die Juden zunächst ab 1938 in bestimmten Häusern zusammen, aber 1939 teilweise in Gettos. Vergleichbar einem Viehtransport werden sie später in Eisenbahnwaggons gepfercht und in die Konzentrationslager gefahren. Dort müssen sie in Baracken wohnen.

 

Er fordert: „...dass man ihnen nehme alle ihre Betbüchlein... auch die ganze Bibel und nicht ein Blatt ließe.“ – Die Nazis lassen 1933 die jüdischen Schriften verbrennen.

 

Er fordert, „...dass man ihnen verbiete, bei uns... öffentlich Gott zu loben, zu danken, zu beten, zu lehren bei Verlust Leibes und Lebens... dass ihnen verboten werde, den Namen Gottes vor unseren Ohren zu nennen.“ – Die Nazis nehmen den Juden das Leben. Sie werden meist erschossen oder vergast, ihre Leichen in Massengräbern verscharrt oder verbrannt – allerdings unabhängig davon, ob der jüdische Bürger zuvor Gott öffentlich lobte oder nicht.

 

Er fordert, „...dass man den Juden das Geleit und Straße ganz und gar aufhebe...Sie sollen daheim bleiben.“ – Juden dürfen in der Nazi-Zeit ihren Wohnort nur mit polizeilicher Genehmigung verlassen. Später, ab 1939,  gilt das auch für die Gettos. Wir sich nicht daran hält, wird verhaftet.

 

Martin Luther fordert, dass man „...nehme ihnen alle Barschaft und Kleinode an Silber und Gold.“ – Das tun die Nazis ebenfalls. 1938 wird bereits der Besitz „zwangsarisiert“, 1939 der Schmuck eingezogen, später das Geld.

 

Er fordert, „...dass man den jungen und starken Juden und Jüdinnen in die Hand gebe Flegel, Axt, Karst, Spaten, Rocken, Spindel und lasse sie ihr Brot verdienen im Schweiß der Nasen.“ – Die ‚jungen und starken Juden und Jüdinnen‘ werden von deutschen Firmen der Nazi-Zeit zum Teil als Zwangsarbeiter eingesetzt. In den Konzentrationslagern werden die Arbeitsfähigen u.a. ab 1938 von den Schwächeren getrennt. Die einen müssen unter dem Motto „Arbeit macht frei“ zwangsarbeiten und werden erst hingerichtet, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Die anderen werden gleich hingerichtet.

 

Er fordert: „Summa...dass ihr und wir alle der...teuflischen Last der Juden entladen werden...“ – Sechs Millionen Juden werden beim Holocaust ermordet. Von den Überlebenden wandern die meisten bis 1951 nach USA oder Israel aus.

 

Martin Luther fasst sein Anliegen der Judenverfolgung folgendermaßen zusammen: „Unseren Oberherren, so Juden unter sich haben, wünsche ich und bitte, dass sie eine scharfe Barmherzigkeit wollten gegen diese elenden Leute üben, wie droben gesagt, obs doch etwas (wiewohl es misslich ist) helfen wollte. Wie das die treuen Ärzte tun, wenn das heilige Feuer in die Beine gekommen ist, fahren sie mit Unbarmherzigkeit und schneiden, sägen, brennen Fleisch, Adern, Bein und Mark ab. Also tue man hier auch, verbrenne ihre Synagogen, verbiete alles, was ich droben erzählt habe, zwinge sie zur Arbeit und gehe mit ihnen um nach aller Unbarmherzigkeit wie Mose tat in der Wüste und schlug dreitausend tot, dass nicht der ganze Haufen verderben musste.“

 

Ein anderes Zitat von ihm: „Gleichwie ausm Holz vom Weinstock und Reben nichts kann gemacht werden, das man brauchen könnte, sie dienen nur zum Feuerwerk; dazu ist das Rebenholz gut, dann man sie verbrenne, und der Asche gebrauche, wie der Prophet Ezechiel sagt; wiewohl wenn es noch am Weinstock ist, seine Früchte trägt: also sind aus den Jüden kommen die Apostel, Propheten und Christus selbst; aber jetzung ist der Stamm nichts wert.“

 

Der Philosoph Karl Jaspers stellt 1962 fest: Luthers „Ratschläge gegen die Juden hat Hitler genau ausgeführt.“

Adolf Hitler selbst rechtfertigt die Judenverfolgung damit, „dass er gegen die Juden nichts anderes tue als das, was die Kirchen in 1500 Jahren gegen sie getan habe.“   (aus „DER THEOLOGE, Ausgabe Nr. 4 über Internet, Dokumentation „Die evangelische Kirche und der Holocaust“)

 

Mitte des 16. Jahrhunderts 

Seit Beginn der Gegenreformation verstärkte, offizielle Zensur jüdischer hebräischer Schriften durch Aufnahme in den kirchlichen Index verbotener Schriften

1551

Prag: Verordnung, auf der linken Seite in Höhe der Brust auf  Stoff einen gelben Ring zu tragen

 

-  werden die Juden aus Württemberg und Bayern ausgewiesen

 

Ungarn:  Ferdinand I. (1526-1564) fordert, dass alle Juden ein Judenabzeichen, einen gelben Fleck, zu tragen haben. Zu dieser Zeit war ein großer Zuzug nach der Gemeinde Ofen zu bemerken, die allmählich zu einer blühenden jüdischen Gemeinde wurde.

Während der Türkenherrschaft hatten die Juden keine wesentlichen Ausschreitungen zu befürchten und hohe Steuern hatten die Juden auch unter König Rudolf (1576-1608) zu ertragen, der 1578 die Juden und Anabaptisten mit einer doppelten Haussteuer, 1593 mit einer besonderen Kopfsteuer und 1596 zusätzlich noch mit einer so genannten Soldatensteuer belastete.

 

 

1553

Papst Julius III. lässt in Italien alle Exemplare des Babylonischen und Jerusalemer Talmud vernichten

 

1555

Am 12. Juli erneuert Papst Paul IV. (1555-1559) mit seiner Bulle „Cum nimis absurdum“ die gesamte frühere antijüdische Gesetzgebung und lässt in Rom ein Ghetto errichten. Juden werden gezwungen, eine bestimmte Kappe zu tragen, ihnen ist es verboten, Grundeigentum zu besitzen oder medizinische Handlungen an Christen vorzunehmen. Gemeinden dürfen nicht mehr als eine Synagoge haben und Juden in allen römisch-katholischen Staaten müssen sich jede Nacht in den Ghettos einschließen. Alle Juden von Rom müssen ins Ghetto von Trastevere

 

1568

und 1572 Ausweisung der Juden aus Österreich

 

1571

Ausweisung der Juden aus Brandenburg

 

1582

Der Julianische Kalender erfährt im Jahre 1582 unter Papst Gregor XIII. (1502, Papst ab 13. Mai 1572, gest. 10. April 1585) eine Korrektur, indem dieser dem 4. Oktober direkt den 15. Oktober folgen lässt und damit die entstandene Differenz aufhob. Um künftig weitere Abweichungen vom Sonnenlauf zu vermeiden, wurden die vollen Jahrhunderte wie 1700, 1800 und 1900 als Schaltjahre abgeschafft. Lediglich die Säkularjahre, die ohne Rest durch 400 teilbar sind wie 1600 oder 2000, blieben als Schaltjahre mit 366 Tagen erhalten. Ab etwa 1700 übernahmen auch die protestantischen Länder den Gregorianischen Kalender.

 

1593

werden die Juden aus dem Vatikanstaat ausgewiesen


1594

 Niedermetzelung der Juden von Klausenburg und in der Wallachei

 

1598

Genua: Alle Juden werden vertrieben

 

um 1600

Amsterdam:  Juden erhalten das volle Bürgerrecht

 

1601

Rom: Eine öffentliche Verbrennung jüdischer Bücher findet statt

 

1601

Niedermetzelung der Juden in Siebenbürgen

 

1605

König Sigismund III. lässt alle Juden aus Bochnia vertreiben

 

1612

Hamburger Juden erhalten das volle Bürgerrecht

 

1614

Frankfurt/M.: Plünderung der Judengasse und Vertreibung der Juden -

der ‘Fettmilch-Aufstand’;   1616 jedoch Wiedereinzug in Frankfurt

 

1630

15. Januar.  Sankt Engracia (Lissabon) - Simondias Solis, ein junger Christ, der nahe der lokalen Kirche gesehen wurde (er war unterwegs zu einem Rendezvous mit einer jungen Frau) wurde für den angeblichen Diebstahl eines silbernen Gefäßes aus der Kirche festgehalten. Nachdem ihm seine beiden Hände abgehackt  wurden, wurde er durch die Straßen geschleppt und anschließend verbrannt. Der wahre Täter, ein allgemein bekannter (christlicher) Verbrecher, gab ein Jahr später seine Schuld zu. Solis Bruder, ein Mönch, floh infolgedessen nach Amsterdam und konvertierte wieder zum Judentum. (Eli Birnbaum)

 

1635

Peru: In Lima werden aus Spanien entflohene Marranen hingerichtet

 

1639

23.Januar:  In Peru werden mehr als achtzig Juden einschließlich Francisco Maldonna de Silva (Elia Nazareno) verbrannt, nachdem entdeckt wurde, dass sie regelmäßig jüdische Gottesdienste abhielten. De Silva hatte 12 Jahre im Gefängnis verbracht. Während dieser Zeit schrieb er mit Hühnerknochen und Kohle zwei Bücher. Jedes Buch hatte etwa 100 Seiten. Er hatte erfolgreich aus Getreidehülsen ein Seil zusammengefügt, aber anstatt mit diesem Seil die Flucht zu ergreifen, verwendete er es, um andere Gefängnisinsassen zu besuchen und sie vom Judentum zu überzeugen. (Eli Birnbaum)


1639

Südamerika:  Marranen werden öffentlich auf Scheiterhaufen verbrannt

 

1647

„Höre Israel“ waren Castro Tartos letzte Worte auf dem Scheiterhaufen

 

1648

Nach dem 30-jährigen Krieg nimmt das Hofjudentum für die europäischen

Herrscher an Bedeutung zu, da sie es als Finanzquelle brauchen.

 

1648

Pinsk: Kosaken metzeln alle Juden nieder,

-  dasselbe durch Tataren in der Ukraine bis Weißrußland und Galizien

                                                                                                                            

-  In Polen beginnt unter Führung von Chmielnicki ein Kosakenaufstand, der, obwohl urspr. nicht gegen Juden gerichtet, in seiner mehr als 2-jährigen Dauer 200.000 Juden oder nach anderen Angaben 500.000 Juden das Leben kostet und etwa 700 Gemeinden vernichtet.

- Zunahme messianischer Bewegungen mit Sabbatai Zwi  (1626-1676)  an der Spitze

 

1649

Mexiko: Die Marranen werden getötet

 

1655

Wilna:  Kosaken zünden das Ghetto der Juden an, wodurch die ganze Stadt

Feuer fängt und völlig vernichtet wird

 

1662

Durch ein Dekret vom 8. Dez. werden die Mainzer Juden aus ihren Wohnungen ausgewiesen und gezwungen, auf den sog. Schweinemisten, einem der ungesündesten Teile der Stadt, die Judengasse zu erbauen.

 

1670

Wien: Nach Vertreibung der Juden wird ihre Synagoge umgewandelt in St. Leopoldskirche

 

1671

Vertreibung der Juden aus Ungarn

 

1671

Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg erlässt das „Potsdamer Edikt“ für 50 jüdische Familien aus Wien „zur Förderung des Handels“. Nach einem einhundertjährigen Verbot dürfen sich die Juden wieder im alten Kerngebiet des Hohenzollernstaates und so auch in der Altmark niederlassen. Vom Leibzoll der durchreisenden Juden werden sie befreit; eine  Synagoge dürfen sie nicht bauen, doch in ihren Häusern beten und ihre Kinder unterrichten lassen durch einen Schulmeister. Sie sollen die Agrarwirtschaft in Brandenburg in Geldwirtschaft umwandeln helfen.

 

1672

In einem Schutzbrief, datiert vom 17.2.1672, wurde zwei Juden, Berend David und Joachim David aus Egeln und Oschersleben, gegen Zahlung eines hohen Schutzgeldes die Ansiedlung in Dessau erlaubt. Von da an stieg die Zahl der Juden auch hier rasch an. Einzelne Juden wie der 1690 zum Hoffaktor ernannte Wulff aus Dessau standen beim Fürsten in hohem Ansehen. Die meisten Juden jedoch konnten keine Bürgerrechte erwerben, sondern bekleideten im 17.und 18.Jahrhundert nur untergeordnete Stellungen. Am 12.November 1686 wurde in Dessau die "Gesellschaft der Barmherzigen Brüder" begründet. "Es ist die erste vorhandene Urkunde über jüdisches Gemeinschaftsleben", schreibt der 1910 in Dessau geborene und 1933 aus dem Justizdienst als "Nichtarier" entlassene angehende Jurist Ernst Walter in seiner Dissertationsschrift "Die Rechtsstellung der Israelitischen Kultusgemeinden in Anhalt". Ein Jahr später gestattete der Fürst den Bau der ersten Synagoge, die Anlage eines Friedhofs und die Errichtung eines Armen- und Krankenhauses.

 

1692 erteilte der Landesherr einigen Familien aus Halberstadt die Erlaubnis, in Dessau ihren Wohnsitz zu nehmen. Spätestens nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden Juden auch in Gröbzig, einer Kleinstadt im Kreis Köthen in der Umgebung Halles, ansässig. Die meisten waren von weither nach Gröbzig gezogen - aus Böhmen, Hessen, dem Elsass, Frankfurt am Main und Amsterdam. Der Gröbziger Jahrmarkt mit seinen merkantilen Möglichkeiten dürfte daran nicht ganz unschuldig gewesen sein. 1660 setzten die Gröbziger Juden, die vielfach Pferdehändler, Hausierer oder im Handel tätig und oft auf Messen in Leipzig, Braunschweig und anderswo anzutreffen waren, die Verlegung des Marktes vom Sonnabend auf einen anderen Wochentag durch, damit der Sabbat nicht entheiligt würde. In den folgenden Jahrhunderten soll die jüdische Einwohnerzahl Gröbzigs so schnell angestiegen sein, dass der Ort im Volksmund nur noch "Juhn-Jreebz`ch" (Juden-Gröbzig) hieß. In Gröbzig wurde übrigens der später in Berlin berühmt gewordene Sprachwissenschaftler und Philosoph Chaj im Steinthal (1823-1899) geboren. Er war noch hier zur jüdischen Schule gegangen, an der auch Baruch Herzfeld unterrichtete, der eigens zur Hebung des Unterrichts nach Gröbzig berufen worden war und gleichzeitig das Amt des Kantors ausübte.

 

In Halberstadt, wo mittlerweile über achtzig jüdische Familien wohnten, durften die Juden 1660 eine öffentliche Schule eröffnen. Aber man verbot ihnen, den Handwerkerberuf auszuüben.

 

 

1678

wird in Judenstein/Österreich die Kirche eingeweiht. Der angebliche „Kindermord am Anderl von Rinn“, der Jahre später Juden zugeschoben wird, führt zur Verehrung des angeblichen Märtyrerkindes (ca. 1472) in Form von Bittprozessionen, Wallfahrten. Der Kult wird 1755 von Papst Benedikt XIV. gebilligt und er spricht ihn 1752 selig. Kaiser Maximilian I. (1508-1519)  fördert die Verehrung. Der Kult wird 1961 verboten, erneut 1985, lebt aber heute noch...

 

1682

Messestadt Leipzig:

1682 wurde die Judenordnung vom sächsischen Kurfürsten Friedrich August I. (der Starke) bestätigt. Sie legte den jüdischen Messebesuchern eine Passpflicht auf.

Fünf Jahre später verordnete der Rat der Stadt, dass jüdische Stände getrennt von anderen aufzustellen sind. Trotz dieser Behinderung leisteten jüdische Kaufleute einen großen Beitrag zum Aufstieg der Messe. Unter anderem entrichteten sie 719 661 Reichstaler Leibzoll an die Stadtkasse.

1698 machte August der Starke den Juden ein Zugeständnis: Er gestattete den jüdischen Privatgottesdienst der Messjuden, obwohl der Rat der Stadt und die Stände dagegen waren. Noch 1704 wurde jeder jüdische Kaufmann, der ein Stadttor passierte, registriert. Unmittelbar nach dem Friedensschluss von Hubertusburg, der den Siebenjährigen Krieg beendete, wies der Rat der Stadt die Juden aus, die während der preußischen Besetzung in Leipzig ansässig geworden waren.

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1686

Ungarn: Nach der Vertreibung der Türken und Rückeroberung Ofens (1686) gab es vermehrt wieder verschiedene Repressalien gegen die Juden, vor allem als Leopold I. sich dahingehend bemühte, aus Ungarn einen rein katholischen Staat zu machen. Während dieser Jahre begann eine Zeit der vollkommenen Rechtlosigkeit der ungarischen Juden. Man vertrieb sie aus mehreren Städten, schloss sie aus den Zünften aus und zwang die Juden in einen engen Berufszweig mit Kleinhandel und Geldgeschäften. (Chaim Frank)

 

1700                                                                                                                   

Jerusalem: Rabbi Jehuda Hassid baut die Churva-Synagoge

 

- Vertreibung der Juden aus Basel

 

1705

In Magdeburg hatten sich Juden über zweihundert Jahre lang, von 1493 bis 1705, nicht aufhalten dürfen. Erst unter König Friedrich I. erhielt 1705 der Schutzjude Abraham Liebmann, trotz Protest des Rates, die Erlaubnis, in der Stadt Handel zu treiben. Ihm folgten weitere Juden. Aber die Zahl der Schutzjuden blieb in Magdeburg lange Zeit begrenzt. Erst unter Napoleon änderte sich die Lage. Von nun an wanderten viele Juden aus Halberstadt, Anhalt und dem Herzogtum Warschau in die Stadt ein.

 

Um das jüdische Gemeinwesen dort zu regeln, ordnete am 21.März 1808 ein königliches Dekret die Errichtung eines Konsistoriums und die Bestellung von Syndiken zur Aufsicht über den jüdischen Gottesdienst an. Die treibende Kraft des Konsistoriums war der 1768 in Halberstadt geborene spätere Rabbiner Israel Jacobsohn. Die Universität Helmstedt verlieh ihm 1807 sogar den Ehrendoktortitel. In dieser Zeit konstituierten sich die Jacobsohnschule und die Samuelschule als Bildungsstätten für jüdische Kinder.

 

Unter den Fürsten Johann Georg II. und Leopold I., dem "Alten Dessauer", war in Wörlitz und im übrigen anhalt-dessauischen Gebiet die Aufnahme von Juden begünstigt worden. Nicht nur die Vieh- und Krammärkte zogen jüdische Händler nach Wörlitz. Immerhin konnten hier schon in den 60er Jahren des 18.Jahrhunderts Juden Land erhalten und "einige dieser neuen Landwirte schlugen gut ein" (Erhard Hirsch, Diss.Halle/Saale 1969). 1843 zählte man 126 Juden im Ort. Doch nach der bürgerlichen Gleichstellung und der Aufhebung der Freizügigkeitsbeschränkungen wanderten viele Familien fort, so dass sich 1910 die Gemeinde auflöste. Um die im Wörlitzer Park erbaute Synagoge zu erhalten - Herzog Franz und sein Architekt nannten sie "Vesta-Tempel" wegen ihrer Ähnlichkeit mit den Vesta-Tempeln in Rom und Tivoli - , kaufte sie die jüdische Gemeinde zu Dessau und hielt hier regelmäßig einmal im Jahr einen Gottesdienst ab. Heute gehört das Gebäude zu den Sehenswürdigkeiten des Parks.

 

Als Fürst Leopold Friedrich Franz (1740-1817) im Jahr 1758 die Regierung übernahm, lebten in Dessau 169 jüdische Familien, ein Jahr später bereits 214 Familien. Wenngleich dieser Monarch, der als "Vater Franz" in die Geschichte eingegangen ist, erkannte, dass es an der Zeit war, das Schutzjudenwesen abzuschaffen, und er den Juden seines Landes tatsächlich manche Verbesserung ihrer Lage bescherte, so konnte er sich doch zur Durchsetzung ihrer bürgerlichen Freiheit und Gleichstellung nicht entschließen. Stattdessen wurde 1760 der jüdische Wohnbereich auf wenige Straßen beschränkt. Erst im Dezember 1834 wurde in Dessau das Ghetto endgültig aufgelöst.

 

Wie viele andere hatte auch der Vater des späteren Hofbankiers Moritz von Cohn, Itzig Hirsch Cohn, seinen bisherigen Wohnort Wörlitz mit der Residenzstadt Dessau vertauscht und eröffnete hier mit herzoglicher Genehmigung 1817 ein Leihhaus. Als erster Jude, dem es gestattet war, außerhalb des Judenviertels zu wohnen, bezog er ein bescheidenes Haus in der Kavalierstraße, das dann Stammsitz der Cohnschen Bank wurde. Jahre später ließ sein Sohn, der Hofbankier Baron Moritz von Cohn, in Dessau zum Gedächtnis von Kaiser Wilhelm I. ein Denkmal errichten. Es ist wohl das einzige von mehr als 370 Wilhelm-Statuen im Deutschen Reich, das von einem Juden finanziert wurde. Aber - Werke und Andenken des 1900 verstorbenen Bankiers überdauerten nur wenige Jahrzehnte. In Dessau entstand außerdem schon 1799 eine der ersten modernen jüdischen Schulen Deutschlands, die sogenannte Franz-Schule, die Herzog Leopold Friedrich Franz finanziell förderte. Ziel der israelitischen Freischule war es, eine Generation heranzubilden, in der sich aufgeklärte deutsche Bildung, Vaterlandsliebe und Treue zur Religion der Väter vereinten. Ihr erster Leiter war der über die Landesgrenzen hinaus bekannt gewordene David Fränkel. Er veröffentlichte seit 1806 mit "Shulamit" (hebräisch: die Friedfertige) eine der ersten jüdischen Zeitschriften in deutscher Sprache.

 

 

18. Jahrhundert  Freimaurer  

Goethe gehörte zu ihnen, Mozart soll bei ihren Ritualen Kraft für seine Kompositionen geschöpft haben und auch Heinrich Heine war einer von ihnen. Die Brüderschaft der Freimaurer ist seit ihren Anfängen im 18. Jahrhundert von einem geheimnisvollen Flair umgeben. Ein Männerbund, dessen Logen sich in fensterlosen Tempelräumen treffen.

 

 

1724 

Halle an der Saale: Juden durften auch an der 1694 gegründeten Halleschen Friedrichs-Universität studieren, vorerst jedoch nur Medizin. Denn außer dem Arztberuf waren ihnen andere freiberufliche Tätigkeiten nicht erlaubt. Der erste jüdische Student war Salomon Liebmann, der am 4.Juni 1695 immatrikuliert wurde, aber auf kurfürstlichen Befehl noch im selben Jahr an die Universität Frankfurt an der Oder wechselte. Von 1724 bis 1800 erwarben insgesamt etwa 60 jüdische Studenten den medizinischen Doktorgrad. Daneben fehlte es in Halle auch nicht an christlichen missionarischen Bemühungen, die von dem durch August Hermann Francke (1663-1727) geprägten Pietismus ausgingen sowie von dem "Institutum Judaicum", das der Universitätsprofessor Johann Heinrich Callenberg (1694-1760) 1728 ins Leben gerufen hatte, um Juden und Mohammedaner zum Christentum zu bekehren.

 

1727

Juden werden aus der Ukraine vertrieben

 

1730

ordnet Friedrich Wilhelm I. an („Privilegium“), dass sich nur derjenige Jude in Preußen   niederlassen darf, der über 10.000 Taler Vermögen verfügt. In Berlin dürfen sich nur 100 jüdische Familien ansiedeln. 1750 gibt es ein „Revidiertes General-Privilegium und Reglement für die Juden in den Preußischen Landen“

 

1731

Auf päpstlichen Befehl werden alle in Hebräisch verfassten Bücher verbrannt

 

1738

wird in Württemberg Joseph Süß Oppenheimer hingerichtet...

 

1744

erfolgt die Vertreibung der Juden aus Prag.

 

- Maria Theresia erlässt ein Dekret, dass fortan kein Jude in Böhmen geduldet sei

 

Ungarn: Die stets mit Geldnot kämpfende Maria Theresia (1740-1780) legt den Juden 1744 eine sogenannte >Toleranztaxe< auf, die die Juden anfänglich zwang, 20.000 Gulden und später sogar 160.000 Gulden als Jahressteuer (die Juden nannten es >Malke-Gelt<) zu entrichten. (Malka = Königin)

 

 

1751

Dresden: Verwandte des Berend erhalten 1708 einen kurfürstlichen Schutzbrief zum Aufenthalt in Dresden. 1718 erwerben Berends Sohn und sein Schwager ein Haus in der Stadt, wo sie das Wechselgeschäft betreiben und Luxuswaren für den Hof verkaufen. 1751 erhalten die Juden in Dresden einen eigenen Friedhof. 1763 wohnen bereits 809 Juden in Dresden. Neun Jahre später dürfen Juden nur noch in der Altstadt wohnen, werden nur mit besonderer Erlaubnis geduldet und müssen monatliche Familienverzeichnisse einreichen. 1746 entsteht das kursächsische Judenmandat. Es schränkt die allgemeine Ansiedlung von Juden in Sachsen ein. In bestimmten Fällen wird sie aber durch das Erteilen von "Kammerpässen" gestattet.

 

 

1759

In Vorpommern siedeln sich allmählich wieder Juden an. Viele kommen aus Mecklenburg, weil sie sich in Pommern bessere Handelsgeschäfte erhofften. Nachdem 1757 in Stralsund die königlich-schwedische Münze eingerichtet worden war, benötigte man zur Edelmetallbeschaffung und für die damit verbundenen risikoträchtigen Geschäfte die Erfahrungen und Mittel jüdischer Agenten und holte daher 1759 die Brüder Abraham und Samuel Hertz aus Strelitz in die Stadt. Es folgten weitere Familien, so dass sich bald eine Gemeinde mit 37 Mitgliedern konstituieren konnte. Aus der Stralsunder Gemeinde sind später zwei Juden weit über die Stadt und die Region hinaus bekannt geworden: Abraham Wertheim und Leonhard Tietz, die Begründer der gleichnamigen Warenhaus,Großunternehmen. Da der Rat der Stadt "ihren" Juden für die Bestattung der verstorbenen Angehörigen einen Begräbnisplatz verweigerte, sahen sich die Stralsunder Juden gezwungen, bei Beerdigungen den weiten und mühseligen Weg nach Sülze im Mecklenburgischen zurückzulegen, wo sich am Schindanger ein jüdischer Friedhof befand. Als 1776 das Töchterchen des Münzagenten Hertz starb, erlaubte der Münzdirektor Giese, auf Zureden seiner Frau, der Familie Hertz das Kind in seinem Lustgarten auf Gut Niederhof unentgeltlich zu beerdigen. Im Laufe der Zeit folgten weitere Bestattungen. So wurden 74 Jahre lang bis 1850 Juden aus Stralsund, Greifswald und anderen vorpommerschen Städten hier zur letzten Ruhe gebettet.

 

In Stralsund wurde am 30.März 1787 eine Synagoge feierlich eingeweiht, der alle in Schwedisch-Pommern ansässigen Juden angehörten. Aber auch Pasewalk und Anklam entwickelten sich Ende des 18. und Anfang des 19.Jahrhunderts zu religiösen jüdischen Zentren. An kleineren Orten ließen sich ebenfalls vereinzelt Juden nieder: in Ribnitz-Damgarten, in Usedom und Wollin, mit Genehmigung der schwedischen Regierung in Greifswald, in Bergen und Binz auf Rügen, wo bald auch jüdische Erholungsheime entstanden, und später in Grabow, Plau, Malchow, Bützow (hier wurde 1885 der "Judenmissionsverein für Mecklenburg-Schwerin" gegründet, der Juden das Christentum nahe bringen sollte), ferner in Malchin, Penzlin, Güstrow, sowie in den berüchtigten Landstädtchen Sternberg und Krakow.

 

1767

Messestadt Leipzig: Dass Elcanus Hertz als erster Student des jüdischen Glaubens an der Leipziger Universität angenommen wird, zeigt, dass sich die Ideen der Aufklärung (unter anderem religiöse Toleranz) durchzusetzen beginnen. Um 1800 lebten ständig 40 bis 50 Juden in Leipzig

 

 

1775

22. Januar: Papst Pius VI verstärkt die bereits vorhandene anti-jüdische Gesetzgebung als Teil seiner Kampagne gegen den Liberalismus.

2. Hälfte des Jahrhunderts

Anfänge der Emanzipation mit Zentrum in Berlin und Moses Mendelsohn (1729-1786) als wichtigstem Vertreter. Seitdem wird Berlin das geistige und kulturelle Zentrum des deutschen Judentums. Allerdings: Wenn der berühmte Mann abends zusammen mit den Angehörigen seiner Familie in Berlin spazieren geht, werfen ihnen junge Burschen Steine nach und beschimpfen sie als Juden! (zwischen 1770 und 1780).  Moses Mendelsohn, der erste Jude, der Deutsch lernt, es in kürzester Zeit perfekt spricht und schreibt, der prominente jüdische Philosoph, der nicht nur als erster Jude die hebräische Bibel, das Alte Testament, in die deutsche Sprache übersetzt, sondern auch seinen jüdischen Landsleuten den Zugang zur Literatur, Wissenschaft und  Philosophie jener Zeit öffnet.

 

1776

werden in den USA,

1789 in Frankreich Verfassungen beschlossen, die eine Trennung von Staat und Religion durchsetzen und so zum ersten Mal Juden den Eintritt ins Bürgertum ermöglichen.

 

1778

Gründung der „jüdischen Freischule“ in Berlin durch David Friedländer und Isaak Daniel Itzig, die die Ideen der Aufklärung unter der jüdischen Bevölkerung verbreiten sollte

 

1779

Ephraim Lessing veröffentlicht „Nathan der Weise“

 

1780                                                                                                                    Ungarn:

Der Sohn Maria Theresias, Kaiser Joseph II., trägt während seiner Regentschaft, 1780-90, einen wesentlich Beitrag zur Entwicklung des ungarischen Judentums bei. Zwar bedient er sich weiter an den Steuern, die seine Mutter den Juden auferlegte, die er lediglich etwas senkte, doch bemüht er sich, wie er es sagte, aus ihnen >nützliche Bürger des Landes< zu machen. Was er damit meinte, sah folgendermaßen aus: Einmal die äußerliche Assimilation, d.h. Abschneiden der Bärte und der Pajeß, und ferner 1781 der Zwang zur Landessprache, vor allem in den jüdischen Religions- und Schulbüchern. Wer sich diese Zumutung gefallen ließ, sprich: sich assimilierte, dem stand sozusagen die Welt offen, der durfte Landgüter mieten und jedes Gewerbe ausüben.

 

1783

erlässt er die Verordnung >Systematica gentis judaicae regulatio<, die für Juden etwas die Tore der 'verbotenen' Städte öffnete und ferner noch das Recht zu studieren gewährte

 

1785

hebt er den Leibzoll auf und ändert die Bezeichnung >Toleranzsteuer< in >Kameralsteuer<.

 

Insofern war Joseph II. in der Tat tolerant, indem er den 'Bart- und Pajeßlosen' gestattete, in Preßburg, Altofen, Miskolc, Nakgyaroly, Vagujhely, Trencsen, Satoraljaujhely, Hagyvarad und Lovasbereny Schulen zu eröffnen und auch die öffentlichen Schulen zu besuchen.

Der erste Jude, der an der Ofener Universität die medizinische Doktorwürde erhielt, war Manes Joseph Österreicher.

                                                                                                                            

Die Landwirtschaft blieb für Juden hingegen wegen dem Widerstand der Gutsbesitzer verwehrt; wie auch das Gewerbe des Handwerks nur dort gestattet war, wo eine Mehrheit von Juden lebte, da für Juden die Türen zu den Zünften weiterhin verschlossen blieben.

Bald nach dem Tode Joseph II. bemühte man sich allerorts wieder, den Status und die Rechtsstellung der Juden herzustellen, wie er quo ante war. (Chaim Frank)

 

 

1781

21. Oktober: Joseph II. von Österreich hebt das Gesetz auf, das Juden zwang, ein Erkennungszeichen zu tragen. Dieses Gesetz war seit 1267, also mehr als 500 Jahre, gültig gewesen

 

1781

Christian Wilhelm von Dohm setzt sich in Preußen in seiner Denkschrift „Über die bürgerliche Verbesserung der Juden“ als erster Christ öffentlich für die Gleichberechtigung der jüdischen Mitbürger ein, Mirabeau übersetzt sein Buch ins Französische

 

Friedrich der Große, (Freimaurer) obwohl aufgeklärter König, hat für die Masse der Juden keine Erleichterungen erlassen; er bezeichnet sie wiederholt als „malkontent, Wuchergeschmeiß und als Miserable“ und wollte nicht als ein Judenfreund erscheinen; ebenso wenig sein Nachfolger Friedrich Wilhelm II.

 

1782

Das „Toleranzpatent“ Kaiser Josephs II. hebt zwar Bestimmungen Maria Theresias wieder auf. Ausdrücklich betont aber der Kaiser, „dass sein höchster Wille keineswegs dahin gehe, der in Wien wohnenden Judenschaft in Beziehung auf die äußere Duldung eine Erweiterung zu gewähren, sondern es bleibt in Zukunft dabei, dass ihr kein öffentlicher Gottesdienst und keine öffentliche Synagoge gestattet werde.“ Eine weitere Erleichterung besteht darin, „dass sie von nun an alle Gattungen von Handwerken und Gewerben...bei christlichen Meistern...erlernen...können.“ Er befiehlt, dass sie ihre Kinder in christliche Schulen schicken sollen.

 

1787

Kaiser Josef II. ordnet die  „Nutzbarmachung“  der Juden an. Das bedeutet, dass alle Juden einen bürgerlichen Namen (Familiennamen) annehmen müssen.

 

1791                                                                                                                    Ungarn

Unter Leopold II. (1790-1792) bemühen sich die Juden in ihrer Eingabe um Gleichberechtigung;                                                                                           1791 schien der Reichstag dem Ansuchen Gehör zu schenken, indem er ihnen das Wohnrecht garantierte, allerdings mit der Gegenforderung: die Heranziehung der Juden zum Militärdienst. Es entbrannte ein Streit                                                                                           zwischen den assimilierten und orthodoxen Juden, zwischen den Befürworter und Gegnern dieser Forderung. Der Streit dauerte nicht lange an, denn im Jahre 1807 wurde ungeachtet aller Argumente der Militärdienst staatlich verordnet.

 

1791

Juden bekommen in Frankreich offiziell das Bürgerrecht


1794

Russland: Einschränkung der Rechte der Juden. Die Männer müssen 25 Jahre Militärdienst leisten. Hunderttausende verlassen Russland

 

1794

Nach Beginn der jüdischen Reformbewegung mit Abraham Geiger, Samuel Holdheim und Israel Jakobson als wichtigsten Vertreter sowie der Neu-Orthodoxie mit Samson Raphael Hirsch und Esriel Hildesheimer: Zunahme der Mischehen und Konversionen zum Christentum im Zuge des Akkulturations-Prozesses

 

1799

18. März: Haifa wird von Napoleon erobert

 

1807

Bürgerliche Gleichstellung der Juden in den französisch besetzten Gebieten Rheinland und Westfalen.

 

1808

Napoleon schränkt die Rechte der Juden wieder ein

 

1812

11. März:  Emanzipationsedikt beseitigt Wohn- und Bildungsbeschränkungen

sowie wirtschaftliche Einschränkungen für die preußischen Juden - durch die Autorität Wilhelm von Humboldt und des Staatskanzlers Hardenberg

 

1814/15   Wiener Kongress

Restauration von diskriminierenden Judenverordnungen

 

1819

Ein Dokument der katholischen Kirche, das als Flugblatt unter der Bevölkerung verteilt wird, verfehlt seine Wirkung nicht. Es löst in mehr als 30 deutschen Städten - so in Hamburg, Frankfurt, Würzburg - eine blutige Verfolgungswelle aus:

 

„Brüder in Christo! Auf, auf, sammelt euch...   gegen die Feinde unseres Glaubens. Es ist Zeit, das Geschlecht der Christusmörder zu unterdrücken, damit sie nicht Herrscher werden über euch und unsere Nachkommen. Nieder mit ihnen, ehe sie unsere Priester kreuzigen und unsere Kirchen zerstören... Darum lasst uns jetzt ihr sich selbst gefälltes Urteil an ihnen vollstrecken, laut dem sie geschrien: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder! Auf, wer getauft ist, es ist die heiligste Sache. Fürchtet nichts und zögert keine Stunde, den Streit für den Glauben offen zu wagen. Diese Juden, die hier unter uns leben, die sich wie verzehrende Heuschrecken unter uns verbreiten, und die dem ganzen preußischen Christentum mit dem Umsturz drohen, sind Kinder derer, die da schrieen: Kreuzige ihn! Nun auf zur Rache! Unser Kampfgeschrei: Hepp! Hepp! Hepp! Aller Juden Tod und Verderben, ihr müßt fliehen oder sterben.“

 

1819

Bei den Würzburger Tumulten setzt sich Pfarrer Brendel für Juden ein, wird aber vertrieben.  Danach erfolgt das Juden-Massaker

 

1819

Anfänge der „Wissenschaft des Judentums“ mit der Gründung des „Vereins für Cultur und Wissenschaft der Juden“ in Berlin durch Eduard Gans und Leopold Zunz

 

1830

Algerien:  Wie andere muslimische Nationen hat Algerien eine lange antisemitische Tradition, in Gesetzen und im Volk. Die Kolonisation Algeriens durch Frankreich 1830 befreite allerdings die 2500 Jahre alte jüdische Gemeinde viel von der Erniedrigung und Verfolgung, der sie unter islamischer Herrschaft ausgesetzt gewesen war.  (ICEJ 11/99)  Forts. 1934


ab 1830

Auswanderungswelle der Juden in die USA

 

1833

stirbt im Oktober Lucie Domeier (Esther Gad). Sie führte mit Jean Paul einen regen Briefwechsel, der erst 1990 veröffentlicht wird. Um 1800 schrieb sie in Berlin den verloren gegangenen Roman „Die Geschwister“, lebte dann in England. 1803 waren ihre Reiseberichte „Briefe während meines Aufenthaltes in England und Portugal“ und mehrere Essays und Gedichte erschienen. Sie führte auch einen Briefwechsel mit Rahel Varnhagen und Henriette Herz. 1767 war sie in Breslau geboren worden.

 

1834

In Safed in Obergaliläa: Verheerendes Massaker gegen Juden

 

1837

Sachsen: Nach der bürgerlichen Revolution in Sachsen von 1830 gestattet die Regierung die Bildung je einer Religionsgemeinschaft in Leipzig und Dresden. Außerdem durften Juden Land erwerben, um Bet- und Schulhäuser zu errichten. Dies war ein wichtiger Schritt zur bürgerlichen Gleichstellung der Juden.

König Johann setzte sich 1837 auf dem Landtag mutig für die Emanzipation der Juden ein. Er sagte: "Mit aller Achtung für die öffentliche Meinung muss ich mich doch für die Juden verwenden. Ich glaube, wir sind es den Juden als Menschen, wir sind es ihnen als Mitbürger schuldig. Ich habe keine andere Sympathie für die Juden, als für alle meine Mitmenschen, und diese kann ich ihnen nicht weigern."

Im selben Jahr wird Julius Fürst als erster Jude in ein Lehramt der Universität Leipzig berufen. Er hat 1840-1851 die Zeitschrift "Orient" herausgegeben und gehörte über viele Jahre zu den leitenden Persönlichkeiten der Religionsgemeinde.

Die 1848 verkündete Einführungsverordnung zu den Grundrechten der Juden in Sachsen konnte wegen heftiger Widerstände erst 1869 voll verwirklicht werden.  Seit Ende der sechziger Jahre kommt es zu einer starken jüdischen Einwanderung nach Sachsen vor allem in den größeren Städten. Lebten 1834 ca. 136 Juden in Leipzig, so waren es 1867 schon 1148.

 

 

1838

umschließen die Mauern der Altstadt von Jerusalem ungefähr 16.000 Einwohner: 6000 Juden, 5000 moslemische Araber, 3000 christliche Araber, 100 Ausländer (christl. Missionare und Handelsleute sowie 800 türkische Soldaten)

 

1840

Höhepunkt der Auseinandersetzungen zwischen der jüdischen Reformbewegung und der Neu-Orthodoxie (1837, 1844, 1845, 1846  Rabbinerversammlungen in Wiesbaden, Braunschweig, Frankfurt/M.  und Breslau)

 

1847

Felix Mendelssohn Bartholdy, deutscher Komponist, geb. 1809, stirbt

 

1848

Die italienischen Juden verdanken ihre vollständige Gleichberechtigung der nationalen Freiheitsbewegung und besonders Piemont, das 1848 durch seinen König Karl Albert den Juden zuerst alle bürgerlichen Rechte gibt.

 

1849

Bürgerliche Gleichberechtigung der Juden durch die Frankfurter National-versammlung unter Mitwirkung  von Gabriel Riesser.  Sie wird jedoch nach dem Scheitern der 48er Revolution wieder aufgehoben

 

1853 - 1855   

Gobineaus „Essay über die Ungleichheit der Menschenrassen“; darin behauptet er, die „arische Rasse“ sei den anderen überlegen.

 

1854

Im oberschwäbischen Laupheim existiert im 19. Jht die größte jüdische Gemeinde des Königreichs Württemberg.1854 leben in Laupheim 796 Juden neben 2863 Katholiken und 53 Protestanten. Die Anfänge  der jüdischen Gemeinde reichen bis  ins frühe 18. Jht zurück, als Freiherr Carl Damian von Weiden 4 jüdischen Familien die Ansiedlung in seiner Reichsritterschaft erlaubte. Schloß Großlaupheim, das seiner Familie gehörte, wurde 1843 Eigentum der jüdischen Familien Steiner, deren Nachkommen es 1961 an die Stadt verkauften. 1998 wird dort eine Ausstellung eröffnet. (IN 18.9.98)

 

1854

Gründung des konservativen „Jüdisch-Theologischen Seminars“ in Breslau

mit Zacharias Fraenkel als erstem Leiter

 

1862

USA: General Grant befiehlt die Ausweisung aller Juden aus Tennessee

 

1869

3.Juli: Staatsbürgerliche Gleichberechtigung für Juden in Preußen und im Norddeutschen Bund

 

-  gründen Jerusalemer Juden Petach Tikva

 

1871

Erst am 16. April erfolgt die Übernahme des Gesetzes von 1869 im Deutschen Reich

 

- Gründung des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes“ als Organ zur  Koordination der Arbeit und Interessen der jüdischen Gemeinden

 

1872

Berlin: Eröffnung  der 1870 auf Initiative von Moritz Lazarus, Abraham Geiger und Ludwig Philippson gegründeten  „Hochschule für die Wissenschaft des Judentums“

 

1879/80

Berliner Antisemitismus-Streit - Beginn des modernen politischen Antisemitismus in der Berliner Bewegung

 

1880

Jacque Offenbach, französischer Komponist, stirbt am 5.10. im Alter von 61 Jahren 

 (Orpheus in der Unterwelt“ und „Pariser Leben“)

 

1881

Judenpogrome in Russland und Polen, Kiew, Odessa, Warschau. Etwa 160 Orte sind in Südrussland betroffen.

 

1881

kommt Elieser Ben Jehuda mit seiner jungen Frau Debora nach Eretz Israel und lässt sich in Jerusalem nieder.

Ehemals Elieser Perlman, wurde er am 7.1.1858 in Luschky (Litauen) geboren. Er wuchs in einem streng orthodoxen Haushalt auf und studierte an der Jeschiwah - dem Rabbiner-Seminar - mit großem Eifer und Wissbegierde. Während dieser Zeit lernte er Rabbi Blucker kennen, der ihm zum ersten Mal ein säkulares Buch (Robinson Crusoe) in hebräischer Sprache in die Hand gab. Von Rabbi Blucker beeinflusst verließ er die Jeschiwah und studierte fortan mit diesem. Seither war er mit der Idee, dass man die Heilige Sprache auch für weltliche Bücher nutzen kann, fasziniert. Dadurch sollte Elieser in späteren Jahren einen grundlegenden Einfluß auf die Geschichte des Volkes Israel gewinnen.

 

Bald darauf wandte er sich weltlichen Studien zu und studierte in einer staatlichen Hochschule bis 1877. Ab 1878 studierte er in Paris Medizin. Nachdem er die Unabhängigkeitskämpfe der Balkanvölker miterlebte, begann er, seine Vorstellungen über den Zusammenhang zwischen der Wiedergeburt des jüdischen Volkes in seinem Land und der Wiederbelebung der hebräischen Sprache auszuarbeiten. Diese legte er in einem Artikel mit der Überschrift „Sche´ela nechbada" - „Eine wichtige Frage" nieder, der im Jahre 1879 in der hebräischen Zeitschrift „HaSchachar" unter dem Namen Ben Jehudas veröffentlicht wurde. Diesen Namen behielt Elieser dann auch bei. Sofort nach seiner Ankunft in Jerusalem begann er in seinem Hause nur hebräisch zu sprechen, damit die Menschen sahen, dass er ernsthaft hinter seiner Idee steht, die hebräische Sprache wieder zu beleben. Hier begann er mit der Herausgabe einer hebräischen Wochenzeitung, „HaZwi" - „Der Hirsch" genannt. Als sein erster Sohn Ben-Zion geboren wurde, durfte niemand in der Nähe des Säuglings auch nur ein Wort in einer anderen Sprache als hebräisch verlauten lassen, was den Nachbarsfrauen, die der jungen Mutter zur Hilfe kamen, seltsam erschien, jedoch lernten sie dadurch schnell hebräisch.

 

Elieser Ben Jehuda stieß bei seinem Versuch, den alteingesessenen Bewohnern Jerusalems das Hebräische als Umgangssprache anzubieten, auf ständigen Widerstand seitens der Orthodoxen, die sein Vorgehen als eine Blasphemie der Heiligen Sprache ansahen und daher über ihn hin und wieder den Bann verhängten, was aber Ben Jehuda nicht im geringsten störte. Seine Freunde waren Eiferer für die Wiederbelebung der Sprache der Bibel. Die Jerusalemer Kinder waren die ersten, die seine Idee aufnahmen und freudig die neue alte Sprache lernten. Im Alter von 64 Jahren verstarb Ben Jehuda am 16. 12. 1922 und hinterließ sein Lebenswerk - das „Gesamtwörterbuch der alt- und neuhebräischen Sprache" dessen letzter Band (Nr.17) 37 Jahre nach seinem Tod herausgegeben wurde.

 

 

1881

ANTISEMITISMUS in UNGARN

Erst der Beginn des 15.Jahrhunderts brachte eine Reihe Verfolgungen von Juden mit sich, die in die 'üblichen' Anschuldigungen des Ritualmordes, Hostien-Schändungen und Brunnenvergiftungen ausarteten, was sich vereinzelt über die Jahrhunderte hinweg wiederholte. Trotz allem war es doch den Juden in Ungarn gestattet, friedvoll mit ihrer Umgebung zusammen zu leben.

 

1882 kommt es im Ort Tisza-Eszlar wiederum zu einer Blutbeschuldigung. Am 1.4.1882 wurde dort die Christin Esther Solymossi tot aufgefunden. Aufgrund einer lügnerischen Aussage des Knaben Moritz Scharf kommt es zu einer Ritualmord-Anklage gegen Juden, die aber am 3.8.1883 wegen erwiesener Unschuld mit einem Freispruch endet. Arnold ZWEIG schrieb bezüglich diese Vorkommnisse 1914 sein Stück 'Ritualmord in Ungarn' (später: 'Die Sendung Semaels'). (Chaim Frank)

 

1882

Russland: Es folgen weitere Pogrome. Daraufhin schreibt Leo Pinsker seine Abhandlung  „Autoemanzipation“, in der er sich für eine Heimat für die überall bedrohten Juden ausspricht. Es entstehen Vereine, die für eine jüdische Kolonisierung Palästinas eintreten.

 

1882

gründen  junge russische Juden eine Gesellschaft, die sich Bilu nennt. Sie legen von 1882 bis 1884  den Grundstock zu Rishon Le-Zion, Rosh Pina, Zichron Yaakov und Gedera

 

1882

Gründung der ersten antisemitischen Partei Europas in Ungarn

 

1884                                                                                                                   

Die Erfurter Synagoge wurde als erster Neubau eines jüdischen Gotteshauses 1952 in der DDR eingeweiht. Sie entstand auf dem Gelände einer Synagoge aus dem Jahr 1884, die in der Pogromnacht November 1938 von den Nazis in Brand gesteckt worden war.

 

1884

Laut „Palästina-Führer“ eines französischen Dominikaners waren 300.000 Juden im Land  und knapp 1 Million Araber. Die Stadt Jaffa = 15.000 Einwohner, Jerusalem 20.000.  200.000 davon würden ein Nomadenleben führen. Araber gebe es äußerst wenige. Wer die Araber studieren wolle, dem empfiehlt der Verfasser, etwa Syrien, Libanon, Transjordanien zu besuchen   (Martin Feuchtwanger)

 

1886                                                                                                                   

Martin Feuchtwanger wird in München geboren und wächst im Elternhaus am St. Anna Platz mit 8 Geschwistern auf: Lion, Ludwig, Fritz, Franziska, Bella, Henny, Berthold und Martha. Er wird Chefredakteur der Saalezeitung in Halle, kämpft im 1. Weltkrieg an der Westfront, gerät 1916 in franz. Gefangenschaft. Nach seiner Entlassung 1920 gründet er einen eigenen Verlag. Die Machtergreifung Hitlers zwingt ihn 1933 zur Flucht über die Schweiz nach Prag, wo er erneut einen florierenden Verlag gründet. Nach Hitlers Einmarsch in die Tschechoslowakei gelingt ihm die illegale Einwanderung nach Palästina. 1952 stirbt er in Tel Aviv (siehe Quellen-Nachweis)

 

1886

München: Am 09.06. wird in München Richard Friedenthal geboren – der Schriftsteller, Verleger und Gründer des Knaur-Verlages


1887

Arnold Zweig wird in Großglogau geboren. Er sagt später u.a. "Zionismus ist eine Krankheit, die nur in Israel geheilt werden kann."

 

1889      

Adolf Hitler (1889-1945)

Am 20.4.in Braunau am Inn geboren. 1919 Mitglied der DAP, die 1920 in NSDAP umbenannt wurde und unter Hitlers Führung rasch anwuchs. 
Hitler wurde nach Misslingen eines Regierungssturzes zu 5 Jahren Festungshaft in Landsberg verurteilt. Er verfasste während seiner Haft sein Werk "Mein Kampf". 
Bei der Reichspräsidentenwahl 1932 unterlag er gegen Hindenburg, der ihn als Führer der stärksten Partei am 30.1.33 zum Reichskanzler berief. 
Mit Hilfe eines Ermächtigungsgesetzes beseitigte Hitler in der Folgezeit die Demokratie und errichtete eine von der NSDAP getragene Diktatur. 
Der Angriff auf Polen führte 1939 zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs
Das am 20.7.1944 auf ihn verübte Attentat missglückte, wie etwa 40 andere zuvor. Als der Zusammenbruch seiner Herrschaft offenkundig war, beging er zusammen mit seiner Freundin Eva Braun am 30.4.1945 Selbstmord. In seinem Testament schrieb Hitler am 29.4.1945 die Worte:

"Vor allem verpflichte ich die Führung der Nation und die Gefolgschaft zur peinlichen Einhaltung der Rassengesetze und zum Widerstand gegen den Weltvergifter aller Völker, das internationale Judentum"

Hitler ist der Hauptverantwortliche für die Schreckensherrschaft in Deutschland und in den besetzten Gebieten, für die Unterdrückung allen Rechts, für die Verfolgung der Kirchen, die Vernichtung der Juden und für die Entfesslung des Zweiten Weltkriegs.  (shoanet)

 

1890

Gründung des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus“ („Abwehrverein“)


1890 – 1896

entstehen die Orte Rehovot, Metullah, Motza, Hadera


1891

Moskau am 27.3. (Pessach): Die Juden werden vertrieben. Großherzog Sergai, ein Bruder des Zars, befiehlt die Vertreibung aller Juden. Das jüdische Viertel wurde umzingelt und die Juden von der Polizei und von der Feuerwehr gejagt. 14.000 jüdische Familien wurden an Pfählen hingerichtet und nur die am Leben gelassen, die konvertieren wollten oder Frauen, die freiwillig Prostituierte werden wollten.

1895

Frankreich: Alfred Dreyfuss wird öffentlich degradiert und auf die Teufelsinseln verbannt

 

1896

Theodor Herzl veröffentlicht  „Der Judenstaat“, die grundlegende programmatische

Schrift des Zionismus.

 

- Gründung der „Nationaljüdischen Vereinigung“ in Köln durch Max Bodenheimer,

die 1897 in „Zionistische Vereinigung für Deutschland“ umbenannt wird.

1914 mit ca. 10.000, in den 20-er Jahren mit etwa 20.000 Mitgliedern

 

1897

Ägypten

Mehr als 25.000 Juden befinden sich hauptsächlich in Kairo und Alexandrien.

1937 erreicht die jüdische Bevölkerung  eine Spitze von 63.500.

 

1898

Frühjahr. Als Gustav Eiffel an der Spitze seines 300-Meter-Turmes in Paris die französische Nationalflagge hisste, war ihm die Aufmerksamkeit der internationalen Öffentlichkeit gewiss. Das damals höchste Bauwerk der Welt – eine funktionslose Ausstellungs-Architektur – machte ihn berühmt als einen der Wegbereiter der industriellen Revolution. Dabei hatte der am 15. Dez. 1832 in Dijon geborene Nachkomme deutscher Einwanderer schon vorher mit seinen Eisenkonstruktionen internationale Beachtung gefunden. Sein revolutionärster Ansatz beim Bau von Brücken und Bahnhofshallen bestand in der Auflösung der Träger in einzelne kleine Elemente aus handelsüblichen Winkel- und Flacheisen, die fachwerkartig zusammengenietet wurden. Er starb am 28. Dez. 1923 im Alter von 91 Jahren.

 

1898

Deportation von Juden aus dem Departement Kiew.

Vor 1900 gibt es rund 1 Million Auswanderer

 

Leo Tolstoi (1828-1910) kommt zu der Feststellung:

„Der Jude ist das Sinnbild der Ewigkeit. Jahrelanges Morden und Foltern konnten ihn nicht zerstören. Weder Feuer noch Schwert, noch die Inquisition konnten ihn vom Angesicht der Erde vertreiben. Er war der erste, der die Ansprüche Gottes kundtat. Schon so lange ist er der Wächter des prophetischen Wortes und teilt es der übrigen Welt mit. Solch eine Nation kann nicht zerstört werden. Der Jude ist so unvergänglich wie die Ewigkeit selbst.“

 

1898

entdecken Marie und Pierre Curie das Radium, das durch stärkste Strahlung gekennzeichnete Element. Das Phänomen der Radioaktivität  fand die Aufmerksamkeit von Forschern der ganzen Welt. Die gebürtige Polin erhielt vier Jahre später im Alter von 37 Jahren als erste Frau zusammen mit Pierre Curie und dessen Landsmann Antoine Henri Becquerel den Nobelpreis für Physik. 1911 erhielt Marie Curie, die fünf Jahre vorher ihren Mann durch einen Unfall verloren und seine Nachfolge an der Universität Sorbonne angetreten hatte, auch den Nobelpreis für Chemie. Noch im Alter von 65 Jahren arbeitete die legendär gewordene Forscherin zwölf oder mehr Stunden am Tag. Sie stirbt am 4. Juli 1934

 

 

Zu Beginn des 20.Jahrhunderts

lebten die jüdischen Gemeinden im heutigen Sachsen-Anhalt in relativ gesicherten, wenn auch bescheidenen Verhältnissen. Der beginnende Eintritt ins deutsche Kulturleben war auch in Sachsen-Anhalt mit einem teilweisen Verlust traditioneller Werte verbunden. Aber selbst in dieser Zeit kam es immer wieder zu judenfeindlichen Übergriffen, vor allem nach dem Regierungsantritt Kaiser Wilhelms II. im Jahre 1890. In Halle existierte ein "Deutschsozialer antisemitischer Verein für Halle und Saalkreis", der sich lautstark und aggressiv bemerkbar machte. Um den Unsinn wirksam zu bekämpfen, den dieser Verein verbreitete, entstand in Halle ein "Verein zur Abwehr des Antisemitismus".

 

Ein besonders schlimmer Antisemit kam aus Halberstadt: der kaiserliche Hofprediger Adolf Stoecker, der in Berlin eine antisemitische Vereinigung ins Leben rief. Dabei hätte er allen Grund gehabt, dankbar zu sein, meint der Autor W. Hartmann, "denn Joseph Hirsch hatte für seine Ausbildung (1847-1854) im Domgymnasium gesorgt." Als um 1890 einer von Stoeckers Propagandisten, Professor Bernhard Förster, in Halberstadt öffentlich auftrat, kam es zu einem Eklat. Halberstädter Arbeiter trugen den Redner einfach aus dem Saal und beendeten so kurzerhand seine provokatorische Rede. Leider trat die hier offen geübte Solidarität mit den diffamierten Juden nur sporadisch und sehr selten auf.

 

Selbst in der Zeit der Weimarer Republik blieb der Antisemitismus im heutigen Sachsen-Anhalt weiterhin virulent. Der Theaterintendant Leopold Sachse, der das Stadttheater in Halle seit 1915 leitete und weithin beachtete Inszenierungen herausbrachte, wurde wegen seiner jüdischen Herkunft immer wieder verunglimpft, so dass er schließlich Anfang der zwanziger Jahre an die Hamburger Staatsoper ging.

 

Antijüdische Boykottbewegungen waren in Halle schon vor der nationalsozialistischen Machtübernahme zu beobachten. In Magdeburg entwickelte sich in den zwanziger Jahren ein Justizskandal um den Juden Rudolf Haas, der des Mordes beschuldigt wurde. Haas wurde zwar freigesprochen. Gleichwohl hat dieser Vorfall viele Juden sehr beunruhigt. Nach dem Machtantritt Hitlers nahm auch in der sächsisch-anhaltinischen Region die antisemitische Hetze weiter zu. In Dessau schleiften die dortigen Nazis das Mendelssohn-Denkmal und tilgten am Wilhelm-Standbild die rückseitige, goldene Inschrift, die auf den jüdischen Stifter hinwies. Im November 1938 wurde in Dessau das jüdische Gotteshaus, das mit dem Geld der Familie Cohn 1908 erbaut worden war, zerstört, ebenso die Synagogen in Halle und in vielen anderen Orten dieser Region. Zudem wurde in Dessau die einst repräsentative Friedhofshalle, gekrönt mit einem Davidstern, ein Raub der Flammen. Ganz ungeniert druckte am 9.November 1938 die Zeitung "Der Mitteldeutsche": "Wir leuchten in Judennester. In Dessau leben noch 204 Juden. Hier sind ihre Namen... Haltet die Augen offen. Nun ist es genug... Unsere Geduld ist hier zu Ende! Wir werden ihnen die Quittung geben."

 

In Halle konnten knapp 600 jüdische Bürger bis 1939 auswandern, die meisten nach Shanghai. Viele begingen Selbstmord, die übrigen wurden in Konzentrationslager verschleppt. Am Tag des Einmarsches der Alliierten in Halle gab es noch 49 Juden in der Stadt, die allein wegen ihrer nichtjüdischen Ehepartner überlebt hatten. Von den 2.300 Juden, die vor der Machtübernahme in Magdeburg wohnten, überstanden nur 119 die Deportationen und Vernichtungslager. Ähnlich traurig verliefen die Schicksale vieler Juden in den übrigen sächsisch-anhaltinischen Städten.

 

1902

Stralsund: Leonhard Tietz (1849 - 1914)

eröffnete am 14. August 1879 ein Geschäft für Kurz-, Weiß- und Wollwaren in der Ossenreyerstraße 21. Eine Vergrößerung des Geschäftes wurde bald nötig. Nach einem nochmaligen Umbau war eine erneute Vergrößerung notwendig. Daraufhin konnte Tietz ein Grundstück in der Ossenreyerstraße 19 erwerben und ließ darauf ein modernes Kaufhaus errichten, dessen Pforten 1902 geöffnet wurden. Inzwischen hatte Leonhard Tietz bereits Filialen, u. a. in Köln, Bonn, Brüssel und Lüttich. 1937 wurde Leonhard Tietz von den Nazis enteignet und sein Geschäft in die Westdeutsche Kaufhof AG überführt. Sein Bruder Hermann Tietz war Begründer des Kaufhauskonzerns Hertie.

 

1903

Kishinev: Pogrom an 49 Juden löst Protest-Demonstration in London, Paris und New York aus. Theodore Roosevelt schreibt einen Brief an den Zaren. 1918 wird die Region ein Teil Rumäniens. Massenauswanderung der Juden in die USA

 

1904

25.01.Privataudienz von Theodor Herzl bei Papst Pius X. (1903-14). Auf die Vision eines zukünftigen Judenstaates in Palästina antwortet dieser: „Wir können diese Bewegung nicht unterstützen. Wir werden die Juden nicht daran hindern können, nach Jerusalem zu gehen - unterstützen können wir das jedoch nie. Wenn der Boden Jerusalems nicht schon immer heilig war, so ist er durch das Leben Jesu Christi geheiligt... Als Haupt der Kirche kann ich nichts anderes sagen: Die Juden haben unseren Herrn nicht anerkannt, daher können wir das jüdische Volk nicht anerkennen. Ich weiß, es ist nicht angenehm, dass die Türken unsere heiligen Stätten besitzen. Das müssen wir eben ertragen. Aber die Juden in der Erlangung der heiligen Stätten begünstigen, das können wir nicht. .Und sollten sie doch nach Palästina kommen und sich dort ansiedeln, dann werden wir Kirchen und Priester bereithalten, um sie alle zu taufen.“

 

1904

Gründung des „Jüdischen Frauenbundes in Deutschland“ durch Bertha Pappenheim und Sidonie Werne

 

1904

Slavata/Russland:  Moshe Feldenkrais wird geboren – der Begründer der nach ihm benannten Bewegungstherapie


1904  - 1911

ist David Wolffsohn Präsident der Zionistischen Organisation

 

1905

Schönebeck/Elbe hat 17.786 Einwohner, davon 662 Katholiken und 84 Juden.

 

1906

Gründung des United Jewish Committee


13.3. Prag:

Ruth Klinger wird geboren. Sie gründet Anfang der 30er Jahre gemeinsam mit Maxim Sakaschansky das literarische Kabarett „Kaftan“, arbeitet in Palästina als Privatsekretärin für Arnold Zweig, ist mit Max Brod befreundet und ab 1948 im israelischen diplomatischen Dienst tätig. 1992 erscheinen ihre Erinnerungen „Die Frau im Kaftan – Lebensbericht einer Schauspielerin“. Sie stirbt 1989 in Zürich.

 

 

Aachen: Am 26. November 1906 wird am Aachener Markt feierlich das "Warenhaus L. Tietz" eröffnet. Der im Neu-Renaissancestil (mit Jugendstilelementen) errichtete Großbau war neben dem Rathaus ein zweiter Blickfang auf dem Markt. Das prächtige Gebäude war über Generationen ein Lieblingseinkaufsplatz der Bevölkerung aus Stadt und Land. Bauherr war der Kaufmann Leonhard Tietz (Architekt der Aachener Albert Schneiders). Tietz hatte im März 1892 in der Großkölnstraße ein Kurz-, Weiß- und Wollwarengeschäft eröffnet und sein Geschäft im Laufe der Jahre durch neue Ideen, Umbauten und Vergrößerungen immer weiter ausgedehnt. "Der Tietz": Aachens schönstes Kaufhaus wurde 1965 abgerissen

Kinder fragten: "Sieht es so auch im Himmel aus?"

 

 

1909

die 1. Kwuzah = landwirtschaftliche Siedlung, wird in Degania angelegt


1909

Juden aus Jaffa gründen die 1. rein jüdische Stadt  = Tel Aviv, d.h. Frühlingshügel

1916

erfolgt eine Anordnung zur Judenzählung im deutschen Heer. Es soll nachgewiesen werden, dass Juden sich vor dem Kriegseinsatz drückten. Da der Anteil der gefallenen Juden ihrem Anteil in der Bevölkerung aber entspricht, wird das Ergebnis nie veröffentlicht.

 

1917

Am 3. Februar erobern Truppen der britischen Armee Bagdad. Nachdem die dort lebenden Juden unter der türkischen Herrschaft starker Repressalien ausgesetzt waren, feierten sie den Tag ihrer Befreiung als Feiertag (Yom Ness). 1929 wurde der Irak gegründet. 1951 endet die Operation „Esra und Nehemia“, in deren Verlauf 115.000 irakische Juden über eine Luftbrücke den Staat Israel erreichen.

 

1917

27. Februar: Die russische Revolution bricht in Petrograd aus. Bis März wird eine provisorische Regierung unter Alexander Kerensky aufgestellt. Die Unruhen breiten sich vor allem im Süden und Westen des Landes aus - häufig zu Lasten der Juden in diesen Gebieten. Es wird geschätzt, dass mehr als 2.000 Pogrome zum Tod von 100.000 bis 200.000 Juden innerhalb der folgenden 3 Jahre führten, insbesondere in der Ukraine.

 

1917

Augsburg: Am 4.4.1917 wird die wohl bedeutendste Jugendstil-Synagoge Europas eingeweiht, deren Grundstein im April 1914 gelegt worden war. In der Nacht vom 9. auf 10. Nov. 1938 wird sie von Nationalsozialisten angezündet, die Inneneinrichtung und viele Kultgegenstände verbrennen. Erst in den 60er und 70er Jahren beginnt man mit dem Wiederaufbau und der Restaurierung. Am 1.9.1985 wird die Synagoge wieder eingeweiht und gleichzeitig das Jüdische Kulturmuseum eröffnet. (aus Kalender)


1917

2.11. In der Balfour-Deklaration sichert Großbritannien den Juden eine "nationale Heimstätte" zu   Chaim Weizman

 

1917

Gründung der "Zentralwohlfahrtstelle der deutschen Juden"


1917

Saloniki: Das Juden-Viertel wird niedergebrannt

 

- Jaffa und Tel-Aviv: Türken vertreiben alle Juden

 

- Jerusalem: Der englische General Allenby zieht bei seinem Sieg über die Türken dort ein

 

- am 9. November wird die Republik in Deutschland ausgerufen

 

 - Adolf Hitler äußert sich: Die Öffentlichkeit ist noch kaum antisemitisch

 

1918                                                                                                                   

Jerusalem: Dr. Chaim Waizmann legt den Grundstein der Hebräischen Universität

 

1918

3. Januar: Simon Petlyura, "Oberhaupt" der Russen und Ukrainischer Nationalist, Kommandeur der Zaporog Kosaken beginnt seine Attacken gegen die Juden. Er verklagt die Juden wegen angeblicher Unterstützung des kommunistischen Regimes.  In Berdichev, Uma, Zhitomir und anderen Städten werden über 7.000 Juden getötet. Viele weitere werden verletzt. (Eli Birnbaum)

 

1918

November im polnischen Lvov: Auch hier kommt es zu Gewalttätigkeiten gegen Juden mit 500 Opfern

 

1919

9. Januar:  In Ungarn wird Bela Kuhn, ein kommunistischer Diktator, mit der Hilfe von Rumänien und Admiral Nicolas Horthy abgesetzt. Weil Kuhn Jude war, wurden alle Juden beschuldigt, Kommunisten zu sein. Im darauf folgenden “weißen Terror” werden schätzungsweise 5.000 Juden ermordet.

 

Februar

Proskurow/SU: Pogrom gegen Juden, 1.700 werden umgebracht


Budapest: Auch hier kommt es zu Ausschreitungen mit 300 Todesopfern


Kalisz: Pogrom gegen Juden, aber keine Toten...


April

Vilna: Im Pogrom kommen 80 Juden um


Ukraine: Nationalarmee verursacht ein Pogrom gegen Juden, wobei Tausende getötet werden. Viele wandern in die USA aus.

Zwischen 1918 und 1920 sind es 85.000 Opfer.

                                                                                                                            

Hitler schreibt sein erstes politisches Schriftstück: Das letzte Ziel des Antisemitismus müsse‚ unverrückbar die Entfernung der Juden überhaupt sein...“ – Prof. Dr. Eberhard Jäckel 1995: „Der Mord an den europäischen Juden war das Kernstück des Nationalsozialismus. Er war das zentrale Motiv Hitlers... es gibt keine vergleichbaren Äußerungen von ihm über die Zigeuner...

 

9. November

Der deutsche Kaiser tritt zurück – die Republik wird gegründet


ab 1919 

Größere Auswanderungswelle nach Palästina, 

bis 1933 jedoch höchstens 2.000  deutsche Juden

 

1920

wird Großbritannien das Mandat über Palästina übertragen, das am 24.07.1922 vom Völkerbundrat gebilligt wird und am 24.09.1923 in Kraft tritt.

01.07. die britische Militärverwaltung wird in eine Zivilverwaltung  unter einem High Commissioner umgewandelt

 

Gründung des „Freien Jüdischen Lehrhauses“ in Frankfurt unter Leitung des Religionsphilosophen Franz Rosenzweig

 

Gründung des jüdischen Gewerkschaftsbundes Histadrut und der jüdischen Selbstverteidigungsorganisation Haganah, Einrichtung des Nationalrats (Va'ad Leumi) zur Selbstverwaltung der jüdischen Gemeinschaft (Yishuv)

 

 

Ein Evangelischer Pfarrer ruft zum Boykott auf: Kauft nicht beim Juden!

 

Ein evangelisches Sonntagsblatt fordert: Berufsverbot für Juden in der Presse!

 

1921                                                                                                                    

Gründung des ersten Moschaw, Nahalal

 

 

1922        

Walther Rathenau, Philosoph und Staatsmann der Weimarer Republik wird von Rechtsradikalen in Berlin ermordet. Er wurde am 29.09.1867 in Berlin geboren.

Zitat von Einstein über ihn: „Wenn man Rathenau den Posten des Papstes angeboten hätte, hätte er die Wahl angenommen. Technisch hätte er es wahrscheinlich gar nicht schlecht gemacht.“

 

Der Völkerbund überträgt den Briten das Mandat für Palästina (Land Israel); auf drei Vierteln des Mandatsgebiets wird Transjordanien errichtet, so dass für die nationale jüdische Heimstätte nur noch ein Viertel des Gebiets verbleibt;

Gründung der Jewish Agency als Vertretung der jüdischen Gemeinschaft gegenüber den Mandatsbehörden.

 

Im Jahre 1922 trennen die Briten 77% von Palästina ab, nannten es Transjordanien und geben es einem kriegerischen Emir, wodurch eine autonome Region für palästinensische Araber geschaffen wurde (Namensänderung 1950: Jordanien). Juden wurde nicht gestattet, in diesem Gebiet ansässig zu sein. Aus Nachgiebigkeit zu den Arabern unterwarfen die Briten die jüdische Einwanderung in den verbliebenen 23% Palästinas äußersten Restriktionen. Als während des zweiten Weltkrieges Millionen Juden der Verfolgung durch die Nazis zu entfliehen versuchten, verschloss Großbritannien den jüdischen Flüchtlingen die Tür nach Palästina.

 

bis 1922 Dritte Aliyahwelle aus Rußland ab 1918                                        

 

Der britische Archäologe Howard Carter entdeckt das Grab des ägyptischen Pharaos Tutanchamun im Tal der Könige bei Luxor

 

1923

Jüdische Häuser werden attackiert

 

24.09.

Das Großbritannien vom Völkerbundrat übertragene Mandat über Palästina tritt in Kraft

 

09.11.

versucht Hitler mit führenden Mitgliedern der NSDAP einen Putsch in München, die sog. „Deutsche Revolution“

 

1924

Eröffnung des Technions in Haifa, des ersten israelischen Instituts für Technologie

 

1925       

Eröffnung der Hebräischen Universität in Jerusalem auf dem Skopus-Berg

 

18.07. Hitler publiziert sein Buch "Mein Kampf", das er in der Festung Landsberg schrieb

 

1925-26    Aliyahwelle aus Polen

 

1926

 

Joseph Goebbels (1887-1945)

1926 Gauleiter der NSDAP von Berlin-Brandenburg.

Ab März 1933 Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda und Präsident der Reichskulturkammer. In dieser Position bestimmte Goebbels durch die Gleichschaltung der Medien die rigorose Indoktrinierung des Dritten Reichs.

Ab 1944 "Generalbevollmächtigter für den totalen Kriegseinsatz".
Von Hitler testamentarisch zu seinem Nachfolger als Reichskanzler bestimmt. Am 1.5.1945 Selbstmord mit Familie. 

Biographie:

Joseph Goebbels wurde 1897 in Rheydt geboren. Er studierte Germanistik und Philosophie. 1924 wurde er Redakteur bei einer völkisch- nationalen Zeitung. 1925 trat er der NSDAP bei und wurde 1926 zum Gauleiter von Berlin. Ab 1927 gab Goebbels in Berlin das nationalsozialistische Propagandablatt "Der Angriff" heraus. 1928 wurde er in den Reichstag gewählt, und übernahm 1929 die Funktion des Reichspropagandachefs der NSDAP und bereitete somit die Machtergreifung der NSDAP im Jahre 1933 mit vor. Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda wurde ihm am 13. März übertragen. Im September übernahm er zusätzlich die Leitung der Reichskulturkammer. In den Jahren von 1940 bis 1945 beschwor er in der Wochenzeitschrift "Das Reich" den End-Sieg und den Einsatz von sogenannten "Wunderwaffen". Auch gelang es ihm den Putschversuch vom 20. Juli auf Hitler im Sinne seiner nationalsozialistische Propaganda zu nutzen. Ab August 1944 war Goebbels Generalbevollmächtigter für den totalen Kriegseinsatz und versuchte die Illusion des End-Sieges aufrecht zu erhalten. Am 29. April 1945 ernannte Hitler ihn als seinen Nachfolger als Reichskanzler. Am 1. Mai begeht er Selbstmord und lässt seine Frau und seinen sechs Kindern von einem anwesenden Arzt vergiften (einige Stunden nach Hitlers Selbstmord).  (shoanet)

 

Der spätere evangelische Landesbischof Meiser erstellt ein Gutachten:

Gegen die „Verjudung unseres Volkes“

 

Eine evangelische Zeitung möchte eine gesellschaftliche Sitte: Deutsche „Arier“ sollen nicht bei Juden kaufen

 

1927                                                                                                                        

Am 10.12. erscheint Hitlers "Mein Kampf" in der 2. Auflage

 

Parteitag der NSDAP in Nürnberg: Adolf Hitler äußert sich so:

Protestanten und Katholiken sollen gemeinsam gegen den Juden kämpfen, den "Todfeind" des Christentums

 

Osnabrück und Krefeld: Die Synagogen werden zu Ruinen...

 

Chamberlain, Houston Stewart  stirbt (1855-1927)

Rassenideologe und wichtiger Vertreter des modernen Antisemitismus. Chamberlain nahm die deutsche Staatsangehörigkeit an und lebte danach in Bayreuth. Die Nationalsozialisten beriefen sich auf Chamberlain wegen seiner optimistischen historischen Perspektiven von Deutschlands Mission zur Befreiung der Menschheit von der jüdischen Rasse. Auch Alfred Rosenbergs Schriften gründeten sich weitgehend auf seine Gedanken. Chamberlain sah in Adolf Hitler den Mann, der seine Theorien in die Praxis umsetzen würde.  (shoanet)

 

1928

New York: Ku-Klux-Klan-Anhänger bezichtigen die Juden des

Kinder-Ritualmordes, worauf die Polizei Hausdurchsuchungen durchführt

 

Göring, Hermann (1893 in Rosenheim – 1946 Nürnberg)

Zitat:   "Ich habe kein Gewissen, mein Gewissen heißt Adolf Hitler"

Seit 1922 Mitglied der NSDAP und bis 1928 Führer der SA. Seit 1932 Präsident des Reichstags, seit 1935 Oberbefehlshaber der Luftwaffe. Wird 1940 zum Reichsmarschall ernannt und ordnete die rücksichtslose Ausbeutung fremder Arbeitskräfte für die deutsche Rüstungsindustrie an und erteilte Heydrich die entscheidenden Befehle zur Judenvernichtung. Am 23.4.1945 von Hitler aller Ämter enthoben, da er als dessen Vertreter handeln wollte. In Nürnberg zum Tode verurteilt, beging kurz vor der Hinrichtung Selbstmord.  shoahnet)

 

1929

Der Staat Irak wird gegründet      

 

Hebron: Arabisches Massaker gegen Juden                                              

Einige übersetzte Auszüge aus "The Book of Hebron" von Oded Avisar:

 

Donnerstag, 16. Av 5689:

Mitglieder der "Hagana" trafen von Jerusalem aus in Hebron ein. Sie ersuchten darum, einige Waffen in der Bank deponieren zu dürfen, damit diese nicht von der britischen Polizei beschlagnahmt werden könnten. Die Juden Hebrons verweigerten die Waffen, weil sie der Meinung waren, dass sie nichts zu befürchten hätten. Die Araber Hebrons seien ihre Freunde. Sie bräuchten keine Waffen.

 

Freitag, 17. Av 5689:

Gegen 14.30 Uhr wurde ein junger Araber auf einem Motorrad aus Richtung Jerusalem kommend beobachtet. Er verkündete den Arabern Hebron´s, dass das Blut von tausenden Jerusalemer Arabern vergossen werde. Er rief die Moslems von Hebron zur Rache auf. Die Araber Hebrons waren spürbar erregt, insbesondere als Dutzende von Automobilen aus Jerusalem in Hebron eintrafen und über Unruhen aus Jerusalem berichteten. Die Araber riefen von den Dächern ihrer Fahrzeuge aus nach Rache.

 

Rückblick: Im Jahre 1923 bereits ernannten die Briten Amin el-Husseini  - Scheich Feisal´s Großvater - zum Großmufti von Jerusalem, der einige Jahre danach zusammen mit Hitler in Berlin die "endgültige Lösung des Judenproblems in Palästina" plante, nachdem Rommels Truppen in das Gebiet einmarschiert waren. Husseini hetzte schon seit Jahren, doch nun streute er Gerüchte, dass die Juden den Tempelberg in Jerusalem zurückerobern wollten.

 

Eine Masse rasender arabischer Gewalttäter setzte sich in Richtung der Hebroner Jeshiva in Bewegung. Es war schon spät und der Shabbat sollte bald beginnen. Aus diesem Grunde war die Halle des Lerngebäudes bis auf zwei Menschen leer: Der Wärter und ein Student, der den Spitznamen "Matmid" (ewiger Student) trug und Shmuel Rosenhaltz hieß. Er war bereits in seinem Shabbat-Anzug und studierte seine tägliche Lektion als die Mörder mit einem Gesichtsausdruck des Wahnsinns und dem Blick tollwütiger Tiere, mit Messern und Dolchen bewaffnet, den Eingang der Jeshiva erreichten. Der jemenitische Wärter der Jeshiva konnte sich durch den Sprung in eine Wassergrube verstecken. Shmuel Rosenhaltz, vertieft und sich konzentrierend in seine Gemara-Studien war völlig unvorbereitet auf  die bevorstehende Gefahr. Plötzlich flogen hunderte von Steinen in das Lehrhaus. Shmuel Rosenhaltz wurde von einem großen Stein am Kopf getroffen und das Blut der Wunde ergoss sich über die Seiten des Talmud-Textes. Unter Schock stehend rannte er in Richtung Ausgang. Nach wenigen Augenblicken wurde er von einer Menge Arabern erstochen, fiel auf den Boden der Jeshiva und lag in seinem Blut. Das erste Opfer des arabischen Mobs. Ein englischer Offizier erklärte anschließend: "Alle Juden sollten während des Shabbat in ihren Häusern bleiben und sich draußen nicht zeigen lassen. Ich bin für ihre Leben verantwortlich".

 

Hunderte von Arabern umzingelten das Haus von Eliezer Dan Slonim. Er war der Urenkel von Menucha Rachel (Shneerson) Slonim, der Enkelin des "Admor HaZaken - Ba'al HaTania". Die rasende Menge umlagerte das Haus, die Luft wurde durch Schreie und unbeschreibliche Gewalttaten erfüllt. Über 70 Menschen suchten hier Zuflucht, darunter Studenten der Jeshiva und Familienangehörige, die alle glaubten, dass dies momentan der sicherste Ort in Hebron sei. Eliezer Dan Slonim war bei den Arabern hoch geachtet. Er war der Direktor der lokalen English-Palestine-Bank, die viele arabische Kunden hatte, und das einzigste jüdische Mitglied des Stadtrates. Er hatte viele Freunde unter den älteren Arabern und sie hatten ihm versprochen, ihn zu schützen. In der Hoffnung Zuflucht und Sicherheit zu finden versammelten sich viele Familien in seinem Haus. Voller Angst vor dem arabischen Mob standen die Männer in ihren Gebetsschal eingehüllt und beteten ehrfurchtsvoll Shacharit, das Shabbat-Morgengebet. Einige beobachteten das Massaker am Borland-Haus. Plötzlich explodierte das Haus mit dem Klang berstenden Glasses. Jeshiva-Studenten rückten Möbel vor die Eingangstür.

 

Für mehr als 15 Minuten war das Geräusch von Metallrohren und Äxten zu hören, die gegen die Tür schlugen, während die schrecklichen Schreie der Menschen drinnen den heiligen Tag durchdrangen. Plötzlich war eine Öffnung in der Tür und Schüsse donnerten. Vilanski wurde ins Gesicht getroffen und sehr schwer verletzt. Eine Kugel traf den Jeshiva-Studenten Jisrael Mordechai Kaplan und tötete ihn auf der Stelle. Heulende Stimmen riefen das "Shema Jisrael". Die Meuchelmörder brachen durch das Dach und die Eingangstür in das Haus ein. Eliezer Dan Slonim schoß aus seiner Pistole, doch eine Eisenstange spaltete seinen Kopf und seine Waffe fiel ihm aus der Hand. Todesschreie erfüllten sein Haus.

 

Die britische Polizei tat den ganzen Tag über gar nichts. Die meisten Polizisten waren unbewaffnet. Gegen Abend, als zwei Araber einen englischen Polizisten auf seinem Pferd antrafen, der sich bedroht fühlte, feuerte dieser einige Schüsse in die Luft. Alleine durch diese Schüsse sah sich der arabische Mob dazu veranlasst, sich zu zerstreuen und die Gewalttaten kamen zum Erliegen. 67 Juden wurden ermordet, hunderte verwundet. Die Überlebenden wurden in den Kellern der Polizeistation von Beit Romano eingepfercht und über drei Tage dort belassen. Währenddessen nutzten die Araber die Zeit ungestört, um jüdische Häuser zu demolieren und jüdisches Eigentum zu stehlen und zu zerstören. Gerade einem "Minjan" von zehn jüdischen Männern wurde es gestattet am Begräbnis der ermordeten Juden teilzunehmen. Die Zeremonie fand des nachts (sic!) auf dem antiken jüdischen Friedhof zu Hebron statt. Nach diesen drei Tagen wurden die Juden auf Lastwagen geladen und nach Jerusalem gebracht - verbannt von ihren Häusern und ihrer Stadt der Patriarchen. Zum ersten Mal seit tausenden von Jahren hatte Hebron keine jüdischen Bewohner mehr“

Buchtipp: "The Martyrs of Hebron" - Personal Reminiscenses of some of the men and women who offered their lives during the massacre of August 24th 1929, at Hebron, and of some who were spared (veröffentlicht 1930)

Von Rabbi Leo Gottesman Z"L (studierte 1929 an der Jeshiva von Hebron)

 

1929

9.11. Budapest: Der Schriftsteller Imre Kertéss wird geboren. Er überlebt als Jugendlicher Auschwitz und äußert sich später darüber: "Ganz gleich, woran ich denke, immer denke ich an Auschwitz. Auch wenn ich scheinbar von etwas ganz anderem spreche, spreche ich von Auschwitz. Ich bin ein Medium des Geistes von Auschwitz, Auschwitz spricht aus mir. Im Vergleich dazu erscheint mir alles andere als Schwachsinn."

Seine autobiographischen Romane "Kaddisch für ein nicht geborenes Kind" und "Galeerentagebuch" werden im Rowohl Verlag erscheinen


1929/30

Beitrag im evangelischen Pfarrerblatt: Ist der Ruf „Juda verrecke!“ mit dem christlichen Gebot der Nächstenliebe vereinbar?

Immer mehr evangelische Pfarrer sind begeisterte Nazis

 

Die größte lutherische Kirchenzeitung schreibt:

Die Juden sind die „Verderber Deutschlands“, die Bibel ist ein „Anti-Judenbuch“

 

 

1930

Bukowina: Hier leben 144.197 Juden, davon 42.932 in Czernowitz           

1941 werden deportiert und auf Todesmärsche geschickt:

U .a. aus Czernowitz 30.000, aus Dorohoi 5.384...



1931

Etwa 200.000 Mitglieder umfasst die Jüdische Gemeinde Berlin und war zu dieser Zeit die größte jüdische Gemeinde Europas. 1931 erscheint zum letzten Mal ein 450 Seiten dickes "Jüdisches Adressbuch für Groß- Berlin“, das 1995 noch einmal als Reprint herauskommt. Von Leo Baeck über Lion Feuchtwanger, bis hin zu Billy Wilder sind alle in Berlin lebenden Juden - prominent oder nicht prominent - darin   verzeichnet. 1995  leben in Berlin wieder 12.000 Juden. (Kalender 1995/96)

 

Gründung der jüdischen Untergrundorganisation Etzel


12.09.

Berlin: Am Abend des Jüdischen Neujahrfestes attackieren Nazis Juden auf dem Heimweg von der Synagoge

 

Arthur Schnitzler, der österreichische Schriftsteller, stirbt in Wien

 

1932

November: Grossindustrielle und Militärs treten aus Angst vor einem Sieg der Arbeiter mit einem Brief an Hindenburg heran, in dem sie die Berufung Hitlers zum Kanzler verlangen

 

Sachsen-Anhalt: Von den mehr als dreißig Gemeinden, die es mit etwa 12.000 Juden vor 1933 gegeben hat, werden nach dem Krieg zunächst nur zwei wieder gegründet: Halle und Magdeburg

 

Heydrich, Reinhard  (1904 -1942)

1932 SS-Standartenführer. Heydrich baute den "Sicherheitsdienst des Reichsführers SS" (SD) als umfassenden politischen Nachrichtendienst auf,  der  ab September 1939 eine eigene Behörde in Gestalt des Reichssicherheitsamtes (RSHA) wurde. 1941 wurde Heydrich zum SS-Obergruppenführer und Stellvertretender Reichsprotektor in Böhmen und Mähren. Mit beispielloser Skrupellosigkeit organisierte er die Massenvernichtung der Juden. Seine Ämter, vor allem jedoch die Führung des überall, auch in der Partei gefürchteten SD machten ihn trotz seines relativ jungen Alters zu einem der mächtigsten Männer des NS-Staates.  Er erlag den Folgen eines am 27.5.1942 von Exiltschechen organisierten Attentats. Als Vergeltungsmaßnahme wurde das Dorf Lidice vernichtet.  (shoanet)

 

1920 - 1938

vermehrt sich die jüdische  Bevölkerung Palästinas von 60.000 auf etwa 400.000.

Tel Aviv wächst in 18 Jahren von 1.500 Einwohnern auf 150.000. (M.Feuchtwanger)

 

Siehe auch Quellen- und Literatur-Hinweis